Das Interview Hanix 72: Stiftungen — Ein großer Mehrwert für die Stadt

Das Interview, Hanix 72: Stiftungen — Ein großer Mehrwert für die Stadt

Interview: Hanix
Fotos: Nico Kurth

AGNES CHRISTNER leitet das Dezernat III, zuständig für Bürgerservice, Bildung und Betreuung, Kultur und Sport, öffentliche Sicherheit und Ordnung, Soziales und Gesundheit. Hanix unterhielt sich mit der Bürgermeisterin über das bürgerschaftliche Engagement in Heilbronn. Ist es in Zeiten unterschiedlicher Herausforderungen immer noch ausgeprägt? Wie wichtig ist es für die Stadt?

Hanix: Wie wichtig sind bürgerliche Stiftungen und bürgerschaftliches Engagement für die Stadt Heilbronn?

Agnes Christner: Für mich elementar wichtig und für eine Stadtgesellschaft unverzichtbar: Demokratie braucht Beteiligung und Übernahme von Verantwortung. Die Bereitschaft, sich einzubringen ist bei den Heilbronnerinnen und Heilbronnern hoch. Dafür bin ich gerade in meinem Aufgabenbereich außerordentlich dankbar, das gilt nicht nur für Bildung und Kultur, sondern genauso für den Sport und das soziale Miteinander in unserer Stadt. Das hat sich zum Beispiel gezeigt, als wir in der Stadt 2015 vor der Herausforderung standen, sehr viele Flüchtlinge aufzunehmen. Das wurde in der Bevölkerung durchaus kritisch begleitet, aber wir haben trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen ein großartiges Unterstützungsangebot der Bevölkerung erfahren. Ein gelungenes Beispiel für eine aktive Beteiligung quer über alle Alters- und Bevölkerungsgruppen.

In einer Zeit der Flexibilität und Internationalisierung ist für die Menschen zentral, dass man Arbeitsplätze in verschiedenen Städten im In- wie im Ausland findet. Entsteht da nicht wegen dieser Flexibilität ein zunehmendes Desinteresse an der Kommune, in der ich im Moment gerade lebe und arbeite; es wird ja eine weitere Kommune geben, eine dritte?

Ich denke, dass Menschen auch in einer globalisierten Lebensweise nach Möglichkeiten suchen, sich zugehörig zu fühlen. Die Zugänge, Motive und Erwartungen ändern sich, eher weg vom klassischen Engagement, etablierten Angeboten und Organisationen mit Mitgliederstrukturen hin zu mehr Selbstgestaltung und Flexibilität. Für ein konkretes, zeitlich befristetes Engagement lassen sich auch junge Menschen, die nur eine begrenzte Zeit in unserer Stadt leben, gewinnen und begeistern. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten.

Wir haben verschiedene Formen von Kulturen, verschiedene Formen von Selbstverständnis der Einzelnen im öffentlichen Raum. Kann man noch von einer bürgerlichen Gesellschaft, oder von einer bürgerlichen Gesellschaftsschicht sprechen, wo doch immer mehr Bevölkerungsumsatz stattfindet? Ist die damit verbundene Diversifikation der Interessen der Menschen, die hier leben, noch unter einen Hut zu bringen mit dem Wort »Bürger und Bürgerinnen«?

Ich würde statt bürgerlicher Gesellschaft lieber von bürgerschaftlicher bzw. von Bürgergesellschaft sprechen. Natürlich gibt es in Heilbronn wie in allen Städten eine große Vielfalt, unterschiedliche Milieus, die sich auch in ihrer Bereitschaft, sich für die Gesellschaft einzubringen, unterscheiden. Andererseits gibt es beispielsweise beim Stellenwert von Bildung, Erziehung, Wissen eine hohe Übereinstimmung über alle Bevölkerungsgruppen hinweg. Die Akzeptanz der gesamten Bürgerschaft zu erreichen und deren Kompetenz und Ressourcen zum Wohl der Stadtgesellschaft zu nutzen ist daher für die Stadt wichtiger denn je — auch wenn mit einer zunehmenden Diversität die Zugänge zu den Menschen nicht einfacher werden und wir nicht mehr alle mit derselben Ansprache erreichen. Wir brauchen neue Konzepte und Strategien, um Impulse zu geben für ein gemeinsames Bewusstsein einer aktiven Bürgerschaft.

Bedeutend sind für die Stadt Stiftungen wie die Christoph Reinwald- und Ernst Franz Vogelmann-Stiftung, die Paul und Anna Göbel Stiftung, die Dieter Schwarz Stiftung. Wie wichtig ist deren Arbeit? Welche Pläne hat die Stadt mit diesen verschiedenen Stiftungen aus Sicht des Gemeinderates?

Das Engagement der Stiftungen und einzelner Spender trägt beispielsweise durch die Experimenta, den Bildungscampus, die Kunsthalle Vogelmann und des Otto Rettenmaier Haus der Stadtgeschichte zur Strahlkraft unserer Stadt bei und ist eine große Bereicherung für das Stadtbild und das Leben in unserer Stadt. Neben den genannten Stiftungen leisten auch zahlreiche weitere Stiftungen unterschiedlicher Größe sowie die von der Stadt selbst verwalteten 25 Stiftungen einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl. Eine Besonderheit ist dabei die Heilbronner Bürgerstiftung als lokaler Motor gesellschaftlichen Zusammenhalts. Mit vielen Stiftungen verbindet uns eine kontinuierliche und häufig längerfristige Zusammenarbeit im gemeinsamen Bestreben, Lösungen für die komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu entwickeln. Für den Gemeinderat sind nach meiner Wahrnehmung Stiftungen wichtige Unterstützer bei der Gestaltung einer lebenswerten Stadt.

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