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Content:
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Nº 31 2014 IM GESPRÄCH: UNSER HEILBRONNER LIEB- LINGSKÜNSTLER STEFAN DITTRICH IST NACH BERLIN GEZOGEN, UM SEIN GLÜCK ZU FINDEN – SEINE FREUNDIN SPRACH MIT IHM FÜR UNS ÜBER SEINE BRANDNEUE SOLO-CD AUSSERDEM: FORMULA STUDENT AM HOCKENHEIMRING, KRIMI- AUTORIN HENRIKE SPOHR, BURGER 53, BRIEF AN DIE HEIMAT AUS GEORGIEN, NICOLAI KÖPPELS VATER- KOLUMNE, JUNGWINZERN, DEM BIERKRUG, U. V. M.

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2011 M R Z 2012 2012 2013 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE 2011 2012 2012 2013 2011 2012 2013 IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD KUNSTREGION: DESIGN IKONEN 9. MAI HANIX PRÄSENTIIERT »MASHED POTATOES« IM MOBILAT: LIVEBANDS, LESUNG & DJ MIT KAÉLA, WUNDERBARE KATZE, NICOLAI KÖPPEL & ASHLEY AAMES aktuelle Informationen zum Kometen Ison 2013 2011 2012 JULI 2012 2012 2013 JUNI JULI 2013 IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. 2013 2012 2012 2013 2013 „FOREVER YOUNG“ ALPHAVILLE Nº1 E N E R G I E DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR B I L D U N G BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST Nº1 Nº2 Nº2 teilt, eilt, Nº3 IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN weilt, heilt. Z E I T VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANT- WORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN Nº4 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBER- BÜRGERMEISTER EXKLUSIV IM INTERVIEW: HELMUT HIMMELSBACH 1899 HOFFENHEIM-COACH IM GROSSEN INTERVIEW HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND URBAN-ART: KÜHE MELKEN. DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR GEFÄHRLICHER EINSATZ: SORGT MIT SEINER DER HEILBRONNER URBANEN KUNST FÜR MATTHIAS MARQUART HAT AUFMERKSAMKEIT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES DER KÜHLSCHRANK VON...: LAND VORGEFUNDEN. PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. A R M U T R E B E L L I O N Nº3 Nº4 Nº5 Nº5 Nº6 Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO – GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WOR- AUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE – MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL – MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPER- TEN AUS UNTERGRUPPENBACH INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK Nº6 Nº7 Nº7 HIER SIND DIE Nº4 Ausländerä Nº8 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRSITOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIK- MUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. Nº8 INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT STEFFEN MÖLLER. ER IST IN POLEN EIN STAR. WIR SPRACHEN VOR DER EM MIT DEM MULTITALENT ÜBER TIPPS FÜR POLENREISENDE UND PILZESAMMELN. MUSIKKOFFER: BARONS UP! FELIX VON RACKNITZ VER- ANSTALTET IM SCHLOSS HEINSHEIM ANSPRUCHS- VOLLE KONZERTE UND STEHT IN JAGSTHAUSEN BEI DEN BURGFESTSPIELEN AUF DER BÜHNE. Nº9 JUNI FUSSBALL HIER GEHT‘S ZUM QUIZ! MACHER IM UNTERLAND: MARIJO MARIC WIRD NICHT NUR TRAINER DES NEUGEGRÜNDETEN FC UNION HEILBRONN. ER BETREIBT AUCH EINE FUSSBALLSCHULE. HÄLDENRENNEN BEI BRETZFELD: DIE OFFIZIELLE SKATE- BOARD-DOWNHILL- MEISTERSCHAFT IN EINDRUCKSVOLLEN FOTOGRAFIEN INTERVIEW DES MONATS: MUSEUMSDIREKTOR DR. MARC GUNDEL IM GESPRÄCH BRIEF AN DIE HEIMAT: AUSWANDERER MICHAEL MÜLLER KEHRT AUS SÜD- AFRIKA IN DIE LÖWEN- STEINER BERGE ZURÜCK Nº9 Nº10 Nº10 KINDER Nº11 Nº12 Nº13 2012 Nº14 Nº15 KULTURBEUTEL: EIN SNEAKER-FACHGEPLÄNKEL KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS ECHNIKMUSEUM SINSHEIM EM ROLLER EINE SONDERAUS- STELLUNG. ESSEN & TRINKEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT MIT MÄNNERN, DIE MEHR SCHUHE ALS IHRE FRAUEN BESITZEN. INTERVIEW DES MONATS: THOMAS STROBL ÜBER SEINEN SCHWIEGERVATER, JUNG- SOZIALISTEN UND ELEKTROBEATS KUNSTREGION: DAS »FALSCHE HASENMAHL« & DIE »TO BE SUPPOSED TO DO SOMETHING«-AUSSTELLUNG IM FOTOGRAFISCHEN RÜCKBLICK SCHAFFE, SCHAFFE HÄUSLE BAUE! IM GESPRÄCH: OTTFRIED FISCHER DER PRACHTBAYER ERZÄHLT DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN FANS DES FC BAYERN UND 1860 MÜNCHEN UND ERKLÄRT WIESO BAD TÖLZ NICHT ZU ÖSTERREICH GEHÖRT, WIE ES HEC-FANS IMMER MEINEN EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS COSTA RICA SEGELFLIEGEN IN DER REGION IM GESPRÄCH: ULRICH KIENZLE DER JOURNALIST A. D. ÜBER SEIN INTERVIEW MIT SADDAM HUSSEIN UND DIE GEMEINSAM- KEITEN VON SCHWABEN UND ARABERN STUTTGART STAMMHEIM: EINE FOTOSTRECKE HINTER GITTERN WIRTSCHAFT PIERRE GATTINGER ERZÄHLT DIE GESCHICHTE DES MOBILAT-CLUB HEILBRONNS THEATERINTENDANT AXEL VORNAM KENNT SEIN ERFOLGSGEHEIMNIS NICHT IM GESPRÄCH: TED BAUER DER HEILBRONNER VERTRITT JAMES GILL, EINEN DER GRÖSSTEN POP-ART-KÜNSTLER UNSERER ZEIT RIDERS ON THE STORM: DJ ASHLEY AAMES VERANSTALTET DIE BESTEN DRUM´N´BASS-PARTYS DER STADT JUGEND BABEL WORLD: DER CHINESE DU ZEHNJUN STELLT BABELARTIGE STADTLANDSCHAFTEN IM ZKM-KARLSRUHE AUS Nº11 Nº12 Nº13 Nº14 Nº15 Nº16 MÄRZ Nº17 APRIL Nº18 Nº19 Nº20 IM GESPRÄCH: HEC-KAPITÄN LUIGI CALCE ÜBER SEINE DEUTSCHLAND-TOUR, ERNST RUPP UND VERLETZUNGEN MUSIKKOFFER: YEN STEHEN VOR DEM DURCHBRUCH - EIN BAND-PORTRAIT HANDARBEIT AROUND THE WORLD: DER HEILBRONNER PATRICK ORTWEIN BLICKT AUF ÜBER EIN JAHR WELTREISE ZURÜCK IM GESPRÄCH: SCHAUSPIELERIN ALEXANDRA KAMP ÜBER BEKNACKTE SONGTEXTE, OHRWÜRMER UND BERLIN KUNSTREGION: WUNDERBARE SCHWARZ- WEISS FOTOGRAFIEN VON ROBERT HÄUSSER WOHLFÜHLEN HERRENWAHL: NICOLAI KÖPPEL ERINNERT SICH AN SEINE ERSTEN TANZSCHRITTE ZURÜCK AUTO NECKAR: MIT TEXTEN VON MARK TWAIN UND HANS CHRISTIAN ANDERSEN IM GESPRÄCH: STEFAN KUNTZ ÜBER DAS DFB-POKALSPIEL DES 1. FC KAISERSLAUTERN GEGEN NECKARSULM KUNSTREGION: STREET ART AUS BERLIN UND SHAOLIN MÖNCHE Nº16 Nº17 Nº18 Nº19 Nº20 Nº24 Nº23 IM GESPRÄCH: TOMISLAV MARIC ÜBER SEIN CO-TRAINER DASEIN BEIM VFB STUTTGART, DEN UNSINN IM FUSSBALL ZU PLANEN UND BERUFSVERKEHR AUF DER A81 IM GESPRÄCH: EX-GREENPEACE-CHEF GERD LEIPOLD UND SCHAUSPIELR WALTER SITTLER ÜBER IHR BUCH "ZEIT, SICH EINZUMISCHEN" KUNSTREGION: HEILBRONNER MUSEEN IM ZEICHEN DES TURMES MEINE PLATTENKISTE: SARAH HORNSBY MAG ES ROCKIG, FOLKIG UND MELAN- CHOLISCH BRIEF AN DIE HEIMAT: DIESMAL AUS KOPENHAGEN HIMMEL FOTOSTRECKE: CANCUN MEXICO - AM RANDE DES TOURISMUS Nº21 Nº22 Nº23 Nº24 Nº25

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MÄRZ 2014 IM GESPRÄCH: EX-PROFI ANKE HUBER IST SPORTLI- CHE LEITERIN DES PORSCHE TENNIS GRAND PRIX IN STUTTGART. WIR TRAFEN DIE EHEMALIGE NUMMER 4 DER WELT, UND SPRACHEN ÜBER EXTRAVAGANTES INTERIEUR IHRES ERSTEN PORSCHE, DIE LUSTLOSIG- KEIT INTERVIEWS ZU GEBEN UND WIE SIE DIE AKTUELLEN SPIELERINNEN DOCH DAZU ÜBERREDET. APRIL 2014 AUSSERDEM: WHO THE FUCK SIND »WHO THE FUCK«?, STREETPHOTOGRAPHY AUS NEW YORK, EINE STEILGEHENDE HEILBRONNER FACEBOOK- GRUPPE, GLOCKEN-GIESSEN, EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS AUSTRALIEN, EINE HEILBRONNER ABITURKLASSE VON 1922 UND VIELEM MEHR … 2014 2014 Nº26 Nº27 Nº28 Nº29 JUN/JUL IM GESPRÄCH: TV-MODERATORIN UND AUTORIN KATRIN BAUERFEIND ÜBER ZEUGEN JEHOVAS, SCHWÄBISCHE LIEBLINGS- WÖRTER UND RAUCHERCAFÉS IN HEILBRONN t HEMEn SCHWERPunkt: Marketing STADTOBERHAUPT KULTURBEUTEL: MUSIKKOFFER: RALPH UND ALEXANDRA MUNZ ROCKSTAR UND FUSSBALLFAN ÜBER DIE BEVORSTEHENDE THEES UHLMANN ÜBER SEINE SCHLIESSUNG DES HIP ISLAND, LIEBE ZU ST. PAULI, EINEN STECKER ZIEHENDE BÜRGER- GUTEN RUF IN SCHLECHTEN MEISTER UND IHRE STRANDBAR KREISEN UND OMAS AN DER ALS WAHLKAMPFTHEMA SUPERMARKTKASSE Studieren IM GESPRÄCH: DIE WaHlHaMbuRGERIn CÄtHE touRt ab FEbRuaR DuRCH DEutSCHlanD. WIR SPRaCHEn voRab MIt DER SÄnGERIn übER SCHIzo- PHREnIE, anStREnGEnDEn PERFEktIonISMuS unD DaS anGEkoMMEnSEIn auSSERDEM: lECkERE buRGER, EInblICk In EInE MoSCHEE, FotoauS- StEllunG von lauREnz bERGES, MEtIn FRoGt naCH, HEIlbRonnER FIFFIS, EIn bRIEF auS MExICo, knoRR- FuHRPaRk von 1905 unD vIElEM MEHR Nº26 Nº27 Nº28 Nº29 Nº30

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Das HANIX-»Best-of«-Magazin mit dem Besten der Ausgaben 1 bis 25 Gedruckt in einem Etablissement in deiner Nähe! Oder einfach bestellen unter: info@hanix-magazin.de

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EDITORIAL »Das Wasser ist des Ochsen Kraft, der Mensch trinkt Wein und Gerstensaft. Drum stoß ich an mit Bier und Wein, wer möchte schon ein Ochse sein.« (unbekannt) Liebe Leserinnen, liebe Leser, schon der Volksmund dreht es sich, wie er es braucht, wenn es um den Verzehr von Wein und Bier geht. »Bier auf Wein, das muss sein. Wein auf Bier, das rat` ich dir.« Oder umgekehrt? Diese Ausgabe widmen wir den Leib- und Seele-Getränken der Region. Wir waren auf Hausbesuch bei der Distelhäuser Brauerei, die in diesem Jahr zur Brauerei des Jahres gekürt wurde. Außerdem haben wir Willi in seiner ehrlichen Kneipe, dem Bierkrug, besucht und erfahren, dass Willi es als schlechte Reklame empfindet, wenn Willis Gäste nüchtern sein Etablissement verlassen. Zum Tischgespräch in unserer Redaktion hatten wir zwei Jungwinzer, Tobias Heinrich und Alexander Bauer, sowie Bierbrauer Thomas Wachno, alle aus der Region stammend, geladen. Bei Bier, Wein, Käse und Wurst wurde angeregt über Braukunst, Betriebsübernahmen, Praktikas in Übersee und unerotische Weinflaschen und vieles mehr rund um Wein und Gerstensaft gesprochen. Otto Geisel ist öffentlich bestellter Weinsachverständiger. Er schreibt für den Gault Millau und hat den Studiengang »Food Management und Kulinaristik«, der jetzt in Heilbronn an der DHBW beheimatet ist, initiiert. Wir interviewten den Feinschmecker zu seinen Wein-Tätigkeiten. Unser Lieblingskünstler Stefan Dittrich ist Anfang des Jahres nach Berlin gezogen, um sein Glück zu suchen. Nun hat er eine neue CD herausgebracht und eine Ausstellung mit seinen Gemälden wird es auch bald geben. In unserem Interview des Monats haben wir Stefan zu seinem neuen Tonträger, seinem Leben in Berlin und OpenStages befragt. Jedes Jahr findet auf dem Hockenheimring die Formula Student statt. Mit dabei sind auch Neckarsulmer Audianer. Autor Florian Damaschke und Fotograf Patrick Labitzke waren auf der Rennstrecke. Der Brief an die Heimat erreicht uns diesmal aus Georgien, wo Mikey Mai seinen Urlaub auf dem Fahrrad verbrachte, und sich in das Land verliebte. Auch wenn Radtouren bei 35 Grad im Kaukasus eher wenig Spaß machen. Autor Nicolai Köppel beglückt uns diesmal nicht nur mit seiner obligatorischen Vaterkolumne, sondern auch mit einem schwäbischen Weinkrimi, Globetrotter Patrick Ortwein liefert, nach der Einleitung in der letzten HANIX-Ausgabe, nun den ersten Teil seines Venezuela-Dreiteilers. Ihren Debütroman hat die Heilbronnerin Henrike Spohr herausgebracht. Wir befragten die Autorin zu ihrem Psycho-Drama »Heilbronn 37°« und das schlechtes Fernsehprogramm für die Entstehung der Geschichte verantwortlich ist. Viel Spaß und guten Durst mit der 31. HANIX-Ausgabe. Zur Mitte, zur Titte, zum Sack, zackzack. Die HANIX-Redaktion Willi will betrunkene Gäste in seinem Bierkrug: Willi liebt seinen Bierkrug und hat eine Menge an Geschichten rund ums Dasein eines Bierkneipiers zu erzählen. Neue CD von Stefan Dittrich: Heilbronn durstet nach Schönheit, Stefan Dittrich schrieb einen Song darüber, drehte ein Video dazu und zug nach Berlin. Nun erscheint seine neue CD. Seine Freundin sprach für uns mit ihm.

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BEDIENUNG DES MAGAZINS Nº30 2014 NAHERHOLUNG & TOURISMUS IM GESPRÄCH: FUSSBALLTRAINER RÜDIGER REHM IST MIT GROSSASPACH IN DIE 3. LIGA AUFGESTIE- GEN. WIR SPRACHEN MIT DEM EX-PROFI ÜBER AK- RIBISCHES ARBEITEN, DEN FUSSBALLLEHRER LEHRGANG UND DRESDENER FAN-MOBS NAHERHOLU & TOURISM AUSSERDEM IM MAGAZIN: DIOTIMA OPEN AIR, KURZ- FILM FESTIVAL IM MOBILAT, ASPHALT PIRATES, EL MA- REES, GESCHICHTEN AUS VENEZUELA, WM-EUPHORIE, DEM HISTORISCHEN FLUSS- BAD IN HORKHEIM UND GANZ VIEL NAHERHOLUNG

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon, ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: SHOP -> MAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

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INHALT HANIX Nº31 ASHLEY AAMES MEINE PLATTENKISTE SONNENBLUMEN HEIMATLIEBE WIE IST PUTIN? RUSSLAND REPORT Der Drum`n`Bass-DJ und Veranstalter hat kein einziges elektronisches Album in seiner Hitlist. Wir zeigen fotografische Liebesgrüße an und aus unserer Heimatregion. Diesmal mit Backsteinarchitektur, roten Früchten und einem Sonnenblumenfeld. Sharon Tennison arbeitet seit über 30 Jahren in Russland und bereist das Land immer wieder. Die US-Amerikanerin kennt Wladimir Putin sogar persönlich. Ein persönlicher Report. HENRIKE SPOHR KULTURBEUTEL Vor kurzem kam Henrike Spohrs Debütroman »Heilbronn 37°« heraus. Wir sprachen mit der Heilbronnerin über schlechtes Fernsehprogramm, die lange Suche nach einem Verlag und ihre Schreibrituale in ihrer Küche. FORMULA STUDENT SPORTTASCHE Studenten ackern, machen Überstunden neben der Uni, entwickeln Leichtbauteile und Akkukästen, wie sie in keinem Serienfahrzeug zu finden sind. All das, um mit eigens konstruierten Rennwagen auf dem Hockenheimring mächtig Eindruck bei den Ingenieuren der großen Autohersteller zu schinden. IM GESPRÄCH: STEFAN DITTRICH INTERVIEW DES MONATS Stefan Dittrich ist Anfang des Jahres nach Berlin gezogen, um sein Glück zu suchen. Nun hat er eine neue CD herausgebracht und eine Ausstellung mit seinen Gemälden wird es auch bald geben. Seine Freundin quetschte den Stefan für uns aus.

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14 - 17 STORYTELLER & MOTORMAN RUN STADTLEBEN / LANDLEBEN 76 – 125 BIER & WEIN TITELTHEMA »Heute Abend woll´n wir trinken Bier und Wein, ein Hochgenuss In die Knie woll´n wir sinken Doch es ist nicht zum Verdruß Lalalalalalala... « (Aus »Metusalied« von Metusa) SABA GHALIB HEILBRONNER STUDIS HINTER DEM MOND VATERKOLUMNE 54 - 57 BURGER53 & S´KISTLE MITTAGSTISCHTEST COOL PLACE. SAMMLUNG SCHARPFF KUNSTREGION BERLIN, BERLIN SPIEGELREFLEX GEWINN MAL WIEDER! QUIZ TIFLIS, GEORGIEN BRIEF AN DIE HEIMAT EINE KULTURREISE DURCH VENEZUELA – TEIL 1 AROUND THE WORLD Globetrotter Patrick Ortwein schreibt über seine aktuelle Wahlheimat Venezuela. Eine Kulturreise in drei Teilen. GRUPPENPORTRÄT, PRAG 2008 VIA ARCHIV LESERBRIEFE & IMPRESSUM ÜBER UNS WEINDORF, 1971 HISTORISCHER SCHUSS VERANSTALTUNGEN SEPTEMBER VERANSTALTUNGSKALENDER

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DAS HANIX TEAM WIESO? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. MARCEL KANTIMM HERAUSGEBER, KOORDINATION & SOCIAL MEDIA Heilbronn ist besser als sein Ruf und hat deshalb dieses Magazin verdient. WAS IST HANIX? Das multimediale Magazin für die Region Heilbronn – für Leser, die interessiert, kulturell aufgeschlossen und neugierig auf einen alternativen Blick auf Stadt-, Landkreis- und Szenekultur sind. WER MACHT HANIX? Heilbronner Medien- und Kulturschaffende, die ihre Erfahrungen u. a. in Berlin, München, Stuttgart oder Hamburg gesammelt haben und nun etwas in ihrer Heimat bewegen wollen. WAS WILL HANIX? Das multimediale Magazin für Leute und Gesellschaft der Region Heilbronn will mit spannenden, unterhaltsamen und informativen Beiträgen die regionale Medienlandschaft bereichern. SARAH BAUDENBACHER MEDIABERATERIN Ich bin hier geboren und finde es schön, die Stadt und ihre schwäbische Toskana mal ein wenig zu beweihräuchern. HANIX zeigt Heilbronn von einer anderen Seite.

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STEVEN ZULEGER VIDEO MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA FILM & IDEE RAFAELA JECKLE REDAKTION MEHMET FILIZ FOTO So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION LISA HOFMANN GRAFIK Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar – die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Ich liebe diese Stadt und bei allem was Heilbronn schöner macht bin ich dabei. SARAH FISCHER FILM & SCHNITT JOSHUA ENDRESZ KOLUMNIST LEO VOLLAND ILLUSTRATION Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Ich schreibe für's HANIX weil ich jedem meine Meinung sagen will. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit – und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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SASCHA WARTHA REDAKTION PHILIPP SEITZ SOUND ULLA KÜHNLE FOTO Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. KRIS RAMPMAIER VIDEO MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO HARALD RIEGG REDAKTION Videos zu machen ist keine Zauberei, sondern meine Leidenschaft. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTLEBEN: SEPTEMBER 2014 STORYTELLER FOTOWETTBEWERB Die Städtischen Museen Heilbronn veranstalten bis zum 12. September den Fotowettbewerb »StoryTeller – ein Teller voll Geschichten«. Dabei geht es um die spannende Frage: Was essen wir? Aus welchem Land kommt unser liebstes Gericht? Während letzten Sommer bei der prämierten Fotoaktion »Zeig‘ uns Heilbronn durch die Augen von Feininger« architektonische und atmosphärische Stadt- und Landschaftsaufnahmen entstanden, dreht sich dieses Jahr alles rund um das Thema Essen und Esskultur. Den Rahmen schafft die ab dem 18. Oktober im Museum im Deutschhof zu sehende Kinder-Mitmach-Ausstellung »ISS WAS?!« Bis zum 12. September kann jeder Food-Interessierte sein bestes Tellergericht fotografieren und per Mail an storyteller@stadt-heilbronn.de senden. Die schönsten Leckereien werden bei dem Gewinnspiel »Tellerjagd« vom 11. Oktober bis zum 29. November in ausgewählten Heilbronner Innenstadtgeschäften gezeigt. Eine Idee, die gemeinsam mit der Stadtinitiative Heilbronn realisiert wurde und Teile der Heilbronner City zu einem Parcours macht. Wer auf »TellerJagd« gehen möchte, bekommt nützliche Tipps in dem interkulturellen Ausstellungsbereich »Was isst die Welt?!« im Museum im Deutschhof. Eine große Weltkarte verrät dort, welche Länder ihr kulinarisches Pendant suchen – so findet nicht jeder Topf seinen Deckel, sondern jeder Teller seine Nationalflagge. Gewinnspielkarten sind in den teilnehmenden Läden und im Museum im Deutschhof erhältlich. Preise gibt’s auch! Mehr Infos zum Wettbewerb und zur Ausstellung unter: http://www.museen-heilbronn.de/museum/

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Unsere großen Gewächse aus Baden-Württemberg. Erleben Sie die Faszination Porsche bei uns im Porsche Zentrum Heilbronn. Wir freuen uns auf Sie. Porsche Zentrum Heilbronn PZ Sportwagen Vertriebs-GmbH Stuttgarter Straße 111 74074 Heilbronn Tel.: +49 7131 5034-200 Fax: +49 7131 5034-220 www.porsche-heilbronn.de Porsche Modelle (ohne Plug-in-Hybrid-Modelle) Kraftstoffverbrauch (in l/100km): kombiniert 12,4-6,1: CO 2 -Emissionen: 289-159 g/km; Plug-in-Hybrid-Modelle: Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): kombiniert 3,4-3,0; CO 2 -Emissionen:79-70-g/km; Stromverbrauch: kombiniert 20,8-12,7 kWh/100 km

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LANDLEBEN: SEPTEMBER 2014 MOTORMAN RUN IN NEUENSTADT - DER HÄRTESTE LAUF BADEN-WÜRTTEMBERGS Beim Motorman Run in Neuenstadt kann man der harte Junge oder das taffe Mädchen sein, der oder die man früher immer sein wollte, wenn in der Flimmerkiste Private James T. Davis (Full Metal Jacket) oder Jordan O,Neil (G. I. Jane) das brutale Ausbildungsprogramm der US Navy Seals durchlitten. Am 13. September blüht den Teilnehmern des »härtesten Laufs Baden-Württembergs« sich heldenhaft und mit schmerzgeplagtem Gesicht durch Schlammlöcher zu robben, meterhohe Hindernisse zu überwinden und den Körper an die Grenze des Erträglichen zu quälen. Die anspruchsvolle Strecke geht über zwei Runden je acht Kilometer mit jeweils 30 Hindernissen. Die »Motorman Run«-Veranstalter um »Gunnery Sergeant« Stefan Rüdele (31) lassen jedes Jahr ihrer sadistischen Phantasie freien Lauf, damit das Laufmartyrium von Jahr zu Jahr härter und qualvoller wird. Egal ob Wald, Wiese, Acker oder Bachlauf: Für Abwechslung ist auf der Strecke gesorgt. Als Highlight geht es mitten durch das Stadtzentrum von Neuenstadt. Als Läufer sollte man sich nicht die Blöße geben, hier aus dem Rennen auszusteigen. Nirgends auf der gesamten Strecke ist das Gespött der Zuschauer und deren Belustigung größer. Vorbild des Motorman Run ist das »Tough Guy Race« im britischen Wolverhampton, das als härtestes Rennen der Welt gilt. Trotz all der Qualen und Gespötts: Spaß macht der Motorman Run auch ein bisschen. Sonst würden kaum so viele Läufer teilnehmen. In diesem Jahr sind es bereits 1500 Teilnehmer (Stand 19. August 2014). Bei 1800 Anmeldungen ist die Teilnehmerobergrenze erreicht.

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Bitte leuten w w w . c r o s s m e d i a e x p e r t s . d e

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MEINE PLATTENKISTE: ASHLEY AAMES PROTOKOLL: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KÜHNLE ASHLEY AAMES: »MUSIK DARF MICH AUCH MAL SCHEISSE DRAUFSCHICKEN« Als DJ steht Ashley Aames nahezu jedes Wochenende hinter den Turntables der süddeutschen Clubs und gibt seine Definition von »Drum and Bass«-Musik zum Besten. Das Mitglied der berüchtigten ME2YOU-CREW mit Ihrer »E-Scalation«- Radioshow veranstaltet alle acht Wochen die »RIDERS ON THE STORM«-Events im Heilbronner Mobilat und bezeichnet gute Musik als Soundtrack des eigenen Lebens. Auf der Suche nach seinen Lieblingsalben, musste er sehr schnell feststellen, dass es unmöglich ist, sich auf DIE fünf besten Alben festzulegen. Aber er fand zumindest fünf Alben, die ihm sehr wichtig sind. Elektronische Werke haben es zu unserer Überraschung nicht in seine Top Fünf geschafft.

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MEINE PLATTENKISTE: ASHLEY AAMES ANGUS & JULIA STONE – DOWN THE WAY Ich liebe Folkmusik. Und dafür verantwortlich ist das australische Geschwisterpaar Angus & Julia Stone. Ich höre diese Musik und die Freiheit, nach der ich mich sehne, gelangt in meinen Kopf und verändert binnen Minuten meine Stimmung. Durch den Titel BIG JET PLAIN bin ich auf die beiden aufmerksam geworden. Falls jemand handgemachte und zutiefst melancholische Musik zu schätzen weiß, gelegentlich Lust auf ein Lagerfeuer im Kopf verspürt, dann kann man sich jedes ihrer Alben reinziehen. Meinen Kopf hat es geöffnet und mein inneres Gleichgewicht nachhaltig verbessert. PLACEBO – MEDS Die aus London stammende Alternative-Rock-Band PLACEBO spielt auch eine gewichtige Rolle in meinem Soundtrack des Lebens. Ob BLACK MARKET MUSIC, SLEEPING WITH GHOSTS oder das BATTLE FOR THE SUN Album. Die enorme Anzahl ihrer Stücke, die mich berühren ist schon bemerkenswert. Bei Ihrem Konzert der »SOULMATES NEVER DIE«-Tour in Paris, das auch auf DVD erschienen ist, coverten Sie WHERE IS MY MIND? von den PIXIES. Ich glaube tief im Unterbewusstsein hätte ich keiner anderen Band gestattet, diesen Track zu spielen. THEES UHLMANN – THEES UHLMANN THEES UHLMANN gehört für mich ebenso wie zum Beispiel BOSSE zu der Riege der deutschen Künstler mit dem Prädikat »besonders wertvoll«. Zum einen steht sein Sound, qualitativ höchst wertvoll und harmonisch mit einem gewissen alternativen Touch. Zum anderen die dazugehörigen Texte, die einerseits in ihrer simplen und leicht zu greifenden Art ein Schmunzeln hervorrufen und mich auf der anderen Seite emotional packen und mitschleifen. Dazu die eigenen, wenn auch melancholischen Gefühle hervorrufen und verstärken. Dank THEES UHLMANN kann ich behaupten, dass mich Musik auch gerne mal scheiße draufschicken darf. THE DOORS – THE DOORS Wer meine Aktivitäten rund um meine »Drum and Bass«- Aktivitäten im Mobilat verfolgt, dem fällt auch auf, dass ich abseits vom Titel immer wieder typische »DOORS«- Themen einfließen lasse. Das liegt einzig und allein daran, das mich THE DOORS wie kaum eine zweite Band inspiriert und in ihren Bann zog. Als Jugendlicher für mich während eines Aufenthalts in den französischen Weinbergen entdeckt, bedeuteten THE DOORS fortan für mich, dass ich mich verstanden gefühlt habe. Die tiefgründige Zerrissenheit ihrer Texte wie auch ihrer Musik boten mir für einige Zeit ein emotionales Zuhause. AC/DC – LET THERE BE ROCK Schon als kleiner Junge wurde ich dank meines Vaters mit dem »Bon Scott«-AC/DC-Sound der 70er geimpft. Bis zum tragischen Tod des charismatischen Frontmannes war diese Band das Nonplusultra harter Gitarren- Rock-Bands. Es war die einzige Band die von Angriffen der aufkommenden Punk-Bewegung verschont blieb, da man ihr mit ihrem brachialen wie auch unkommerziellen Sound überhaupt keinen Mainstream-Vorwurf machen konnte. Das ging direkt auf die Zwölf. Keine Kompromisse. Anlage aufdrehen und headbangend an diesem rifflastigen Trip teilnehmen. Bon Scott und AC/DC der 70er-Legends.

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HEILBRONNER STUDIS Saba Ghalib war für anderthalb Jahre in Heilbronn, um an ihrem Bachelor zu schrauben. Nun ist sie für ein Jahr weg aus der Stadt, um ein Auslandssemester in Spanien und ihr Praxissemester zu absolvieren. Ihren Studiengang gibt es so nur einmal in Deutschland, weshalb Saba zum Studieren vom Rhein an den Neckar kam. Saba war gerne in Heilbronn, auch wenn Kommilitonen oft über die Stadt gemeckert haben. »MIT DEN RICHTIGEN LEUTEN UND EINER PORTION OPTI- MISMUS, KANN HEILBRONN SPASS MACHEN.« FOTOS: MEHMET FILIZ Name: Saba Ghalib aus Köln Alter: 21 Jahre Hochschule: Hochschule Heilbronn Studiengang: Internationale BWL & Interkulturelle Studien

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»MEIN HEILBRONN« PRÄSENTIERT HEILBRONNER STUDIS: SABA GHALIB »Mein Heilbronn« spendiert jedem teilnehmenden Studenten einen Einkaufsgutschein der Stadtinitiative im Wert von 50 Euro. Du willst mehr über Heilbronn wissen? www.mein-heilbronn.de

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FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION H E I M A T L I E B E FOTOGRAFIEN VON MELI DIKTA

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION KULTPARTY IM ZABERGÄU Seit nun 21 Jahren findet jedes Jahr im Sommer die »Kultparty« statt. Auf einem Acker in der Nähe von Zaberfeld feiert ein schon lange bestehender Freundeskreis in Gedenken an einen ehemaligen Schulfreund, der vor 21 Jahren kurz vor seinem Abi mit dem Motorrad verunglückte. Bis in die Morgenstunden und darüber hinaus ging die Feier Anfang August in diesem Jahr. Und das gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION REISE NACH JERUSALEM? Man könnte meinen, dass das Mädchen alleine mit sich selbst im historischen Heilbronner Deutschhof die Reise nach Jerusalem spielt - ohne Option auf eine Niederlage, bei so vielen Sitzgelegenheiten und keinen Gegnern.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION BREITGEFÄCHERTES ANGEBOT Ein breites Sortiment bot dieser Flohmarktstand. Vom Rucksack in Bundeswehrfarben bis zum Badeanzug mit Model-Konterfei, war vieles dabei.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION TSCHÜß, PAULINE Es gab eine letzte Feier des temporären Clubprojektes PAULINE, die mit einem kleinen innerstädtischen Open Air begann. Und weil das Gebäude demnächst abgerissen wird, hatte auch niemand etwas gegen ein feines PAULINE-Piece.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION CIAO, LA PYRAMID Nach 35 Jahren muss auch das La Pyramid seine Pforten schließen und der Abrissbirne weichen. Im Hinterhof begann schon der Kehraus.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION DIE LETZTEN SONNENSTRAHLEN? Es gab im August viel über das Wetter zu meckern. Dabei war der Sommer insgesamt gar nicht übel in der Region. Der August vernebelte mit seinen Wetterkapriolen aber die Erinnerung. Vielleicht bietet der September ja noch einen goldenen Spätsommer.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION ROTE FRÜCHTCHEN Lange wird es in diesem Jahr keine regionalen Erdbeeren mehr geben. Auf den Märkten in und um Heilbronn werden die übrig gebliebenen Bestände und Ernten der Saison angeboten.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION BACKSTEINROMANTIK Als Altbau-Fan hat man es in Heilbronn schwer. Hauptsächlich prägt 50er- und 60er-Jahre Barock das Innenstadtbild. Die Wilhelmstraße in Heilbronn ist allerdings eine gute Heilbronner Altbauadresse.

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Mehr vom Leben haben. Voll im Plan! Wir machen den Weg frei. Gönnen Sie sich ruhig die schönen Seiten des Lebens. Unsere ganzheitliche, individuelle Beratung und der VR Lebensplaner ® sichern Ihnen mehr finanziellen Spielraum für Ihre Wünsche und Ziele. www.volksbank-heilbronn.de

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION HANIX-Büro Seit diesem Sommer befinden sich die HANIX-Redaktionsräume in der Wilhelmstraße 56. Nun haben wir sogar die Straße schön gemacht bekommen. Wir fühlen uns außerordentlich wohl in unseren neuen Räumlichkeiten.

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HEIMATLIEBE: FOTOGRAFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION NEUER NAME FÜR BAUDENKMAL WIRD GESUCHT Seit Jahrzehnten bröckelt in Heilbronn der Denkmalgeschützte »General- Wever-Turm« vor sich hin. Oberbürgermeister Harry Mergel hat sich nun dazu entschlossen, den Hochbunker auf der Theresienwiese endlich umzubenennen. Seinen Namen erhielt der Turm von der militärischen Nazigröße General Walther Wever. Seit Wochen ist der Turm verhüllt, jetzt wird er eingerüstet, und am 1. September sollen die etwa 100 000 Euro teuren Renovierungsarbeiten beginnen.

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»GECOVERT – SAME SAME BUT DIFFERENT« TEXT: UWE GRAMLICH Die Verpackung spielt in der heutigen Zeit eine immens wichtige Rolle – mehr Schein als Sein. So übten Plattencover auf mich schon immer einen optischen Reiz aus, der auch das Interesse weckte, diesen Inhalt kennenzulernen, was zu mancher Überraschung führte. Als ein besonders gelungenes Beispiel für eine perfekte Einheit von Cover und Musik, ist für mich das Album 'God' von 'Rip Rig & Panic', die allein durch das Motiv der Hülle die ganze Energie, Wildheit und Aggressivität dieser Musik widerspiegelt. Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte hat sich eine unüberschaubare Menge von Covern angehäuft, deren vermeintliche Bandbreite hier als ganz, ganz kleiner Einblick, doch oft nur in einer Wiederholung oder Variation zu sehen ist. Viel Spaß damit.

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MUSIKUSS: GECOVERT – SCHATTEN, FENSTER UND DÄMONEN Carmen 1974 dancing on a cold wind J. J. Cale 1981 shades Richard Vimal 1977 transparences The Overseer 2012 we search, we dig

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MUSIKUSS: GECOVERT – SCHATTEN, FENSTER UND DÄMONEN Emphatic 2013 another life Oceanborn 2013 hidden from the world Secrets 2013 fragile figures Stone Division 2014 six indiffernt places

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MUSIKUSS: GECOVERT – SCHATTEN, FENSTER UND DÄMONEN Digicult 2012 the lucid nation mindwave 2010 awaken Oddland 2012 the treachery of senses Sight Of Emptiness 2013 instincts

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RUSSLAND REPORT: PUTIN TEXT: SHARON TENNISON FOTOS: ARCHIV Sharon Tennison, Präsidentin der CCI, einer amerikanischen NGO, und Autorin (The Power of Impossible Ideas: Ordinary Citizens’ Extraordinary Efforts to Avert International Crises) kannte Wladimir Putin schon, als noch niemand wusste, dass er jemals Präsident Russlands wird. CCI hat fast 7000 russische Unternehmer ausgebildet, die aus mehr als 600 russischen Orten kommen. Viele Tausend haben allein in Russland von den Programmen des CCI profitiert. 25 000 Freiwillige arbeiten bei CCI in 45 US-Bundesstaaten. Wir sind ihr sehr dankbar, Sharon hat uns die Genehmigung zur Veröffentlichung ihres Berichtes in Deutsch erteilt. Ein Insider-Bericht.

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SHARON TENNISON: RUSSLANDREPORT Freunde und Kollegen, seit sich die Situation in der Ukraine verschlimmert, ergießen sich skrupellose Falschinformation und Hype über Russland und Wladimir Putin. Journalisten und Kommentatoren müssen das Internet und Wörterbücher durchkämmen, um für beide mit boshaften neuen Beinamen aufzuwarten. Wo immer ich in Amerika Präsentationen habe, die erste ominöse Frage beim Frage-Antwort-Part ist immer: »Was ist mit Putin?« Es ist an der Zeit meine folgenden Gedanken mitzuteilen: Putin hat offensichtlich seine Schwächen und begeht Fehler. Nach meiner bisherigen Erfahrung mit ihm und den Erfahrungen vertrauenswürdiger Leute, darunter Offizielle der USA, die eng mit ihm über Jahre zusammengearbeitet haben, ist Putin eher ein geradliniger, zuverlässiger und außergewöhnlich einfallsreicher Mann. Er denkt und plant offensichtlich in großen Zeiträumen und hat unter Beweis gestellt, dass er ein ausgezeichneter Analyst und Stratege ist. Er ist eine Führungspersönlichkeit, die still auf ihre Ziele hinarbeitet, unter Bergen von Beschuldigungen und Mythen, die ihm ständig angeheftet wurden, seit er Russlands zweiter Präsident wurde. Ich habe im Stillen das Anwachsen der Dämonisierung Putins beobachtet, seit es Anfang der 2000er Jahre begann – ich grübelte am Computer über meine Gedanken und Bedenken nach, darauf hoffend, sie schließlich in einem Buch zusammenzufassen. Das Buch erklärt meine Beobachtungen gründlicher als dieser Artikel. Wie andere die direkte Erfahrungen mit diesem Mann machten, über den man wenig kennt, habe ich vergeblich versucht zu vermeiden, als »Putin-Verteidigerin« abgestempelt zu werden. Wenn jemand auch nur neutral ist, wird er von den Kolumnisten, der Medienmeute als »nachsichtig mit Putin« betrachtet; und von Durchschnittsbürgern die ihre Nachrichten von CNN, Fox und MSNBC beziehen. Ich gebe nicht vor, eine Expertin zu sein, nur eine Programmentwicklerin in der UdSSR und Russland in den letzten 30 Jahren. Doch in dieser Zeit habe ich weit mehr direkten Kontakt, bodenständigen Kontakt, mit Russen in allen elf Zeitzonen gehabt als jeder der westlichen Reporter oder eigentlich jeder westliche Amtsträger. Ich war lange genug im Land, die russische Geschichte und Kultur zutiefst zu bedenken, ihre Psyche und Verfasstheit zu studieren und die markanten Unterschiede der Mentalität der Amerikaner und der Russen zu verstehen, die die Beziehungen mit ihren Führern so komplizieren. Wie bei Charakteren in einer Familie oder einem Bürgerverein oder einem Rathaus braucht es Verständnis und Kompromisse, um in der Lage zu sein, funktionierende Beziehungen zu kreieren, wenn die Grundbedingungen verschieden sind. Washington war notorisch desinteressiert daran, diese Unterschiede zu verstehen und zu versuchen den Russen entgegenzukommen. Zusätzlich zu meinen persönlichen Erfahrungen mit Putin, hatte ich Diskussionen mit zahlreichen amerikanischen Offiziellen und US-Geschäftsleuten, die jahrelange Erfahrungen aus der Arbeit mit ihm hatten – ich glaube, man kann sicher sagen, keiner würde ihn als »brutal« oder »gewalttätig« beschreiben, oder mit einem der anderen verleumderischen Adjektive oder Substantive die in den Medien des Westens ständig benutzt werden. Ich traf Putin Jahre bevor er überhaupt davon träumte Präsident Russlands zu werden, als viele von uns in den 1990ern in St. Petersburg arbeiteten. Seit die ganze Verunglimpfung startete, war ich beinahe besessen davon, seinen Charakter zu verstehen. Ich glaube ich habe jede wichtige seiner Rede gelesen (inklusive des ganzen Textes seiner jährlichen stundenlangen Telefon-»talk-ins« mit russischen Bürgern). Ich habe versucht festzustellen, ob er sich zum Schlechteren

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SHARON TENNISON: RUSSLANDREPORT verändert hat, seit er zum Präsidenten befördert wurde oder ob er ein geradliniger Charakter ist, in einer Rolle die er nie erwartet hat; der seinen puren Verstand benutzt, um das Beste zu versuchen, wenn er mit Washington unter extrem schwierigen Bedingungen verhandelt. Wenn Letzteres der Fall ist, und ich denke dem ist so, sollte er hohe Noten für die vergangenen 14 Jahre bekommen. Es ist kein Zufall, dass Forbes ihn zum mächtigsten Führer der Welt 2013 erklärte, und er Obama verdrängte, der den Titel 2012 erhielt. Das Folgende ist meine eigene persönliche Erfahrung mit Putin. Es war im Jahre 1992: Es war zwei Jahre nach der Implosion des Kommunismus, der Ort St. Petersburg. Seit Jahren hatte ich Programme zur Öffnung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern entwickelt und hoffentlich den sowjetischen Menschen zu helfen ihre verwurzelte Obrigkeitsmentalität zu überwinden. Eine neue Programmmöglichkeit tauchte in meinem Kopf auf. Da ich erwartete, eine Unterschrift aus dem Marienskij-Rathaus würde erforderlich, wurde ein Termin gemacht. Mein Freund Wolodja Shestjakow und ich erschienen an einem Seiteneingang des Marienskij-Gebäudes. Wir fanden uns wieder in einem kleinen mattbraunen Büro, einem eher dünnen unauffälligen Mann in einem braunen Anzug gegenüber. Er fragte nach dem Grund meines Kommens. Nachdem er meinen Vorschlag überflogen hatte, stellte er gescheite Fragen. Nach jeder meiner Antworten stellte er die nächste treffende Frage. Mir wurde bewusst, dieser Interviewer unterschied sich von anderen sowjetischen Bürokraten, die mit Ausländern stets in freundschaftliche Unterhaltungen zu verfallen schienen, in der Hoffnung auf Bestechungsgeld im Austausch für das von den Amerikanern Gewünschte. CCI (Sharon Tenissons Organisation) hatte das Prinzip, dass wir niemals, niemals Bestechungsgeld geben. Dieser Bürokrat war offen, wissbegierig und von distanziertem Verhalten. Nach mehr als einer Stunde sorgfältigen Fragens und Antwortens erklärte er ruhig, er habe sich Mühe gegeben zu versuchen festzustellen, ob der Vorschlag rechtmäßig war, aber leider sei er es zu dem Zeitpunkt nicht. Ein paar nette Worte über den Vorschlag wurden geäußert, das war’s. Einfach und freundlich zeigte er uns die Tür. Auf dem Gehweg sagte ich zu meinem Kollegen: »Wolodja, das war das erste Mal wo wir mit einem Sowjetbeamten verhandelten, der uns nicht nach einer Reise in die USA oder etwas Wertvollem gefragt hat.

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SHARON TENNISON: RUSSLANDREPORT Ich erinnere mich, wie ich im Sonnenlicht auf die Visitenkarte sah; ich las »Wladimir Wladimirowitsch Putin.« 1994: US-Konsul Jack Gosnell schickte mir einen Hilferuf nach St. Petersburg. 14 Kongressmitglieder und der neue amerikanische Botschafter in Russland, Thomas Pickering, sollten die nächsten drei Tage nach St. Petersburg kommen. Er benötigte umgehend Hilfe. Ich hastete rüber zum Konsulat und erfuhr, dass Jack beabsichtigte, ich solle die vielversprechende Delegation und den neuen Botschafter briefen. Ich war sprachlos, aber er bestand darauf. Sie kamen aus Moskau und waren wütend darüber, wie US-Gelder dort vergeudet wurden. Jack wollte, dass sie die guten Nachrichten über die Programme der CCI, die ausgezeichnete Ergebnisse zeitigten, hörten. In den nächsten 24 Stunden vereinbarten wir für die Würdenträger »Haus«-Treffen in den kleinen Wohnungen eines Dutzends russischer Unternehmer. (Die Leute vom State Department in St. Petersburg waren entgeistert, denn so etwas hatte es vorher noch nie gegeben, aber Jack überstimmte sie.) Erst später, im Jahre 2000, erfuhr ich von Jacks früherer dreijähriger Erfahrung mit Wladimir Putin in den 1990ern, während der die Stadt für Bürgermeister Sobtschak führte. 31. Dezember 1999: Ohne Vorwarnung machte Präsident Boris Jelzin zum Jahreswechsel der Welt die Mitteilung, dass er vom nächsten Tag an sein Amt aufgibt und Russland in die Hände eines unbekannten Wladimir Putin gäbe. Als ich die Nachricht hörte, dachte ich sicherlich nicht an den Putin, an den ich mich erinnerte – der könnte niemals Russland führen. Ein Artikel in der New York Times am nächsten Tag brachte ein Foto. Ja, es war derselbe Putin, den ich Jahre zuvor getroffen hatte! Ich war geschockt und bestürzt, und sagte Freunden: »Das ist ein Desaster für Russland! Ich habe Zeit mit dem Burschen verbracht, der ist zu introvertiert und zu intelligent – er wird niemals in der Lage sein, eine Beziehung zu den russischen Massen herzustellen.« Ich klagte: »Um Russland von den Knien hochzuholen, müssen zwei Dinge passieren: 1. Die jungen arroganten Oligarchen müssen gewaltsam aus dem Kreml entfernt werden, und 2. Es muss ein Weg gefunden werden, die Regionalfürsten (Gouverneure) von ihren Lehnsgütern quer durch Russlands 89er Regionen zu entfernen.« Es war mir klar, der Mann im braunen Anzug würde niemals die Instinkte haben oder den Mumm, diese alles beherrschenden doppelten Herausforderungen in Russland anzugehen.

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SHARON TENNISON: RUSSLANDREPORT Februar 2000: Beinahe sofort begann Putin, sich der Oligarchen anzunehmen. Im Februar kam die Frage der Oligarchen auf; er klärte das mit einer Frage und der Antwort: »Was sollte die Beziehung zu den sogenannten Oligarchen sein? Die gleiche wie zu jedem anderen. Die gleiche wie zum Besitzer einer kleinen Bäckerei oder eines Schusterladens.« Das war das erste Signal, dass die Magnaten nicht mehr länger in der Lage sein würden, gesetzliche Vorschriften zur Schau zu stellen, oder mit besonderem Zugang zum Kreml zu rechnen. Das machte auch die Kapitalisten des Westens nervös. Schließlich waren diese Oligarchen vermögende Geschäftsleute – gute Kapitalisten, auch wenn sie ihre Unternehmen illegal erhielten und ihre Profite in Offshore-Banken bunkerten. Vier Monate später berief Putin ein Treffen mit den Oligarchen ein und bot ihnen einen Deal an: Sie könnten ihre illegal gewonnenen, vermögenproduzierenden sowjetischen Unternehmen behalten und sie würden nicht verstaatlicht … WENN Steuern auf ihre Erträge bezahlt würden und wenn sie sich persönlich aus der Politik heraushalten. Das war die Erste von Putins »eleganten Lösungen« für die beinahe unlösbaren Herausforderungen, denen sich das neue Russland gegenübersah. Aber dieser Deal brachte Putin ins Fadenkreuz der US-Medien und –Offiziellen, die nun begannen, sich für die Oligarchen einzusetzen, insbesondere für Michail Chodorkowski. Der wurde nun hochpolitisch, zahlte keine Steuern, und war – bevor ergriffen und eingesperrt – dabei, einen Großteil von Russlands größter privater Ölgesellschaft, Yukos Oil, an Exxon Mobil zu verkaufen. Leider wurde Chodorkowski für US-Medien und -Regierungsapparat ein Märtyrer (und bleibt es bis heute). März 2000: Ich kam in St. Petersburg an. Eine russische Freundin (eine Psychologin) seit 1983, kam zum üblichen Besuch. Meine erste Frage war »Lena, was denkst Du über Euren neuen Präsidenten?« Sie lachte und erwiderte: »Wolodja! Ich bin mit ihm zur Schule gegangen.« Sie begann ihn zu beschreiben, als einen stillen Jungen, arm, der Kampfsport liebte, einer der für Kinder eintrat, die auf dem Schulhof schikaniert wurden. Sie erinnerte sich an ihn als einen patriotischen Jugendlichen, der sich frühzeitig nach dem

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SHARON TENNISON: RUSSLANDREPORT Schulabschluss beim KGB bewarb. (Die schickten ihn weg und sagten ihm er solle erst eine Ausbildung machen.) Er besuchte die Juristische Fakultät, bewarb sich erneut und nun nahmen sie ihn. Ich muss seltsam geschaut haben, weil Lena sagte »Sharon, zu jener Zeit haben wir alle den KGB verehrt und geglaubt, dass alle die dort arbeiteten, Patrioten waren und das Land sicherten. Wir dachten es war natürlich für Wolodja, diese Karriere zu wählen. Meine nächste Frage war: »Was denkst Du wird er mit Jelzins Kriminellen im Kreml tun?« Sie zog sich die Jacke der Psychologin an, überlegte und antwortete: »Sein normales Verhalten wird sein, sie eine Weile zu beobachten, um sicher zu sein was vor sich geht, dann wird er ein paar Zeichen setzen und sie wissen lassen, dass er sie beobachtet. Sollten sie nicht reagieren, wird er sie persönlich ansprechen. Sollte sich das Verhalten nicht ändern – werden einige für ein paar Jahre im Gefängnis landen.« Ich gratulierte ihr per E-Mail, als ihre Voraussagen begannen, in Echtzeit wahr zu werden. Während der 2000er: St. Petersburgs viele Absolventen der CCI wurden befragt, um festzustellen, wie das »PEP Business Trainingsprogramm« wirkte und wie wir die Erfahrungen der USA für deren neue kleine Unternehmungen nützlich machen könnten. Die meisten glaubten, das Programm war enorm wichtig, sogar lebensverändernd. Zuletzt wurde jeder gefragt: » Was denken Sie über den neuen Präsidenten?« Keiner reagierte negativ, auch wenn zu jener Zeit die Unternehmer die russische Bürokratie hassten. Die meisten antworteten etwa »Putin hat mein Geschäft vor einigen Jahren registriert.« Nächste Frage »So, und wie viel hat Sie das gekostet?” Sie entgegneten »Putin hat nichts verlangt.« Einer sagte »Wir sind zu Putin gegangen, weil andere, die Registrierungen im Marienskij machten, reich geworden waren auf ihrem Sessel.« Ende 2000: In Putins erstem Jahr als Russlands Präsident erschien mir, die US-Offiziellen vermuteten, er würde Amerikas Interessen entgegenstehen – jede seiner Bewegungen wurde von den amerikanischen Medien infrage gestellt. Ich konnte nicht verstehen warum und registrierte diese Vorkommnisse in meinem Computer und Newslettern. Im Jahr 2001: Jack Gosnell (der bereits erwähnte frühere US-Generalkonsul) erklärte seine Beziehung zu Putin, als der stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg war. Beide arbeiteten eng bei der Schaffung von Joint Ventures zusammen und anderen Wegen zur Förderung der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Jack berichtete, dass Putin immer geradezu war, höflich und hilfsbereit. Als Putins Frau Ludmilla einen schweren Autounfall hatte, nahm Jack sich die Freiheit, bevor er Putin informierte, Krankenhaus und Flug für sie zu organisieren, damit sie in Finnland medizinische Fürsorge bekommen konnte. Als Jack das Putin sagte, berichtete er, war Putin überwältigt von der Großzügigkeit, aber schließlich sagte er, er könne den Gefallen nicht annehmen, und dass Ludmilla in einem russischen Krankenhaus genesen werde. Sie tat es – obwohl die medizinische Versorgung in Russland in den 90ern schrecklich schlecht war. Ein leitender CSIS * - Mitarbeiter, mit dem ich in den 2000ern befreundet war, arbeitete in den 1990ern eng mit Putin an einer Reihe von Joint Ventures zusammen. Er berichtet, er habe keine Geschäfte mit Putin gehabt, die fragwürdig gewesen wären; dass er ihn achte und glaube, Putin bekäme eine unverdient mürrische Beurteilung in den US-Medien. Es ist Tatsache, er schloss seine Tür bei CSIS, als er über Putin sprach. Ich nahm an, seine Bemerkungen wären nicht akzeptabel gewesen, wenn andere sie gehört hätten. »Center for Strategic and International Studies«/CSIS, dt. «Zentrum für internationale und strategische Studien«, ein Think Tank für Außenpolitik der Vereinigten Staaten. HB) Ein weiterer ehemaliger US-Beamter, der ungenannt bleibt, ebenfalls mit engen Arbeitsbeziehungen zu Putin, sagte, es gab nie einen Hinweis auf Bestechung, Druck, nichts außer respektablem Verhalten und Hilfsbereitschaft. Ich hatte in 2013 zwei Begegnungen mit Beamten des State Department bezüglich Putins: Bei der ersten fühlte ich mich so frei, die Frage zu stellen, die ich schon lange beantwortet haben wollte: »Wann wurde Putin für Washingtons Beamte inakzeptabel

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SHARON TENNISON: RUSSLANDREPORT und warum?« Ohne Zögern kam die Antwort: »Die Messer wurden gezückt als angekündigt wurde, Putin würde der nächste Präsident werden.« Ich fragte WARUM? Die Antwort: »Ich habe nie herausgefunden warum – vielleicht weil er beim KGB war.« Ich erklärte, dass Bush Nr. 1 der Chef der CIA war. Die Erwiderung war »Das würde keinen Unterschied gemacht haben, der war unser Mann.« Der Zweite war ein früherer Mitarbeiter des State Department, mit dem ich kürzlich ein Radiointerview über Russland hatte. Als wir uns danach etwas unterhielten, bemerkte ich: »Es könnte für Sie interessant sein zu wissen, dass ich die Erfahrungen zahlreicher Leute mit Putin gesammelt habe, einige über Jahre, und sie alle sagen, sie hätten keine negativen Erfahrungen mit Putin und es gab keinen Beweis, dass der bestechlich gewesen wäre.« Er gab hart zurück: »Niemand war je in der Lage mit einem Bestechungsvorwurf gegen Putin zu kommen.« Von 2001 bis heute habe ich die negativen US-Medien-Montagen gegen Putin beobachtet … sogar Vorwürfe von Morden, Vergiftungen und Hitler-Vergleiche. Niemand hatte je konkrete Beweise für all diese Anklagen. Ich bin durch Russland gereist – mehrere Male jedes Jahr – und habe die allmählichen Veränderungen im Land unter Putins Obacht gesehen. Steuern wurden gesenkt, Inflation verringert und Gesetze bedächtig eingeführt. Schulen und Krankenhäuser wurden verbessert. Mittelständische Unternehmen wuchsen, die Landwirtschaft zeigte Verbesserungen und die Geschäfte füllten sich mit Lebensmitteln. Alkoholprobleme waren weniger zu sehen, Rauchen wurde in den Gebäuden verboten und die Lebenserwartung begann zu steigen. Autobahnen wurden durchs Land gebaut, neue Bahnstrecken, und moderne Züge tauchten selbst an entfernten Orten auf und das Bankwesen wurde zuverlässig. Russland begann wie ein respektables Land auszusehen – sicher noch nicht, wie die Russen es sich in der Zukunft erhoffen, aber zunehmend besser, zum ersten Mal in ihrer Erinnerung. Meine Reise 2013/2014 nach Russland: Zusätzlich zu St. Petersburg und Moskau bereiste ich im September die Berge des Ural, verbracte Zeit in Jekaterinburg, Tscheljabinsk und Perm. Wir reisten zwischen den Städten mit Auto und Bahn – die Felder und Wälder sahen gesund aus, kleine Städte trugen neue Farbe und Bauten zur Schau. Heute sehen Russen aus wie Amerikaner (wir kriegen dieselben Kleider aus China). Die alten Chruschtschow-Betonblockhäuser machen Platz für neue ansehnliche mehrstöckige private Wohnkomplexe. Geschäftshochhäuser, feine Hotels und großartige Restaurants sind nun allgegenwärtig – und von normalen Russen besucht. Zwei- und dreistöckige Privathäuser umgeben diese russischen Städte fern von Moskau. Wir besuchten neue Museen, städtische Gebäude und riesige Supermärkte. Die Strassen sind gut gepflegt und jetzt gut ausgezeichnet, Service Stationen sehen aus wie die entlang der amerikanischen Highways. Im Januar war ich in Nowosibirsk, weit in Sibirien, wo ähnlich moderne Architektur zu bemerken ist. Die Straßen wurden durch ständiges Schneeräumen befahrbar gehalten, moderne Beleuchtung hielt die Stadt die ganze Nacht hell, Mengen an neuen Ampelanlagen, die Sekunden bis zum Signalwechsel runterzählen, sind aufgetaucht. Es ist erstaunlich, welch großen Fortschritt Russland in den letzten 14 Jahren gemacht hat, seit ein unbekannter Mann ohne Erfahrung in die Präsidentschaft Russlands ging und ein Land übernahm, das flach auf dem Bauch lag. So, warum sind unsere Führer und Medien so herablassend und dämonisieren Putin und Russland? Reklamieren diejenigen zu viel? Wie Lady Macbeth? Psychologen sagen uns, dass Menschen (und Länder?) auf andere projizieren was sie bei sich selbst nicht

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SHARON TENNISON: RUSSLANDREPORT sehen werden wollen. Andere tragen unseren »Schatten«, wenn wir ablehnen ihn anzuerkennen. Wir verleihen anderen all die Charakterzüge, die wir zurückschrecken, bei uns selbst zuzugeben. Könnte es das sein, weshalb wir ständig etwas auszusetzen haben an Putin und Russland? Könnte es sein, dass wir auf Putin unsere eigenen Sünden und die unserer Führer projizieren? Könnte es sein, dass wir Russlands Korruption verurteilen, und so tun, als ob die Korruption innerhalb unserer eigenen Welt nicht existiert? Könnte es sein, dass wir deren Menschenrechts- und LGBT- Probleme verurteilen, und nicht sehen, dass wir unsere eigenen nicht gelöst haben? Könnte es sein, dass wir Russland »die Wiedererschaffung der UdSSR« vorwerfen, wegen unserer Taten, um der »Hegemon« der Welt zu bleiben? Könnte es sein, dass wir nationalistische Verhaltensweisen auf Russland projizieren, weil es das ist, was wir geworden sind und wir uns dem nicht stellen wollen? Könnte es sein, dass wir die Kriegstreiberei auf Russland schieben, wegen dessen was wir in den vergangenen Administrationen getan haben? Ich bin mir ziemlich sicher, dass 99 % derer, die in den Mainstreammedien kein gutes Haar an ihm lassen, überhaupt keinen persönlichen Kontakt mit ihm hatten. Die schreiben Artikel vom Hörensagen, Gerüchten und Fabrikationen, oder sie lesen Skripts vor, die andere ihnen auf den Teleprompter geschrieben haben. Das ist es wie unsere Nation ihre »Nachrichten« bekommt. Es ist ein wohlbekannter Ethik-Kodex unter uns: Ist es die Wahrheit, ist es fair, bringt es Freundschaft und Goodwill, und ist es vorteilhaft für alle Beteiligten? Es scheint mir, dass wenn die Führer unserer Nation verpflichtet wären, diese vier Prinzipien in den internationalen Beziehungen anzuwenden; die Welt würde in einer völlig anderen Art funktionieren und die Menschen rund um den Planeten würden unter besseren Bedingungen als heute leben.

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HINTER DEM MOND Unser Vaterkolumnist lässt in die Ferne reisen. TEXT: NICOLAI KÖPPEL FOTOS: ARCHIV Wenn man Kinder hat, lernt man manche Leute nur deswegen kennen, weil die auch Kinder haben. Man hat kaum gemeinsame Interessen, keine gemeinsame Vergangenheit. Für manche kann das der letzte Weg sein, doch noch Freunde im Leben zu finden. Nicht für mich – aber mit den altgedienten Freunden, die auch Kinder haben, hat man plötzlich mehr zu tun. Es werden Schuhe und Klamotten herumgegeben, wie man sich früher Biere ausgab und Bücher auslieh (ich habe Glück, ich kann meinen alten Freund J. anrufen und der sagt: »Komm, wir gehen ein Bier trinken, dann geb ich dir das Buch, über das wir sprachen« – und ich antworte erst »Au ja!«, bevor ich hinzufüge: »Du hast nicht zufällig auch Winterstiefel in Größe 28?« – »Aber sicher doch!« – »Um acht also. Die erste Runde geht auf mich.«). Es geht bei mir also beides: Vaterschaft und einigermaßen selbstbestimmtes Sozialleben. J. kommt vorbei, um mich abzuholen. Wir sind schlau, es geht schließlich um Bier, und da müssen ja nicht beide fahren – er betritt also die Wohnung, in der die Kinder noch wach sind. Er hält inne, lauscht … und sieht mich an. »Bodo Siebenschläfer?«, fragt er und identifiziert damit sofort kundig die Kinder-CD, die das Wohnzimmer bedudelt. Ich nicke. »Wie alt ist er?«, fragt J. und meint damit meinen Sohn. »Viereinhalb«, sage ich. J. zieht die Stirn kraus: »Fast fünf und immer noch Bodo Siebenschläfer? Über manche Sachen sollte man irgendwann weg sein.« Damit hat er irgendwie recht. Besagter Bodo ist eher was für Kleinere oder für einfachere Gemüter. Aber von einem Mann mit »Rolling-Stones-Voodoo-Lounge«-T-Shirt lasse ich mir sowas nicht sagen. Das sage ich aber auch nicht. Ich sage also gar nichts. Aber das saß. Ich plane meine Rache. Beim Bier berichtet J., was seine Tochter für unglaubliche Fortschritte gemacht hat. Sie ist noch keine sechs, aber liest schon recht flüssig. Sagt er. »Was liest sie denn«, frage ich, »Sartre, Kafka, Camus?« – J. lacht: »Um ehrlich zu sein, liest sie zum Beispiel gerade Bodo Siebenschläfer.« – »Mit sechs?«, frage ich, aber er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. »Ja schon, aber sie liest es … .«, und ich merke, wie er die Pause genießt, »… selber.« Wir wissen beide, was das bedeutet. Mehr Elternfreizeit. Bei mir wäre »Zähneputzen

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DIE VATERKOLUMNE: HINTER DEM MOND im eigenen Mund in Ruhe und Frieden, ohne dass man dafür mitten in der Nacht aufstehen muss« schon ein Fortschritt. Als wir in der Kneipe sitzen, zeige ich ihm, dass ich nicht locker lasse: »Weißt, du, J.«, sage ich, »manche Kinder lernen auswendig und merken sich, wo man umblättern muss.« »Was soll denn das heißen?«, fragt J. »Nix«, sage ich, »ist’n Fakt.« »Du kannst das gern mal Testen kommen«, sagt J, und wir kichern. Aus unterschiedlichen Gründen. Dann kommt das Bier. Aber das reicht mir nicht. Er hat also das weit entwickelte Kind? Soso. Ein paar Tage später gehe ich bei J. vorbei, um das ausgelesene Buch zurückzugeben, aber J. ist nicht da. Seine Kindsmutter lässt mich rein und bietet mir einen Kaffee an, und während sie ihn machen geht, schnappe ich mir Clara, das Wunderkind. »Na?«, frage ich. »Na?«, fragt sie zurück. Wir verstehen uns. Ich zeige ihr das Buch, das ich von ihrem Papa ausgeliehen hatte, einen Science-Fiction-Klassiker mit einem reißerischen Umschlag. Der Text behandelt existentielle menschliche Befindlichkeiten (im Weltraum, zugegeben, aber es ist ein Klassiker), das Titelbild zeigt einen doppelten Sonnenaufgang, gesehen von einem fremden Planeten aus. »Weißt du, was das ist?«, frage ich das Mädchen. »Sonne«, sagt sie mit kindlicher Gewissheit. »Und das daneben?«, frage ich. »Auch Sonne«, antwortet sie pflichtschuldig und korrekt. »Und was ist hinter den Sonnen?«, füge ich halblaut hinzu, damit die Mama es nicht mitkriegt. Sie sieht mich verständnislos an. Wie, dahinter? »Pass auf«, erkläre ich, während die Kaffeemaschine in der Küche schon loszurotzen beginnt, »hast du dich schon mal gefragt, was hinter dem Haus ist?« »Die Straße in die Stadt«, erklärt sie mir. »Stimmt«, sage ich, »und hinter der Stadt? Das Einkaufszentrum, stimmt’s?« Clara nickt. »Und hinter dem Einkaufszentrum kommt noch was, und dahinter noch was, und dahinter noch was. Und so ist das auch im Weltall. Hinter der Erde, auf der wir leben, kommt noch ein Planet, und noch einer, und dann noch einer. Und ist das irgendwann zuende?« »Weiß nicht«, sagt sie. »Das weiß nämlich keiner«, sage ich, »Man weiß noch die nächsten zehn, zwanzig Planeten, und dahinter kommen noch ganz viele, aber die sind so weit weg, dass man da nicht hingucken kann. Und das hört niemals auf.« »Boah«, staunt sie. Aber ich bin noch nicht fertig. »Manche Leute sagen, das hört niemals auf. Aber andere Leute, und die sind auch superschlau, diese Leute, die sagen, irgendwann hört es auf. Ist doch klar, oder? Alles hört mal auf. Das Kinderzimmer hört auf, weil dahinter der Flur kommt, und der Flur hört auf, weil dahinter das Wohnzimmer kommt.« »Ja.« »Aber was ist, wenn die superschlauen Leute recht haben, und es irgendwo hinter den Planeten nicht mehr weitergeht?« »Dann ist da nix mehr.« »Richtig. Und wie groß ist das Nix? Ist das vielleicht riesengroß? Und wenn das Nix zuende ist, was kommt dahinter? Weil irgendwas muss da doch sein, stimmt‘s« Clara guckt. Sie sagt nichts mehr. Ich habs geschafft. Als nächstes kommt mein Kaffee, eine halbe Stunde später kommt J. und fragt mich, wie ich das Buch fand. Clara bleibt in der Nähe, aber sie ist seltsam verschwiegen. »Gut«, sage ich, »da war er noch richtig gut, der XX (gemeint ist der Autor des Science-Fiction-Romans) aber das neueste Buch von ihm hab ich auch gelesen und hab das Gefühl, der wiederholt sich mittlerweile. Um nicht zu sagen …« »Ja, hast recht«, sagt J., »ich glaub auch, da kommt nix mehr.« Clara sieht hoch zu ihrem Papa. Dann sieht sie mich an. Dann setzt sie sich freiwillig in den Laufstall, der für ihr Brüderchen im Wohnzimmer steht. In der Woche darauf treffe ich J. auf der Straße, er ist irgendwie übernächtigt. Ich frage ihn, was los ist, und er gesteht, dass Clara seit einigen Tagen so komische Fragen stellt. Natürlich formuliert sie es irgendwie kindlich, aber er ist sich sicher, dass sie sich Gedanken über die Endlichkeit des Universums macht. Mit sechs. Und er hat da irgendwie keine Antwort drauf. Deshalb hirnt er die ganze Nacht herum oder liest das Internet durch. Aber das sei schon was anderes, sagt er, als ihr zu erklären, dass der Goldfisch in die Ferien gefahren ist. Ach ja, und die Winterstiefel passen, vielen Dank. Hat er also recht gehabt. Die Kleine ist schlau. Aber warum soll nur er seinen Spaß damit haben? Wozu hat man denn Freunde?

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MITTAGS- TISCHTEST TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: MEHMET FILIZ Wer kennt das Problem nicht: Mittagspause – aber wohin zum Essen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, einen regionalen Mittagstisch-Test zu starten. Diesmal waren wir im BURGER53 in der Sülmerstraße & im KISTLE in der Wilhelmstraße. Getestet wurde neben dem Geschmack auch die Geschwindigkeit, die Freundlichkeit des Service-Personals, natürlich der Preis und auch die individuellen Eigenheiten der Lokalität. Im Test haben wir uns für das umgekehrte Schulnoten-System entschieden. Das bedeutet, dass die 6,0 die Bestnote ist.

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MITTAGSTISCHTEST: BURGER53 BURGER53 SÜLMERSTRASSE 53 | 74072 HN M INFO @ BURGER53.DE Service 5,0 Preise 2,50 – 11,50 EUR Geschmack 5,0 Geschwindigkeit 12 Minuten Apfelschorlen-Index (0,3 l) 2,50 EUR Individualität Regionale Produkte

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MITTAGSTISCHTEST: S´KISTLE S´KISTLE WILHELMSTRASSE 13 | 74072 HN T 07131 / 8987420 Service 5,5 Preise 2,70 – 14,90 EUR Geschmack 5,0 Geschwindigkeit 20 Minuten Apfelschorlen-Index (0,5 l) 3,00 EUR Individualität Ur-Schwäbisch

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»ICH HABE MIT SICHERHEIT 20 ABSAGEN BEKOMMEN« INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: ULLA KÜHNLE, PR Henrike Spohr lebt mit Mann und zwei Kindern in Heilbronn, direkt am Waldrand. Die Ideen zu ihren atmosphärischen Thrillern entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Mann, am liebsten bei einem Glas Wein, abends auf der Terrasse. Wir sprachen mit der Heilbronnerin über ihren Debütroman, schlechtes Fernsehprogramm und die Schwierigkeit als unbeschriebenes Blatt einen Verlag zu finden.

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KULTURBEUTEL: HENRIKE SPOHR – HEILBRONN 37° HANIX - Henrike, herzlichen Glückwunsch zu deinem Debütroman »Heilbronn 37 ° «. Wieso trägt der Titel deines Romans den Namen deiner Heimatstadt? So selbstbewusst posaunen nicht alle Heilbronner den Namen ihrer Stadt in die Welt. HENRIKE SPOHR — Die Erwähnung des Stadtnamens im Buchtitel hat sich mit der Zeit herauskristallisiert. Als ich das Manuskript geschrieben hatte, war die Vorstellung von Heilbronn schon präsent. Allerdings hatte ich den Roman nicht so geerdet konzipiert, wie er dann bezogen auf Heilbronn, geworden ist. Als sich der Emons Verlag das Manuskript ansah, kamen wir zu der Überzeugung, dass die ganze Geschichte auch lokal klingen soll. So war es auch naheliegend, darüber nachzudenken, das Buch nach der Stadt zu benennen, in der die Geschichte spielt. Der Titel »Heilbronn 37°« war für mich passend, da das Wetter, diese Hitze, auch als Metapher, eine wichtige Rolle im Roman spielt. HANIX - Auf dem Cover des Buches steht »Kriminalroman«, im Klapptext »Psychothriller« und in einer Rezension wurde es als »Psycho-Drama« einsortiert. Was ist die Geschichte denn jetzt? HENRIKE SPOHR — Ich persönlich würde sagen es ist ein Mix aus Psycho-Thriller und Psycho-Drama. HANIX - Du bist eine Meisterin des Verwirrspiels. Es kommen nicht viele vorab auf das Ende der Geschichte, das überraschend ist. HENRIKE SPOHR — Der Roman ist mein erstes Buch und ehrlich gesagt, habe ich davor auch gar nicht geschrieben, außer mal, wie jeder, Aufsätze in der Schule. Beim Schreiben habe ich versucht es so umzusetzen, dass der Leser nicht gleich ahnt, wie das Buch endet allerdings am Ende denkt, dass man das hätte wissen müssen. HANIX - Wie kam es denn dazu, dass du schreibst? Du hast es ja vorher nie versucht. HENRIKE SPOHR — Mein Mann und ich arbeiten sehr intensiv und sind oft sehr müde. Eines abends wollten wir einfach gemütlich einen Film schauen, allerdings kam, wie so oft, nichts im TV was uns irgendwie interessiert hätte. Dann saßen wir draußen und haben überlegt, was für einen Film wir jetzt gerne sehen würden. Anschließend haben wir dann grob die Geschichte entwickelt und eine Atmosphäre kreiert. Dies haben wir dann an vielen folgenden Abenden weitergedacht und erzählt. Irgendwann fragte dann mein Mann, warum ich nicht einfach ein Buch mit der Geschichte schreibe. Was ich dann einfach getan habe. HANIX - Dir scheint ein beachtenswertes Debüt gelungen zu sein. Viele Kritiker sind da einer Meinung. Das Buch besticht durch eine sommerlich-unheimliche Atmosphäre, eine verflixt gute Geschichte, Spannung und ein Ende, das viel Freude bereitet und sehr gut unterhält. Wie lange hast Du an dem Buch und deiner Geschichte herumgeschraubt, bis sie schlussendlich in Druck ging? HENRIKE SPOHR — Von der ersten Idee, übers Überarbeiten, immer wieder Testlesen lassen, an Agenturen verschicken, wieder überarbeiten, korrigieren, bis es dann letztendlich zum Lektorat und in den Druck ging, hat es ungefähr drei Jahre gedauert. HANIX - Ist dir das Schreiben dann leicht gefallen? Es hört sich gerade so an, als ob dir das Schreiben imv Blut liegt? HENRIKE SPOHR — Die Rohfassung ging tatsächlich recht schnell, nach vier bis fünf Monaten stand die erste Version schon. Anschließend habe ich mich in einem Schriftstellerforum angemeldet und eine Passage des Buches auf dieser Plattform veröffentlicht. Da kamen dann ein paar Kritikpunkte wie beispielsweise das Vorhandensein von Redundanzen, ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, was das ist, und musste es erstmal googlen. Ich habe dann eben nach und nach gelernt, welche Details man beachten sollte. Das ging aber alles relativ problemlos. HANIX - Gibt es einen bestimmten Ort, an dem Du schreibst und ein bestimmtes Ritual, das Du zum oder beim Schreiben pflegst? HENRIKE SPOHR — Ich weiß nicht ob man das Ritual nennen kann, aber bevor ich anfange zu schreiben, was ich meistens morgens mache, bringe ich die Kinder in die Schule und räume einmal kurz das Haus auf. Dann gibt es einen Kaffee, dazu eine Zigarette und ich fange an mich in die Stimmung zu versetzen, dass ich schreiben kann. Anfangs habe ich am Küchentisch geschrieben, an dem

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KULTURBEUTEL: HENRIKE SPOHR – HEILBRONN 37° ich jetzt eine kleine Arbeitsplatte habe, an der ich mich sehr wohl fühle. Letztendlich ist es mir aber ziemlich egal wo ich schreibe. HANIX - Heilbronnern, die das Buch lesen, wird es wahrscheinlich noch etwas mehr Spaß machen, als Lesern, die noch nie hier in der Stadt waren. Hast Du das Buch auch ein bisschen für die Stadt und deren Bewohner geschrieben? HENRIKE SPOHR — Wie anfangs schon erwähnt habe ich das ehrlich gesagt gar nicht für Heilbronn gemacht. Ich hatte einfach die Geschichte im Kopf und wollte diese aufschreiben. Jetzt freue ich mich natürlich, wenn Heilbronner auf mich zukommen und Orte ihrer Stadt im Roman wiedererkennen. Es hat mich auch sehr überrascht wie wichtig das den Lesern ist. HANIX - Das Buch erschien im Emons Verlag, der sich unter anderem auf Lokal- und Regionalkrimis spezialisiert hat. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Kölner Verlag? Als angehende Debütautorin, sprich als unbeschriebenes Blatt, ist es sicher nicht einfach, einen Verlag zu finden. HENRIKE SPOHR — Auf gut deutsch gesagt ist es erstmal sauschwer sowohl einen Verlag, als auch einen Agenten zu finden, da diese auf Provisionsbasis arbeiten. Zuerst schickt man Textauszüge, circa 30 bis 40 Seiten, und manchmal kam es vor, dass Agenturen dann das gesamte Manuskript angefordert haben. Ich habe aber mit Sicherheit 20 Absagen bekommen. Bei meiner Agentin war aber alles ein bisschen anders. Wir haben zuerst telefoniert und erst dann hat sie eine Textprobe erhalten, die sie auch interessant fand und gleich am nächsten Tag das Gesamtmanuskript angefordert hat. Dann kam eine Woche später per Mail ihre Zusage. Wenn man bedenkt, dass ich auch schon neun Monate auf eine Agenturantwort gewartet habe, ist dies unglaublich schnell gegangen, was mich auch sehr gefreut und motiviert hat. Die Agentin ist dann zuerst auf die Frankfurter Buchmesse gegangen und hat das Buch angeboten. Es haben auch viele große Verlage Interesse bekundet, was uns sehr gefreut hat. Aus den verschiedensten Gründen haben die Verlage dann aber alle eine Zusammenarbeit abgelehnt. Dann kam der Emons Verlag und nahm das Buch ins Programm. Das Gefühl

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KULTURBEUTEL: HENRIKE SPOHR – HEILBRONN 37° nach der Zusage war unbeschreiblich. Ich bin sehr froh und glücklich über die Zusammenarbeit mit dem Verlag. Es ist immer jemand für einen da, man wird hervorragend beraten und fühlt sich eben einfach wohl. Ich weiß inzwischen von Kollegen, dass man bei großen Verlagen erst mal nur eine Nummer ist und als Debütant dann leider meistens die Null. HANIX - Sicher hast Du, zumindest insgeheim, Erwartungen und Wünsche für das Buch und sein Bestehen auf dem harten Büchermarkt? Hat dich in diesem Verlagsbusiness irgendwas so richtig überrascht? HENRIKE SPOHR — Sehr überrascht und auch enttäuscht hat mich, dass ich dachte man schreibt ein Buch und wenn das irgendwie toll ist, sucht es sich auch seinen Weg. Das läuft überhaupt nicht so, denn letztendlich geht es in dieser Sache auch um Geld und man muss eine Planung zwei Jahre im voraus berücksichtigen. Wenn das Buch nicht ins Verlagsprogramm passt, kann es also noch so gut sein, es wird einfach nicht aufgenommen. Es ist ein gewisses Verheizen der Schriftsteller vorhanden, denn wenn ein Buch nicht läuft, ist man raus und der nächste ist dran. Auch deshalb finde ich es toll beim Emons Verlag zu sein, da hier ein fairer und fast schon familiärer Umgang mit den Schriftstellern herrscht. Zu den Erwartungen kann ich nur sagen, dass ich mich wahnsinnig freuen würde, wenn sich das Buch in meiner Region Heilbronn toll verkauft. Grundsätzlich bin ich aber erst mal total froh, dass das Buch überhaupt rausgebracht wurde. HANIX - Ein Heilbronner Buch einer Heilbronnerin wird sicherlich auch in der Stadt vorgelesen. Gibt es bereits Termine, an denen Du hier in der Stadt und Region vorlesen wirst? HENRIKE SPOHR — Ich werde am 25. September im »Café Daneben« lesen. Dann gibt es noch eine Lesung in Frankfurt und im nächsten Jahr werde ich auf der Burg Stettenfels sein. HANIX - Wer einmal ein Buch geschrieben hat, der will noch weitere schreiben. Trifft das auch auf dich zu? Wird es weitere Psycho-Krimi-Thriller- Dramen mit lokalem Kolorit von dir geben? HENRIKE SPOHR — Ich habe sogar schon zwei konkrete Ideen. Ein Buch wird definitiv in den Bergen und in der rauen Natur spielen. Das andere spielt wieder in Heilbronn. Bei beiden Geschichten habe ich schon angefangen zu plotten und muss mich dann so langsam entscheiden, an welche Geschichte ich mich zuerst ransetze. INFOS ZUM BUCH: HENRIKE SPOHR, HEILBRONN 37° KRIMINALROMAN »DRÜCKENDE HITZE LIEGT ÜBER SÜDDEUTSCHLAND. TAMARA ARBEITET WIE EINE BESESSENE AN DEN BILDERN FÜR IHRE ERSTE AUSSTELLUNG. DOCH MIT JEDEM TAG WIRD DAS GEFÜHL, BEOBACHTET UND VERFOLGT ZU WERDEN, STÄRKER, DENN IN IHRER VERGANGENHEIT LAUERT EINE DUNKLE BEDROHUNG: »IRGENDWANN, WENN DU NICHT DARAN DENKST, WERDE ICH ZU DIR KOMMEN!« DOCH DIESES MAL WILL TAMARA KEIN WEHRLOSES OPFER SEIN …« BROSCHUR 13,50 X 20,5 256 SEITEN ISBN 978-3-95451-365-9 EURO 9,90 [D], 10,20 [AT]

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ALLES FÜR DAS AUTO Da ackert man, macht Überstunden neben der Uni, entwickelt Leichtbauteile und Akkukästen, wie sie so noch in keinem Serienfahrzeug zu finden sind. All das, um einmal im Jahr mit eigens konstruierten Rennwagen auf dem Hockenheimring mächtig Eindruck bei den Ingenieuren der großen Autohersteller zu schinden. Und dann geht es nicht nach Stuttgart oder München. Nein, Audi ruft in die Provinz nach Neckarsulm. Es ist ein Wettstreit der Besten für die Besten.

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SPORTTASCHE: FORMULAR STUDENT TEXT: FLORIAN DAMASCHKE FOTOS: PATRICK LABITZKE Samstagnachmittag im August um 15 Uhr. Ein Regenschauer geht auf den Asphalt des Hockenheimrings nieder. Im Infield des Motodroms flitzt ein kleiner Rennwagen über den eng gesteckten und nur langsam abtrocknenden Kurs. Das Fahrgeräusch klingt wie das eines ferngesteuerten Spielzeugautos, gespielt wird hier aber nicht. Der Pilot geht in jeder Kurve ans Limit, über die Distanz von 23 Kilometern soll sein Akkukasten konstant mindestens 80 Prozent Leistung abrufen. Das Zusammenspiel von Elektroantrieb und Leichtbau ist für die optimale Reichweite der Schlüssel. Im Ziel blinkt eine neue Bestzeit auf und der Computer spuckt die Daten aus: Über 85 Prozent der maximalen Leistung abgerufen. Zurück in der Box kommt der Renner wieder ans Ladegerät, im nächsten Run soll es noch etwas besser gehen. Auf dem Weg zum Start stehen die Ingenieure der großen Hersteller Spalier und notieren sich die Startnummer eifrig in ihre Notizblöcke. Sie wissen, hier fährt die Zukunft vor. Am schönsten ist Motorsport da, wo noch alles möglich ist. Wo auch kleine Teams mit wenig Budget Chancen haben. Wo der Teamgeist den Ausschlag gibt, Ideen und persönliches Engagement. In der Formula Student Germany (FSG) ist das so. Der Konstruktionswettbewerb, der seit 2006 vom VDI – Verein Deutscher Ingenieure – ausgerichtet wird, zieht jedes Jahr aufs Neue motorsportbegeisterte Stu- denten an. Neben dem Studium entwickeln sie einen einsitzigen Rennwagen mit freistehenden Rädern, einen klassischen Monoposto. Im Sommer zelten dann Teams aus aller Welt für fünf Tage am Hockenheimring, um in mehreren Einzelwettbewerben zu ermitteln, was ein Jahr Entwicklungsarbeit tatsächlich wert ist. Rund 3500 Teilnehmer in 140 Teams treten an. Zum ersten Mal sind dieses Jahr in der FSG mehr Elektrorennwagen dabei als Rennwagen mit Verbrennungsmotor. Das Treffen am Hockenheimring ist Rennsport und Wettstreit um die klügsten Nachwuchsingenieure zugleich. »Wir sind hier, um von denen zu lernen, wie die Zukunft aussehen kann«, sagt Michael Kerber, 57, ein gestandener Ingenieur, der für die Quattro AG in Neckarsulm Fahrwerke für den Audi RS5 oder den RS6 entwickelt. Für ihn sind die vier Tage im Sommer bei der FSG gesetzt, seit der Premiere 2006 hat er 35 hochtalentierte Ingenieure zu Audi locken können. Kerber ist eine auffällige Erscheinung und ein gefragter Mann. Er ist für Audi da, aber irgendwie auch in eigener Sache. Unermüdlich marschiert er in der Boxengasse von Team zu Team, hilft, wenn ein Auto nicht funktioniert, saugt alle technischen Neuheiten auf wie ein Staubsauger und sucht bei kniffligen Fragen den Schlagabtausch, hier der erfahren Ingenieur, dort die jungen Herausforderer. In Amerika nennen Sie so Typen wie ihn einen

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SPORTTASCHE: FORMULAR STUDENT

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SPORTTASCHE: FORMULAR STUDENT »Patrol Head«, einen, der Benzin nicht nur im Blut, sondern auch im Kopf hat. Richtig in Fahrt kommt Kerber, wenn er bei den Jury-Entscheidungen als Judge die besten Boliden bewerten darf. Dann wird tief gebohrt. Manchmal so weit, bis er die Antwort auf seine Frage nicht mehr versteht. Dieser Schlagabtausch der jungen Wilden mit den erfahrenen Punktrichtern und Experten ist die eigentliche Herausforderung der FSG. Wer hier besteht, zu dem laufen die Hersteller anschließend in die Box, um sich die technische Lösung, die sie bei der Präsentation noch nicht durchdrungen haben, nochmal genau erklären zu lassen. Es gewinnt nicht einfach das schnellste Auto, sondern das Team mit dem besten Gesamtpaket aus Konstruktion und Rennperformance, Finanzplanung und Verkaufsargumenten. Eine Jury aus Experten aus Motorsport, Automobilund Zulieferindustrie bewertet über mehrere Tage hinweg Teams und Fahrzeuge in drei statischen und vier dynamischen Disziplinen und vergibt Punkte. Das Reglement der FSG gewährleistet, dass der Wettbewerb nicht zu gefährlich wird. Immerhin sind die Piloten ausnahmslos Amateure und die Teams arbeiten neben dem Studium unentgeltlich mit vergleichsweise winzigen Budgets. Es gibt auch weder eine Startaufstellung noch Massenstarts: Die Leistungen der Eigenkonstruktionen werden ausschließlich einzeln ermittelt. Auch da kommt es auf höchste Konzentration und fahrerische Perfektion an, denn die kleinen Renner werden auf den eng gesteckten Kursen im Infield des Motodroms voll am Limit gefahren. Abflüge und Kollisionen sind aber so gut wie ausgeschlossen. Auch neben der Strecke findet in Hockenheim bei der FSG ein Wettstreit statt. Der Wettstreit der Autohersteller. Im Fahrerlager grüßen die bekannten Logos der deutschen Premiummarken und streiten auf Fahnen und Werbeinseln um die Gunst der Besucher. Sie schaffen Raum für Gespräche und WLAN mit Catering ist bei den Studenten schwer beliebt. An den Messeständen warten die Personalbetreuer mit Informationen über ihr Unternehmen und suchen ganz gezielt das Gespräch mit dem Ingenieur-Nachwuchs. Die Top-Leute haben Angebote von überall. Deshalb betreiben alle Hersteller diesen Aufwand. Man kennt sich, viele Ingenieure und Studenten sind nicht zum ersten Mal dabei. Auch für die Studenten ist es wichtig, Kontakte zu einem der großen Autohersteller in Deutschland zu knüpfen. Ein Praktikum oder eine Diplomarbeit, das ist der normale Einstieg. Wenn es um die Wurst geht, können die Hersteller aber auch sehr schnell konkret werden. »Wenn ich ein Supertalent entdecke, dann schleppe ich ihn direkt hier an den Audi Nachwuchsstand und erzähle jedem: Den brauchen wir. Und zwar so lange bis eine Stelle gefunden ist«, kennt Michael Kerber keine Berührungsängste. Personaler und Ingenieure arbeiten dafür an den vier Tagen Hand in Hand und mancher Student hat noch vor Ende der Veranstaltung auf dem Hockenheimring einen Vertrag in der Tasche. Noch etwas verfängt bei den Studenten: Echtes Interesse und das Gefühl ernst genommen zu werden. Kurz vor dem Start zum Beschleunigungswettbewerb hat bei einem Team aus Valencia das Auto nicht funktioniert. Die Spanier sind zum ersten Mal hier und waren hilflos. Kerber war zufällig in der Nähe und hat kurzerhand mit angepackt. Mit seiner Hilfe haben sie ihren Boliden noch rechtzeitig an den Start gekriegt. Die Experten von Audi spielen hier nicht die Oberlehrer, sondern sind mit Herz und Hirn bei der Sache. »Da ist es mir wurscht, ob der von Daimler oder BMW gesponsert wird, wenn es ein Problem gibt stecken wir die Köpfe zusammen und versuchen gemeinsam eine technische Lösung zu finden«, beschreibt Kerber den Spirit der FSG. In Neckarsulm bei Audi angekommen, grübeln einige der Nachwuchskräfte schon, in welche Region sie ihr Ehrgeiz hingeführt hat. Die meisten geben ehrlich zu, dass es die Aufgabe war, für einen der attraktivsten Autobauer arbeiten zu dürfen, die sie hergelockt hat. Wer hier ist, findet Heilbronn und seine Umgebung dann eigentlich ganz cool. Die Lage am Neckar, die Weinberge, das erholsame Umland und am Wochenende mal kurz nach Frankfurt, Stuttgart, Mannheim oder an den Bodensee, da kann man nicht meckern. Die Region gewinne, so sagen sie, auf den zweiten Blick.

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COOL PLACE. SAMMLUNG SCHARPFF Rudolf und Ute Scharpff vor Terry Winter Shock Front (1995), Foto: Privat © Scharpff / Winter Die Ausstellung »COOL PLACE. Sammlung Scharpff« im Kunstmuseum Stuttgart gewährt mit rund 60 Arbeiten von 15 international bedeutsamen Künstlerinnen und Künstlern einen umfassenden Einblick in die renommierte Sammlung von Ute und Rudolf Scharpff. Bereits in den 1960er-Jahren begann das Stuttgarter Ehepaar Kunst zu sammeln. Hinsichtlich der künstlerischen Techniken, entwickelten sie eine Vorliebe für das Medium der Malerei – diesem Schwerpunkt widmet das Kunstmuseum Stuttgart nun eine große Sonderausstellung. BIS 16. NOVEMBER 2014 IM KUNSTMUSEUM STUTTGART

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KUNSTREGION: COOL PLACE. SAMMLUNG SCHARPFF Oben: Jeff Koons Titi 2003 Öl auf Leinwand, 274,3 x 213,4 cm Sammlung Scharpff Foto: Jeff Koons © Jeff Koons Unten: Albert Oehlen I 10 2010 Papier auf Leinwand, 230 x 170 cm Sammlung Scharpff Foto: def image © Albert Oehlen

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KUNSTREGION: COOL PLACE. SAMMLUNG SCHARPFF Oben: Christopher Wool Ohne Titel 1990 Alkyd und Acryl auf Aluminium, 243,8 x 162,6 cm Sammlung Scharpff Foto: Lamay Photo © Christopher Wool Unten: Christopher Wool Ohne Titel 2002 Emaillack auf Aluminium, 198,1 x 152,4 cm Sammlung Scharpff Foto: Lamay Photo © Christopher Wool

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RAIMAR SCHURMANN raimar.schurmann@hotmail.de T 07131 2046130

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KUNSTREGION: COOL PLACE. SAMMLUNG SCHARPFF Oben: Neo Rauch Alter 2001 Öl auf Leinwand, 250 x 210 cm Staatsgalerie Stuttgart Foto: Uwe Walter © Courtesy Galerie EIGEN + ART/ VG Bild- Kunst, Bonn 2014 Unten: 2014 Neo Rauch Ordnungshüter 2008 Öl auf Leinwand, 250 x 300 cm Staatsgalerie Stuttgart Foto: Uwe Walter © Courtesy Galerie EIGEN + ART / VG Bild- Kunst, Bonn 2014

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KUNSTREGION: GEGO. JEAN-JACQUES LEBEL SIE BIETEN DEN AUSBILDUNGSPLATZ? WIR DEN AZUBI-FILM! Interesse? azubifilm@formatfilm.tv Ihre Ausbildungsplätze werden von uns in einem Film dargestellt und Ihre Botschaften so direkt den Azubis von Morgen präsentiert. Nach dem Erscheinen im Magazin, gehen die Nutzungsrechte zur Zweitverwertung (facebook, Messe-Display etc.) an Sie über. Mehr Infos unter www.formatfilm.tv

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»ICH BIN STEFAN DITTRICH« INTERVIEW: LISA MARIE KLOTZ FOTOS: STEFAN DITTRICH Juhu! Toll! Mega! Stefan Dittrich ist der allergrößte, deutsche Künstler Deutschlands – alle anderen können einpacken – nur ER hat’s raus! Und jetzt kommt’s: Er hat eine brandneue CD mit Musik gemacht! Im folgenden Interview plaudert der geilste, schönste, begabteste, potenteste, sportlichste, bärtigste, verständnisvollste, intelligenteste Mann Deutschlands über sein neustes Produkt, über sein Leben in Berlin und seine Pläne für die Zukunft!

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INTERVIEW DES MONATS: STEFAN DITTRICH innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums. STEFAN DITTRICH — Die erste CD von der Du sprichst, die im April erschienen ist (»Stefan Dittrich singt Guitarre leif«) und ebenfalls hier zu erhalten ist: http://www. stefan-dittrich.net/shop/, ist eine Live-Scheibe und besteht aus Konzert-Mitschnitten der Jahre 2012/13 im Ray Lemon, im Café Daneben und im Café Wilhelm. Dass die so zeitnah gemacht worden sind, liegt daran, dass sich eine ungeheure Vielzahl von Songs in den letzten Jahren angesammelt hat, von denen ich mal einen Bruchteil zu einem Tonträger zusammengefasst habe. Außerdem hab HANIX — Guten Abend, Stefan, sehr nett, dass du mich um diese unheilige Uhrzeit in den »Roten Salon« lässt, wie du dein Aufnahmestudio, dein Atelier selbst nennst. Wie kommt es, dass hier alles so rot ist? STEFAN DITTRICH — Reiner Zufall! HANIX — Stefan, ich erwische dich im Moment wieder beim Arbeiten. Woran arbeitest du zurzeit? STEFAN DITTRICH — Ich arbeite gerade an einem kleinen Werbefilmchen für meine neue CD »Seine schönsten Lieder« – eine sehr schöne CD. Sie kostet nur zehn Euro und ist ab dem 26. September erhältlich. Allerdings nicht im Laden, sondern auf meiner Homepage http://www.stefan-dittrich.net/shop/ oder unter 0176 / 99053371! Und hier kann man auch schon mal reinhören: http://www. stefan-dittrich.net/musik/. Am selben Tag wird es auch eine Art Release-Feier geben, im »Cave 61« im K3 in Heilbronn wird ein Konzert von mir und zwei weiteren Herren (Nicolai Köppel und Ben Sommerfeld) stattfinden. Ich arbeite also an diesem Imagefilmchen, für das ich eine weiße Soße produziert, diese vor laufender Kamera auf ein schwarzes Tablett gespritzt habe und nun im Begriff bin, per Chroma-Keying in das Video einzufügen. HANIX — Würdest Du sagen, Du redest ohne Unterlass? STEFAN DITTRICH — (nimmt eine Gabel Spaghetti Bolognese) – Nein, ab und zu esse ich auch mal was! HANIX — Habe ich richtig mitbekommen, dass du demnächst eine neue CD veröffentlichst? STEFAN DITTRICH — Richtig! »Seine schönsten Lieder« – eine sehr schöne CD. Sie kostet nur zehn Euro und ... HANIX — Meines Wissens ist das schon die zweite CD ich als ALG-1-Empfänger ’ne Menge Zeit. HANIX — Warum klingen diese beiden Platten so unterschiedlich? STEFAN DITTRICH — Das liegt daran, dass ich keine Band habe, die mich live unterstützt. Da habe ich ja nur Guitarre, Orgel und Stimme zur Verfügung. Somit spare ich mir zwar lästige Proben und kann mehr Gage für mich allein einstreichen, doch innerlich wünsche ich mir und suche immer noch einen Bassisten und einen Schlagzeuger! Und im Studio ist ja alles möglich – da kann man unendlich viele Instrumente selber einspielen. HANIX — Auf »Seine schönsten Lieder« gibt es einige Songs, z. B. »Immer wieder la Vida« oder »Korsika«, die stark in die Richtung deutscher Schlager gehen. Rechtfertige dich! STEFAN DITTRICH — Nun ja, beide Lieder besitzen einen textlichen ironischen Bruch, der deutlich macht, dass es sich um Schlagerparodie handelt. Es gibt ja auch einen Song (»Der Kukka«), der stark in Richtung Hip-Hop geht, oder? Der »Kopf-Song« ist wieder rockiger. Viele haben nur ein Problem mit deutschsprachigen Texten – viele nennen schon Schlager, was eigentlich Deutsch- Pop ist, z. B. Münchener Freiheit, BAP oder so. Schlager kommt von »Hit« und beschreibt somit lediglich den finanziellen Erfolg eines Liedes. Es ist immer das Gleiche, der Musiker macht, drückt sich aus, und die Industrie

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INTERVIEW DES MONATS: STEFAN DITTRICH versucht dem Produkt ein Etikett zu verleihen, damit sie es besser verkaufen kann. Damit habe ich nichts zu tun, denn ich mache von der Idee bis zum Vertrieb alles selber. Deshalb verdiene ich auch nichts. Verdammt! HANIX — Stefan, du wohnst seit März ’14 in Berlin. Wie fühlst du dich, du bist ja hier aufgewachsen. STEFAN DITTRICH — Ich hab in Marzahn gewohnt von 1981 – 1993, habe meine Kindheit hier verbracht, fühle mich aber nun etwas fremd und neu hier in Pankow. Wenn ich nach Marzahn fahre, finde ich die mir vertrauten Plattenbauten saniert und bunt angemalt vor – sehe meine Grundschule nicht mehr, denn sie ist abgerissen worden – sehe das Wäldchen, in dem ich früher spielen war, finde die Wege mit wildem Kraut verwuchert. Von der Kindheit keine Spur, denn sie liegt weit, weit zurück und existiert nur noch blass in meiner Erinnerung. Ich versuche natürlich künstlerisch in Berlin Anschluss zu finden und trete weiterhin auf – allerdings zunächst auf sogenannten OpenStages, veranstaltet einmal in der Woche, gagenfrei, jeder hat 10 Minuten (sind ungefähr drei Songs), Gelegenheiten für Musiker zu zeigen was sie können, im Grunde erbärmlich und ekelig! Das Publikum als solches besteht nur aus wartenden Musikern, die sich nach ihrem Auftritt verdünnisieren. Einmal habe ich’s verschlafen, mich rechtzeitig auf der Liste einzutragen (die Musiker kommen gegen acht, tragen sich ein und um neun geht’s los – wer zuerst kommt, malt zuerst), musste zehn Gitarristen ertragen, bevor mein Part

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INTERVIEW DES MONATS: STEFAN DITTRICH kam, wurde immer betrunkener (proportional dazu leerte sich das Portemonnaie) und stellte letztendlich in dem mittlerweile fast leer gewordenen Laden fest, dass eine Seite an meiner Guitarre gerissen war! Montags OpenMic im »Zimmer 16« (Pankow), dienstags OpenStage im »Lagari« (Neukölln), mittwochs im »Arcanoa« (Kreuzberg), donnerstags im »Acud« (Mitte), freitags »Lieschen Müller« (Prenzlberg). Gloob mir, da kommste rum im künstlerisch überfüllten Balin! HANIX — Apropos künstlerisch – du planst einen Kurzfilm, hab ich gehört? STEFAN DITTRICH — Oh, ja, auf meinen letzten Kurzfilm »SPIESSA!«, der noch mit echten, lebenden Menschen war, folgt nun »Der einsame Tod des Antonio Luquarto«, ein Trickfilm mit Legetechnik à la Terry Gilliam, der Mitte 2015 fertig sein soll. Es geht um einen sehr dicken Jungen, der sehr viel isst. Mehr wird nicht verraten. HANIX — Mir flüstert gerade ein Vögelchen, dass du demnächst sogar eine Ausstellung hast. STEFAN DITTRICH — Richtig! Ebenfalls im schönen Heilbronn beginnt Ende September im guten alten »Data 77112« eine Bilderausstellung namens »Porträts des Zorns« mit neuen und alten Sachen. Vernissage: 27. September! Ich werde persönlich anwesend sein! Ich bin Stefan Dittrich! Ich bin müde und muss jetzt schlafen! Gute Nacht!

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IER UND WEIN U. A. MIT: WER SICH TRAUT, DER BRAUT Craft Beer ist handgemachtes Bier, das sehr ungewöhnlich schmeckt und viel mehr kostet. Lohnt sich das? Oder bleibt der deutsche Bierkenner besser bei seinem Pils oder seinem Weizen? »ALKOHOL IST EIN WESENTLICHER GESCHMACKSTRÄGER« Roland Andre, studierter Diplom-Brauwirt, ist berühmt für seine feine Zunge. Reden wir also über Geschmack, Herr Andre.

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IM KELLER DES GRAFEN Alljährlich lädt der Erbgraf zu Neipperg in den altehrwürdigen Keller unter dem Schwaigerner Barockschloss, um seinen neusten Jahrgang zu verkosten. DER WEIN DES UNTERLANDS Ein Sherlock-Holmes-Pastiche von Nicolai Köppel

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WER SICH TRAUT, DER BRAUT Craft Beer ist handgemachtes Bier, das sehr ungewöhnlich schmeckt und viel mehr kostet. Lohnt sich das? Oder bleibt der deutsche Bierkenner besser bei seinem Pils oder seinem Weizen? Da weiß er, was er hat! Wir haben mal in Distelhausen nachgeforscht, bei Deutschlands Brauerei des Jahres. Die müssen es ja wissen. TEXT: FLORIAN DAMASCHKE FOTOS: MEHMET FILIZ

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Wer nicht glaubt, Bier könne fruchtig schmecken oder nach Schokolade und Kaffee, der wird in der Distelhäuser Brauwerkstatt eines Besseren belehrt. Die Brauerei aus Distelhausen bei Tauberbischofsheim, auch in Heilbronn für sein schlankes und schmackhaftes Pils bekannt, wurde eben erst zu Deutschlands »Brauerei des Jahres« gekürt. Auch weil sie immer wieder neue Bierspezialitäten auf den Markt bringt, derzeit hat Distelhäuser einundzwanzig verschiedene Sorten im Angebot. Auf der Suche nach dem Ursprung dieser vielfältigen Bierkultur landet man irgendwann in einem kleinen Raum tief in den Katakomben der Brauerei. Vor einem Edelstahlkessel steht ein Mann im T-Shirt und Arbeitshose tief über die sonnengelbe und mit cremigem Hefeschaum bedeckte Flüssigkeit gebeugt. Mit einer Hand am Kesselrand gelehnt, wedelt er sich mit der anderen das Bieraroma in die Nase: »Riecht nach Maracuja!« Oliver Dietrich, 47 Jahre, seit 1989 im Betrieb ist Braumeister und Biersommelier und bei Distelhäuser so etwas wie der Geschmackszauberer. Trend aus den USA Bier das nach mehr schmeckt als nach Pils, Weizen oder Export, ist in den USA, in England oder Belgien schon längst ein Renner. Der deutsche Biertrinker ist da eher vorsichtig, langsam kommt aber auch hier handgemachtes Bier, sogenanntes Craft Beer, in Mode. Häufig veredeln Fruchtnoten wie Mandarine, Ananas oder eben Maracuja den Charakter dieser Geschmacksbomben, die etwas herberen Aromen schmecken nach Kaffee oder Schokolade. Wegen der kleinen Mengen kostet eine Flasche Craft Beer gerne zwischen zwei und fünf Euro. Auf Seiten wie bier-deluxe.de oder hopfenhelden.de kann man viele der angesagten Edel-Biere kaufen. Gerade Gastronomen oder Hotelbars, die etwas auf sich halten, geben bei kleinen bis mittelständigen Brauereien inzwischen häufig ihr eigenes markantes Bier in Auftrag, um sich auch bei der Getränkeauswahl unverwechselbar zu sein. verdeckt das Aroma. Dabei schwenkt er sein Glas unter die Nase, atmet die Aromen ein und nimmt einen vollmundigen Schluck, den er mit einer schürzenden Bewegung der Lippen zunächst auf der Zunge spielen lässt, bevor er ihn herunterschluckt. »Ich kann kein Bier ausschenken, das ich nicht selbst verkoste«, sagt er, während ihn ungläubig schauende Kussmund-Gesichter anblicken, die es ihm mit gurgelnden Geräuschen nachtun wollen. Der Biersommelier schmunzelt, skeptische Bierkenner oder noch skeptischerer Bierhasser zu bekehren, da ist er in seinem Element. So oft es geht, empfängt er in der Distelhäuser Brauwerkstatt Besucher, um Ihnen das Thema Craft Beer näher zu bringen. Dann werden Biere verkostet, deren ungewöhnlicher Geschmack zunächst häufig auf Ablehnung stößt, aber nach und nach, wenn die Tester die Verkostungsrituale verinnerlicht haben, geradezu in einen Aha-Effekt münden. Den Genuss von Craft Beer muss man einem deutschen Biertrinker erklären, ist sich Olli Dietrich sicher und erzählt dann gerne eine Anekdote aus Holland. Dort sei er in einem typischen Fachhandel für Craft Beer gewesen und hätte beobachtet wie ein Kunde eine Bierflasche nach der anderen aus dem Regal nahm, die Farbe musterte und die Zutatenliste studierte, bevor er nach etwa einer halben Stunde eine Bierflasche in Champagnerform an der Kasse bezahlte. Wohlgemerkt eine einzige Flasche. So viel Eigenart verwunderte dann auch den Bierverrückten Dietrich und er sprach den holländischen Kunden auf sein Kaufverhalten an. »Der,« erzählt Dietrich, »fand das überhaupt nichts Besonderes, er hätte nur das passende Bier fürs Abendessen ausgesucht.« Riechen, schmecken, verkosten In der Distelhäuser Brauwerkstatt gießt Olli Dietrich zur Probe seine neueste Craft Beer-Kreation in bauchige Gläser. Ganz vorsichtig, sodass sich beim Einschenken nur wenig von dem cremigen Schaum im Glas bildet. Denn der Schaum, erklärt er einer Gruppe junger Frauen und Männer, die an der Dualen Hochschule in Heilbronner ihre Masterarbeit über das Phänomen Craft Beer schreiben,

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TITELTHEMA: BIER & WEIN brauten. »Ich habe als Azubi die Vielfalt verflucht, aber eigentlich war ich dem Craft Beer damals schon näher als ich dachte«, sinniert er. Der mit dem Bier flüstert Auf den zweiten Schluck tritt jetzt auch bei den Heilbronner Studenten die Maracuja-Note deutlich hervor, die super zum weichen Geschmack des Indian Pale Ale passt, das auch auf der Basis eines deutschen Weißbiers gebraut sein könnte. »Ich trinke normalerweise überhaupt kein Bier«, platzt es aus einer jungen Frau heraus, »aber das hier schmeckt echt Hammer!« Mit über sieben Prozent Alkoholgehalt und einem Bittergehalt von 77 Ibu – herkömmliche Biere haben etwa die Hälfte – ist das Maracuja-Bier ein typisches Craft Beer, dessen Fruchtaroma die starke Bitternote angenehm abrunden. Dietrich versorgt seine Verkostungsrunde in der Brauwerkstatt mit ein paar frischen Flaschen aus dem Kühllager, denen noch das Etikett fehlt. »Dafür war noch keine Zeit«, sagt er, denn noch ist Craft Beer bei Distelhäuser reine Handarbeit, seine Handarbeit. »Es gibt für das was ich hier tue keine Fachbücher, ich kombiniere aus über dreißig Malzen und etwa fünfzehn Hopfensorten, die Aromen, von denen ich meine, dass sie harmonisieren«, erklärt Dietrich seine Vorgehensweise. Manchmal klappt es auf Anhieb, er hat aber auch schon einige Liter wegkippen müssen, auch der erfahrene Braumeister lernt nicht aus. Schon lange bevor Distelhäuser ihn ermutigt hat in Belgien und den USA den eigens für Craft Beer gezüchteten Hopfen zu bestellen, hat Dietrich zu Hause in seiner Küche von Hand Bier gebraut. Aus drei Zutaten so ein vielfältiges Produkt herzustellen, hat ihn schon als jungen Kerl fasziniert. Zum ersten Mal am Braukessel steht er im fränkischen Kitzingen. Hier in einer mittelständischen Brauerei lernt er sein Handwerk, die damals aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser bereits zwölf verschiedene Biere Craft Beer ist für Genießer, nicht für den Supermarkt Dass in Deutschland das Interesse an Craft Beer zunimmt, ist auch Frank Störzbach, Marketingleiter in Distelhausen, nicht entgangen. »Anfangs«, erzählt er, »waren wir bei diesem Trend sehr zurückhaltend. Nicht weil wir am Geschmack gezweifelt haben, unsere Braumeister haben alle auch Lieblingsbiere aus den USA, England oder den Benelux-Ländern, sondern weil wir uns bei Distelhäuser einem Regionalprinzip verpflichtet haben. Achtundneunzig Prozent aller Rohstoffe kaufen wir bei uns in der Region ein, die Gerste bei unseren Bauern und die Malz in Mälzereien im Umkreis von 80 Kilometer rund um den Brauerei- Schornstein. Das entspricht auch unserem Vertriebsgebiet.« Und so schließt sich der Kreis, Distelhäuser kauft und verkauft seine Güter und Dienstleistungen in einem klar definierten regionalen Markt. Der Hopfen bildet zwar auch für die herkömmlichen Distelhäuser Biere eine Ausnahme, er kommt wie fast jeder deutsche Hopfen aus der Hallertau in Bayern, Hopfen für Craft Beer wird jedoch in Belgien gezüchtet oder in den USA und das grenzt für Biere einer regionale Traditionsbrauerei vielleicht dann doch an Überfremdung. Der Impuls doch mit eigenen Craft Beers mitzumischen, kam aus der Brauwerkstatt. Auf der Anlage im Maßstab eins zu zwanzig konnten die Braumeister anfangs in kleinsten Mengen mit alternativen Hopfensorten experimentieren. »Craft Beer ist für uns ein Liebhaber-Thema. Es wird kein Produkt für den Massenmarkt, das es im Supermarkt zu kaufen gibt. »Wir können hier unsere Braukunst unter Beweis stellen, ohne unser Regionalprinzip zu gefährden«, erklärt Frank Störzbach, während er die ersten drei Craft Beer Sorten made by Distelhäuser auf den Tisch stellt. Er verkündet: »Das Black Pearl Porter, das Loch Ness Stout und das Lucky Hop IPA gehen im September in den Handel.« Zunächst nur in den Onlinehandel, aber in Heilbronn gibt es konkrete Pläne für eine Craft Beer Bar, die ab 2016 mitten in der Stadt eine mobile Brauküche für Bierseminare anbietet sowie um die fünfzig verschiedene Craft Beer Biere aus der Region auf der Karte hat – auch das von Distelhäuser. Bis dahin rennen die Leute für Verkostungen weiter Olli Dietrich in der Brauwerkstatt die Bude ein.

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»ALKOHOL IST EIN WESENTLICHER GESCHMACKSTRÄGER« INTERVIEW: FLORIAN DAMASCHKE FOTOS: MEHMET FILIZ Roland Andre, studierter Diplom-Brauwirt, ist berühmt für seine feine Zunge. Auf der Bierolympiade in Denver kürte er im April die besten Biere der Welt und als Geschäftsführer und Braumeister in Distelhausen heimste er kürzlich die Auszeichnung »Brauerei des Jahres« ein. Reden wir also über Geschmack, Herr Andre.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN HANIX – Herr Andre, die meisten Erwachsenen in Deutschland haben in ihrem Leben schon Bier getrunken, mehr oder weniger. Fragt man Biertrinker jedoch nach dem Geschmack, antworten viele: »Keine Ahnung, schmeckt nach Bier.« Nach was schmeckt Bier? ROLAND ANDRE – Bier kann ganz viele Geschmacksnoten treffen. Es kann vollmundig sein oder eher trocken, kräftig nach Hopfen schmecken oder lieblich und sogar ein wenig süß. Und das, obwohl Bier aus sehr wenigen Rohstoffen hergestellt wird. Hauptbasis ist Malz, das aus Gerste oder Weizen gewonnen wird und beim Erhitzen das typische Malzaroma freisetzt. Der Hopfen liefert die Bitterstoffe, die Hefe ist ein weiteres Würzmittel und riecht bei der Gärung für Weißbier eindeutig nach Banane. HANIX – Das erste Bier schmeckt nicht. Würden Sie das unterschreiben? ROLAND ANDRE – Genauso wenig wie die erste Zigarette. Der Gaumen gewöhnt sich aber an das Geschmacksbild und das verändert sich auch im Laufe des Lebens. Ältere Leute bewegen sich eher etwas von bitter schmeckenden Bieren weg und trinken lieber Export, Weißbier oder Märzen. Junge Männer bis dreißig bestellen gerne ein schlankes, herbes Pils. Hinzu kommt, das Geschmack regional erlernt ist. Bei uns in Baden-Württemberg trinken die Leute generell eher lieblichere Biere, als im Norden Deutschlands. HANIX – Was ist mit den Bayern? ROLAND ANDRE – Die sind ein Sonderfall. Der Bayer hält Bier für ein Lebensmittel. Etwas für den täglichen Bedarf, gerne auch schon am Vormittag zur Brotzeit. Deshalb ist das bayrische »Helle« so süffig und gefällig im Geschmack und enthält weniger Alkohol und Bitternoten, als etwa ein Pils. Bier ist in Bayern ein klassischer Durstlöscher, gleich nach der Saftschorle. HANIX – Das Frauen kein Bier mögen, ist jetzt aber ein Vorurteil? ROLAND ANDRE – Ja, eindeutig, allerdings schmecken Frauen andere Biere. Die mögen es gerne auch aromatisch, nur nicht so bitter. Kennen Sie unser Distel blond, das spricht Frauen an. Da hören wir oft: »Ich trinke eigentlich kein Bier, aber das schmeckt mir.« Wir Männer sind da hopfentoleranter. HANIX – Wir halten mal fest, Frauen und Männer trinken gleichermaßen Bier, trotzdem geht der pro Kopf Verzehr seit Jahren zurück. Warum trinken die Deutschen weniger Bier als früher? ROLAND ANDRE – Sogar dramatisch weniger. In den letzten 25 Jahren ging es um 30 Prozent runter, von 150 auf 100 Liter im Jahr. Rechnet man diese Zahl auf 80 Millionen Deutsche, dann entsprechen diese 30 Prozent etwa dem Ausstoß von 50 Brauereien unserer Größenordung. Das hat nichts mehr mit saisonalen Schwankungen oder schlechten Sommern zu tun. Das ist ein nachhaltiger, gesellschaftlicher Trend, den wir auch bei Distelhäuser spüren. HANIX – Hat Bier ein Image-Problem? ROLAND ANDRE – Fakt ist, die Leute achten heute stärker auf einen bewussten und gesunden Lebensstil, das mache ich auch. Zudem ist es für arbeitende Menschen noch wichtiger geworden, mobil zu sein. Wer am Steuer sitzt und zwar ganz egal, ob auf dem Fahrrad, Moped oder im Auto, darf keinen Alkohol trinken. Das ist klar! Mir kommt es trotzdem manchmal so vor, als ob Bier in dieser Diskussion als Sündenbock verwendet wird, dabei gibt es deutlich härtere alkoholische Getränke. HANIX – Ist Bier ein alkoholisches Einstiegsgetränk, besonders für Jugendliche? ROLAND ANDRE – Natürlich wollen Jugendliche ihre Grenzen testen, und das machen sie auch beim Bier trinken. Aber ein Bierrausch, so unangenehm er sein kann, taugt nicht für das berüchtigte Komasaufen. Das geht mit Bier schon rein mengenmäßig nicht. Wir werben auch für einen maßvollen Genuss unserer Biere. HANIX – Was heißt maßvoll? ROLAND ANDRE – Nur so viel Alkohol zu sich zu nehmen, wie einem gut tut. Das können auf dem Volksfest gerne mal ein oder zwei Maß sein, aber natürlich nicht, wenn ich danach noch ins Auto steigen muss. Jeder sollte in der Lage sein, zu sagen, ich gönne mir ein noch ein Bier, aber ich kenne meine Grenzen. HANIX – Fördert Distelhäuser diese Eigenverantwortung bei Konsumenten? ROLAND ANDRE – Wir versuchen das nicht nur alleine als Distelhäuser, sondern engagieren uns gemeinsam mit anderen im Deutschen Brauerbund. Ganz aktuell etwa mit der Kampagne »don’t drink and drive«. Hier besuchen Experten Berufsschulen mit den Fächern Kfz-Mechaniker und Kfz-Technik und werben bei Fahranfänger für den Alkoholverzicht im Straßenverkehr. Die Aufklärungskampagne konzentriert sich dieses Jahr auf Baden-Württemberg, den Startschuss gab Verkehrsminister Winfried Hermann im Mai 2014 in Heilbronn. HANIX – Alternativ könnten Sie auch voll auf alko-

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TITELTHEMA: BIER & WEIN holfreie Biere setzen? ROLAND ANDRE – Auf keinen Fall. Alkohol ist ja im Bier kein Selbstzweck, sondern ein wesentlicher Geschmacksträger, indem sich viele andere Noten entfalten. Er funktioniert beim Brauen wie ein Lösungsmittel für die ätherischen Öle und Aromen im Malz und Hopfen. Entziehen sie Alkohol, dann verschwindet ein Großteil des Aromaspektrums. HANIX – Schmecken alkoholfreie Biere deshalb so fad? ROLAND ANDRE – Es stimmt, ein alkoholfreies Bier zu brauen, ist immer ein Kompromiss. Entweder sie stoppen die Gärung in einem sehr frühen Stadium, bevor Alkohol entsteht. Dann erhalten sie unvergorenes Bier mit sehr viel Restzucker, das noch nie ein echtes Bier war. Wir gehen den umgekehrten Weg und entziehen unserem Distelhäuser Weizen oder Pils auf schonende Weise den Alkohol, möglichst so, dass einige Aromen erhalten bleiben. HANIX – Herr Andre, Sie wurden 2014 zu Deutschlands Brauerei des Jahres gewählt. Stolz darauf? ROLAND ANDRE – Das ist schon ein Ritterschlag für unsere Braukunst und zeigt, dass wir vieles richtig anpacken. Neben der handwerklichen Tradition pflegen wir den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden. Unser Fahrer kennen den Filialleiter vom Supermarkt genauso wie die Getränkehändler beim Namen. Dazu haben wir 8000 Führungen im Jahr und mich kennen auch nicht wenige der Distelhäuser-Fans. Diese Treue und Nähe zur Region wird honoriert. HANIX – Auch im Preis? ROLAND ANDRE – Eine Kiste Distelhäuser null fünfer kostet im Handel um die 15 Euro, damit sind wir im Vertriebsgebiet der Preisführer. Bekannte Fernsehbiere gehen hier im Handel etwa für elf Euro über die Theke. Wir sind für die Region greifbar und die Leute haben hier ihr Bier. Das ist schon ein hohes Gut. HANIX – Und was sagen Sie denen, die jetzt immer noch kein Bier mögen? ROLAND ANDRE – Die sollen es doch mal mit einem Distelhäuser probieren, etwa unsere brandneuen Craft Biere Black Pearl Porter, Loch Ness Stout und Lucky Hop IPA. Die gibt es ab sofort in unserem Onlineshop auf distelhäuser.de zu bestellen.

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IM KELLER DES GRAFEN TEXT & FOTOS: PATRICK SCHUSTER / GASTROGUERRILA

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Seit Jahren keltert man im Weingut Graf Neipperg erstklassige Rot- und Weißweine, die in der oberen Liga deutscher Winzer mitspielen. Und alljährlich lädt der Erbgraf zu Neipperg in den altehrwürdigen Keller unter dem Schwaigerner Barockschloss, um seinen neusten Jahrgang zu verkosten. Für mich, als Heilbronner Jung‘ und Foodblogger der in Karlsruhe ansässigen Gastro Guerilla, ein Pflichttermin. Es ist ein Ort höchster Weintradition. Seit 750 Jahre ist das Haus Neipperg mit dem Weinbau verbunden und 300 davon lenkte die Familie vom damals neu erbauten Barockschloss in Schwaigern. Ein Prachtbau, den die Weinliebhaber durch große Tore nach Norden und Süden betreten. Im Innenhof des rechteckigen Schlosses angekommen, findet sich eine etwas abseitige Holztür. Unscheinbar, aber der Zugang zum vinophilen Herz des Anwesens. Eine lange und schnurgerade Steintreppe führt steil hinab in die Tiefe. Feuchte, kühle Kellerluft schlägt einem entgegen. Am Fuße der Stufen angekommen, eröffnet sich einem der weitläufige Gewölbekeller, zur Linken und Rechten gesäumt mit großen Holzfässern. Es kann kaum einen besseren Ort geben, um erstklassige Weine aus Württemberg zu verkosten. Schon seit längerer Zeit sind die Herren Neipperg übrigens nicht mehr nur nationale Geschäftsleute. In den 1970er Jahren erwarb Vater Jospeph Hubert von Neipperg mehrere französische Weinlagen, wo heute Sohn Stephan-Christoph von Neipperg große Bordeauxweine keltert. Dieser hat auch das Potential von Weinen aus dem Osten Europas entdeckt und produziert neuerdings in Bulgarien. Als Teilhaber des Bessa Valley Weinguts ist er mit verantwortlich für die ENIRA Weinserie. Eine weitere Neipperger Erfolgsgeschichte. Wer im Weinlager in Schwaigern näher hinschaut, findet auch hier einige Flaschen aus Frankreich. Der Fokus liegt im Ländle aber anderswo. Stephans Bruder Karl-Eugen Erbgraf von Neipperg verwaltet das VDP-Weingut in und um Schwaigern. Hierzu gehören beste Lagen in Schwaigern, Neipperg und Klingenberg. Und der Erbgraf weiß genau worin deren Potential liegt – knackige Rieslinge und stoffige, kräftige Lemberger (auch: Blaufränkisch). Letztere ist DIE regionale Rotweinsorte, die internationales Format erreichen kann. Auch ich weiß um dieses Potential, als ich im Keller des Schlosses zum Glas greife und der erste Wein in eben jenes fließt. Und wo nach einem guten Lemberger suchen, wenn nicht bei dem Weingut, dem nachgesagt wird, die Rebsorte im 17. Jahrhundert aus Österreich eingeführt zu haben. Lemberger: Ruthe vs. Schloßberg An vier thematisch sortierten Tischen im Kellergewölbe konnte das recht breite Spektrum des gräflichen Weinsortiments getestet werden. Es folgt ein zeitlicher und inhaltlicher Sprung an den letzten Tisch der Kellerprobe. Hier steigen die Erwartungen, die Preise und der Rotweinanteil. Hier liegt die Quintessenz des Weinguts, das Alpha und das Omega, der Schatz, der heilige Gral, der… ich verliere mich. Die Stärke des Grafen liegt, wie schon erwähnt, beim Lemberger und diese fanden sich an besagtem Tisch. Es ist immer ein Gedicht derartig fokussierte Lemberger im Glas zu haben. Da ist zunächst diese tiefrote Farbe, dann der fruchtige Geruch gepaart mit oft vegetativen Anklängen und final ein ausdrucksstarkes, tanninhaltiges Mundgefühl, getragen von einer guten Säurestruktur. Die Weine des Grafen enttäuschten hier nicht. Ich probierte die 2011er Lageweine und die Großen Gewächse jeweils aus den Lagen Schwaigerner Ruthe und Neipperger Schloßberg. Es waren Paradebeispiele um den Lagencharakter eines Weines zu demonstrieren. Die Weine vom Schloßberg schmeckten weniger kräftig und waren mit weniger Gerbstoffen ausgestattet, wirkten somit filigraner und leichter. Die Lemberger aus der Schwaigerner Ruthe packten schon eher zu, waren fülliger und langanhaltender. Trotz der Unterschiede

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TITELTHEMA: BIER & WEIN unser Geheimtipp vom Weingut Graf Neipperg – aber pssst, nicht weitersagen. Was im Keller landete 2012er Neipperger Schloßberg Weißburgunder Große Gewächse; 18,50 Euro 2011er Schwaigerner Ruthe Lemberger trocken Lagewein; 14,00 Euro 2011er Neipperger Spätburgunder trocken Lagewein; 14,00 Euro allesamt typische Lemberger und große Weine, in einem Preissegment von 14 Euro (Lageweine) bis 30 Euro (Großes Gewächs). Unter den Gesichtspunkten Preis und Geschmack, muss jeder selbst seinen Favoriten ausmachen. Ich empfand die Unterschiede zwischen Lagewein und Großes Gewächs als marginal. Wow, welch’ Weißburgunder Was zeitlich vor der Rotweinorgie geschah, ist ebenfalls erwähnenswert. Die ersten drei Tische waren geprägt von Weißweinen und im Anbau kleineren Sorten, wie des Schwaben liebster Schoppenwein, dem Trollinger. Ich widmete mich dem Riesling des 2012er Jahrgangs und probierte diese der Reihe nach, entlang der erwarteten Qualität. Durch die Bank trank ich solide, mineralische und saftige Rieslinge, denen aber ebenso durchweg etwas die Säure- und Aromabasis für die höheren Würden fehlte. Ein Wein der uns neben den Rieslingen dann besonders auffiel, war der 2012er Weißburgunder Große Gewächs vom Neipperger Schloßberg. Der Wein zeigte eine grüne Frucht-Kräuternase geprägt von etwas Minze, Aprikose, Vanille und ein für Weißburgunder typisches, cremiges Mundgefühl, gestützt durch den leichten Holzeintrag. Ein Wein wie eine neue Liebe – super sexy, verspielt und spannend. Wenn man so mag Der Verband deutscher Prädikats- und Qualitätweingüter ist ein Zusammenschluss von derzeit ungefähr 200 Weingütern. Ziel des Verbands ist die Weinproduktion nach höchsten Qualitätsansprüchen. Da der VDP sich selbst als eine Qualitätselite im deutschen Weinbau begreift, sind die Mitglieder handverlesen und nur über direkte Einladung rekrutiert. Ein prägendes Merkmal des Verbands ist die sogenannte VDP-Klassifikationspyramide. Mittels dieser werden alles Weine in 4 Klassen unterteilt: Gutswein, Lagewein, Erste Lage und an der Spitze die Große Lage auch Große Gewächse genannt. www.vdp.de Gastro Guerilla Die Gastro Guerilla ist ein im Jahr 2012 von Patrick Schuster aus Schwaigern gegründeter Foodblog, ansässig in Karlsruhe. Neben den typischen Rezeptideen, Restaurant- und Barkritiken, sind es vor allem die hauseigenen, kulinarischen Untergrundevents, die den Blog von der Masse abheben. Hier wird die Freude am qualitativ und geschmacklich hochwertigen Genuss vermittelt, im kleinen Kreis mit Freunden, Freunden von Freunden und Unbekannten. Weiterhin zählen selbstproduzierte Videos, Weinverkostungen und – Blogosphäre sei Dank – kritische Texte zu kontrovers diskutierten Auswüchsen der Ernährung, zum Repertoire des Blogs. www.gastroguerilla.de

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Kreativzentru Heilbronn Kreativzentrum Heilbronn „Wir halten kreative Köpfe in Heilbronn und fördern junge Unternehmer/innen und Ideen“ Räume zu vermieten (Philipp Kionka / FormatFilm) Unser Kontakt Kreativzentrum Heilbronn Salzstrasse 27 • 74072 Heilbronn • www.kreativzentrum-heilbronn.de • kionka@formatfilm.tv

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INTERVIEW: ROBERT MUCHA FOTOS: HELMUTH RIET & PR »DIE EINLITER- WEINFLASCHE HAT WENIG SEXAPPEAL« Otto Geisel hat 25 Jahre ein Hotel mit Sterne-Gastronomie geführt. Davon wurde zehn Jahre mit regional erzeugten Basis- Produkten gearbeitet. Otto Geisel ist Publizist und öffentlich bestellter, vereidigter Sachverständiger für die Bewertung von Weinen. Er hat den Studiengang »Food Management«, der nun in Heilbronn verortet ist, initiiert und war Fürsprecher des kürzlich eingeweihten Sensorik-Labors an der DHBW in Heilbronn.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN HANIX - Herr Geisel, Sie sind gerade in Südtirol. Befinden Sie sich auf einer kulinarischen Geschäftsreise oder sind Sie als Privatmann im wohlverdienten Urlaub? OTTO GEISEL - Idealerweise verbindet sich beides hier in Südtirol nahezu perfekt. Wir bereiten hier gerade einen Weißburgunder-Kongress vor, bei dem ich in zwei Panels sitze, beziehungsweise diese leite. HANIX - Sie sind erster öffentlich bestellter und gerichtlich vereidigter Sachverständiger für die Bewertung von Weinen in Deutschland. Wie oft sind Sie in dieser Tätigkeit im Einsatz? OTTO GEISEL - Ich bin in der Woche ein- bis zweimal in dieser Tätigkeit unterwegs. Hierzu erhalte ich eine relativ große Bandbreite an Anfragen. Dies kann unter anderem ein Gerichtsgutachten sein, bei dem in den meisten Fällen ein staatlich anerkannter Gutachter bestellt wird. Es sind aber auch Anfragen von Menschen, die einen Weinkeller geerbt haben. Sie sind am Wert der gelagerten Weine interessiert, da Händler oft eine gewisse Summe bieten und die Erben wissen wollen, ob es sich um einen annehmbaren Betrag handelt. Des weiteren gibt es dann noch die Privatgutachten, bei denen beispielsweise ein großer Schadensfall bei einer Versicherung gemeldet wird, die dann natürlich wissen möchten, ob der Schaden richtig angegeben ist. Beispiele sind hier Transportverluste oder unsachgemäße Behandlung der edlen Tropfen. Hinzu kommen noch Bewertungen von großen Weinfonds, die immer wieder aus versicherungstechnischen Gründen, neu bewertet werden müssen. Hier kann auch leicht mal ein zweistelliger Millionenbetrag zusammenkommen. HANIX - Und worin liegen dabei genau Ihre Aufgaben? Sind Sie eher Schlichter oder strenger Richter? OTTO GEISEL - Richter bin ich nie, aber ich gebe da natürlich auch gern mal Tipps anstatt eines großen Gutachtens. Oft werden die Werte, die im Weinkeller gelagert werden, überschätzt. Häufig ist es leider kaum verwertbarer Wein, der gelagert wird. Ein gutes Beispiel sind hier Weißweine, die teilweise zehn bis 15 Jahre gelagert sind. Die schauen dann zwar immer noch ganz hübsch aus, meistens steht aber keinerlei Wert mehr dahinter. Auf der anderen Seite können beispielsweise Auslesen oder Beerenauslesen von Rieslingen aus den 50er Jahren einen immensen Wert besitzen. In einem aktuellen Fall im Raum Augsburg war ein Händler bei einem Weinbesitzer und hat den gelagerten Wert wohl erkannt. Der Weinhändler hat ein Angebot in Höhe von 10 000 Euro für die Weinsammlung abgegeben. Ich habe den Besitzer dann beraten und ihm empfohlen, dies lieber mit einem professionellen Auktionshaus zu machen. Der Erlös lag bei 80 000 Euro. HANIX - Sie sind auch ständiges Mitglied der großen Weinjury »Grand Jury Européen«. Worum handelt es sich bei dieser Organisation? OTTO GEISEL - Insbesondere in den 80er und 90er Jahren hat ein berühmter amerikanischer Wein-Journalist, Robert Parker, den europäischen Weinbau mit seinem Geschmack dominiert. Er war beispielsweise der Erste, der Weine mit einer Hundert-Punkte-Skala bewertet hat, welche auch den Endverbraucher direkt anspricht. Davor hat man in Deutschland und Frankreich immer nur im 15- und 20-Punkte-System bewertet. Für einen Laien erklärt sich dieses aber nicht selbst, da er in diesem System nicht wusste, was beispielsweise 14 Punkte bedeuten, weil nicht klar war, von welchem maximal erreichbaren Punkten man ausgehen muss. Robert Parker hat über diese einfache Vorgehensweise der 100-Punkte-Skala entschieden, welche Weine großartig sind und welche nicht. Denn jedem Kunden war klar, dass ein Wein mit 98 Punkten fantastisch sein muss. Gleichzeitig hieß das, dass der Wert der betroffenen Weine teilweise über Nacht vervielfacht wurde. Daraufhin hat sich eine Art europäische Gegeninitiative, die »Grand Jury Européen«, gebildet, die sich aus Vertretern vieler europäischer Länder zusammensetzt. Wir sind der Meinung, dass ein Einzel-Urteil immer nur subjektiv sein kann.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Wenn man aber 20 subjektive Urteile zusammenbringt, nähert man sich einer objektiven Beurteilung an. Dies ist die Grundidee der »Großen europäischen Jury«. Bei Robert Parker stehen in aller Regel die sehr teuren Weine an der Spitze, was bei uns eher selten der Fall ist. Weine von namhaften Herstellern, die teilweise für 700 bis 1000 Euro die Flasche gehandelt werden, landen in den meisten Fällen bei uns im Mittelfeld. Es kommt nicht selten vor, dass stattdessen Weine für 25 Euro pro Flasche ganz oben stehen. Bei uns werden die Weine immer in einer Blindverkostung bewertet. Wir sehen lediglich das Glas und den Wein, der enthalten ist. Wir wissen aber weder von welchem Weingut der Wein stammt noch kennen wir dessen Namen oder die Lage. HANIX - Außerdem sind Sie für den »Gault & Millau Weinguide Deutschland« redaktionell verantwortlich für das Weinanbaugebiet Baden. Wie sieht ihre journalistische Arbeit aus? Sie sind sicher viel auf Reisen, um neue Weine zu entdecken? OTTO GEISEL - Dieses Thema begleitet mich auch fernab des Berufes, da Wein auch eine persönliche Passion für mich ist. Ich entdecke also unheimlich gern einen guten Wein und natürlich lass ich die Entdeckungen dann auch in meine Artikel einfließen. Ich bin also journalistisch viel unterwegs, dies ist aber eben auch meinem privaten Interesse an Wein geschuldet. Natürlich kommt man dadurch aber auch an Orte, die man sonst eventuell nicht besucht hätte, wie zum Beispiel die Region um den Ätna in Sizilien. Der Ätna ist nicht nur der aktivste Vulkan Europas, sondern mittlerweile auch wieder das zu Hause fantastischer Weine. Durch meine Tätigkeit und dem zugehörigen Netzwerk komme ich relativ schnell an die besten Adressen. HANIX - Sie haben zunächst an der DHBW in Bad Mergentheim, wo Sie lange Jahre ein Hotel mit Sternegastronomie geführt haben, den 2010 eingeführten Studiengang »Food Management und Kulinaristik« mitentwickelt und -initiiert. Ihnen ging es dabei hauptsächlich um eine Bewusstseinssteigerung für

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Lebensmittelqualität und regionale Produkte, richtig? OTTO GEISEL - Das war eindeutig mein Ansatz. Die Kombination zwischen diesem und dem wirtschaftlichen Ansatz empfand ich als extrem spannend, da man den Studenten so auch das richtige Rüstzeug mitgibt. Zugegebenermassen ist für mich persönlich der qualitative Ansatz der Interessantere. Hier spielen meine Erfahrungen in anderen Ländern auch eine große Rolle, da man im Ausland oft anders, sagen wir ruhig bewusster, mit Lebensmitteln umgeht. Dies ist im Ausland nicht unbedingt ein investigativer Ansatz. In anderen Kulturen haben die Menschen einfach Interesse daran zu wissen, wo beispielsweise ein Wein und Gemüse herkommt, und warum der Hersteller bestimmte Dinge mit seinen Produkten macht, bevor er sie zum Verkauf anbietet. Die Konsumenten diskutieren über diese Dinge mit einer derartigen Freude, dass natürlich der Wert der Arbeit dementsprechend gesteigert wird. Den Herstellern gefällt das verständlicherweise sehr gut. Diese Wertschätzung bietet eine ganz andere Basis für eine vernünftige Landwirtschaft, als wir sie in Deutschland vorfinden. Im Bereich Heilbronn haben wir allerdings schon eine sehr gute Wahrnehmung und Wertschätzung der landwirtschaftlichen Betriebe, da es hierzu in den letzten Jahren auch etliche Initiativen gab und immer noch gibt. HANIX - Ist die deutsche Preisschlacht dafür verantwortlich? In Deutschland gibt man im Vergleich zum europäischen Ausland weniger Geld für Lebensmittel aus. OTTO GEISEL - Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass in Deutschland die Lebensmittel, und somit auch der Wein, über den Preis vermarktet werden und nicht über Emotionen wie Sinnlichkeit oder Freude. Auch Herkunftsnachweise sind in Ländern wie Italien und Frankreich strenger und wichtiger, als in Deutschland. Ein gutes Beispiel ist der in Deutschland geschützte Name »Allgäuer Emmentaler«. Jeder weiß, dass der eigentliche Emmentaler aus der Schweiz kommt und ein sehr gutes Produkt ist. Leider setzt man sich dann trittbrettfahrend in Deutschland mit drauf, anstatt eigene echte Herkunftsnachweise abzubilden. Im Grunde genommen ist das Emmentaler-Beispiel ein klassisches Plagiat, ähnlich wie in China hergestellte »Rolex«- Uhren, mit denen man aber viel strenger verfährt als mit angeblichen Herkunftsnachweisen bei Lebensmitteln. Leider kommen wir heute noch nicht dahin, dass ein Käse beispielsweise so heißt, wie die Region in der er hergestellt wurde. Wenn man dann von immer häufiger auftretenden Lebensmittelallergien hört, ist es nicht schwer, hier einen Zusammenhang zu erkennen. HANIX - Nun ist der Studiengang in Heilbronn verortet, wo Sie auch seit diesem Jahr als beratender Experte zum Hochschulrat gehören und Dozent für Kulturgeschichte der Ernährung sind. Ihr Lebensmittelpunkt war über 25 Jahre Bad Mergentheim. Schmerzt der Umzug Sie ein wenig? OTTO GEISEL - Ich lebe jetzt seit mittlerweile drei Jahren in München. Ich war natürlich vom Studienort Bad Mergentheim, mitten im Weinland Taubertal, total überzeugt und fand den Studiengang in Bad Mergentheim absolut richtig angesiedelt. Das Ganze hat sich aber aufgrund verwaltungstechnischer und kapazitätstechnischer Gründe nicht mehr halten lassen. Für mich aus der Münchener Perspektive ist es dementsprechend nicht ganz so traurig, zumal Heilbronn ebenfalls ein toller Standort für diesen Studiengang ist. HANIX - Das Thema Wein spielt an der DHBW Heilbronn zwischen den Rebflächen des größten Rotweinanbaugebiets Deutschlands eine besondere Rolle. Sind die Heilbronner »Food Management«-Studenten und Studentinnen in Sachen Wein die am besten ausgestatteten und aufgestellten Studenten Deutschlands? Immerhin gibt es einen eigenen Weinkeller, mit zig von Ihnen gestifteten regionalen Weinen, ein Sensoriklabor, hochrangige Dozenten und Kooperationen mit namhaften Weinbaubetrieben. OTTO GEISEL - Man kann durchaus sagen, dass die Ausstattung am Heilbronner Campus nicht zu toppen ist und auch das Umfeld eine immens positive und wichtige Rolle spielt. Ich glaube auch, dass die Weinbauregion Heilbronn von besagtem Studiengang profitieren wird. Studenten entwickeln ihrer studentischen Natur nach nicht ganz konventionelle Gedanken, die dann auch Impulsgeber für die Region sein können. Wenn ich mir beispielsweise die Exportquoten deutscher Weingüter anschaue, ist diese absolut diametral zur Wertschätzung Deutschlands in der internationalen Weinszene. Es gibt kein Weinanbauland, das momentan so euphorisch besprochen wird wie Deutschland. Das gilt sowohl für die eleganten Spätburgunder aber auch für die diversen Riesling-Weine. Die Gebiete Baden und Württemberg fehlen hier aber noch etwas auf der Karte im Gegensatz zu den Regionen Rheingau und Saar-Mosel. HANIX - Im Sensoriklabor der DHBW Heilbronn werden die olfaktorischen und gustatorischen Sinne

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TITELTHEMA: BIER & WEIN geschult, um zum Beispiel Wein anhand von Aussehen, Geruch und Geschmack bewerten zu können. Wie können Geschmacksnerven geschult werden? Muss man sich sehr stark auf seine eigene Zunge konzentrieren oder gibt es ein anderes Geheimnis? OTTO GEISEL - Die wichtigste Grunderkenntnis ist hier, dass jeder differenziert schmecken kann. Das hat uns die Schöpfung so mitgegeben. Schmecken ist letztendlich das, was uns von Geburt an überleben lässt, da alle anderen Sinne erst mit der Zeit ausgebildet werden. Ein Baby kann also sehr gut einschätzen, was ihm schmeckt und damit gut tut und was nicht. Mit den weiteren Lebensjahren kommen dann Einflüsse wie beispielsweise die Werbung oder Zucker ins Spiel. Sie verfälschen beziehungsweise verwischen den Geschmackssinn elementar. Ein Sensorik-Labor steuert dem entgegen, denn zunächst wird versucht, die Festplatte in den Köpfen der Studenten zu löschen, um wieder zum Ursprung zurückzukehren. Ziel ist es, den Spaß an unterschiedlichen Geschmäckern zu stärken und ein Verständnis dafür zu entwickeln. Ich bin tatsächlich immer wieder schockiert, wie sich Menschen dem Geschmacksdiktat der Werbeindustrie in der Nahrungsmittelbranche unterwerfen. Aber andererseits sehr individuell sind, wenn es zum Beispiel um Textilien geht. In anderen Bereichen, wie Kunst oder Textilien, ist der Mensch in Deutschland, was das Thema Geschmack angeht, sehr viel offener und individueller, als im Bereich der Nahrungsmittel. Schön ist zu sehen, wie überrascht unsere Studenten sind, wenn sie verschiedene Geschmäcker präzise zuordnen können. Man kann jetzt natürlich fragen, was das alles bringt? Ich sage dazu, dass die einzig wahre und echte Kontrolle über die Güte der Lebensmittel unsere eigenen Geschmacksnerven sind. Das heißt, alles, was von weit her transportiert, mehrfach umgepackt und auch umdeklariert wird, zielt auf eine klare Täuschung des Konsumenten ab. Wenn jemand aber das Bewusstsein für eine klare und schmeckbare Qualität hat, wird derjenige umso mehr die Arbeit derjenigen Hersteller zu schätzen wissen, die vernünftige, qualitativ hochwertige Lebensmittel herstellen. Und das sind vor allen Dingen lokale Produzenten.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN HANIX - Sie als Weinfachmann müssten es wissen: Ist es möglich, beim Lebensmitteldiscounter einen Wein zu finden, der dem studentischen Geldbeutel und ihrem Qualitätsanspruch gerecht wird? Oder ist diese Kombination ein Ding der Unmöglichkeit? OTTO GEISEL - Diese Kombination ist durchaus möglich. Dies wird übrigens auch ein Ansatz sein, den wir mit den Studierenden verfolgen werden. Uns ist klar, dass ein Student in aller Regel seinen Wein nicht im Feinkostladen kauft. Ich halte es für eine gute und überlegenswerte Strategie für Weingüter, einen guten und preiswerten Wein zu produzieren, der einen klaren Qualitätsanspruch hat, der aber nicht unglaublich langlebig sein muss. Dann kann er auch in den Regalen der Discounter stehen. Auf der anderen Seite weiß ich aber von vielen Discountern, dass diese Weine deutlich über die bisher magische Drei- Euro-Marke bei Weinen hinausgehen. Es gibt schon etliche Projekte, auch von vielen Weingütern aus dem badischen Raum, die Weine für fünf bis acht Euro bei Discountern platziert haben. HANIX - Wir haben es schon angesprochen: Regionalen Produkten schenken Sie schon immer eine sehr hohe Aufmerksamkeit. Man könnte auch behaupten, Sie sind ein Lobbyist der regionalen Lebensmittelproduzenten. Wie bewerten Sie den Wein aus der Region Heilbronn-Franken in der Spitze, aber auch in der Breite? Machen die Winzer aus der Region einen guten Job? OTTO GEISEL - Die Winzer hier in und um Heilbronn machen einen sehr guten Job in der Spitze, was allein schon die zahlreichen Auszeichnungen zeigen. In der Breite sehe ich noch enorm viel Luft nach oben für die hiesigen Weingüter. Die teilweise extrem breit aufgestellten Sortimente zeugen nicht unbedingt von Sicherheit und Überzeugung, was die Kenntnis des Geschmacks des Kunden angeht. Der große Unterschied zwischen den international erfolgreichen Weingütern und Weingütern der Region Heilbronn/ Stuttgart/Heidelberg ist, dass die hiesigen Produzenten oft bis zu 50 verschiedene Weine auf ihren Listen haben. Wogegen die Kollegen in Italien und Frankreich es oft mit nur fünf Weinen hinbekommen. Das heißt, dass es dort eine klarere Zuordnung gibt, welchen Kundenkreis der einzelne Winzer ansprechen möchte. In Deutschland versucht man leider, es allen immer recht zu machen und alles abzudecken. Das ist aber eine Kunst, die niemand beherrschen kann. Ich glaube eine Spezialisierung auf die Rebsorten, die man hat - im Heilbronner Raum sind es nun mal viele alte Rebsorten - ist die deutlich bessere Variante. Viele Genossenschaften haben das zwar schon erkannt, suchen aber noch den richtigen Weg. Diese Thematik ist eine studentische Arbeit wert. Wenn ich sage, dass deutsche Weine international stark nachgefragt sind, sprechen wir natürlich nicht von einem Trollinger mit Lemberger in der Einliterflasche. Vielmehr sind damit feine, elegante, im Holzfass ausgebaute Weine, wie beispielsweise ein Spätburgunder oder hochwertige Riesling-Weine, weiße Burgunder oder Eisweine gemeint. Dies sind die Weine, die momentan auf der Welt gesucht werden. HANIX - Sie scheinen kein Fan der 1-Liter-Flasche mit Schraubverschluss zu sein? OTTO GEISEL - Leider ist die Einliterflasche, in meinen Augen die unerotischste und fragwürdigste Verpackungsweise für Wein, immer noch sehr stark in Deutschland vertreten. Dies kenne ich aus anderen Ländern kaum bis gar nicht. Es wird zwar immer noch behauptet, dass dies ein großer und wichtiger Markt sei, aber ehrlich gesagt wage ich das stark zu bezweifeln. In der jungen und modernen Gastronomieszene in Berlin, München oder Hamburg geht der Trend in die ganz andere Richtung: Und zwar weg von den Liter-Flaschen mit Schraubverschluss. Daran erkennt man einfach, dass eine neue Zeit begonnen hat. WEITERE INFOS ZU OTTO GEISEL UND SEINEN TÄTIGKEITEN: www.ottogeisel.de

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SENSORICUM DER DH Das neue »Sensoricum« der DHBW Heilbronn eröffnet viele neue Forschungsmöglichkeiten. Das Sensoricum besteht aus fünf aneinandergrenzenden und mit modernster Technik verbundenen Räumen. Jeweils ein Kulinarik-, Sensorik- und Hygienelabor sowie ein Kunden- und Servicelabor geben viele neue Möglichkeiten. Die Studenten sollen außerdem lernen ohne Licht- und Geräuscheinflüsse und nur anhand von Haptik, Geruch, Geschmack und Aussehen von Speisen einzuschätzen und zu bewerten. Das Sensoricum ist unter anderem mit einem Eye-Tracker und bald auch mit Biofeedback- Geräten ausgestattet.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN BW HEILBRON FOTOS: MEHMET FILIZ

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TITELTHEMA: BIER & WEIN KULINARIK-LABOR Technische Ausrüstung: Anlieferungs-, Lager- und Kühlbereich, fünf Kochinseln mit Vorbereitungs-, Zubereitungs- und Anrichtemöglichkeiten auf dem neuesten Stand der Technik, Unterschiedliche moderne Koch-, Backund Bratzonen zu Testzwecken, Kombidämpfer, Warmhaltesysteme, Regeneriersysteme, Spülbereich mit modernster Spültechnik Kamera- und Mikrofone zum Aufzeichnen von Versuchen Anbindung an das Sensorik-Labor

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Anwendungsfelder in der Praxis: »Produktentwicklung im Lebensmittel- und Getränkebereich, Ideengenerierung für neue Dienstleistungen im Food Management, Entwicklung von neuen Lebensmittel-Verpackungen, Verknüpfung von Marktstudien mit praktischen Versuchen« Einsatzmöglichkeiten: Vor- und Nachbereitung von Lebensmitteln und Getränken für das angrenzende Sensorik-Labor, Vermittlung von Grundkenntnissen zu unterschiedlichen Lebensmittel- und Getränkegruppen, Vermittlung von Qualitätsunterschieden bei Lebensmitteln und Getränken, Gartechniken und Konservierungsverfahren, Vermittlung von grundlegenden Techniken zur Konservierung, zum Transport und Lagerung von Lebensmitteln für den Handel, Durchführen von Kochversuchen und Erarbeitung von innovativen Produkten im Lebensmittelbereich

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TITELTHEMA: BIER & WEIN SENSORIK-LABOR Technisch Ausrüstung: 10 Einzelkabinen: 2 x 5 Kabinen, voneinander völlig abgetrennt, abdunkelbar, jeweils mit Mundspülvorrichtung und Ausspuckbecken, Anbindung an das angrenzende Kulinarik-Labor (abgegrenzt durch Tür) bestückbar über einen Mittelgang per klappbarer Luke an der Frontseite der Kabine, in den Einzelkabinen Touchscreen zur Bewertung der sensorischen Testreihen, Auswertungssoftware

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Einsatzmöglichkeiten: Durchführen von Doppelblindtests im Lebensmittel- und Getränkebereich, Durchführen von Geschmacks- und Geruchsproben, Durchführen von haptischen Tests, Durchführen von Produkttests, Computerbasierte Auswertung der Tests Anwendungsfelder in der Praxis: Produktentwicklung im Lebensmittel- und Getränkebereich, Ideengenerierung für neue Dienstleistungen im Food Management, Entwicklung von neuen Lebensmittel-Verpackungen, Verknüpfung von Marktstudien mit praktischen Versuchen

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»WENN DIE LEUTE NÜCHTERN MEINE KNEIPE VERLASSEN, IST DAS SCHLECHTE REKLAME« TEXT: MARIA SANDERS FOTOS: PATRICK LABITZKE

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Die Mattscheibe flimmert und aus den alten Fernsehboxen donnert Schlagermusik aus den 70er Jahren hervor. Die Abendsonne schimmert durch die großen Kneipenfenster und zeichnet verschnörkelte Figuren im Zigarettendunst. Ein bisschen erinnert die Kneipe an einen Saloon aus dem Wilden Westen. Einfach und rustikal. Stühle, Tische, ein paar Wandmalereien und ein langer Tresen macht die Kneipe aus. Es ist nichts los, wie die Ruhe vor dem Sturm. Drei Gäste sitzen zusammen. Sie reden kaum, trinken Bier und mustern die Neuankömmlinge. Wir sind im »Bierkrug«, der Kultbar direkt am Heilbronner Hauptbahnhof. Willi Bierkrug alias Wilfried Walter Otto Hennemann heißt der bärtige Kneipeninhaber mit goldener Panzerkette und Brille. Seit 13 Jahren führt er das Lokal in der Bahnhofstraße. Und wie läuft’s? In den ersten sieben Jahren florierte die »Bude«. Seine Bar war immer voll. Für den zweifachen Familienvater konnte es damals nicht besser laufen, da er das Studium und die Miete seines Sohns finanzierte. Heute geht das nicht mehr. »Wir leben«, sagt Hennemann wehmütig und trinkt einen Schluck aus der Bierflasche. Dann begann sich ein Trend in dem Stadtviertel breitzumachen. Die Straße und umliegende Ecken wurden Teil der Rotlichtszene. Prostituierte und Zuhälter gaben sich im Bierkrug die Klinke in die Hand und auch die Kriminalität nahm zu. Wirt Willi erinnert sich an eine »krasse Situation«. Ein Gast bestellte ein Weizenbier bei ihm an der Theke. Als Hennemann ihm das Bier ins Nebenzimmer brachte, sah er das Elend. Der Mann schlitzte sich den Bauch auf. Da lag er dann und blutete den ganz Billardtisch voll. Hennemann rief sofort die Polizei und den Notarzt. Warum der Gast das machte, blieb dem Wirt bis heute ein Rätzel. »Leben und leben lassen«, ist Willis Lebensmotto. Nur das Problem war, dass durch die Leute aus dem Rotlichtmilieu, blieben seine eigentlichen Kunden fern. Sie kamen einfach nicht mehr. »Es hat gut drei Jahre gedauert, bis ich das Klientel wieder aus meinem Laden hatte«, erinnert sich der heute 60-Jährige. »Das Image bleibt, da kannst du machen, was du willst.« Auf einmal kommt Besuch: Siegfried Pfeifenberger (57) stolziert mit seiner Umhängetasche zur Theke und setzt sich auf einen Barhocker. Wirt Willi begrüßt ihn mit Handschlag. Sie scherzen um die Wette und laden sich gegenseitig auf einen Ramazzotti ein, bevor Pfeifenberger seinen Dienst antritt. Er kommt gern her und trinkt hier sein Bierchen. Was er an Hennemann so schätzt? »Dass er ehrlich und authentisch ist. Er macht dir nichts vor.« Früher habe man Gott und die Welt in der Bar getroffen, erinnert sich Gast Siggi. Im Bierkrug war immer was los. »Mir ist es wichtig, dass die Leute sich wohlfühlen«, lenkt der Gastronom ein.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Mit Anfang 30 schnappte sich der heutige Kneipier die Branchenbücher und suchte einem Job. Zu diesem Zeitpunkt lebte er in Norddeutschland. Bei einer Firma in Duisburg bekam er eine Anstellung, musste dafür aber in die Nähe der Zweigniederlassung in Neckarwestheim ziehen. Ganz in den Süden also. Mit seinem Schwager hatte er eine Wette abgeschlossen. Wenn Willi dann auch noch sein Fachabitur schafft, bekommt er von ihm 1.000 Mark. Ein Haufen Geld damals. »Acht oder neun Stunden arbeiten und dann musste dir noch den ganz Stoff durchlesen«, sagt Wilfried Hennemann über die eintönigen zwei Jahre Abendschule. Und geschafft? »Na klar«, strahlt er. »Ich hab’s bestanden und wir haben das Geld auf den Kopf geknallt.« Während Gast Siggi Witze reißt, sinkt der Kopf von Willi Hennemann für einen Moment unbeobachtet zu Boden. »Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich vieles anders gemacht«, wispert er. Dann schnappt er sich schnurstracks die Fernbedingung. Er sucht einen passenden Musiksender und dreht voll auf, als Roy Black auf der Mattscheibe zu sehen ist. »Komm’ mal mit«, sagt Hennemann und zeigt in der unbenutzten Küche im Hinterzimmer auf eine weiße Tür. »Achtung, die ist frisch gestrichen«, warnt er. »Die musste ich bauen, um das Billardzimmer zu einem getrennten Raucherraum zu machen«, sagt der Wirt. Seit 2008 ist das Rauchverbot in allen Bundesländern gültig. Das bedeutet, dass in gastronomischen Betrieben nicht mehr geraucht werden darf. Bei Einraumkneipen bis 75 Quadratmeter herrscht strenges Rauchverbot und bei Kneipen mit einem separaten Raum, dürfe in dem abgetrennten Bereich geraucht werden. Deswegen auch die Tür. »Rauche, aber zügig«, steht auf der angestrichenen Tür mit eigens verzierten Rollsplittlettern. Lauter Bestimmungen und Einschränkungen, da drehe man durch. Der Kneipier zeigt auf eine Sitzgelegenheit draußen direkt vor seiner Fensterscheibe: »Dafür musste ich 120 Euro Strafe zahlen«, sagt er, »weil ich einen Tisch und zwei Stühle aufgestellt habe.« Er schüttelt den Kopf. »Ich halte mich an die Gesetze«, sagt er, »wobei mir manche Regelungen schon sehr suspekt vorkommen.« Auch sein Sonderangebot wurde verboten: Auf einem Schild vor dem Eingang stand das »Hartz IV-Angebot«: Ein Bier und ein Korn für 4,50 Euro. Es sei diskriminierend und würde zum Trinken animieren, hieß es vom zuständigen Amt. Hennemann versteht die Welt nicht mehr: »Genau das ist doch mein Geschäft. Schließlich verkaufe ich Alkohol und keine Eier«, so der Wirt. »Wenn die Leute nüchtern meine Kneipe verlassen, ist das schlechte Reklame.« Der quirlige Wirt geht weiter, zeigt zufrieden auf die Familienfotos an der einen Wand und auf fünf selbst gestuckte Bilder auf der anderen Wandseite. »Das ist mein Hobby«, sagt der ursprünglich gelernte Schaufenstergestalter und Plakatmaler stolz. Aus Putz, Straßensplitt und Ölfarben entwickelte er diese Gemälde, die er bereits für 2.000 Euro das Stück verkauft hatte.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Wilfried Hennemann ist ein Typ. Er redet, wie ihm der Mund gewachsen ist, und donnert einen feschen Spruch nach dem anderen hervor. Der Kneipenwirt trägt ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift »Who The Fuck« (auf Deutsch: Wer zum Teufel), das noch von einer der legendären Who The Fuck-Partys stammte. Unter den jungen Heilbronnern ist der Bierkrug Kult. Hier kommen sie am Wochenende zum Feiern her, wenn die Party nach der Party im Bukowski vorbei ist oder wieder das bekannte DJ-Duo, Candy Pollard aus Heilbronn und Karl Ferdinand aus Berlin, in seiner Bar auflegt. Geplant und organisiert vom Veranstalter Manuel Schuller. Die Systemgastronomen haben in Heilbronn auch ihre Berechtigung, findet Kneipeninhaber Willi. Er selber würde aber nie etwas anderes machen wollen: »Entweder ich lebe hier oder ich gehe mit unter.« Für manche ist der Bierkrug nur eine Kaschemme, die Endstation nach einer durchzechten Nacht, bevor es ins Bett oder gleich weiter ins Geschäft geht. Für Wirt Willi ist es ein Ort von endlosen Geschichten, an dem jeder willkommen ist. Er erinnert sich an einen Gast: »Der Typ hatte immer die gleichen Klamotten an, das hat mich gewundert.« Wenig später stellte Hennemann fest, dass es ein verwirrter Obdachloser war, der kein Geld und kein Zuhause hatte. Der Wirt hatte Mitleid und ließ den alten Mann bei sich wohnen. Doch er hatte Probleme mit dem Schließmuskel, sodass ihm Willis Ehefrau noch Windeln wechseln musste. Der Druck wurde irgendwann zu groß. »Ich hatte ja noch die Kneipe«, sagt Hennemann. Da hat er die Situation in der Bild-Zeitung publik gemacht und es folgte Hilfe. Drei Angebote von Pflegeheimen gingen ein, sodass der Heimatlose drei Tage später abgeholt und in eine Pflegeeinrichtung gebracht wurde. Der Bierkrug hat seinen ganz eigenen Charme. Einfach, rustikal und auf das Wesentliche beschränkt: Aufs Trinken. »Die Leute kommen her, weil sie Spaß haben und etwas trinken wollen«, erklärt er. »Und das bekommen sie bei mir.«

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INTERVIEW: ROBERT MUCHA & MARIA SANDERS FOTOS: ULLA KÜHNLE »BEIM BIER SIND DIE DEUTSCHEN KONSERVATIV« »Flupp«, machte es am Mittwochabend in der HANIX-Redaktion. Der Korken ist aus der Falsche und schon ging’s los. Wir trafen uns mit Winzern und Bierbrauern aus der Region zu einem Tischgespräch. Sie erzählten, ob es besser ist ein Nischenprodukt zu haben, vom Berufsethos und wie sich die ältere Generation bei der Übergabe eines Betriebes macht.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Bild linke Seite: Thomas Wachno, Bierbrauer (Hopfenstopfer),Tobias Heinrich, Winzer (Weingut Heinrich), Alexander Bauer, Winzer (Weingut Franz Bauer) HANIX - Warum seid ihr Winzer beziehungsweise Brauer geworden? Und welche Einstellung sollte man zu den Naturprodukten eurer noch Meinung haben, um den Beruf auszuüben? ALEXANDER BAUER - Ich bin nicht Winzer geworden, weil mein Vater Winzer ist. Ich habe mich auch nie dazu verpflichtet gefühlt, den Betrieb weiterzuführen. Nach meinem Abitur habe ich eine Ausbildung zum Winzer gemacht und dachte, ich schau‘ mal, ob mir das gefällt. Anfangs brauchte ich eine Weile, bis ich drin war. Im dritten Lehrjahr war ich auf dem Weingut Aldinger in Fellbach und da hat sich bei mir ein Schalter umgelegt. Es hat Klick gemacht und ich habe kapiert, worum um es geht. Ich hatte richtig Lust auf diesen Job bekommen. Die Familie Aldinger lebt Qualitätsdenken. Sie hat den Willen gezeigt, top Qualität zu produzieren und mit der Natur zu leben. Ich habe mir dadurch den Respekt vor der Natur verinnerlicht. HANIX - Thomas, wie ist es bei dir als Brauer? Du bist wohl weniger im Hopfenfeld unterwegs? THOMAS WACHNO - Das stimmt. Ich muss mich tatsächlich auf die Qualität der Rohstoffe meiner Lieferanten verlassen. Zu meiner Lieferung bekomme ich verschiedene Analyse, in denen die Qualität nochmals genau beschrieben ist. Es ist und bleibt eben ein Naturprodukt, weshalb die Qualität jedes Jahr unterschiedlich ist. Beim Hopfen ist es sogar ganz stark ausgeprägt. Die Aromaausbildung ist sehr unterschiedlich. Im Rahmen der Möglichkeiten muss man dann versuchen, darauf zu reagieren. HANIX - Auf deiner Facebook-Seite habe ich gesehen, Thomas, dass du ab und zu gegen die Fernsehbiere hetzt oder sagen wir es so, kein großer Fernsehbier-Fan bist. Wie ist deine Einstellung zur Bierherstellung? Da scheint es ja offensichtlich Unterschiede zu geben? THOMAS WACHNO - Ich mache mein Bier noch von Hand und drücke nicht auf einen Startknopf. Das ist ein ganz großer Unterschied. Das heißt, dass ich auf alle möglichen Schwierigkeiten reagieren und sie auch korrigieren muss. Das macht nicht der Computer. Und wenn ich es für richtig halte, die Struktur zu verändern, dann mache ich das auch. Das Gefühl dafür entwickelt sich mit den Jahren. HANIX - Sollte Bier am besten nur von Hand gemacht sein? Oder hat auch ein »Becks« seine Berechtigung? THOMAS WACHNO - Das hat sicherlich auch seine Berechtigung. Weil es einfach nicht mehr genügend Brauereien gibt, um diese Biermengen von Hand herzustellen. HANIX - Wie ist es eigentlich mit den Bier-Pops? Haben die eigentlich noch etwas mit Bier an sich zu tun? THOMAS WACHNO - Um ehrlich zu sein, halte ich nicht arg viel davon. Ich sage immer: Das ist minderwertiges Bier mit minderwertiger Limonade gemischt. Was ich gut finde und selbst schon einmal ausprobiert habe, war ein Biermischgetränk mit Saft. Das war eine tolle Sache. Aber ich konnte es so nicht produzieren. Ich habe es ausprobiert. Dennoch hätte es wenig gebracht, weil zu diesem Zeitpunkt die Nachfrage für dieses Produkt nicht da war. HANIX - Tobias, wie war es bei dir? Wie bist du zu deinem Beruf gekommen? TOBIAS HEINRICH - Das war bei mir anfangs noch nicht so klar. In meiner Jugend half ich zwar mit, habe aber auch Zeit im Freibad verbracht und einfach Spaß gehabt. Ich glaube, wenn ich das nicht hätte machen können, wäre meine Berufswahl vielleicht anders ausgefallen. Wiederum habe ich viel mitbekommen. Du probierst Wein und machst deine Erfahrungen. Irgendwann war es einfach da, das Interesse am Wein und an der Herstellung. Spätestens mit 16 war das Interesse am Wein und an der Rebe geweckt.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Bei mir war es anfangs tatsächlich der Weißherbst, der mich zum Weintrinken gebracht hat. Aber natürlich gibt es auch einen unterbewussten Druck, den Weinbetrieb mit ununterbrochener Tradition seit 1530 inklusive Stammbaum, aufrechtzuerhalten. HANIX - Gibt es für dich eine Art Ethik, die man für diesen Beruf ausüben sollte? TOBIAS HEINRICH - Für mich schon. Ich will es nicht plakatieren. Es gibt eben einfachere Weine und es gibt Spezialitäten, wobei ich unsere Produkte schon auf der Spezialitätenseite sehe. Es gehört Herzblut dazu, authentische Weine zu machen. Nicht ständig nur vom »Einklang mit der Natur« zu reden, sondern praktizieren! Ob das alle machen, ist so eine Sache. HANIX - Habt ihr beide das Gefühl, dass die Energie, die ihr in eine Rebe investiert, dass sie die wieder dankbar zurückgibt? TOBIAS HEINRICH - Ja, würde ich schon sagen. Du kannst leicht zu viel machen oder zu wenig. Anfangs sind dir die Trauben noch nicht perfekt genug. Doch mit der Zeit wirst du immer genauer, halbierst sie sogar und kontrollierst möglichst jede einzelne Traube, bis sie perfekt wird und so dranhängt, wie du es willst. Dass es eine Bilderbuchrebe wird, darauf arbeitest du hin. Und dann kommst du irgendwann dahin. Du schaffst es zur Perfektion, zur perfekten Traube und stellst fest: Ich will ja gar nichts Perfektes, sondern einen Wein mit Charakter, mit Ecken und Kanten. Ein Wein, der genau deswegen ihren Charme hat, weil sie nicht perfekte ist. HANIX - Nehmt ihr euren Job mit nach Hause oder ins Bett? Wann denkt ihr mal nicht an Bier beziehungsweise Wein? THOMAS WACHNO - Ich habe es gelernt abzuschalten. Es gab Zeiten, da kam alles zusammen: Nachwuchs,

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TITELTHEMA: BIER & WEIN wenig Schlaf, viel Arbeit und keine Ruhe. Da muss man aufpassen, weil es dich sonst irgendwann kaputtmacht. Man lernt einen Schritt zurückzugehen und langsamer zu machen. Wenn ich im Urlaub bin, habe ich grundsätzlich das Handy aus und ins Internet gehe ich schon gar nicht. Ich bin dann nicht erreichbar. ALEXANDER BAUER - Bei mir ist das so, dass sich alles um Wein dreht, ich aber trotzdem gut entspannen kann. Wenn ich meine Freunde zum Grillen einlade, dann stehen zehn offene Flaschen Wein auf dem Tisch. Auch bei unseren Gesprächen geht es viel um Wein und anderen Themen, aber ich kann dabei trotzdem abschalten. HANIX - Wie schätzt ihr den Wettbewerb heute im Vergleich zu damals, ein? Hat sich der verändert? Würdet ihr sagen, dass der Wettbewerb schärfer geworden ist, weil die Discounter präsenter sind und ein ebenso großes Bier- und Weinangebot liefern? TOBIAS HEINRICH - Bei uns ist es definitiv schwerer. Ich habe es am Rande kennengelernt. Ende der 80er Jahre sind wir gar nicht hinterher gekommen mit der Produktion. Die Leute haben mehr getrunken, als wir produzieren konnten. Wenn Weißwein knapp wurde, mussten die Kunden auch Rotwein kaufen. Heute ist das ganz anders. An jeder Ecke gibt es Wein. An jeder Tankstelle, in jedem Supermarkt und dort mittlerweile sogar guten. Als ich in den Weinbetrieb eingestiegen bin, war das noch nicht so. Aber mittlerweile braucht man über die Qualität nicht mehr diskutieren, weil sie fast überall gut ist. Für uns ist das schwierig. Denn es geht ja auch darum, die junge Kundschaft idealerweise an uns zu binden. Und wenn sie dann vorm Regal stehen, greifen sie vielleicht zum kalifornischen, australischen oder chilenischen Wein. Diese Weine sind rund, dunkel und kräftig. Das wächst ja bei uns in der Region gar nicht. Eher elegante, fruchtige, nicht ganz so kräftige Weine. Das ist unsere Stärke! Ich habe zwar auch noch kein Rezept dafür, aber unsere Aufgabe als Jungwinzer ist es, daran anzuknüpfen. THOMAS WACHNO - Wir sind eine kleine Brauerei und es ist auch für uns schwer, das traditionelle Bierprogramm, das bei uns den meisten Anteil ausmacht, hier in der Region zu verkaufen. Also Pils, Export oder dunkles Weizenbier. Die Leute sehen das Bier im Fernsehen. Die sind dann marketingtechnisch gut aufgemacht und die Leute wollen das Bier dann auch haben. Ihnen kannst du das beste Bier vorstellen, viele würden es nicht wollen, weil sie die Fernsehbiere gewohnt sind. Als kleine Brauerei kann man da nur schwer dagegen ankämpfen. Bei den Hopfenstopfer Bieren dagegen habe ich so viele Nachfragen, das ich die kaum alle bewältigen kann. Das liegt zum Einen an den Bieren, und daran, dass ich einer der Ersten war, und somit im Bereich Craft Beer eine Referenz geschaffen habe. Ein bisschen Glück war auch dabei. Ich brauche keine Werbung betreiben und muss auch keine Getränkehändler bitten, mein Produkt mit ins Programm zu nehmen. Die Kunden kommen auf mich zu, sodass ich mich einfach tue, mein Bier zu verkaufen. HANIX - Bedeutet das, dass kleine Unternehmen durch eine Spezialisierung einfacher im Wettbewerb bestehen können? Mit Produkten wie ein Craft Beer oder speziellen Weinen. Ist das so? ALEXANDER BAUER - Nun, wir haben ganz andere Produktionskosten für einen Liter Wein, im Verhältnis zu einer großen Kellerei. Ein Beispiel: Eine Großkellerei hat 500000 Liter Tanks, wir haben 10 000 Liter Tanks. Somit hat die Großkellerei meist geringere Kosten, weil sie den Wein en masse verkaufen kann. Die Qualität stimmt aber trotzdem. Ich glaube, du kannst heute nicht mehr auf einem Weinmarkt gehen und dort einen qualitativ schlechten Wein anbieten. Das gibt es zwar schon noch, aber ob die sich verkaufen, ist fraglich. HANIX - Der kulinarische Experte und vereidigte Weinsachverständige Otto Geisel meint, es gibt keine unerotischere Verpackung als die Literflasche mit Drehverschluss. Braucht man die noch? TOBIAS HEINRICH - Ich finde die Tradition schon gut und wir füllen auch noch in Literflaschen ab, weil die Nachfrage dafür da ist. Aber das ist richtig und diese Generation gibt es wahrscheinlich in 20 Jahren nicht mehr. Natürlich kann man sich spezialisieren und gehobenere Weine abfüllen. Aber dann verkauft man die Menge auch nicht. Das ist schon ein Spagat. Zumindest könnten wir es uns nicht erlauben, plötzlich keine Literflaschen mehr zu verkaufen. HANIX - Experte Geisel stellt auch das übergroße Weinangebot, das es bei manchen hiesigen Produzenten im Sortiment gibt, in Frage. Auf ihn wirke es, als ob manche Produzenten ihre Kundschaft und deren Geschmack nicht kennen. Sonst würden sie ja nur fünf bis zehn Weine im Sortiment haben, weil sie wissen, was ihre Kunden gerne trinken. Ist da was dran? TOBIAS HEINRICH - Ja, da ist viel dran. Es wäre schön, wenn wir schon so weit wären. Das sind wir aber nicht und

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TITELTHEMA: BIER & WEIN es ist auch schwierig. Mal ist diese Rebsorte modern, dann wird diese mal wieder bevorzugt. Da ist es schwierig, sich treu zu bleiben. Das ist eine Kunst. Tatsache ist, dass ein Wandel stattfindet. Es bedarf seine Zeit, sich darauf neu einzustellen. Von Kunden-, wie Produzentenseite. HANIX - Thomas, wie ist es bei dir? Erzielst du deinen größten Absatz hier aus der Region oder von anderswo? THOMAS WACHNO - Wir haben den größten Absatz unserer traditionellen Produkte ganz klar in Bad Rappenau. Unser Fassbieranteil ist dort sehr gut, und das ist für die Brauer wichtig. Das brauchst du einfach zum Überleben, zumindest bei unserer Brauereigröße. Die Bierspezialitäten wiederum sind ein absolutes Nischenprodukt und gehen bundesweit. Würden wir sie nur hier in der Region verkaufen, könnten wir nicht davon nicht leben. HANIX - Wie empfindet ihr den Wettbewerb regional? Spielt er auch national eine Rolle? TOBIAS HEINRICH - Klar schaut man, was andere machen, sonst geht man unter. Der Wettbewerb ist wirklich taff. Ich war auf der »ProWein« in Düsseldorf. Das ist die weltweit größte Fachmesse für Wein und ich war echt frustriert, als ich wieder nach Hause gekommen bin. Um gute Qualität geht es schon gar nicht mehr, die wird vorausgesetzt. Viele Jungwinzer, die eine top Weinqualität lieferten, waren mit einer super Ausstattung, durchdachten Konzepten und wahnsinnig attraktiven Preisen dort. Die werden sogar noch gepusht und trotzdem fällt es ihnen schwer, ihre Produkte zu verkaufen. Das ist wirklich hart. Wir produzieren ja gerade mal die Hälfte des Weinbedarfes in Deutschland, der Rest wird aus dem Ausland importiert. Und dennoch schaffen wir es nicht, unsere eigenen Weine an den Mann zu bringen. HANIX - Würdet ihr sagen, dass sich ein schlechter Wein mit einer guten Marketing-Kampagne auch nicht verkaufen lässt? ALEXANDER BAUER - Doch. Ich glaube schon, dass das funktionieren würde. Leider. Damals ist man zu seinem Winzer gegangen. Heute ist es so, dass die Leute zu Edeka gehen. Sie machen ihren Einkauf, und wenn sie dann noch einen Wein zu ihrem Fisch haben wollen, gehen sie einfach in die Weinabteilung. Dann nehmen sie entweder einen Wein, den sie kennen oder einen, der gut aussieht. So ist es leider. Das Kaufverhalten hat sich verändert. Es muss unkompliziert sein. TOBIAS HEINRICH - Noch vor zehn Jahren etwa, war die Aufmachung des Produktes nur halb so wichtig. Heute würde ich sagen, macht die Vermarktung gut 70 Prozent aus.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Das Marketing ist also sehr wichtig und demnach würde sich sicher auch der minderwertige Wein, der aber top aufgemacht, relativ gut verkaufen lassen. THOMAS WACHNO - Im normalen Biersegment können wir gar nicht mehr mithalten. Und in die Wirtschaften kommt man gar nicht mehr rein, weil nahe gelegene Bierbrauereien viel Geld reinstecken. Es gibt genügend Knebelverträge. Wir machen es noch ganz klassisch: Kauft so viel, wie ihr braucht. Es bringt uns nichts, wenn ich einem Gastronom Verkaufszahlen aufdrücke, die er gar nicht erbringen kann. HANIX - Wird in Deutschland auch nur die Hälfte an Bier selber produziert, wie es bei den Weinen der Fall ist, und der Rest wird importiert? THOMAS WACHNO - Das kann ich nicht genau sagen. Die Deutschen sind beim Biertrinken auf jeden Fall sehr konservativ. Ausländische Biere tun sich hier schwer. Nur Spezialitäten haben eine gute Chance. Beliebt ist derzeit das Craft Beer aus Amerika. Das könnte an dem Reinheitsgebot liegen, woran sich deutsche Produzenten halten müssen. Ausländische Biere müssen sich nicht daran halten. Das heißt, dass diesen Bieren auch Früchte oder Gewürze zugesetzt sein können oder die eine oder andere Substanz aus dem Reagenzglas. Nur Spezialitäten haben eine gute Chance, wie zum Beispiel das Craft Beer aus Amerika. HANIX - Hat das Bier diesbezüglich einen Vorteil gegenüber dem Wein? ALEXANDER BAUER - Ein großer Unterschied ist, dass ein Brauer jeden Tag einen neuen Kessel ansetzen kann. Wir Winzer hingegen haben nur einmal im Jahr für vier Wochen die Möglichkeit, zu ernten. Auch mit Schädlingen und Ernteausfällen muss sich der Brauer nicht plagen. Das ist ein enormer Vorteil. HANIX - Worin liegt der größte Unterschied zwischen eurer Generation und der euer Eltern? Sei es in Bezug auf die Philosophie, Vermarktung oder anderen Bereichen? ALEXANDER BAUER - Die Ausbildung würde ich sagen. Mein Vater konnte lange nicht so eine Ausbildung genießen, wie es mir heute möglich ist. Weil das Geld und die Zeit nicht da waren. Heute ist man auch viel weltoffener. Man geht mal für ein Praktikum nach Neuseeland oder Südamerika. Das ist schon fast selbstverständlich. HANIX - Seid ihr offener, als eure Eltern, weil ihr einfach mehr von der Welt gesehen habt und, dass sich das auch auf eure Produkte niederschlägt? TOBIAS HEINRICH - Natürlich nimmt man viele Eindrücke von der ganzen Welt mit, wenn man verschiedene Länder bereist. Aber wir produzieren Heilbronner Weine nach Heilbronner Lage. Ich will keinen Bordeaux oder Burgunder imitieren, sondern einen Wein herstellen, der die Region widerspiegelt. HANIX - Würdet ihr sagen, dass ihr experimentierfreudiger seid, als die ältere Generation? THOMAS WACHNO - Mein Seniorchef war immer offen für neue Ideen. Er ließ mich ausprobieren und wollte dann aber auch wissen, was dabei herauskam. Ich probiere gern aus, aber der Laden muss halt laufen, das ist meine Einstellung. HANIX - Welche Schwierigkeiten gibt es bei der Betriebsübernahme? Habt ihr es euch so schwer oder so leicht vorgestellt? Können die Alten loslassen? ALEXANDER BAUER - Ich muss sagen, dass ich es mir so leicht wie es ist, echt nicht vorgestellt. Ich kriege es von Kommilitonen mit, dass es bei denen deutlich komplizierter ist. Bei uns ist es wesentlich einfacher. Mein Vater freut sich, dass ich Heim komme und ich diesen Herbst die Verantwortung übernehme. Wir haben den ganzen Sommer auf den Herbst hingearbeitet und ich habe ihm gesagt, dass ich gerne hochwertige Weine produzieren möchte. Und das hat geklappt. Die Weinberge stehen so, wie ich es mir vorgestellt habe. HANIX - Was glaubst du, warum lässt dich dein Vater deine eigenen Entscheidungen treffen? Weil er keine Lust mehr darauf hat oder weil er möchte, dass du Verantwortung übernimmst und deine eigenen Erfahrungen machst? ALEXANDER BAUER - Ich glaube, dass er schon noch Lust auf die Arbeit hat. Mein Vater hatte es nur anders. Es war so ein Hin und Her zwischen ihm, meinem Onkel und meinem Opa, als der Betrieb übergeben werden sollte. Denn ursprünglich ist mein Vater gelernter Elektriker, der sich all sein Wissen aus Büchern angeeignet hat. Ich kann mir vorstellen, dass er jetzt einfach erleichtert ist, dass ich den Betrieb übernehme und er nicht mehr dafür verantwortlich ist, was dabei herauskommt. Das Schöne ist, wenn ich seinen Rat brauche, kann ich immer auf seine Erfahrung zurückgreifen. Das ist viel wert. Er lässt mich komplett selber entscheiden. Dafür bin ich ihm dankbar, weil ich auch andere Jungwinzer kenne, die nach Hause kommen und dort nichts zu sagen haben.

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TEXT: NICOLAI KÖPPEL FOTOS: PR & ARCHIV DER WEIN DES UNTERLANDS Ein Sherlock-Holmes-Pastiche von Nicolai Köppel

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Die Zeit, welche jene Berichte, die ein zugegeben passionierter, aber doch nebenberuflicher Chronist wie ich es bin, von seiner Leserschaft zugebilligt bekommen darf, reicht bei weitem nicht aus, sei jene Leserschaft auch noch so geneigt, die vielfältigen Abenteuer meines Freundes Mr Sherlock Holmes sämtlich und in der gebotenen Vollständigkeit zu berichten. Es ist das Leben doch so reich an Ablenkungen und unvermuteten Ereignissen, dass nicht wenige seiner glanzvollen Taten für immer unerzählt bleiben müssen. Holmes selbst hätte keine von ihnen jemals in den Stand eines »Falles« erhoben, denn es sind bei aller Ironie gerade diejenigen detektivischen Aufgaben gewesen, die sich aus unvermuteten Ablenkungen und zufälligen Ereignissen zu Problemen kleinerer Art entwickelten, welche meinen verehrten Freund Holmes jedoch in einem Licht zeigen, wie ihn nur die wenigsten kannten. Doch die Zeit drängt mich, wenigstens einen Bericht aus dieser Abteilung für die Leser auszuwählen. Vom »Dilemma der zwei Scheren« muss ich also schweigen, ebenso von der »Nacht des grünen Otters«, die es nie in die Zeitungen brachte, so unerheblich scheint der Vorgang bis heute allen, die nicht direkt mit ihm befasst waren, gleichwohl umweht historisches Schweigen jenes Problem mit den mysteriösen Kekskrümeln im Bett der Novizin aus Gloucester, deren späteren Eheantrag Holmes mit Schalk in den Augen ablehnte. Nur eine einzige all dieser kleinen Geschichten soll nicht dazu verurteilt werden, eines Tages mit mir zu sterben: der Report über den deutschen Kellermeister, der uns in einer Juninacht des Jahres 1893 aufsuchte, als Holmes sich gerade dem »Drei-Pfeifen-Problem« der entwendeten Kronjuwelen der Thron-folgerin von Kapstadt zugewandt hatte und in seinem Ohrensessel nahe des Kamins zu dösen schien. Nur wir beide wussten, dass er solche Stunden in hochkonzentrierter Anstrengung verbrachte, ähnlich vielleicht der Kunstfertigkeit, mit der manche Mönche fernöstlicher Religionen sich in das Wesen der Dinge zu versenken in der Lage sind. Meine Erinnerung an das plötzliche Eintreten des Zimmermädchens ist noch heute so lebhaft wie der gesamte Vorgang, den es nach sich zog. Die Tür wurde aufgerissen, sie zitterte am ganzen Leib und behielt die Klinke in der Hand, so wie ein Trunksüchtiger nicht von der letzten Flasche des Elixiers lässt, die ihm noch als Halt in dieser unsteten Welt geblieben ist. »Ein Herr wünscht Mr Holmes zu sehen.« Ich sah von der Wochenendausgabe der Times auf und hob die Augenbrauen, im Grunde dankbar für die Ablenkung,

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TITELTHEMA: BIER & WEIN aber doch im vollen Bewusstsein, dass sich Holmes heute keines Besuchers mehr annehmen würde. Tatsächlich lag er seit Stunden mit geschlossenen Augen abgewandt der Tür und hatte beim Ansturm des Mädchens nicht einmal gezuckt, ja schien vielleicht sogar zu schlafen, um – es wäre nicht das erste Mal gewesen – am Morgen mit der kompletten Auflösung des Falles im Kopf zu erwachen. »Mr Holmes empfängt heute nicht mehr«, sagte ich zu dem Mädchen. »Richten Sie dem Besucher aus, er möge morgen zum Frühstück erscheinen.« Das Mädchen knickste, und obwohl man ihr ansah, dass sie sich vor der Übermittlung eines abschlägigen Bescheides an den ungebetenen Gast ein wenig fürchtete, verließ sie das Zimmer wieder beinahe ebenso schnell wie sie es betreten hatte, und Ruhe kehrte ein, als ihr Trippelschritt auf der Treppe verklang. Ich versicherte mich mit einem Blick zu Holmes, dass mein Freund sich von dem unverhofften Aufruhr nicht hatte stören lassen und fuhr fort, in der Times die Kommentare zur Außenpolitik mittels meiner bei aller Bescheidenheit doch eher umfassend zu nennenden Kenntnis der allgemeinen Weltlage auf Verständlichkeit zu prüfen. Ich war jedoch noch nicht am Ende der Spalte angelangt, als mich ein Geräusch aufschreckte: es war ein eigentümliches Schnalzen, das mit der Zunge an der Innenseite der Schneidezähne entstand, und das aus Holmes’ Richtung zu kommen schien. »Wie sehr man sich doch in einem Menschen täuschen kann«, sagte Holmes und öffnete die Augen. »Ich hatte immer geglaubt, dass Sie, lieber Watson, im Gegensatz zu vielen unserer Landsleute über eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für Angehörige fremder Nationalitäten verfügen.« »Oho«, sagte ich, »Aber das stimmt genau. Was hat Ihnen eingegeben, dass dies nicht so sei?« Aber entweder Holmes überhörte meinen Einwurf oder befand ihn für wenig nützlich. Er wandte sich mir zu: »Und außerdem, Watson, habe ich Jahre in dem Irrglauben verbracht, dass Sie ein gutes Glas Wein wirklich zu schätzen wissen.«

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Eine unleugbare Ärgerlichkeit bemächtigte sich nun meines Gemüts, da ich spürte, dass mein Freund mich erneut als Spielfeld für eines seiner deduktiven Turniere gegen die menschliche Ignoranz gegenüber Tatsachen benutzte, die für ihn, und einzig für ihn, offenkundig zutage lagen. »Jetzt ist es aber genug, Holmes«, sagte ich, »Sie wissen genausogut wie ich, dass mir ein ordentliches Glas Wein über alles geht!« »Und wie erklären Sie mir dann, Watson«, Holmes grinste nun, »dass Sie soeben einem der besten Weinbauern des europäischen Festlandes durch unser Mädchen die Tür gewiesen haben?« »Halten Sie mich nicht zum Narren, Holmes«, sagte ich. »Wie könnten Sie wissen, dass der Besuch ein Weinbauer war?« »Oh, ich weiß noch manches mehr über ihn, mein teuerer Watson. Er ist nämlich beileibe nicht nur ein gewöhnlicher Weinbauer. Er stammt aus Deutschland, genauer einer Gegend, die man Wordemburg nennt, präzise aus einer Gemeinde namens Hylebrun. Sie selbst, lieber Watson, haben im vorletzten Winter beim Diner mit der Duchess of Westborough einen seiner fabelhaften Rotweine zum Rehbraten gekostet. Erinnern Sie sich nicht?« Sicher entsann ich mich dieses Diners, wennauch nicht der überkandidelten Person der Duchess of Westborough wegen. Es war in der Tat besagter Wein gewesen, der jenes Essen als einen der kulinarischen Höhepunkte meines an Geschmacksreizen nicht eben armen Lebens markiert hatte. Aber seien es die über Bambusrauch geschmorten Nierchen einer mittlerweile leider ausgestorbenen Vogelart gewesen, die einzig auf den indischen Inseln beiheimatet waren oder der gegorene Blütensaft einer Pflanze namens guleriana dorica, den ich in Malaysia versuchen durfte – nie war etwas jenem auf den ersten Blick schlichten Rotwein dieses deutschen Weinbauern aus, wie ich nun erfuhr, Hylebrun nahegekommen, ein Getränk, das Holmes offensichtlich auch nicht vergessen hatte. Er sah aus dem Fenster in den nächtlichen Londoner Nebel, wiegte nachdenklich das Haupt und stellte die Frage, die auch mir im Gehirn brannte. »Ich frage mich, was er nun von uns will.« Der folgende Morgen fand mich auf die erneute Aufwartung des deutschen Winzers bestens vorbereitet. Ich hatte mir den Mund mehrmals gespült und auf Tabakgenuss und den Verzehr intensiv schmeckender Nahrungsmittel inzwischen wohlweislich verzichtet, um Zunge und Gaumen quasi über Nacht wieder in eine Art jungfräulichen Zustand zu versetzen. Und zwar aus folgendem Grunde: ich bin Arzt. Wohin ich auch gehe, mein schwarzes Ledertäschchen für überraschende Konsultationen oder Notfälle trage ich stets bei mir, denn es ist nicht nur von Nutzen, sondern es verkörpert auch das, was ich bin. Und auch Holmes ging nie ohne seinen scharfen Geist aus dem Haus, wenngleich man an-merken könnte, dass dies ja zum Glück unmöglich war. Nichts anderes erwartete ich von einem Mann, der seine Kunst der Weinherstellung so vortrefflich zu betreiben in der Lage war wie der Mann, den wir nun erwarteten. Mit anderen Worten, mit welchem Ansinnen er auch an Holmes herantreten konnte, ich war mir sicher, er hätte dabei zumindest ein kleines Fläschchen mit einem seiner Weine im Gepäck, von dem wir würden probieren dürfen. Pünktlich um neun Uhr erschien ein Mann in der Türfüllung, den ich mir ganz anders vorgestellt hatte. Wo ich einen gewitzten Patriarchen und stämmigen Arbeiter unter württembergisch südlicher Sonne erwartet hatte, in Weisheit gealtert, den Rücken gebeugt vom lebenslangen Abrappen der Beeren, so stand jetzt eine Figur im Kaminzimmer, die ich nicht erwartet hatte. Holmes bemerkte mein Stutzen und sprang ein. »Treten Sie näher, junger Freund. Womit kann ich Ihnen dienlich sein?« Der schlanke Bursche nahm seinen Strohhut ab und fächelte sich Luft zu. »Jetzt grüßgott!«, sagte er. »Des sin ja mords die Stiega zu Ihne da nuff!« »Setzen Sie sich«, beeilte ich mich, »verschnaufen Sie ein wenig. Ein Glas Wasser?« »Um gottswilla! Bleibet Sie mr weg mit Wasser. Im Wasser machet die großa Fischla die kloina, wenn Sie verstehet. Sowas trink I net!« Mit einem unflätig lauten Stöhnen ließ sich unser Besuch in einen Sessel fallen, und Holmes tat es ihm gleich.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN »Und was weiter?«, rief Herr Abbottle in die entstandene Pause. »Nun ja«, begann Holmes, »vielleicht wünschen Sie zu wissen, wie ich das wissen konnte.« »Awa!«, rief Abbottle, »Schmier doch egal!« Ich räusperte mich. »Aber ich wüsste es gern.«, sagte ich zu Holmes. Mein Freund jedoch sah mich verärgert an und wandte sich wieder unserem Gast zu. Ich sah, wie es in dem weitgehend unerforschten Raum hinter den Augen in diesem vortrefflichen Gehirn zu rattern begonnen hatte. »Nicht jetzt, Watson. Mr. Abbottle, sagen Sie, was außer dem Umstand, dass Sie ihren Bruder verdächtigen, ihren vor einem Monat umgekommenen Vater mithilfe eines gedungenen Mörders getötet zu haben und der Frage, wie sie seinen in Geheimschrift abgefassten Unterlagen das einmalige Verfahren zur Veredelung des Rebensaftes entlocken können, auf dem ihr Reichtum beruht, was führt sie außerdem noch zu mir?« »Also auf geht’s«, begann unser Gast seinen Appell, »zeiget Sie amol, was Sie kennet, Mischter Hollmes!« Holmes runzelte die Stirn, aber er lächelte dabei. »Mit dem größten Vergnügen, Herr Abbottle. Ich sehe beispielsweise, dass Sie ihre Unterkunft heute morgen zuerst in aller Eile verlassen haben, aber sich dann entschlossen, noch einmal zurückzukehren, um etwas zu holen, das Sie vermutlich vergessen hatte, einzustecken. Stimmts?« »So isch gwee!« rief Abbottle, und ich war gespannt auf Holmes’ Erklärung. Um die Wahrheit zu sagen, Holmes selbst schien sich darauf zu freuen, unserem Gast auseinanderzulegen, woraus er seinen quasi doppelten Aufbruch gefolgert hatte. Meine Kinnlade hatte sich langsam gesenkt vor Erstaunen über Holmes kleine Ansprache, die wieder einmal so voller Fakten gewesen war, die kein normaler Mensch je aus dem bloßen Auftreten unseres Gastes hätte erschließen können, und ich stand mit offenem Mund da. Herr Abbottle schien auf widerspenstige Art unbeeindruckt. Er spuckte sich in die linke Hand und glättete seine pomadisierten Haare. »Des kann I Ihne sage!«, antwortete er ungerührt. »S’war nämlich grad dr Karle, mei Bruder, der Denger, der mi z’Ihne gschickt hat. Sie seiet der Klügschte. Aber noch merk I da nix dafon! Saget Se doch wenigschtens amol so ebbes wie‚ Elementar, mein lieber Watson!‘« Holmes zog es vor, die jetzt entstehende Pause, in der ich mir einen Stuhl heranzog, dazu zu nutzen, seine Pfeifentabaksdose zur Hand zu nehmen. Den erhofften Weingenuss hatte wohl auch Holmes längst verloren gegeben. Von dem überzüchteten Spross jenes weinbäurischen Genies aus Hylebrun, vom Sohn des Mannes, den ich eigentlich erwartet hatte, ging keine unvermutete Großzügigkeit aus. Als Abbottle jedoch Holmes‘ Pfeife sah, legte sich ein erfreuter Glanz in seine schwäbischen Augen.

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TITELTHEMA: BIER & WEIN »Grad machis Maul zu! S’Pfeifle! Jetzt geht’s no los, hanni recht. Jetzt kommt der Meischterdedektief zur Sache, he?« Holmes spitzte die Ohren. »Pass uff. Dr Karle und I, mir hen koine Händel miteinander, wenns um d’Woi geht. Wer en Vatter umbracht hat, desch a andere Gschicht. Und des mit em Gheimnis vom Vatter, wo der gute Gschmack herkommt, des krieget mir eh nie raus. D’Mutter sagt au nix. Mir müsset halt gucka, wie’s weitergoht. Und I seh scho, I ben net umeinsonscht komma. Verstehschverschtosch?« Wir nickten, Holmes sog den Rauch seiner Pfeife ein, und unser Gast fuhr fort, in seinem eigentümlichen, wenngleich nicht uncharmanten Idiom zu berichten, während sich der Duft seines Black Cavendish in der Stube der Baker Street ausbreitete. Abbottle brach das Schweigen: »Sie Herr Hollmess hen ja au a Methode, die isch ja quasi weltberühmt. Und Sie do«, er wandte sich an mich, »Sie send doch dr Dr. Wattzon?« Ich bestätigte seine naheliegende Vermutung und stellte mich vor: »Dr John H. Watson, MD.« »Sie sen dem Hollmes sei Hausgrasdackel, gell – saget se amol was Saubleds, damit ihr Chef a weng schlauer ausschaut!« »Äh, ich verstehe nicht, was Sie meinen.«, sagte ich. Abbottle musterte mich. »Des war scho gar net so schlecht. I hen rescherschiert über sie beide. Und oi Sach hat mi bsonders beeindruckt.« »Ich vermute«, unterbrach Holmes, »es war die deduktive Methode, mit der sich beinahe alle Fälle bis auf die unlösbaren lösen lassen. Man bedenke alle Varianten und schließe die unmöglichen aus. So bleibt am Ende nur die Lösung übrig. Mir erscheint das denkbar einfach, aber mir ist es ja auch möglich, es zu denken, wenn Sie verstehen.« »So isch. Und sell Method do, woni gsagt hab, wo sie gesagt ham, die moin I au: wenn nix von dem geht, was net geht, no geht halt bloß des, was mr macha ko. Genau deschterwegen bin ich hier!« Holmes nickte erneut. »Ganz recht. Es ist dies eine Methode,

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TITELTHEMA: BIER & WEIN von der ich gefunden habe, dass sie sich hervorragend auf alle Bereiche der Kriminalistik, wennschon leider nicht auf das Problem anwenden lässt, morgens zwei farblich zusammenpassende Socken zu finden. Aber worauf wollen Sie hinaus?« »Scho recht, scho recht«, seufzte Herr Abbottle anerkennend. »Sie machet net lang rum. Des gfällt mr.« – und mit diesen Worten zog er einen kleinen silbernen Gegenstand aus dem Innenfutter seiner Weste und machte sich an dessen oben verjüngtem Ende zu schaffen. Es war ein Behältnis für Flüssigkeiten, und er schraubte es auf. Holmes hatte sich seine Geschmacksknospen bereits mit klebrigem Tabakrauch vernebelt. Und offenkundig gab es jetzt doch etwas zu trinken. Wenn es mir in meiner langjährigen Tätigkeit als Arzt zu Ohren gekommen wäre, dass ein Mensch unter Umständen in der Lage ist, seinen Leib derart zu verbiegen, dass es möglich wurde, die Zähne im eigenen Gesäß zu vergraben und einen Happen davon abzubeißen – ich bin mir sicher, Holmes hätte es in diesem Moment versucht. »Nemmet Sie amol an ordentlichen Schluck dadavon!«, wies Herr Abbottle grinsend Holmes an, »und saget se mir, was do fehlt.« Holmes zuckte bedauernd die Achseln. »Leider stehen meine Geschmacksnerven heute nicht in vollem Umfang zu Ihrer geschätzten Verfügung«, sagte er mit einem Seitenblick auf mich, »da ich mich unvernünftigerweise dem Genuss meiner Pfeife hingegeben habe. Aber mein guter Freund Dr. Watson hier wird uns sicher behilflich sein. Es ist ohnehin er, der den feineren und weitgereisteren Gaumen besitzt.« »Ganz recht«, fügte ich an, »seinerzeit in Sumatra beispielsweise …« »Jajaa, isch recht, isch recht«, dröhnte Herr Abbottle, »z’irgendwas müsset ja auch Sie gut sei!« Ich wollte gerade etwa sagen wie »Wenn der Herr so freundlich wäre, hier zu ersticken, könnte ich ihm immerhin einen fachmännischen Luftröhrenschnitt verpassen!«, aber meine Höflichkeit übermannte mich ein weiteres Mal. Herr Abbottle reichte mir das Gefäß, und dann geschah das Unglaubliche. Noch ehe ich die Öffnung des Behältnisses bis auf eine Handbreit Mund und Nase genähert hatte, verströmte sein Inhalt augenblicklich einen erfrischend kühlen und doch im Inneren lodernd warmen Duft, der wohl den steilen Flusstälern von Neckar und Enz eigen war, den saftigen Wiesen ringsumher, ich schmeckte den Wind entlang der malerischen Fachwerkhäuser bis hinauf zum Mehlsack und hörte das glockenhelle Lachen blonder Heilbronner Jungfrauen. Und der Wein war noch nicht einmal dekantiert!! Entschlossen setzte ich den Hals des Flachmanns an die Lippen und trank. Ich trank, und ich trank. Ich trank noch, als sich nichts mehr in dem Gefäß befand, was man noch hätte trinken können, ich trank einfach weiter, trank den Geruch, und als der Geruch nicht mehr zu riechen war, trank ich die Erinnerung an den Geschmack, gefolgt von der Erinnerung

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TITELTHEMA: BIER & WEIN an den Geruch. Es war himmlisch! Erst als ich begann, die Erinnerung an die Erinnerung des Geruchs zu trinken, gab ich es auf und kehrte wieder in die Realität zurück. Holmes und Abbottle hatten ihre Augen mit Spannung auf mich gerichtet. Keiner sprach ein Wort. »Mein lieber Watson!«, rief Holmes nach einer Weile aus. »Berichten Sie uns! Wie sind ihre Erfahrungen mit dem Heilbronner Wein?« »Elementar, mein lieber Holmes! Elementar!« Abbottle schien besorgt: »Und fehlt ebbes?« »Nicht im Geringsten.«, lächelte ich in die Runde. »Dies ist ein Getränk, gemacht für die Götter. Dieser Wein ist reine Perfektion. Der Anklang, die Blume, der Rhythmus, die kaum ahnbare Öligkeit, die die Geschmacksknospen aufblühen lässt, bis das Herz voll davon ist und einem der Mund überläuft …« »… überläuft von blumigen Formulierungen«, unterbrach mich Holmes. »Das genügt, danke, lieber Watson. Sie sehen«, wandte sich mein Freund an Herrn Abbottle, »ihr Problem ist gar kein Problem.« »Ja, ko mr denn dem Wattzon glauba?«, fragte Abbottle »Durchaus, durchaus. Sein Urteilsvermögen in kriminalistischen Fragen ist oftmals durch seinen im Klammergriff der medizinischen Wissenschaft unbeweglichen Geist eingeschränkt«, dozierte Holmes, »aber als Quartalssäufer mit jahrzehntelanger Erfahrung steht Watsons Geschmackssinn weit oben in der Rangliste derer, die ich um Rat fragen könnte. Einzig vielleicht der König von Bulgarien …« »Druff gschissa!«, rief Abbottle aus, »I glaub Ihna! No kann I mei Sach zammpacka und hoimganga!« Mit diesen Worten erhob sich Mr Abbottle und streckte Holmes zum Abschied die Hand hin. »Moment!«, rief ich, »war das alles? Was haben Sie vor?« »Nix weiter«, Abbottle schüttelte Holmes Hand, winkte dabei mit der anderen seinen Einwurf ab und gab zur Antwort, »I wollt wissa, ob dr Woi so nogeht oder net. Dangschee, Doktor.« Holmes stand nun ebenfalls auf, und auch er schien entschlossen. »Geehrter Herr Abbottle«, sprach er, »ich kann Sie unmöglich so gehen lassen, ohne nicht wenigstens den Versuch zu unternehmen, die Tragödie um den Tod ihres Vaters aufzuklären!« »Noinoi«, winkte Abbottle ab, »Nix Tragödie. I glaub vielmehr, dass des oifach a Schlägle war.« Holmes sprach nun eindringlicher: »Ein Schlägle mit einem stumpfen Gegenstand, nachts um drei Uhr morgens in einem Raum, der von innen nicht abzuschließen ist, und dessen Türe ihr Bruder am nächsten Morgen offen vorfand? Offen?« »Ja, scho«, seufzte Herr Abbottle, »aber des hoißt doch nix! Doktor?« Mr Abbottle streckte mir die Hand hin. Ich jedoch hielt immer noch den Flachmann in der Rechten und zog sie impulsiv zurück, da ich geglaubt hatte, er wolle ihn mir wegnehmen. Schließlich gab ich ihm die Linke. Holmes sah ein, dass er unseren Gast nicht zum Bleiben würde überreden können, und wir geleiteten ihn zur Tür. Aber im Türrahmen stellte Holmes dann die entscheidende Frage: »Was werden Sie mit dem Wein tun?« Herr Abbottle grinste. »Aber bloß, wenn Sie versprechet, nix weiterzumsage.« Holmes nickte stumm, und Abbottle beugte sich vor und sprach leise: »Mir kaufet billig von irgendwelche andere Winzer dene ihrn Woi und verschneidet ihn mit unsrem. Wenn unsrer nämlich so gut isch wie der Doktor sagt, ko mr den ja net verzahle, und er langt au net für elle. Und mir wellet doch a Monopol uffbaue. So wie sie da in derra Bäckerschtriet a Monopol aufs Meischterdedecktief sei henn. Gell?« So sprach er und wandte sich um. Wie vom Donner gerührt standen Holmes und ich im Türrahmen und waren unfähig, uns zu bewegen. Nach einer Minute, als die Schritte von Herrn Abbottle längst verklungen waren, riss sich Holmes los, griff nach seinem Mantel, drückte mir die halbgerauchte Pfeife in die Hand und stürzte unserem Besuch endlich nach. »Sagen Sie meine Verabredung mit dem Kaiser ab!«, rief er, »ich muss Abbottle davon abhalten, diesen finsteren Plan auszuführen!«

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Ich blieb alleine zurück und dachte nach. In jeder Welt, und sei sie noch so klein, ist eine unermesslich große Welt verborgen, mit sämtlich allen Winkeln und Ecken, die der Erdkreis an Vielfalt zu bieten hat. Ich denke, diese Welt gilt es herauszuholen! Aber mein Freund Holmes würde mich sicherlich korrigieren und ausführen, dass diese Welt unter allen Umständen gefangen bleiben muss. «Sonst vermischen sich die Sphären all dieser mikroskopisch kleinen Welten, lieber Watson, es entstünde Chaos, und die Faszination für die Einzelheiten ginge verloren.« Ich würde fragen: »Was, mein lieber Holmes, hat dies mit den Verbrechen zu tun, mit denen wir befasst sind?« Und er würde sagen: »Ein Verbrechen ist nur deswegen interessant, weil es nicht der gewohnten Normalität entspricht. Betrachtet man es näher, erkennt man, dass selbst ein Verbrechen sich aus lauter Atomen nachvollziehbarer Normalität zusammensetzt, die allerdings in eine unglückliche Mischung zueinander geraten sind. Unser Feind sind die unglücklichen Mischungen, Watson. Lassen Sie uns daher also nicht die glücklichen Mischungen zerstören, indem wir sie ans Licht zerren. Lassen wir der Welt ihre Geheimnisse.« Und ich würde mich wundern, denn einen solchen Satz hätte ich von meinem Freund am allerwenigsten erwartet. Und er würde bemerken: »Sehen Sie, Watson? Und schon ist das Leben wieder ein wenig interessanter geworden.« Am Abend kam Holmes wieder zurück von seiner Jagd auf Abbottle, aber er war sichtlich geschwächt und überdies so sturzbetrunken, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Aus seinem Rachen roch ich den süßen Schweiß der Heilbronner Jungfrauen, die für Abbottle im Weinberg arbeiteten – und wusste also, dass Holmes ihn gestellt und ins Gebet genommen – und währenddessen auch das eine oder andere Gläschen mit ihm geleert hatte. Aber wie der Heilbronner Wein heute schmeckt, vermag ich nicht zu sagen. Man muss der Welt ihre Geheimnisse lassen. Jedoch diesen einen, diesen einen herzhaften Schluck aus Abbottles Flachmann nicht zu nehmen, sich dieser Erfahrung zu verweigern – soviel weiß ich sicher – das wäre unter allen Umständen ein Verbrechen gewesen!

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JOSHIS MEINUNG BIER & WEIN Hallo Leute, es tut mir ziemlich leid, aber zu diesem Thema kann und mag ich nichts schreiben. Mit Wein und Bier kenne ich mich nicht so aus, weil es Alkohol ist und das ist nichts für Kinder. Vor allem aber finde ich Alkohol nicht gut, weil es Leute besoffen und krank macht und die dann manchmal blöde Dinge tun, die man nicht machen sollte. Deshalb habe ich euch dieses Mal einfach eine kleine Bildergalerie zum Thema gemacht: Ich hoffe meine Bilder haben euch auch ohne Text gefallen, wenn ja, dann könnt ihr ja auch auf Facebook oder Pinterest was dazu sagen. Bis zum nächsten Mal, Leute, dann wieder mit mehr Text! Euer Joshi

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» Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt, dann nur … « Xavier Naidoo … mit Begeisterung und Herz. Mary Sanders. die Sängerin für Ihre Trauung, Ihren Empfang oder einen anderen schönen Anlass. www.mary-music.com

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TITELTHEMA: BIER & WEIN HEILBRONNER CLUSS BIERDECKEL

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TITELTHEMA: BIER & WEIN Die Brauerei Cluss, Brüggemann & Co. wurde 1865 in Heilbronn von August Cluss (*1832 in Heilbronn, †1904), Louis Brüggemann (*1825 in Trendelburg, †1900) und Andreas Faißt (*1821, †1878) gegründet. Das Firmengelände befand sich auf dem Rosenberg. Gründer August Cluss war der Bruder des Architekten Adolf Cluss und Schwager von Mitbegründer Faißt. 1868 erfolgte die Umbenennung des Unternehmens in August Cluss & Co., 1880 die Umwandlung in eine Offene Handelsgesellschaft, am 19. Januar 1898 in eine Aktiengesellschaft unter der Bezeichnung Aktienbrauerei Cluss. Ende des 19. Jahrhunderts begann die Brauerei zu expandieren. Er erfolgte unter anderem die Errichtung einer eigenen Malzfabrik (1890) und der Ankauf kleinerer Brauereien. 1922 wurde die Produktion alkoholfreier Getränke aufgenommen. 1933 war Cluss neben der Rosenau- Brauerei (gegründet 1860) einzige Brauerei in Heilbronn. Mehrheitseigner der Gesellschaft war die Handels- und Gewerbebank Heilbronn AG (heute: BW-Bank). Das Brauereigelände wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Nach dem Wiederaufbau beginnende überregionale Bedeutung. 1968 Kooperation und 1973 Fusion mit Rosenau, damit einzige Brauerei in einer der größten südwestdeutschen Städte. Gesamtbelegschaft ca. 250 Mitarbeiter. 1975 Mehrheitsbeteiligung bei Getränkegroßhändler Gebr. Schumann GmbH. 1982 erlangt Dinkelacker die Aktienmehrheit von Cluss. Dinkelacker verkauft die Schumann GmbH, wird aber selbst 1993 von der Gabriel- Sedlmayr-Spaten-Franziskaner-Bräu KGaA aufgekauft. Seine Blüte hatte das Unternehmen in den 1970er Jahren, wenngleich die Bekanntheit der Marke damals noch regional begrenzt war. Einem überregionalen Publikum wurde Cluss dann währenddessen Vertrieb durch Dinkelacker ab 1982 bekannt. Der Brauereibetrieb in Heilbronn wurde eingestellt, der Name verkam zur Marke. 2006 wurden von Dinkelacker noch die Biersorten Cluss Kellerpils und Cluss Export vertrieben; 2010 nur noch Cluss Export in Flaschen und Cluss Kellerpils im Fass.

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BERLIN, BERLIN FOTOS: MELI DIKTA Aus unserer beliebten Rubrik »HEIMATLIEBE« kennt man die Straßenfotografien von Meli Dikta schon. Nun war die Frau, die ihre Fotokamera immer und überall dabei hat, in der Hauptstadt rund um die Warschauer Brücke unterwegs.

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EINE FRAGE: QUIZ HANIX Nº31 FRAGE: UNSER LIEBLINGSKÜNSTLER WAR, IST UND BLEIBT STEFAN DITTRICH. WIE HEISST DIE NEUE CD DES WAHL-BERLINERS? DER MANN HAT VIELE KÜNSTLERISCHE TALENTE. ER SIEHT SEHR, SEHR GUT AUS UND LEBT INZWISCHEN WIEDER IN SEINER GEBURTSSTADT, DER HAUPTSTADT. WIE KÖNNTE ES AUCH ANDERS SEIN. IM SEPTEMBER TRITT DITTRICH MIT DEN KOLLEGEN KÖPPEL UND SOMMERFELD IN DER HEILBRONNER EBENE 3 AUF, UM SEINE NEUE CD DEN HEILBRONNERN VORZUSTELLEN. OHNE AUSREDEN: EIN PFLICHTTERMIN! ALTEREGO - THE MOVIE PEARLS AND DIAMOND BURGER53 EMONS VERLAG 1 x DVD Die Graffiti-Dokumentation von Daniel Thouw featured Graffitikünstler aus der ganzen Welt und kommt mit einem feinen Soundtrack made in Heidelberg daher. 1 x 50€-Gutschein Ob ihr den Gutschein für ein Abendessen, süffige Cocktails oder ausgiebiges Frühstücken einlöst bleibt euch überlassen. Lasst es euch schmecken im »Pearls«. 10 x 5€-GUTSCHEIN BURGER53 spendiert zehnmal einen 5-Euro-Gutschein für Burgergenuß in der Sülmerstraße. Regionale Produkte werden hier hauptsächlich verarbeitet. Na dann »Guten Hunger!« 3 x BUCH Der frisch gedruckte Kriminalroman »Heilbronn 37°« der Heilbronnerin Henrike Spohr ist ein Psychothriller mit Sogwirkung. Wir verlosen mit dem Emons Verlag drei Exemplare. WER MEINT, DIE LÖSUNG ZU KENNEN, SCHICKT DIESE PER MAIL AN: QUIZ @ HANIX-MAGAZIN.DE; BETREFF: 4. STERN EINSENDESCHLUSS IST DER 16. AUGUST 2014. DER RECHTSWEG IST AUSGESCHLOSSEN. ALLE GEWINNER WERDEN SCHRIFTLICH BENACHRICHTIGT. DIE RICHTIGE ANTWORT AUF DIE FRAGE DES VORANGEGANGENEN QUIZ LAUTET: GAME OF THRONES

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LIEBE HEIMAT, EIN BRIEF VON MAIKI MAI GELESEN VON: NICOLAI KÖPPEL nachdem wir dann endlich, nac h durchgemachtem Nachtflug, in Tbilisi (Tiflis), der Hauptstadt Georgiens angekommen waren, unsere Räder mitsamt dem Gepäck erhalten und einigermaßen in Stand gesetzt hatten und morgens um fünf die 20 Kilometer gen Innenstadt radelten, dachte ich mir so: Liebe Heimat, da kannste noch was lernen! Da wurden in aller Herrgottsfrühe die Bordsteine von alten Weiblein gefegt und gewienert, die Wasserwerfer zogen ihre Kreise und jagten den Dreck des Vortags mit Wassernachdruck hinweg und selbst kurz vor acht, als wir schläfrig vor uns hindämmernd auf einer Holzbank, die Öffnung des Cafés »L’Entrée« herbeisehnten, rührte eine, diesmal junge Dame in offizieller Fegerkleidung den etwas selbstgebastelt anmutenden Besen um uns herum. Sie mied allerdings unsere Nähe, weswegen die Kippen rechts neben mir unbeachtet blieben. »So geht das, Heimat!«, dachte ich. Da wird alt und jung in die Reinigung des Landes mit eingebunden. Leider war unser Zimmer im Guesthouse »Formula I« erst ab 12 Uhr beziehbar, und so hatten wir einen erzwungenen Lungervormittag vor uns. Irgendwann hatte Mama Formula I ein Einsehen und klaubte uns von den Sofas des Aufenthaltsraumes und erlaubte den kurzzeitigen Bezug eines nicht für uns bestimmten Zimmers und schon bald war auch alles gut: ein rotes Doppelzimmer inclusive Dusche und Flachbildfernseher mit circa 60 georgischen und russischen Sendern – aber keinen, den man länger als zehn Minuten ertragen könnte. Wir versuchen es trotzdem jeden Abend. Du musst wissen, liebe Heimat: Russische Synchronisation funktioniert so, dass der Text mehr oder weniger emotionslos von einem einzigen Sprecher heruntergelesen wird (mit viel Glück auch von mehreren Personen), das Original läuft dabei leise im Hintergrund. Eine halbe Stunde »Twilight« wird so durchaus noch unerträglicher! Noch was, liebe Heimat, könntest du aus Georgien übernehmen: die Einfachheit des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in allen Bereichen. Willst du zum Beispiel Metro fahren, kaufst du eine Plastikkarte, hältst sie vor einen der Apparate, die zahllos in der Stadt herumstehen, wirfst dein Kleingeld ein (ca 30 Cent pro Fahrt!) und lädst so dein Fahrkonto auf. Dasselbe Spiel für Handyaufladungen, Banküberweisungen und tausend andere Funktionen, wie man anhand der vielen Icons auf dem Wunderapparat feststellen kann. Super! Zu deiner Info, liebe Heimat: Mein Freund Jörg und ich wollen von Tbilisi durch den kleinen Kaukasus bis zum Schwarzen Meer radeln, über 2000er-Pässe bis ins palmengesäumte Batumi. Du fragst vielleicht: »Ist das nicht

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BRIEF AN DIE HEIMAT: MAIKI MAI, GEORGIEN STECKBRIEF Name: MAIKI MAI Alter: 49 JAHRE Reiseziel: GEORGIEN Aufenthalt: DREI WOCHEN IM AUGUST 2014 Lieblingsort in Georgien: Bei der Zminda-Sameba Kirche auf dem Berg in Stepantsminda gefährlich?« Ich würde sagen, solange wir uns von den Autos fernhalten, nicht sehr. Ein georgischer Witz geht: »Warum gibt es in Georgien keine Fahrradfahrer? Weil sie alle tot sind!« Wir hatten heute Gelegenheit zu einem Ausflug mit einem befreundeten georgischen Musiker, seiner Frau und dessen (fahrendem) Kumpel Oleg. Die vierspurige Stadtautobahn wird einfach als große Fahrfläche benutzt, jeder im Vollgas, es wird überholt und gedrängelt von allen Seiten. Oleg bevorzugte es, auf einer der Spurtrennlinien zu fahren, mit durchgedrückten Armen und Beinen, immer flexibel agierend nach allen Seiten. Wenn das hunderte Autos alle gleichzeitig im Höchsttempo machen, wird’s zum großen Spaß. Soll heißen, wir weichen auf Nebenstraßen aus. Du fragst vielleicht, liebe Heimat: »Wie wollt ihr Euch denn verständigen?« Nun ja, in Tbilisi geht’s mit Englisch noch einigermaßen. Die Kellnerinnen sprechen nahezu alle das Nötige und Wichtige. Jetzt hat Georgisch aber auch gar nix mit irgendeiner Sprache zu tun, die wir mal so gelernt haben. Nicht einfach zu merken. Nach drei Tagen schaffen wir es, bis sieben zu zählen (erti, ori, ßami, otchi, chuti, ekwßi, schwidi) und haben gelernt, »Danke« (madloba), »bitte« (tu scheidsleba) und »gern geschehen« (araperß) zu sagen. Also manche Personen im Team. Aber schon »Guten Tag« kann ich mir einfach nicht merken (ga … go … gamardschubal(t)) – mit »t« ist’s höflich, ohne leger. Aber so schön geschrieben! Gedruckt eine Art Runen-Kalligraphie, in Schreibschrift wunderschön anzusehen mit Schwüngen und Häkchen in allen Richtungen, da wird selbst Jörgs georgischer Prepaid-Handyvertrag zum Kunstwerk. Nichtsdestotrotz – wir können’s nicht! Das heißt, ich werde mit meinem Kauderwelsch-Sprachführer dastehen, mutig die eine oder andere Phrase dahinplappern und abwarten, was passiert. Sehr gut gefällt uns »aßz’orebß«, sinngemäß »das fetzt«, in heutiger Sprache vielleicht eher »geil« oder »krass«, aber da mein Sprachführer von 1994 ist, finden sich auch schöne, alte Wendungen darin. Morgen geht’s in die Berge, raus aus der Stadt. Wenn ich die vielen Lädchen an den Straßenrändern anschaue, dann sag ich dir: Mach dir keine Sorgen, die Versorgungslage ist gesichert. Cola und Brot gibt’s überall. So, wir sind tatsächlich doch noch weggekommen. Du fragst: »Warum?« und »Wieso nicht?« – denn ich hatte es ja angekündigt, für den nächsten Tag, unseren Aufbruch, wichtig, wichtig … nun ja, Freund Jörg musste noch etwas an der Schaltung nachstellen, die hatte beim Flugzeugtransport gelitten. Aus Nachstellen wurde Auseinanderbauen und daraus folgte Ratlosigkeit und Ersatzteilsuche. Jetzt musst du aber wissen, liebe Heimat, Fahrradläden sind in Tbilisi so häufig wie Polo- oder Curlingshops in Stuttgart. Die Hausherrin bemerkte nicht zu Unrecht, wir hätten das doch schon die letzten vier Tage machen können und nicht am Tag der Abreise. Nach intensivem Durchkreuzen mehrerer Stadtviertel und einem Versuch mit einer chinesischen Kinderfahrradplastikschaltung wurde sie gefunden: eine Shimano-Acht- Gang-Schaltung, die in zappaesker Manier über die Sieben-Gang-Schaltung von Jörgs Fahrrad montiert wurde. Dadurch konnten der erste und der dritte Gang benutzt werden, nicht jedoch der zweite, was dem Autor dieser Zeilen Vorteile in der Bergberadelung verschaffte. Jedoch der Tag war durch. Aber am nächsten: »Los!« An dieser Stelle mischte sich der georgische orthodoxe Herrgott ein, der sich wohl dachte: »Jungs, vier Tage Faulenzen und Kaffeetrinken! Ihr wisst wohl nicht, dass Faulheit eine Todsünde ist!« – und bescherte uns Höllenverkehr, einen 20 Kilometer langen Bergaufstieg aus der Stadt, circa 35 Grad und kein Lüftchen. Heiden, die wir sind, nahmen wir’s mit einem Fluch und legten uns zu einem Mittagsschläfchen auf die Straße. Und siehe da, der alte Spruch »Wenn du glaubst, es

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BRIEF AN DIE HEIMAT: MAIKI MAI, GEORGIEN sonst? Zu viele Leute sprechen Englisch. Das behindert den Lernfortschritt. Du wolltest noch wissen, wie es mit den Übernachtungen so läuft? Ach ja, wir hatten schon so mach Denkwürdiges. Einmal wurden wir eingeladen, für zehn Lavi (etwa vier Euro) ein ‚Doppelzimmer‘ im baufälligen Hinterhaus eines Bauernhofes zu beziehen. Durchaus mit Bedacht zweckdienlich eingerichtet. Winzig. Mit zwei Kinderbetten, deren Matratzen und Lattenroste jede Hängematte hinter sich ließen. Kein Schlaf, aber tolle Atmosphäre. Tags darauf wurde uns ein komplettes Wohnhaus angeboten. Jeder bekam ein fürstliches Zimmer (für 35 Lavi, etwa 14 Euro). Der anderweitig wohnende Hausherr lud abends zum BBQ mit ganbzer Familie samt Verköstigung inclusive hauseigenem Wein. Und ich sag dir was, liebe Heimat: german shashlik is for sissies! Hier werden die Fleisch-/Fettbrocken aufgespießt und über Höllenglut gebraten, dass dir Angst und Bange wird! Vor allem davor, wie man diese geht nicht mehr …« und Yin und Yang und all das kamen wieder einmal zum Tragen. Kurze Zeit später vereinigte sich unsre Straße mit einer anderen zu einer Art Hauptstraße und beschenkte uns mit einem Restaurant im Rodeo-Western-Stil samt Hängematten. Ob die dort verspeiste Pilzsuppe die Ursache für Jörgs wochenlangen Dünnpfiff war, wird vermutet, kann jedoch nicht bewiesen werden. Jetzt soll das alles hier, liebe Heimat, aber kein detaillierter Reisebericht werden. Dennoch: unser Georgisch-Vokabular hat sich um die Zahlen acht (rwa), neun (zchra) und zehn (ati) erweitert. Und jetzt wird’s interessant: ich zitiere unseren Sprachführer: »Die Zahlen elf, zwölf, 14 und 16 bis 18 beginnen mit t-, stellvertretend für ‚ati‘ (zehn) und enden mit ‚met’i‘ (mehr). Also heißt ‚t’ertmet’i‘ wörtlich »zehn-eins mehr«. In ‚zamet’i‘ (13) sind das t‘ und das –ß zu z-, in ‚tschwidmet’i‘ (17) sind t‘ und –sch zu tsch- verschmolzen. In ‚zchramet’i‘ tauschen w und r die Plätze. Ab ‚ozi‘ (20) geht es regelmäßiger. Alles klar?! Ich glaube, wenn ich ein bisschen darüber meditieren würde, käme ich damit klar. Mir fehlt nur irgendwie die Zeit. Ein tolles Wort finde ich auch ‚ßausme‘ (‚au‘ wie in ‚wow‘): Frühstück! Und höflich und mit Anstand runterkriegt. Da wiederum hilft die (scheinbare) Sitte in Georgien, nicht zu warten, bis alle am Tisch sitzen, sondern sofort loszulegen. »Eat!« hieß es, und wir suchten uns schnell drei, vier wohlgestalte Stücke aus, nur der Großvater saß am Tisch und becherte und hieß uns auch bechern. Der Wein war gut, jedoch das Kopfweh meinerseits in der Nacht schwer. Nach einer Stunde Futtern, ein paar Trinksprüchen und dem Gemeinschaftsfoto löste sich die Versammlung im Nu auf. Schön war’s, tschüss. Überhaupt das Essen … Georgiens Cuisine Massiver Einsatz von Butter und Käse. Und Fleischberge sowieso. Ein Favorit: Khinkali, eine Art Säckchen aus Nudelteig, man spießt es mit dem Gabel an dem Knubbel auf, der es zusammenhält, beißt unten rein, schlürft die heiße

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BRIEF AN DIE HEIMAT: MAIKI MAI, GEORGIEN Brühe heraus und hat dann Zugang zum kräftig gewürzten Fleischklops (Variante: Kartoffeln, Pilze, Käse). Oder Khatchapuri, ein heiß serviertes Fladenbrot, gefüllt mit einem Haufen Käse. Nicht zusammengelegt, sondern mitten im Brot drin. Wie kriegen die das da rein? Dazu ein Salat aus (meistens) grandiosen Tomaten, Gurken, glatter Petersilie mit fein gehackten Walnüssen. Aporpos Walnüsse: DIE georgische Süßspezialität heißt Tschurtschkella: Walnüsse an der Schnur aufgefädelt und in eingedickten Traubensaft getunkt, bis sie aussehen wie bunte Kerzen. Lecker! Ich bring welche mit! Und noch was: wenn du gedacht hast: was sind denn das für tolle Abenteuertypen, der Maiki und der Jörg, so mit dem Fahrrad durch den wilden Kaukasus – komm wieder runter. Hier sind jede Menge Radler unterwegs, vor allem Langzeitradler, so jahrelang durch alle Länder, mit Ländernamedropping aber binnen Sekunden durch die halbe Welt. Aber da können wir gut mithalten. »Ever been in Madagascar with your bike? Wow, that’s pretty cool … schwall, schwall …« – aber WIR sind den Pass zwischen Alkhatsikhe und Batumi auf der gravel road gefahren und haben uns nicht bequem rüberkarren lassen! (sorry, kleiner Ausfall) Die Georgier sind mäßig interessiert. Zurückhaltend, aber freundlich, wenn man etwas fragt, und in der Regel sehr korrekt, was die Preisgestaltung betrifft. Okay, um aber auf den Punkt zu kommen, liebe Heimat (ich merke, du drängelst), du willst natürlich wissen, wie es uns gefallen hat. Dann sag ich’s dir: super! Mit kleinen Holperstellen hier und da. Es mag dahingestellt sein, inwieweit sich ein Land, das nur aus Bergen besteht und in dem im Sommer mehr oder weniger immer 35 Grad herrschen, sich zum Radelurlaub eignet. But that was my choice, also bitte keine Beschwerden. Womit man klarkommen muss, sind die extremen Gegensätze vor Ort. Großartige Landschaften, an den schönsten Stellen vollgemüllt. In den Innenstädten wunderschön renovierte traditionelle Häuser und Prachtbauten, gemischt mit bröselnden Fassaden. Wenn man in eine Stadt einfährt, wird man teilweise von Plattenbausiedlungen empfangen, wie sie das Auge heruntergekommener nie erblickt hat. Manche sind sogar bewohnt, und zwar von südossetischen Flüchtlingen. Aber es gibt sie auch leerstehend im Verbund mit kilometerlangen Güterbahnhof- Friedhöfen. Man fragt sich als Schwabe: Wer soll das alles jemals wegräumen? In den Innenstädten wird abends flaniert, was das Zeug hält, mit Familie, die Damen auf unfassbar hohen Stöckelschuhen, die Herren lenken ihre riesigen SUVs. Daimler und BMW auf und ab, auf Pump gekauft, weil dem georgischen Mann oft genug das Auto vor Frau und Kind kommt (das mag jetzt von mir über einen Kamm geschert sein. Weil es in Georgien keinen TÜV gibt, gesellen sich auch unglaubliche Schrottmühlen dazu). Leute, vor allem Frauen, rackern sich den Arsch ab, andere, eher Männer, sitzen und sitzen und sitzen den ganzen Tag und palavern. Meister im Zeittotschlagen, die den Dampf dann auf der Straße ablassen. Was mich deprimiert hat, sind die Menschen, die in irgendeinem bescheuerten Shop mit irgendeinem Unsinn sitzen, in einer Unterführung, irgendwo an der Straße, auf dem Markt – und da kommt den ganzen Tag niemand. Sie sitzen da, schlafen, spielen mit dem Handy, langweilen sich zu Tode. Wie traurig. Was für eine Lebenszeitverschwendung! Aber wer weiß, wie mein Leben hbier laufen würde, wäre ich hier geboren. Insofern, liebe Heimat, habe ich dir hier nur meine extrem punktuelle, subjektive Ansicht geschrieben, gemixt mit Anekdoten. Nichtsdestotrotz: ein wunderschönes Land. Ex-sozialistischer Charme gepaart mit Handymodernität. Es lohnt sich echt, da mal hinzufahren, und dann halt ein Mietauto oder die öffentlichen Verkehrsmittel (billig!) zu nehmen, wenn dir Fahrradfahren zu anstrengend ist. Jetzt kommst du, liebe Heimat, einfach mal auf einen Kaffee vorbei und dann zeig ich dir noch ein paar Fotos mehr, okay? Nachwandiß, es grüßt, Herr Mai PS: Bei aller Liebe: »Rosemary’s baby« mit larifari-russischer Synchronisation geht echt nicht! Muss unbedingt nochmal im Original geschaut werden!

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X William »Will« Calhoun ist bekannt als Drummer der Hardrock/ Metal-Band Living Colour. Er hat unter anderem auch an der Seite von Public Enemy gespielt. Er wurde mehrmals zum besten Drummer gewählt, beispielsweise vom Modern Drummer Magazine und vom Rolling Stone Magazine. Will Calhoun hat in seiner beeindruckenden Karriere zwei Grammys gewonnen. Für HANIX hat Mavinga Petrasch den begnadeten Schlagzeuger besucht.

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AUS DEM VIA ARCHIV PINNBOARD VIA GRAFIK Unsere Rauminstallation hatte sich aus einer älteren Arbeit, einer großformatigen Grafik, auf Wand, Schwarz auf Silber, entwickelt, die ich in einer früheren Ausgabe des HANIX schon vorgestellt habe. Sie war wie eine logische Konsequenz im Raum. Dennoch erfuhren wir einen kleinen Shitstorm, den der polnische Künstler TRUTH ausgelöst hatte, da er das Arbeiten mit Kuben offensichtlich als sein geistiges Eigentum betrachtete. Dass die Klötze, die er an Wände klebte oder in Lücken würfelte bei uns zu schweben schienen, hatte er in seiner rasenden Wut ganz übersehen. Es gab aber auch Fürsprecher unserer Arbeit, die eine Idee von bloßer formaler Analogie unterscheiden konnten. LEO VOLLAND Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist.

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»Sooner Or Later It All Comes Down«, Gruppenportrait in Installation, Names Festival, Prag 2008

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IN DEN SCHATTEN DER PÁRAMOS

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AROUND THE WORLD: VENEZUELA »Eine Szene im »Valle de Mucuchies«, im Schatten des Páramos, der steilen, facettenreichen Berglandschaft der venezolanischen Anden, wie sie sich vor 200 Jahren oder heute hätte abspielen können. « Spielerisch steigt und fällt die Berglandschaft in der sich steinige Wege in weiter Ferne verlieren. Wege die von niemand jemals gegangen worden scheinen. Und doch bewegt sich etwas in weiter Ferne. Als Punkt am Horizont erscheinend, zeigen sich bald die Umrisse eines Mannes, der auf einem bepackten Maulesel gemächlich in Richtung des Dorfes trabt. Zwei große Säcke hängen auf beiden Seiten hinab, daran baumelnd einige Tonvasen. Die Säcke voll beladen mit Gemüse, droht der Esel unter dem Gewicht zumahl den Stand zu verlieren. Vor sich gestapelt trägt der im staubigen Poncho und mit Hut gekleidete Mann Wolldecken, seine eigene, abgenutzt und ungefaltet zu oberst. Das schmutzige Gesicht des Mannes in welches die Andensonne und rauhe Kälte tiefe Furchen eingegraben haben, blitzt nur zur Hälfte unter seinem »sombrero« hervor. Er kommt allem Anschein nach von weiter Ferne. Vermutlich musste er die Nacht unter freiem Himmel verbringen. Sein Äußeres und die Richtung aus der er kommt in die sich der »Valle de Mucuchies« in tagelangem Ritt in menschenleeres Land zieht, lassen darauf schließen. Don Juan erwartete den Mann bereits seit Tagen. Er öffnet die Türe als er den Mann kommen sieht, mit einer einladenden Geste und einem freundlichen Lächeln gibt er ihm vertraut zu verstehen einzutreten. Vor der Türe spielen Kinder in Lumpen gekleidet, mit einem Stab ein Rad vor sich herführend. Auch in ihren Gesichtern zeichnen sich die rauhen Lebensbedingungen dieser Höhe bereits an den roten, trockenen Backen ab. Etwas ausserhalb des Dorfes pflügen Männer und Frauen in den steilen Hängen die harte Erde, mühsam ihre Maultiere bergauf treibend. Der Mann steigt von seinem Esel und tritt ein in die Stube in welcher Don Juan’s Frau das Feuer schiert auf dem eine Suppe köchelt. Don Juan bietet seinem Freund »Chicha«, ein fermentiertes Reisgetränk und »Calentao«, eine Art Glühwein, an. Ohne zu zögern wählt er den »Calentao«, setzt sich auf einen Holzhocker und wärmt die schmerzenden, roten Hände an der Tasse über die er sich beugt, den wohligen Dampf des Getränks einatmend. Die Steinhütte ist von innen spärlich mit Lehm verputzt, hier und da kommt bereits ein wenig Licht durch sodass sie nur wenig Isolation gegen die vorherrschende Kälte bietet. Die beiden Männer beginnen sich zu unterhalten, über ihre Kinder, die Ernte die dieses Jahr schlechter ausfällt als zuvor. Mit seiner Familie treibt er bereits über mehrere Jahre einen regen Tauschhandel. Kartoffeln, Cobijas de ... , Tonvasen, gelegentlich auch Vieh und selbstgebrannten Schnaps gegen ein paar Münzen, Kaffee, oder brauchbares aus der Stadt, die vom Dorf aus nicht ganz so schwer erreichbar ist wie von der Einsiedlerhütte des Mannes. Nachdem sie ihr Geschäft abgewickelt haben bietet Don Juan seinem Freund an die Nacht in seinem Stall zu verbringen. Dieser fasst sich mit dankender Geste an den Hut, erklärt ihm er ginge seinen dreitägigen Heimweg besser gleich an, er hoffe das Wetter halte, auch sei seine Frau krank und alleine mit den sieben Kindern. Don Juan begleitete ihn noch zur Türe und schaut dem Mann zu wie er sein Erstandenes Gut verpackt, seinen Esel besteigt und von dannen zieht. Seinen Tabak zwischen den Lippen greift Don Juan seine Violine und setzt sich auf einen Strohballen. Spielerisch das Instrument zupfend sieht er ihm noch eine Weile hinterher, während der Tabak zwischen seinen Lippen längst nicht mehr brennt verschwindet der Mann auf seinem Esel in den Wolken die ins Tal einziehen und sich wie eine Decke über die schmalen Gebirgswege legen als hätte es diese nie gegeben ... Eine Szene im »Valle de Mucuchies«, im Schatten des Páramos, der steilen, facettenreichen Berglandschaft der venezolanischen Anden, wie sie sich vor 200 Jahren, oder heute hätte abspielen können. Die harten Lebensbedingungen der Bevölkerung hat so wenig an seiner Ursprünglichkeit eingebüßt wie das Landschaftbild der Täler in der die Silhouetten der Berge mal in einem Schauspiel aus golden-warmer Morgensonne aufblitzen, mal kahl und unerbittlich, sich jedoch stets majestätisch und kraftvoll dem Betrachter darbieten. In scheinbar endlosen Weiten durchbrechen die Anden die Monotonie des venezolanischen Flachlandes, der sogenannten »Llanos«. Auf eine Höhe von

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AROUND THE WORLD: VENEZUELA bis zu 4800 Meter steigt die Region des Landes an und ist zugleich ein Abenteuer für das Auge, ebenso wie den Geist. Flora und Fauna ändert sich mit ansteigender Höhe. Während die Andenausläufe einen tropisch, immergrünen Anblick bieten, schmückt die typische Pflanze der Region, der »Freylejón« die höher gelegenen Regionen um Gletscher und Lagunen. Im geografischen sowie kulturellen Zentrum der Andenregion steht die Stadt Mérida die mit seinen 317 400 Einwohnern gleichzeitig die größte Stadt der Anden ist. Majestätisch ist die Studentenstadt auf einer Terasse inmitten zweier Flüsse gelegen und begrenzt durch zwei Gebirgsketten - die »Sierra Nevada« im Südosten und die »Sierra La Culatta« im Nordwesten. Hier sind neben entspanntem Ambiente allem voran beste Voraussetzungen für jegliche Extremsportarten gesetzt. Ob Mountainbiker, Bergläufer, Paraglider, Sportkletterer oder Basejumper. Die Stadt bietet bei klarem Wetter von jedem Punkt aus einen bezaubernden Blick auf die schneebedeckte Spitze des »Pico Bolívar«, den mit 5007 Meter höchsten Berg Venezuela’s. An seinen Fuss führt vom 1630 Meter hoch gelegenen Zentrum der Stadt, dem »Plaza las Heroínas«, die 12,5 Kilometer lange Seilbahn auf den 4765 Meter hohen »Pico Espejo« direkt in die Gletscherregion der Anden. Die höchste und zweitlängste Seilbahn der Welt bietet per se ein touristisches Highlight, befindet sich jedoch derzeit in Renovierungsarbeiten. Auch darf der »Plaza Bolívar« selbstverständlich nicht fehlen, wo die imposante Statue des Befreiers und Nationalhelden Simón Bolívar auf seinem Pferd den Mittelpunkt ausmacht. Obschon ursprünglicherweise der Handel auf dem Marktplatz streng verboten war und eine konservative Kleiderordnung herrschte, tummeln sich um ihn herum Künstler und Artisten, verkaufen Kunsthandwerk und spielen Straßenmusik während Besucher gemütlich durch die Gassen der Altstadt mit seinen stilvollen Bauten und einer Vielzahl hipper Restaurants flanieren. Hier lacht uns ein charmantes Gesicht einer »Andina« entgegen, läd uns ein uns ein Tattoo stechen zu lassen. »Wie jetzt, hier?!«, »na klar, auf was willst du denn warten«. Hier lernten wir Estefania kennen die uns zwar kein Tattoo stach, uns jedoch spontan auf eine Reise zum etwas ausserhalb gelegen »Jardín Botánico«, dem botanischen Garten, mitnahm, der die größte Bromeliensammlung Lateinamerika’s beherbergt. Um eine Stadt kennenzulernen muss man sie zu Fuss erforschen, meint Estefania, wiedersprach sich damit selbst und wir sprangen auf einen noch fahrenden Bus auf. Einen Fuss im Bus, einen außerhalb fahren wir die Avenida las Americas hinab bis zum »Mercado Municipal«, dem Stadtmarkt. Hier lauscht der Besucher am Wochenende Violinenmusik und kann neben landestypischen Speisen, Gemüse, Obst, Kaffee auch Kunsthandwerk, Kleider und Hängematten erstehen. Unser Guide und Tättowierer ist jedoch bewegter Natur, schon befinden wir uns wieder auf dem Weg in einem überfüllten Bus aus dem laut Salsamusik schallt zu der Estefania genauso wenig auf einem Fleck zu verweilen vermag wie bei unserer Stadttour. Der alte Markt im Süden der Stadt besticht weniger durch seine Auswahl, denn durch den Flair der kleinen aneinandergereihten Blechhütten zwischen denen wir uns in einem Labyrinth aus saftigen Grün der Pflanzen und würzigen Gerüchen verlieren. Hier kommen Andinos aus dem gesamten Umkreis der Stadt, feilschen, bringen an den Mann, und lassen einen Hauch Kultur vernehmen der die Menschen die als äußerst arbeitsam, konservativ und höflich im Land bekannt sind, ausmacht. Denn so hart die Lebensbedingungen auch sein mögen, bezeugt Estefania stolz »pa´lante es que se va, aha« (in etwa: »stets wird weitergemacht«). Eigentlich eine typisch-kolumbianische Aussage. Sprachlich sowie kulturell ist der Einfluss Kolumbiens in der Andenregion nicht zu negieren und das bereits lange vor der Kolonialzeit. Es wird vermutet dass die ersten Indigenen Andenbewohner vor circa 16 000 Jahren über die kolumbianischen Anden immigrierten. Laut dem Antropologe Miguel Acosta Saignes vor allem die indigene Bevölkerung des Stammes »Timoto-Cuica« die in reger kommerzieller Aktivität mit den kolumbianischen »Chibcha« standen, Viehzucht betrieben und bereits ein hohes Niveau der Sozialisierung aufwiesen. Sie besiedelten die Grotten in immensen Höhen um die idyllischen Lagunen herum um jene sich heute Mythen und Geschichten ranken. Es heißt ihre Götter entschieden ob ihnen gestattet sei sich an dieser oder jener Lagune niederzulassen. Ihre Gottheiten repräsentieren stets Sonne, Mond, Sterne, Flüsse, Berge oder auch Tiere. Der Gott »Ches« wurde angerufen um die Zukunft der Ernte zu erfahren und lebt in den Lagunen, während sich in der Gottheit »Arco« in einem Vogel manifestiert und zugleich Schöpfer und Zerstörer repräsentiert, heilt und krank macht.

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AROUND THE WORLD: VENEZUELA Eine Volksweisheit des Andenstamm Mirripuyes besagt dass Caribay die erste Frau war, Tochter der Sonne und des Mondes. Sie ist der Geist der aromatischen Wälder der den Gesang der Adler imitiert und mit den Bäumen und Blumen spielt. Die Geschichte besagt dass sie sich eines Tages in den Anblick fünf weißer Adler verliebte denen sie fortan durch die Berge nachjagte, doch als sie jene zu fassen bekam vereisten sie. Die fünf Adler stehen symbolisch für die »Sierra Nevada«, die schneebedeckten Berge in denen der traurig-süße Gesang Caribays der Wind ist, der durch jene Berge pfeifft. Heute sind die Lagunen, vor allem jene des Tal der »Sierra la Culatta«, beliebte Wanderziele die mit natürlichen Thermalbädern für Touristen aller Altersklassen ein Naturerlebnis der besonderen Art bieten. Und da in diesem Niemandsland keinerlei Kontrolle besteht kann man auch einmal mehrtägige Technivals, Partys elektronischer Musik, finden die abseits jeglichen Reglements Freigeistern wie Estefania aus dem ganzen Land ein Paradies sind, das sich kulturell sowie landschaftlich vom Rest des Landes unterscheidet. Vieles mag sich geändert haben, neue Handelszweige, eine bessere Infrastruktur und bessere Bildungschancen haben den Andenbewohnern neue Möglichkeiten eröffnet, ihre Essenz konnten die »Andinos« jedoch ebenso wahren, wie die klaren Gebirgsbäche die sich durch einsame Täler ziehen, in denen sich die Klänge der Natur mit Violinen, Guitarren und nun eben auch elektronischer Musik vermischen.

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LESERBRIEFE Liebes HANIX-Team, ersteinmal Gratulation zu eurer neuen Unterkunft, super schön, fahre jeden Tag mit dem Rad vorbei! Ich komme nicht regelmäßig zum Hanixlesen, finde es aber super klasse kreativ und ansprechend, eine klasse Aufwertung für die Heilbronner Medienlandschaft! REGINE WEIMAR, HEILBRONN Servus, habe mich sehr über das Interview mit Rüdiger Rehm gefreut. Wie er es in dem Interview erwähnt, ist er einer, der immer versucht, das ihm maximal Mögliche zu erreichen. Als Spieler hat er es zu fast 200 Spielen in der 2. Bundesliga gebracht. Mal sehen, wohin ihn seine Trainerkarriere führt. HEIKO PRESCHKE, HEILBRONN- Werte Redaktion, zuerst einmal möchte ich Ihnen zu Ihrem Magazin gratulieren. Ich habe die aktuelle Ausgabe gerade durchgeblättert und muß sagen, der Mix macht richtig Lust zum Vertiefen. OTTO GEISEL, MÜNCHEN Liebes HANIX-Magazin, gratulation zur schön gewordenen sehr grünen Naherholungs-Ausgabe. Tolle Stadtpark-Fotos und wirklich gute Badestellentipps. Ich werde das Bad in Künzelsau mit Sicherheit demnächst ausprobieren. KLARA MAUER, JAGSTFELD Hallo HANIX! Aufgrund eures Artikels habe ich den Ökoferienhof Retzbach in Blaufelden besucht. Ein toller Ferienhof. Vielen Dank fürs Ausgraben, dieses Kleinods von mir und meiner Familie. Ein wunderbar erholsames Wochenende für uns Eltern. Die Kinder waren den ganzen Tag auf dem Bauernhof unterwegs und wir saßen bei gutem Wein auf der Terrasse. SANDRA PESCH, HEILBRONN

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IMPRESSUM Verlag und Redaktion HANIX MEDIA Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Wilhelmstraße 56 74074 Heilbronn E-Mail: info@hanix-magazin.de Telefon: +49 7131 1216500 Herausgeber Marcel Kantimm Robert Mucha Chefredakteur Robert Mucha (V.i.S.d.P.) Redaktionelle Mitarbeiter Leo Volland, Annette Geisler (Stadtarchiv Heilbronn), Sascha Wartha, Valerie Grübele, Joshua Endresz, Sharon Tennison, Nicolai Köppel, Patrick Ortwein, Florian Damaschke, Uwe Gramlich, Maria Sanders, Patrick Schuster, Katharina Scheinpflug, E-Mail: redaktion @ hanix-magazin.de Videoredaktion Philipp Kionka, Sarah Fischer, Mavinga Petrasch, Steven Zuleger, Eldon Phillips, Bryan Henao Bildredaktion Mehmet Filiz, Ulla Kühnle, Meli Dikta, Helmut Rier Artdirektion Raimar Schurmann Grafik & Illustration Lisa Hofmann, Florian Geiger Audio Philipp Seitz (ANT Studio) IT-Support Martin Riemer (Easy NetworX / www.easy-networx.de) Vermarktung & Sales Sarah Baudenbacher sarah.baudenbacher @ HANIXmagazin.de Marcel Kantimm (verantw.) marcel.kantimm @ HANIX-magazin.de Robert Mucha robert.mucha @ HANIX-magazin.de Verlagskoordination / Administration / Social Media Marcel Kantimm Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion wieder. Für die Richtigkeit von Angaben, Daten, Behauptungen etc. in den Beiträgen kann der Herausgeber bzw. die Redaktion keine Verantwortung übernehmen. Haftung für Links: Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf unserer Homepage und machen uns diese Inhalte nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf www.HANIX-magazin.de angebrachten Links. Herausgeber und Redaktion übernehmen keinerlei Haftung für die hier angebotenen Informationen.

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DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN Dieser Schnappschuss entstand Anfang September 1971 auf dem ersten Heilbronner Weindorf. Wein stand in jenen Tagen absolut im Mittelpunkt. Und auch das bei der Heilbronner Jugend beliebte Ratscafé im Hintergrund des Fotos konnte mit seiner Schwabenbräu- Reklame dem nichts entgegensetzen. Denn das Weindorf war nur der innerstädtische »Ableger« des großen »Heilbronner Herbstes«. Der fand seit 1954 immer Anfang September auf der Theresienwiese statt. Dort wurden die Herbstritter und Edelfräulein gekürt. Und dort spielte sich das traditionelle Kinderfest im Rahmen des Heilbronner Herbstes ab. An dem abschließenden Lampionumzug von der Festwiese zum Marktplatz nahmen 1971 rund 10.000 Kinder teil. Die Kombination Herbstfest und Weindorf des Jahres 1971 wurde zum bis dato größten Weinfest »aller Zeiten« im Unterland. Und um der Jugend ebenfalls etwas zu bieten, hatten der Stadt- und Kreisjugend-ring zusammen mit der Stadtjugendpflege unter Helmut Stöppler das bis dahin größte Pop- und Beat- Festival in Heilbronn organisiert. Am 8. September strömten rund 5000 junge Menschen ins Herbst-Festzelt auf die Theresienwiese, um die Bands »Cock«, »Kin Ping Meh« aus Mannheim und die umjubelten »The Petards« zu hören. 1985 fand der letzte »Heilbronner Herbst« auf der Theresienwiese statt. Er sollte durch das neu geschaffene Traubenblütenfest abgelöst werden, das sich letztendlich nicht durchsetzte. Nur das Weindorf hat Bestand. Text und Bild für diesen Historischen Schuss wurden wie immer vom Heilbronner Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.

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Weinfest der Superlative, 1971

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VERANSTALTUNGEN SEPTEMBER 2. September Wagenhallen Stuttgart BACH.LAB I BACH.INTOTHEDARK Dunkelkonzerte sind zutiefst bewegende musikalische und emotionale Erlebnisse. Nach großen Erfolgen in Deutschland und Skandinavien entwickeln die drei Musiker eigens für das MUSIKFESTUTTGART ein neues Programm, das die Musik Johann Sebastian Bachs zum Mittelpunkt hat. In völliger Dunkelheit erklingt ein dramaturgisch durchgestaltetes Programm, das hier in besonderer Weise seine Kraft entfaltet. Das Publikum wird von Blinden und stark Sehgeschädigten in den völlig abgedunkelten Raum geführt und betreut. 2. September Ebene 3 im Kulturforum K3 Kommunales Kino 3. September Jazzclub Cave 61 Konzert + Session: James Crutchfield Trio Das Würzburger Trio des gebürtigen Texaners James Crutchfield bringt einen jungen, zeitgenössischen Jazz auf die Bühne, mit einem Gefühl von Leichtigkeit und Raum für rhythmische Komplexität und Dichte. 4. September Mobilat OUT OF THE DARK Gothic, Darkwave, EBM, Industrial, Mittelalter, 80ies 5. September Mobilat BASEMENT SOUL @ Mobilat Wenn der September beginnt, stellt sich für viele nach Urlaub und Sommerferien der trübe Alltagstrott wieder ein. Ein Glück, dass wir da ein Gegenmittel parat haben: am 5. September geht es wieder ab ins Kellergeschoss des Mobilats, denn die nächste BASEMENT SOUL steht vor der Tür! DJ RoccZ muss dieses Mal ohne seinen Partner Cal Caprice auskommen, wir haben jedoch für standesgemäße Vertretung in Person von DJ Sean gesorgt. Der »HNX Soldier» ist ein echtes Hip Hop-Urgestein, produziert bereits seit Mitte der Neunziger und macht schon mindestens ebenso lange die DJ-Kanzeln des Landes unsicher. Außerdem als Live-Act mit dabei ist der 20-jährige Newcomer-MC Steeno. Seid dabei, wenn die drei Jungs das Basement mit ihrem rohen Mix aus Funk, Soul und Hip Hop Classics zum Kochen bringen! 5. September Bukowski ELECTRONIC BOOGIE WOOGIE Vor rund elf Jahren tauchten die Boogie Pimps mit »Somebody To Love (Salt Shaker Remix)» aus dem Nichts auf. Die Nummer fraß sich in die Gehörgänge von ganz Discodeutschland, kaum ein Club drehte nicht darauf hohl. 10 000 verkaufte Vinyls später schnellte sie auf # 1 der DDC. Die Boogie Pimps jetten seitdem durch die Welt und haben im Sommer 2013 auch das beschauliche Heilbronn aufgemischt. Der geplante Termin im April dieses Jahres ist dann leider geplatzt, aber heute klappt’s und sie machen’s zusammen mit den Drum Poets und Josh.tek nochmal! Letzterer legt vor, die Poeten entern nach den Pimps ab 6:00 die Decks – wir wetten, das geht bis 9:00 Uhr morgens … 5.September Jazzclub Cave 61 NORBERT SCHNEIDER Der österreichische Sänger und Gitarrist Norbert Schneider, Gewinner des Amadeus Awards, bietet mit seiner Band eine faszinierende Melange aus Bluesklassikern auf Englisch und Liedern in Wiener Mundart. 6. September Bukowski DEIN STÜCK FREIHEIT Wer die Wahl hat, hat die Qual? Nicht, wenn Sounds von entspanntem Techhouse bis astreinem Techno und dazu noch Drum’n’ Bass auf dem zweiten Floor zur Wahl stehen. Dann ist eher von Freiheit und Vergnügen die Rede, und genau so wird es heute aussehen! Caspar, der Sasch BBC -Studiomate, ist back in town! Wir freuen uns auf jede Menge seiner eigenen Tracks, die, veröffentlicht

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http://www.b4bstuttgart.de http://www.b4bhn-franken.de http://www.haus-des-rechts.de Erfahrung aus zahlreichen Internetprojekten http://www.eichmueller.com WEBSITES AUS EINER HAND Konzeption und Gestaltung von Websites Domainauswahl und Webhosting CMS-Einrichtung oder Bereitstellung von Texten und Bildern Schulung für die Pflege von Inhalten Suchmaschinenoptimierung HETTENBACH GMBH & CO KG WERBEAGENTUR GWA Werderstr. 134 · 74074 Heilbronn T. 07131 / 7930-100 · F. 07131 / 7930-209 kontakt@hettenbach.de · www.hettenbach.de Gesamtverband Kommunikationsagenturen Einziges Mitglied der Region

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GEHTS Auf der kostenlosen »keosk«-App im iTunes Store findet ihr HANIX hier: MAGAZINE > LIFESTYLE > ALTERNATIV

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VERANSTALTUNGEN: SEPTEMBER auf Labels mit klangvollen Namen wie 8bit, Brise und Escapism, regelmäßig in die Cases und Playlists prominenter DJ-Kollegen wandern. Außerdem an den Decks; France Ari, der uns auch ganz gerne mal härter rannimmt und natürlich die Me2You Crew auf der Terrasse. Und vielleicht in den frühen Morgenstunden auf ein Stündchen T-WATCH als Bonus ... Freier Eintritt & Longdrink-Special wie immer bis 01:30 Uhr! 6. September Theresienwiese HOLI GAUDY Wenn du mit tausenden Menschen die Freiheit und die Gleichheit des HOLI-Grundgedanken exzessiv zelebrierst, wenn alle deine Sorgen verfliegen und du dich von allen Lasten befreist – dann bist du bei uns – bei HOLI GAUDY. Nach acht erfolgreichen Holi Festivals im letzten Jahr, kommen wir jetzt, mit Erfahrung und Mut etwas ganz Großes zu erschaffen, in über 30 europäische Städte. Die »EUROPE’S BIG HOLI - FESTIVAL TOUR 2014». 7. September Hip Island 2.0 CLOSING 2014 Nach zehn Jahren entspannen und feiern, erleben und genießen ist nun der Zeitpunkt gekommen, Abschied zu nehmen. Viel zu früh, doch nicht unerwartet wird das Hip Island 2.0 am Sonntag den 7. September um 14 Uhr von uns gehen. Die öffentliche Teilnahme war bereits groß, als das Ende zu erahnen war, doch alle Bemühungen und Stimmen waren wirkungslos. Das Hip Island wird noch im September 2014 das zeitliche segnen und einer Baustelle für die BUGA 2019 weichen. Wir hoffen zwar auf eine Wiederauferstehung, doch trotz viel Presse rund um einen neuen Standort haben wir bisher noch nichts festes in der Hand. Lasst uns eine Ära zusammen so beenden, wie wir sie in Erinnerung behalten möchten: Richtig, richtig geil! Und lasst uns diese Trauerfeier zum geilsten Tagesfestival machen, was wir je erlebt haben und erleben werden. Lasst uns zusammen Ibiza so richtig alt aussehen lassen. Lasst uns nicht trauern, sondern Freudentränen vergießen! Wir wollen keinen ruhigen Abgang, sondern einen, von dem unsere Enkel noch ihren Enkeln erzählen – wir wollen zusammen so richtig genial feiern! Zusammen schreien, lieben, ausrasten, umarmen, abreissen, trinken und tanzen. Mindestens so, dass der Kaiserturm wackelt und die Fische aus dem Neckar springen! Mindestens so, dass die Stimme eine Sonderbeilage drucken muss und man auf diginights danach ausschließlich Fotos vom Hip Island Closing sieht. So, dass wir nass geschwitzt, Hand in Hand mit Tränen in den Augen und einem Grinsen in den Mundwinkeln das Hip verlassen und sagen können: Ich war dabei und es war geil! Die Abschieds-Predigt wird rund zwölf Stunden dauern und gehalten von: Karotte, Robin Schulz, Frank Lorber, Einzelkind, Magit Cacoon, Easy L., Josha, Ryan Stevens & Erasmus & Krieger. 7. September Ebene 3 im Kulturforum K3 TANGO ARGENTINO TANZABEND Tango ist Sehnsucht, Geheimnis, Leidenschaft und Erotik. Wer vom Tango einmal berührt ist, der wird infiziert sein und der Sucht dieses Tanzes nachgeben müssen. Wer selbst nicht tanzen mag, kann bei einem gemütlichen Glas Wein auch einfach nur zuhören und zuschauen, wie andere Tango tanzen. Zuschauer und Mittänzer sind herzlich eingeladen! 8. September Bar Daneben / Complex23 Alle Mamas, Papas, Omas, Opas, Onkel und Tanten sind herzlich willkommen zum Kaffee trinken und Kuchen essen in gemütlicher Atmosphäre. Damit die Erwachsenen (den Kuchen) auch entsprechend genießen können, gibt es für die Kleinen eine gemütliche Spielecke, zum toben, spielen und lesen. Eintritt frei! 10. September Wagenhallen Stuttgart BABA ZULA DER SOUNDTRACK ISTANBULS In den letzten Jahren ist Istanbul zu einem europaweiten popkulturellen Thema geworden – in einer Liga mit Berlin, Barcelona, Paris und London, zieht die Stadt am Bosporus mittlerweile jedes Wochenende auch Massen von feierwütigen und aufgeschlossenen Menschen aus ganz Europa an. Istanbul ist ein Ort, an dem nicht nur Kontinente, sondern ganze Kulturen verschmelzen. Eine Band repräsentiert geradezu genial diesen neuen und weltoffenen Geist von Istanbul: BaBa ZuLa! So wie Istanbul die Brücke zwischen Asien und Europa bildet, stehen BaBa ZuLa für den Brückenschlag zwischen

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VERANSTALTUNGEN: SEPTEMBER Psychedelic-Rock (Folk) und (Oriental) Dub. Fatih Akins preisgekrönter Dokumentarfilm »Crossing the Bridge – The Sound ofIstanbul» hat uns 2005 die Vielschichtigkeit der Musikszene der eurasischen Metropole vor Augen geführt. Auf einem Boot jammten BaBa ZuLa u. a. mit der Sängerin Brenna MacCrimmon und Alexander Hacke, dem Bassisten der Einstürzenden Neubauten. Da existierte die in Istanbul gegründete Band schon neun Jahre. Bei BaBa ZuLa treffen traditionelle orientalische Instrumente wie elektrischer Saz, Holzlöffel und Percussions und uralte schamanistische Traditionen auf 60er- Jahre-Psychedelic und elektronische Elemente wie Dub- Effekte. Ihr zeitgenössischer, urbaner Psychedelic-Folk hat Geschichte und definiert sich als einzigartiger Soundtrack einer pulsierenden Metropole. BaBa ZuLa konnten für ihr neues Meisterwerk Gecekondu beeindruckende Künstler, wie den Asian Dub Foundation-Mitbegründer Dr. Das, den Mastermind des Nu Jazz Bugge Wesseltoft und weitere großartige Musiker wie Titi Robin, Alcalica, Serra Yilma und Cem Yildiz als Gastmusiker gewinnen. BaBa ZuLa sind Murat Ertel (Electro Saz, Electronic Sounds, Vocals), Levent Akman (Electronic Sounds, Wooden Spoons), .zgür Çakırlar (Percussions) und Elene Hristova (Sängerin). Auf der Bühne werden sie von den Tänzerinnen Bahar Sarah und Nourah begleitet. 11. September Wagenhallen Stuttgart BACH.LAB III Bach.IMPRO In den Wagenhallen sind zwei Ensembles aufgebaut: ein Barock-Ensemble und eine Jazz-Combo. Es wechseln sich schnell und dynamisch Instrumentalmusik von Johann Sebastian Bach und neu komponierte improvisierte »Kommentare» ab. Eine Art »battle» entsteht: schnell, virtuos und mit viel Spaß. Die dynamische, vom alten Bach inspirierte Jam-Session mündet in eine ausgelassene Feier zum Abschluss des Bach.LAB. 11. September Kunsthalle Vogelmann DJ-PERFORMANCE LENA WILLIKENS Musikalische Interpretationen zu Thomas Schütte, inkl. Kurzführung und Cocktailempfang. 12. September Kulturkeller MURAT RENA »MUSIKALISCHE BEGEGNUNG« Der in Kirgisien geborene Künstler und Absolvent des Moskauer Tschaikowsky-Konservatoriums, der das Spiel auf Klavier und Violine perfekt beherrscht, kommt diesmal nach Heilbronn mit seinem Sohn Daniel, der ihn bei den Violinwerken am Klavier begleiten wird. Die beiden begegnen uns an zwei Abenden mit Meisterwerken von Bach, Schubert, Franck und Sarasate. 12. September Bukowski RUSSIAN TECHNO Wer bei den Stichworten »Feiern» und »Russland» intuitiv an Vodka denkt, liegt sicher nicht ganz daneben. Doch wie so oft ist das nicht alles: Tatsächlich hat die russische Techno-Szene hat in den letzten Jahren wirklich qualitativ hochwertige Künstler hervorgebracht und wir können deren Sound ziemlich gut ab. Mit Ki.Mi. aka Kashatskikh aus St. Petersburg können wir Euch heute coolerweise einen davon präsentieren, der gerade ziemlich steil geht. Und der bereits auf Moon Harbour releast und Remixe für Alle Farben und Sian gemacht hat. Sein leicht düsterer und atmosphärischer Sound passt feinstens zur Anlage im Buko ... und auch wenn’s aus Rechner-Boxen immer scheiße klingt – ne Soundprobe gibt’s hier: https://soundcloud.com/kimimusic ! 12. September Ebene 3 im Kulturforum K3 Improtheater »Ohne Gewähr» Wie aufregend, rührend und witzig kann Theater sein? Und vor allem: wie spontan? Wenn es sich um Improvisationstheater handelt, dann kann die Antwort nur lauten: Ziemlich! Gespielt und gesungen werden Szenen nach den Vorgaben der Zuschauer. Die setzt das Improtheater ohne jede Vorbereitungszeit und mit viel Lust am Fantasieren um; daraus können Romanzen, satirische Szenen, Gruselgeschichten oder sogar ganze Romane erwachsen. 12. September Mobilat WHO THE FUCK

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BLog www.hanix-blog.de

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VERANSTALTUNGEN: SEPTEMBER 13. September Mobilat BUSS DI DANCE 12 Years Yardstyle Aniversary 13. September Bukowski PULS DER STADT Was macht eigentlich eine Stadt lebendig? Was sind die Must-Haves an urbanem Angebot? Wo lebt man gut, wo lebt man gern, im Grünen oder mitten im Trubel? Heilbronn ist nicht das schlechteste Pflaster, das steht natürlich schonmal fest. Und dass hier jedes Wochenende der Pulsschlag der Nacht im 4/4-Takt klopft, dafür sind wir da – vor der BUGA, während der BUGA, und auch noch danach! Trotzdem ist jede Nacht im Buko einzigartig, also feiert, als ob es die letzte wäre! Heute mit Robin Hirte, Maurice, Fred Moody und natürlich allen Freunden ... 13. September Karlstorbahnhof Heidelberg LA NUIT BOHÈME The Electric Swing Club Liebes La Nuit Bohème-Publikum, kaum zu glauben, aber wahr: die Nuit Bohème gibt es bereits seit sage und schreibe vier Jahren. Nun, wenn das kein Grund zum Feiern ist! Das erste Jubiläumsständchen bietet uns die Band Dirty Mac & the Filthy Five dar: die sieben Musiker wissen wie echter Rhythm’n Blues klingen muss. In Original Twotone Suits gekleidet, präsentieren sie eine packende Performance – angefangen mit Stücken von Big Joe Turner über Louis Jordan bis hin zu Wynonie Harris ist im Show- Programm der Band alles vertreten, was in der Anfangszeit des Rhythm’n Blues Rang und Namen hatte.Als weiteres Schmankerl der Jubiläumsveranstaltung wird die überaus charmante Lada Redstar mit ihrem glamourös eleganten Burlesque-Auftritt die schmucke Gesellschaft wahrhaftig betören. Rien ne va plus? Mais, oui, bien sur! Herrschaften, seien Sie herzlich eingeladen mit Spielgeld Ihr Glück am Poker-, Roulette- und Black Jack-Tisch in unserem Open Air Casino auf dem Vorplatz des Karlstorbahnhof Heidelbergs herauszufordern. Nebenbei verwöhnen unsere Bauchladenmädchen Sie mit feinsten Pralinen und würzigen Zigarren. Und als Erfrischung für Zwischendurch empfehlen wir Ihnen – wie könnte es auch anders sein – etwas Hochprozentiges von unserer Absinthe Bar. Danach geht es mit Schwung und Schwips in den klubk, wo unser Maitre de Plaisir Costa Le Gitan und Phos Toni (Electro Swing Elite) mit Electro Swing einheizen, während DJ PatRRice und Chris Whap A Dang mit klassischem und modernem Swing, Charleston sowie Chansons für großes Ohrenkino im Saal sorgen. Ein bisschen Schönheit gefällig? Dann lassen Sie sich in unserer Styling Lounge by Joel schminken und frisieren - das Team um Joel Frank Platzer und Alexander Kowatsch freut sich auf Sie. Und gleich im Anschluss lassen Sie sich aufgehübscht an der Retro Photo Wall von unserem Fotografen ablichten! 15. September Bar Daneben / Complex23 Bis So. 21.09. Fassadengestaltung Triangel-Ausstellungsflächen von Counterpart: Sender - [Interference] - Receiver Parcel labels deconstructed and rearranged. Aesthetics of a seen and overlooked, mundane communication tool. www.kounterpart.com 16. September Bar Daneben / Complex23 LESUNG SIBEL (DATA 77112) »zusammengefasst aus past/present/future tagebüchern, geht´s um die irrungen, wirrungen, erkenntnisse und verrückten dingen, die einem so geschehen und entstehen können. schreiben ist medizin für mich; und wieso nicht auch für andere? visuellen support bekomme ich von stella b-art- boden support von der bar daneben. VIELEN DANK! los, hörts euch an. wenn ihr könnt – « Eintritt frei! 17. September Ebene 3 im Kulturforum K3 BLUES SESSION Unter der Leitung von Bernd Schwarz treffen sich regionale Musiker zum gemeinsamen »Jammen». Gespielt wird traditioneller und moderner Blues im Sinne der alten Meister. 18. September Kunsthalle Vogelmann Kuratorenführung in der Ausstellung »Thomas Schütte» Mit Dr. Rita Täuber.

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Filmformate im HANIX Magazin Imagefilme Firmenfilme Kunst- und Kultureventfilme Kontakt: kionka@formatfilm.tv

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VERANSTALTUNGEN: SEPTEMBER 18. September Theaterschiff MACHO MAN Versteh einer die Frauen! Daniel, Anfang 30, ist gerade verlassen worden - und das, obwohl er alles gemacht hat, was seine Freundin wollte. Schließlich haben ihm seine 68er–Eltern beigebracht, Frauen zu achten und zu respektieren. Das hat ihm als Jugendlicher auf Partys sehr geholfen: Während die Mädchen mit den anderen Jungs in der Ecke knutschten, hat er sie geachtet und respektiert. Und einer musste schließlich die ganzen Nudelsalate essen. Er fliegt in die Türkei. Dort passiert ein Wunder: Die bezaubernde Aylin, in die der ganze Club verliebt ist, interessiert sich für ihn. Daniel schwebt im siebten Himmel. Wird aber sehr schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als er, zurück in Deutschland, Aylins türkische Großfamilie kennenlernt ... 19. September Theater Heilbronn, Großes Haus MADAME BOVARY Schauspiel von Tine Rahel Völcker nach Gustave Flaubert Emma ist eine Bauerntochter aus einfachsten Verhältnissen. Ihre Mutter hat ihr alles beigebracht, was es braucht, um einen Mann von guter Stellung zu bekommen. So begegnet sie Charles Bovary, dem Landarzt, der sich in die junge und äußerst attraktive Frau verliebt und sie nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet. Er liebt Emma wirklich, sie ist das Beste, was ihm je passiert ist. Sie erhofft sich von dieser Ehe gesellschaftliche Anerkennung, Freiheit und Glück. Aber Emmas Hunger nach einem Leben in Leidenschaft, wie sie es aus ihren Romanen kennt, ist groß. Sie ist unzufrieden, immer mehr verfällt sie in Lethargie und Depression. Ein Umzug in die Stadt soll ihrem Leben wieder einen neuen Sinn geben. Dann bekommen sie ein Kind – ein Mädchen. Dabei hatte Sie so sehr auf einen Jungen gehofft. Denn Frauen, so sieht sie es, sind auf das »Leben einer Stubenfliege reduziert». Emma will raus aus diesem Leben und flüchtet sich in die Arme ihrer Liebhaber Rodolphe und Léon. Und kehrt doch immer wieder zu Charles zurück, diszipliniert sich, will eine gute Ehefrau und Mutter sein - nichts gelingt ihr. Sie betäubt ihre Sehnsucht mit immer neuen Luxuseinkäufen bei der Händlerin Lheureuse. Sie wird zur Süchtigen und Emmas Rausch in Luxus und Konsum endet im Ruin. 19. September Kulturkeller ALBERT CAMUS »DAS MISSVERSTÄNDNIS» Nach zwanzig Jahren Abwesenheit kehrt Jan, im Ausland inzwischen zu Ansehen und Vermögen gekommen, in sein trostloses Heimatdorf zurück. Er mietet sich in dem einsamen und heruntergekommenen Gasthaus ein, das seine Mutter und seine Schwester Martha betreiben. Jan verschweigt jedoch seine wahre Identität und hofft auf ein Zeichen der Wiedererkennung, wartet auf das »richtige» Wort … Doch die beiden Frauen, die ein dunkles Geheimnis teilen, erkennen ihn nicht und es kommt zu einem Missverständnis mit fatalen Folgen. 19. September Theaterschiff HEISSE ZEITEN – WECHSELJAHRE REVUE Am Flughafen treffen vier Frauen aufeinander, die zwei Dinge gemeinsam haben: Ihr Flieger verspätet sich und sie befinden sich in den Wechseljahren bzw. zumindest kurz davor. Die Heldinnen aus den Quotenschlagern »Sex and the City» und »Desperate Housewives« können einpacken, wenn diese vier Damen die Bühne betreten. »Heiße Zeiten« ist ein komödiantisches und musikalisches Feuerwerk. Von der Schnulze über Popsongs und Klassiker der Discowelle bis hin zu Jazz-Standards – alle in einer deutschen Version- dieser »Klimakteriumskracher« lässt kein Auge trocken. 19. September Jazzclub Cave 61 David Helbock´s Random/Control Das Trio bietet mit drei Dutzend Instrumenten eine aufregende Achterbahnfahrt durch Jazz, Klassik und Volksmusik – zwischen geplanter Komposition (Control) und waghalsiger Improvisation (Random). 19. September Bukowski KLANG DER BEWEGUNG Die Klang der Bewegung-Feten bestechen durch ihren ganz eigenen Sound. Ausgewählte Stücke zur richtigen Uhrzeit, für die richtige Crowd. Jedes Mal wird das Bukowski durch den Klang der Bewegung in eine sehr, sehr besondere Atmosphäre getaucht! Wer da war, weiß das längst zu schätzen, und Newbies sind hier stets

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VERANSTALTUNGEN: SEPTEMBER willkommen. Es gibt da nur eine einzige Bedingung: Open your mind! Heute mit Plasmiq und Pravi Lopov an den Decks: KLSR!. 20. September Mobilat THE PAISLEY CLUB Der Sommer neigt sich dem Ende zu und was wäre ein besseres Finale als zusammen die Korken knallen zu lassen und zum Paisley Sound zu feiern? Unser Gast Dj PYLO LENGER (Electric Banana/Cologne) ist schon Feuer und Flamme, manche von euch erinnern sich vielleicht noch an seinen letzten Besuch, euch erwartet eine extrem tanzbare Mischung aus britischem 60's Groove sowie den ein oder anderen Knaller vom anderen Ende der Welt. Supported wird PYLO von den Paisley Hosts Manuel & Thomas! Und immer dran denken: Wer früher kommt kann länger feiern! 20. September Bukowski WIR GEHEN STEIL & ELEKTRONISCH Mr Thessaloniki ist zurück! I-Kie gibt sich nach exakt einem Jahr wieder die Ehre und trifft sich im Buko mit seinem Buddy Ascii aus Hamburg auf eine ordentliche Portion Techhouse! Außerdem geht der Klangagent heute mit Euch gemeinsam steil: Klangagent hat sich in kürzester Zeit einen Namen in den Clubs gemacht – und was bei uns am besten zündet, weiß Tim, der lange Jahre Gast und sogar auch schonmal Angestellter im Bukowski war, sowieso aus dem Effeff. Da brennt nichts an, da knallt es bloß! 20. September Pier 58 Neckarstimme 2014 - Song Contest & 1 Jahr Pier 58 Feier mit uns ein Fest! Zum ersten Mal findet der Song Contest »Neckarstimme 2014« statt, wozu wir euch alle herzlichst einladen möchten. Wenn Du dich als Musiker mit oder ohne Band angesprochen fühlst, und unsere kleine Bühne vor einem netten, gemischten Publikum rocken möchtest, dann bewirb dich mit einem kurzem Video auf unserer Facebook-Seite. Einsendeschluss ist der 14. September 2014. Unter allen Bewerbungen fischt der Käpt’n und seine Crew die dicksten Brocken raus und gibt Euch das GO für die Teilnahme am Song Contest »Neckarstimme 2014« und alle weiteren Informationen zum Abend. Dem Gewinner erwartet Ru(h)m, Ehre, ein professionelles Fotoshooting und als Krönung einen Flammkuchen der mit Ihm kreiert und nach ihm benannt wird! 20. September Ebene 3 im Kulturforum K3 Bernd Schwarz und Janni Petsos »Von den Baumwollfeldern in den Großstadtdschungel« Ausdrucksvolle Bluesballaden und fetzige Tanzstücke, wie sie in den »Juke Joints», den Tanzschuppen der Schwarzen, in den Südstaaten zu hören sind, werden auf begeisternde Art dargeboten. Ohne große Anstrengung lavieren sie zwischen den zahlreichen Nuancen, die den Blues und Boogie der 30er bis 50er Jahre so reichhaltig und farbenprächtig ausfallen ließen. Der frühere Mastercharge-Gitarrist Petsos weiß mit seiner perfekten Technik und Fingerfertigkeit zu begeistern. Mit ihrem unterhaltsamen Programm blättern sie in der Geschichte der afroamerikanischen Kultur und zeigen dabei auch deren musikalische und sozialen Hintergründe auf. Sie interpretieren die Werke der alten Bluesmeister in modernem und frischem Sound. 20. September Substage Karlsruhe DASDING LAUTSTARK-PARTY DASDING Lautstark-Party: Die größte, beste und vor allem lauteste Rock-, Alternative- und Indie-Party im Südwesten kommt zu Dir! Feier mit DASDING und den Lautstark-DJs durch die Nacht! Die erfolgreiche Partyreihe von DASDING, dem jungen Programm des SWR, macht regelmäßig in den Städten des Sendegebietes halt. Nun auch endlich mit festen Terminen hier bei uns im Substage Karlsruhe! Die DASDING Lautstark-DJs legen Gitarrenmusik nonstop auf: Beatsteaks, Rise Against, Placebo, System of a Down, The Wombats, Die Ärzte, Kings of Leon, Tegan & Sarah, Foals, Kraftklub, Muse, Green Day, Mumford & Sons, Johnossi, Kettcar, Tool, Jimmy Eat World, Bloc Party, Foo Fighters, The Gaslight Anthem, Arctic Monkeys, Refused, Enter Shikari und vieles mehr. Die Sendung zur Party gibt es immer dienstags von 20 bis 22 Uhr bei DASDING im Radio und die ganze Woche über zum Nachhören auf www.dasding.de. Die Moderatorin Christiane spielt Neues, Rares, Unveröffentlichtes und natürlich auch Klassiker aus der Indie-, Alternative-,

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VERANSTALTUNGEN: SEPTEMBER Punkrock, Folk- oder auch Metalecke. Lautstark ist die Sendung für Fans von Gitarrenmusik. Immer anders, aber immer lautstark. 21. September Bar Daneben / Complex23 Ritterrüstung und Kettenhemd (für Menschen ab 5) Von und mit Ensemble Bombenkracher (Udo Grundwald und Denis Fink). Ein spannendes und lustiges Stück Familienunterhaltung für Menschen ab 5 Jahren. Ritter Kraft von Krautheim langweilt sich sehr. Alle Drachen sind bezwungen, alle Länder bereist und auch die Burg ist von außen gestrichen. Da bekommt er den Auftrag von König Otto Ordentlich III höchst persönlich, in die Provinz Amorbach zu reisen, um das nette Burgfräulein Frederike von und zu Friedrichshall vor Räubern und lumpigen Lumpen zu retten ! »Es ist ein Ritterstück mit allem Drum und Dran. Tragisch und spaßig im Ton, kindgerecht serviert, gewürzt mit Wortspielereien, viel Klamauk und zünftigen, raumgreifenden Prügeleien.« Heilbronner Stimme. Ab 15 Uhr. Eintritt Kinder 4,- Euro / Erwachsene 6,- Euro; begrenzte Platzanzahl, um Voranmeldung wird gebeten unter mail@complex23.de oder unter Tel.: 07131-2071427 / gefördert von der Stadt Heilbronn 23. September Karlstorbahnhof Heidelberg LES YEUX D'LA TÊTE Chanson, Swing, Folk, Balkanbeats Les Yeux d’la Tête platzen vor Energie und Spielfreude, das bewiesen sie bereits bei ihrem Auftritt im Januar letzten Jahres. Die Band aus Paris entführt ihr Publikum in die Spelunken von Paris, in die Untergrund-Welt der Metrostationen, aber auch an die Ufer der Seine oder auf eine Hochzeit in Osteuropa. Ob Sinti-Swing, französischer Chanson, poetischer Punk oder Jazz, Les Yeux d’la Tête bedienen sich unverkrampft verschiedenster musikalischer Einflüsse. Die sechs Franzosen erzählen Geschichten von Liebe, Freude und Spaß am Feiern und über die ganzen Verrückten da draußen, die uns tagtäglich begegnen. Mal himmelhoch-jauchzend auf dem Tresen einer Bar tanzend, mal betrübt am Seine-Ufer sitzend - Les Yeux d’la Tête bewegen sich zwischen süßer Melancholie und purer Lebensfreude, verknüpfen französischen Charme mit osteuropäischer Euphorie. 24. September Karlstorbahnhof Heidelberg DIE KLEINE TIERSCHAU Auf Abschiedstournee Die Kleine Tierschau sagt »Ade»! Vom Verband deutscher Varietétheater und vom Veterinäramt bestätigt, gehen die beiden verrückten Show-Veteranen nach 35 Jahren in den verdienten Vor(un)ruhestand. »Im Jahr 2015 wird es zum Abschied noch genau 35 Auftritte geben, bis wir im Januar 2016 unseren 35. Geburtstag und unseren Ausstand feiern. Wir danken unserem Publikum und unseren Veranstaltern für viele fantastische Stunden, in denen wir auf den Bühnen Deutschlands die Sau rauslassen und uns zum Affen machen durften, Kleine Tierschau halt, aber elefantös! Mit einem lachenden Auge und einer Träne im Knopfloch verabschieden wir uns von euch und wünschen uns allen noch viel, viel Spaß im weiteren Dasein!« Spaß werden die zwei Jungs auf jeden Fall noch lange haben und verbreiten, denn Michael Gaedt, der Motor des Duos, brettert weiter über die Bühnen der Welt. Er hilft in der »Soko Stuttgart» im ZDF bei der Jagd auf böse Jungs und lässt sich zur Zeit in Hindi und indischem Regentanz ausbilden, um Bollywood unsicher zu machen. Große blonde, stepptanzende Schwaben sind dort unterbesetzt. Michael Schulig, musikalischer Hundertsassa und gelernter Freizeitgestalter, wird der internationalen Tanz- und Musikszene natürlich weiter erhalten bleiben. Außerdem will er endlich Harfe lernen und ein Schulungszentrum für Freizeitgestaltung eröffnen, mit Kursen in Müßiggang und diplomiertem Abschluss als Privatier. Seien Sie dabei, wenn Die Kleine Tierschau zum letzten Mal im Karlstorbahnhof Heidelberg gastiert! 25. September Theaterschiff VOCALDENTE – A CAPELLA ART »vocaldente» – ein rein vokales Erlebnis ohne technische Hilfsmittel, unverstärkt und unverfälscht. Musik aus jedem Jahrzehnt vom Charleston aus den Goldenen Zwanzigern, dem deutschen Schlager und Rock’ n’ Roll aus den Fünfzigern über Discomusik aus den Siebzigern bis hin zu aktuellen Popsongs: mal furios-rasant, mal gefühlvoll-romantisch, mal abgrundtief-komisch, mal tiefgründig-anspruchsvoll. Mit einer einzigartigen Mischung aus perfektem Satzgesang, originellen Arrangements, geistreichen selbstironischen Moderationen,

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VERANSTALTUNGEN: SEPTEMBER umwerfenden Choreographien und frischem Auftreten auf hohem Niveau, begeistert das Quintett unverwechselbar charmant ihr Publikum. 25. September Bar Daneben / Complex23 LESUNG HENRIKE SPOHR: »HEILBRONN 37 °« Die Heilbronner Autorin Henrieke Spohl liest an diesem Abend aus Ihrem Kriminalroman »Heilbronn 37 °« und nimmt uns mit auf eine spannende Reise. Ein Blick in den Klappentext: "Drückende Hitze liegt über Süddeutschland. Tamara arbeitet wie eine Besessene an den Bildern für ihre erste Ausstellung. Doch mit jedem Tag wird das Gefühl, beobachtet und verfolgt zu werden, stärker, denn in ihrer Vergangenheit lauert eine dunkle Bedrohung: »Irgendwann, wenn du nicht daran denkst, werde ich zu dir kommen!« Doch dieses Mal will Tamara kein wehrloses Opfer sein …" Eintritt frei! 26. September Bukowski DEJA-VU AM HAFEN Seit einem halben Jahr gibt es die Deja-vus am Hafen, genaugenommen in der Hafenstraße, und neben der besonderen Hafendeko präsentiert Gastgeber Shie heute einen ganz besonderen Techhouse-Matrosen an den Reglern: M.in aus Frankfurt legt im Rahmen sein »To The M.ax» Album-Release-Tour einen Stopp in unserer kleinen Hafenkapelle ein. Zwei Wochen vorher stellt er das Album übrigens im Privilege auf Ibiza vor – dem laut Guinness Buch größten Club der Welt. Das kann man schon mal witzig finden, spricht aber nur für unsern Ruf! Kapitän T-WATCH entert die Decks dann am frühen Morgen auch noch selbst. Anker lichten, Leinen los! 26. September – 20. Dezember Galerie Rieker AUSSTELLUNG: DREI LICHTKÜNSTLER: Yvonne Goulbier, Sebastian Hempel und Vollrad Kutscher Die drei Künstler sind in Heilbronn spätestens durch ihre Lichtarbeiten im öffentlichen Raum im Zusammenhang mit dem Robert-Mayer-Jahr keine Unbekannten mehr. In der dunklen Jahreszeit präsentiert nun die Galerie Manfred Rieker in einer Gesamtschau Lichtkunstwerke dieser grundverschieden arbeitenden Künstler, die jedoch die Faszination des Lichtes eint. 26. September Ebene 3 im Kulturforum K3 SINGER - SONGWRITER KONZERT DER ETWAS ANDEREN ART »FLOTTER DREIER» Ein Abend voller Geschichten über Liebe, Komik und Sex, mit Stefan Dittrich, Ben Sommerfeld und Nicolai Köppel. Poesie trifft Pop & Trash. 26. September Mobilat GOD SAVE THE QUEEN BritPop mit Andrew & Thilo 26. September Karlstorbahnhof Heidelberg DJ CONFERENCE Drum&Bass, Electronic, Hip Hop Als wir 1998 die erste DJ Conference im Karlstorbahnhof Heidelberg feierten, stand das Event noch ganz im Zeichen von Jungle und Drum‘n‘Bass. Kein Wunder, denn das Rhein-Neckar-Delta hatte sich damals in Abgrenzung zum Techno-Mainstream in Frankfurt und Berlin den Ruf erworben, ein Außenposten der britischen Clubmusikszene zu sein. Durch Clubs wie das legendäre Milk!, DJs wie Bassface Sasha oder Groover Klein und einem eigenen Wagen auf der Love Parade wurde die Szene landesweit bekannt und Mannheim zeitweise als das deutsche Manchester bezeichnet. Die rasante Entwicklung der Szene in den letzten 15 Jahren ist aber auch an der Region nicht spurlos vorbeigegangen. Der inzwischen international bekannte minimalistische Tech House von hiesigen Labels hat etwa dafür gesorgt, dass derartige Platten England häufig in Regalen mit der Aufschrift »Mannheim Sound» stehen. Auch Heidelberg hat eine erstaunliche Dichte an House-Labels zu bieten und mit Move D außerdem einen echten Superstar, der fast in jedem Jahr bei der DJ Conference Flagge zeigte. Und so ist die DJ Conference heute ein familiäres Treffen von Newcomern und Alten Hasen, von Zugezogenen und Eigengewächsen, von Überfliegern und Heimatverbundenen. Auf gesonderten Floors für House, Techno und Drum’n’Bass zeigen sie dem Publikum, was die DJ-Szene der Region zu bieten hat. Sie präsentieren ihre neuesten Tracks, die Trends von morgen und die alten Scheiben mit den Klassikern aus der Anfangszeit. Ohne Konkurrenzdenken werden

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VERANSTALTUNGEN: SEPTEMBER Erinnerungen, Erfahrungen, Meinungen und Musik getauscht und mit dem Verzicht auf Gage ein Beitrag dazu geleistet, dass im Karlstorbahnhof Heidelberg weiterhin ein Ort für elektronische Tanzmusik zur Verfügung stehen kann. 27. September Karlstorbahnhof Heidelberg CHOP SUEY HD HERBST SPECIAL w/ Erobique & NÖRD Bekanntschaften machen. Freundschaften schließen. Die Liebe finden. In den Menschen und der Musik. Erst auf dem Heidelberger Herbst, dann im Karlstorbahnhof Heidelberg. Das Ganze mit wundervollem Live-Act. Vielen großartigen DJs. Und auf vier Floors. You are a part of it! Carsten Meyer aka EROBIQUE aus Saerbeck/Westfalen im schönen Münsterland spielte schon als 10-Jähriger am Klavier Beatles- und Disco-Hits nach. Mit Cosmic DJ und DJ Koze gründete er die Band International Pony, außerdem spielte Erobique mit Hamburger Urgesteinen wie Rocko Schamoni, Schorsch Kamerun, Jacques Palminger, Ego Express oder Thies Mynther und machte Remixe u. a. für Mina, Hans Nieswandt, Tocotronic und den Mojo Club. Über Deck8 und Staatsakt veröffentlichte er als Solokünstler verschiedene Alben. Erobique ist ein Garant für wilde Discoparties. Er möchte sich nicht den Spaß nehmen lassen, weiterhin mit einem Fender Rhodes und einer Rhythmusbox voller betörender Discoloops die heißen Parties der Republiken zu boogiefetzen. Denn wenn Carsten glücklich beseelt hinter seinen Kisten tanzt, dann ist das für ihn wie Beten in einer bunten Kirche voll mit ausrastenden jungen Menschen. 27. September Mobilat WORTSPORT LOUNGE Berlin, New York, Moskau, Paris oder Dresden – ob im Club, bei DJ-Battles oder im Radio: ESKEI83 ist einer der gefragtesten Live-Performance DJs dieser Tage! Mit mehr als 150 Shows pro Jahr in den angesagtesten Clubs und auf den größten Festivals bleibt kaum ein Tag an dem das DJ-Genie nicht hinter den Decks steht! Spielerisch verschwimmen die Genregrenzen in seinen Sets und das nicht, weil das gerade besonders en vogue ist, sondern weil ESKEI83 ganz einfach ein außergewöhnlich breites musikalisches Spektrum abdeckt und darin auch noch der Beste ist. Das ist mittlerweile quasi auch amtlich verbrieft, denn ESKEI83 ist der erste deutsche Red Bull Thre3style Champion und hat damit auch beim wichtigsten internationalen DJ-Contest seine absolute Ausnahmestellung bewiesen. Seine weiteren Referenzen sprechen ebenso für sich: Splash! Festival, Rock am Ring, Juicy Beats Festival, Red Bull Most Wanted DJ, internationale Bookings in den USA, Europa & Asien sowie 8 facher DJBattle Gewinner. Industrie-Größen wie Serato und Rane vertrauen auf ESKEI83 um ihre Geräte auf den weltweit größten Messen für DJEquipment zu präsentieren. Doch er ist nicht nur technisch auf Weltklasse- Niveau sondern hat auch das Feingefühl um Partypeople überall auf dem Globus zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. 27. September Bukowski TANZKATAPULT BUKOWSKI Katapult [griechisch-lateinisch], der oder das, ist eine Wurf- oder Schleudermaschine, die einen Körper mittels Energie aus dem ruhenden in einen bewegten Zustand versetzt. In dieser Nacht werden die Körper aller Buko- Gäste in einen bewegten Zustand versetzt, indem sie durch den Sound von Th;en a.k.a. Thorsten Schuth und Vincenzo Giocchino, den Heilbronnern Raum & Zeit und Strompunkt auf die Tanzfläche katapultiert werden. Der Aufprall wird hart, der Rave auch – zieht am besten die Technotanzschuhe an ... 27. September Jazzclub Cave 61 JASPER VAN’T HOFF + HARRY SOKAL Pianist Jasper van’t Hof kommt mit einer der besten Bands mit denen er jemals gespielt hat zur Release-Tour für die CD »Oeuvre» und bietet einen überwältigenden Erfahrungsschatz musikalischer Ideen.

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DIE NÄCHSTE AUSGABE HANIX ERSCHEINT AM 29. AUGUST 2014