Das Interview, Hanix 81: Leerstand ist asozial!

Das Interview, Hanix 81: Leerstand ist asozial!

Interview: Hanix
Foto: Nico Kurth

Derzeit wird überall im Land nach bezahlbarem Wohnraum gesucht. Und das heißt im Klartext: Neubaugebiete ausweisen, soviel wie irgend möglich. Doch sind angesichts eines Flächenverbrauchs von 76 Fußballfeldern (pro Tag) in Deutschland noch mehr Einfamilienhäuser wirklich die richtige Antwort auf die Wohnungsnot?

Der Geograph Stefan Flaig vom Beratungsunternehmen Ökonsult aus Stuttgart (stellvertretender Landesvorsitzender des BUND) sagt: Nein! Er beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die kommunale Siedlungsplanung. Ein Hanix-Interview zum ungebremsten Flächenfraß.

Hanix: Herr Flaig, wenn ich bei uns in der Region durch die Städte und Dörfer fahre, dann stelle ich immer wieder fest: Es ist ein Riesenwunsch nach Einfamilienhäusern da. Doch die Baugebiete reichen nicht. Die Bürgermeister sagen, die jungen Familien ziehen uns deshalb weg. Ein Sechser im Lotto ist nichts gegen einen Bauplatz für ein Einfamilienhaus. Deshalb braucht es dringend neue Baugebiete. Aber Sie sagen, nein, die braucht man nicht. Warum nicht?

Stefan Flaig: Sie haben es richtig angesprochen: Einfamilienhäuser. Wir haben aufgrund des demographischen Wandels nachweislich in allen 1100 Kommunen in Baden-Württemberg im Bestand mehr als genug Einfamilienhäuser für alle jungen vermögenden Familien. Das kann man relativ leicht ausrechnen: Bei der Bevölkerungsvorausrechnung — nach Altersgruppen unterteilt — sieht man, dass die Alten, vor allem die Babyboomer-Generation der Sechziger, deutlich gegenüber den jungen Familien in der Mehrzahl sind und sein werden. Und viele von den jungen Familien können sich ein Einfamilienhaus gar nicht leisten. Die für die Zukunft benötigten Ein- und Zweifamilienhäuser sind alle schon gebaut! …

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