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Content:
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Nº24 DEZ / JAN 2013 / 2014 I M G ES PR ÄC H: EX-GREENPEACE-CHEF GERD LEIPOLD UND SCHAUSPIELR WALTER SITTLER ÜBER IHR BUCH »ZEIT, SICH EINZUMISCHEN« MEINE PLAT T E N K I S T E : SARAH HORNSBY MAG ES ROCKIG, FOLKIG UND MELANCHOLISCH BRIEF A N DI E HE I MAT: DIESMAL AUS KOPENHAGEN K U NS T R EGIO N: TOLLE AUSSTELLUNGEN IN KARLSRUHE, MANNHEIM UND HEILBRONN

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N º4 DAS UNTERLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: EIN RUNDFLUG ÜBER UNSERE HEIMAT Nº2 O KT 2 011 DEZ 2011 / JAN 2012 Nº5 FEB 2012 N º1 SEP 2 0 11 HEILBRONNER ANSICHTEN: EIN FOTOGRAFISCHER STREIFZUG IM GESPRÄCH: REINHOLD GALL INNENMINISTER VON BADEN-WÜRTTEMBERG DER KÜHLSCHRANK VON...: FALKEN-KAPITÄN LUIGI CALCE DAS LÄNGSTE INTERVIEW HEILBRONNS: OLIVER MARIA SCHMITT, AUTOR DES »BESTEN ROMANS ALLER ZEITEN«, ÜBER HEILBRONN UND MEHR tei l t, e i l t , N º3 NOV 2011 IM GESPRÄCH: HEILBRONNS OBERBÜRGERMEISTER HELMUT HIMMELSBACH IM GROSSEN INTERVIEW URBAN-ART: DER NECKARSULMER MARC C. WOEHR SORGT MIT SEINER URBANEN KUNST FÜR AUFMERKSAMKEIT DER KÜHLSCHRANK VON...: PATRICIA MAYER UND DEM INSEL HOTEL IM GESPRÄCH: DIE BEATSTEAKS VOR IHREM KONZERT IN HEILBRONN VOLKSABSTIMMUNG ZU STUTTGART 21: REINHOLD GALL BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SKULPTUREN-IKONE: FRANZ ERHARD WALTHER ÜBER SEINE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTHALLE VOGELMANN EXKLUSIV IM INTERVIEW: 1899 HOFFENHEIM-COACH HOLGER STANISLAWSKI ÜBER BADISCHEN DIALEKT UND KÜHE MELKEN. GEFÄHRLICHER EINSATZ: DER HEILBRONNER MATTHIAS MARQUART HAT IN AFGHANISTAN EIN DURCH UND DURCH KORRUPTES LAND VORGEFUNDEN. FASCHING! FASCHING! FASCHING!: DIE NARREN SIND WIEDER LOS. weilt, B I L D U N G ENERGIE BIKEPOLO IM OLGA-COURT: EIN ACTIONVIDEO ÜBER EINE SPORTART, DIE IN HEILBRONN IM KOMMEN IST heilt. Z E I T A RM U T REBELLION Nº1 Nº 6 MRZ 2012 Nº2 Nº 7 APR 2012 Nº3 Nº4 INTERVIEW DES MONATS: DER SCHWÄBISCHE KABARETTIST CHRSITOPH SONNTAG FÜLLT INZWISCHEN DIE PORSCHE-ARENA. EIN GESPRÄCH ÜBER ALTE UND NEUE ZEITEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. Nº4 Nº 9 INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT STEFFEN MÖLLER. ER IST IN POLEN EIN STAR. WIR SPRACHEN VOR DER EM MIT DEM MULTITALENT ÜBER TIPPS FÜR POLENREISENDE UND PILZESAMMELN. MUSIKKOFFER: BARONS UP! FELIX VON RACKNITZ VERANSTALTET IM SCHLOSS HEINSHEIM ANSPRUCHSVOLLE KONZERTE UND STEHT IN JAGSTHAUSEN BEI DEN BURGFESTSPIELEN AUF DER BÜHNE. JUNI / JULI 2012 Nº5 Nº1 0 AUG 2012 Nº8 MAI 2012 AUSBILDUNG IM UNTERLAND: EIN BESUCH BEI GETRAG, DEN GETRIEBE- UND ZAHNRADEXPERTEN AUS UNTERGRUPPENBACH Gesundheit INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT HERBERT FEUERSTEIN, DEM EHEMALIGEN SIDEKICK VON HARALD SCHMIDT MUSIKKOFFER: EIN GESPRÄCH MIT Ö(ZKAN) ÜBER TÜRKISCHE FOLKLORE, HIP-HOP & ROCKMUSIK HÄLDENRENNEN BEI BRETZFELD: DIE OFFIZIELLE SKATEBOARD-DOWNHILLMEISTERSCHAFT IN EINDRUCKSVOLLEN FOTOGRAFIEN INTERVIEW DES MONATS: MUSEUMSDIREKTOR DR. MARC GUNDEL IM GESPRÄCH BRIEF AN DIE HEIMAT: AUSWANDERER MICHAEL MÜLLER KEHRT AUS SÜDAFRIKA IN DIE LÖWENSTEINER BERGE ZURÜCK HIER SIND DIE INTERVIEW DES MONATS: IM GESPRÄCH MIT DEN BULLINGS, DEN MACHERN DES ALTEN THEATERS MAROKKO – GLOBETROTTER PATRICK ORTWEIN WEISS JETZT: MAN WEISS NIE WORAUF MAN SICH EINLÄSST AUSSTELLUNG IN DER ZIGARRE: ARTBASEL HEAR ME RIGHT HERE – MIT MALEREI, TAGS, GRAFFITI, ZEICHNUNGEN UND PERFORMANCE* FUSSBALL: EIN GESPRÄCH ZUR FUSIONSIDEE IM HEILBRONNER FUSSBALL – MIT HARRY MERGEL, GERD KEMPF & WERNER MENOLD ä nd e uslä KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS TECHNIKMUSEUM SINSHEIM DEM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. HIER GEHT‘S ZUM QUIZ! FUSSBALL MACHER IM UNTERLAND: MARIJO MARIC WIRD NICHT NUR TRAINER DES NEUGEGRÜNDETEN FC UNION HEILBRONN. ER BETREIBT AUCH EINE FUSSBALLSCHULE. KINDER Nº6 Nº11 SEP 2012 Nº7 Nº 1 2 OKT 2012 Nº8 Nº13 NOV 2012 Nº9 N º1 4 DEZ 2012 / JAN 2013 Nº10 Nº15 FEB 2013 KULTURBEUTEL: EIN SNEAKER-FACHGEPLÄNKEL MIT MÄNNERN, DIE MEHR SCHUHE ALS IHRE FRAUEN BESITZEN. KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. KUNSTREGION: VESPA-KULT IN SINSHEIM. ZUM 66. GEBURTSTAG DES SCHICKEN ITALIENERS WIDMET DAS ECHNIKMUSEUM SINSHEIM EM ROLLER EINE SONDERAUSSTELLUNG. INTERVIEW DES MONATS: THOMAS STROBL ÜBER SEINEN SCHWIEGERVATER, JUNGSOZIALISTEN UND ELEKTROBEATS KUNSTREGION: DAS »FALSCHE HASENMAHL« & DIE »TO BE SUPPOSED TO DO SOMETHING«-AUSSTELLUNG IM FOTOGRAFISCHEN RÜCKBLICK IM GESPRÄCH: OTTFRIED FISCHER DER PRACHTBAYER ERZÄHLT DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN FANS DES FC BAYERN UND 1860 MÜNCHEN UND ERKLÄRT WIESO BAD TÖLZ NICHT ZU ÖSTERREICH GEHÖRT, WIE ES HEC-FANS IMMER MEINEN EIN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS COSTA RICA SEGELFLIEGEN IN DER REGION IM GESPRÄCH: ULRICH KIENZLE DER JOURNALIST A. D. ÜBER SEIN INTERVIEW MIT SADDAM HUSSEIN UND DIE GEMEINSAMKEITEN VON SCHWABEN UND ARABERN STUTTGART STAMMHEIM: EINE FOTOSTRECKE HINTER GITTERN HEILBRONNS THEATERINTENDANT AXEL VORNAM KENNT SEIN ERFOLGSGEHEIMNIS NICHT IM GESPRÄCH: TED BAUER DER HEILBRONNER VERTRITT JAMES GILL, EINEN DER GRÖSSTEN POP-ART-KÜNSTLER UNSERER ZEIT AU S „ F O R E V E R YO U N G “ A L P H AV I L L E RIDERS ON THE STORM: DJ ASHLEY AAMES VERANSTALTET DIE BESTEN DRUM´N´BASS-PARTYS DER STADT WIRTSCH A FT PIERRE GATTINGER ERZÄHLT DIE GESCHICHTE DES MOBILAT-CLUB ESS EN & T R INKEN WELTREISE: ZWEI HEILBRONNER WOLLEN OHNE FLUGZEUG UM DIE WELT SC H A F F E , SC H A F F E H Ä U S L E BAU E ! JUG E N D BABEL WORLD: DER CHINESE DU ZEHNJUN STELLT BABELARTIGE STADTLANDSCHAFTEN IM ZKM-KARLSRUHE AUS Nº11 Nº16 MÄRZ 2013 Nº12 N º1 7 APRIL 2013 Nº13 Nº18 MAI 2013 Nº14 N º1 9 JUNI / JULI 2013 Nº15 Nº20 AUG 2013 IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS IM GESPRÄCH: POLIZEICHEF ROLAND EISELE ÜBER DEN POLIZISTENMORD VOM APRIL 2007 UND DEN NAHENDEN NSU-PROZESS BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD IM GESPRÄCH: HEC-KAPITÄN LUIGI CALCE ÜBER SEINE DEUTSCHLAND-TOUR, ERNST RUPP UND VERLETZUNGEN MUSIKKOFFER: YEN STEHEN VOR DEM DURCHBRUCH - EIN BAND-PORTRAIT IM GESPRÄCH: SCHAUSPIELERIN ALEXANDRA KAMP ÜBER BEKNACKTE SONGTEXTE, OHRWÜRMER UND BERLIN KUNSTREGION: WUNDERBARE SCHWARZWEISS FOTOGRAFIEN VON ROBERT HÄUSSER BRIEF AN DIE HEIMAT: ÜBER DAS ARBEITEN FÜR DIE KANADISCHE ÖLINDUSTRIE BEI -40 GRAD KUNSTREGION: DESIGN IKONEN I M GE SPR ÄCH: STEFAN KUNTZ ÜBER DAS DFB-POKALSPIEL DES 1. FC KAISERSLAUTERN GEGEN NECKARSULM KU N ST R E GI ON : STREET ART AUS BERLIN UND SHAOLIN MÖNCHE H A N DA R B EI T AROUND THE WORLD: DER HEILBRONNER PATRICK ORTWEIN BLICKT AUF ÜBER EIN JAHR WELTREISE ZURÜCK WO H L F Ü H L E N HERRENWAHL: NICOLAI KÖPPEL ERINNERT SICH AN SEINE ERSTEN TANZSCHRITTE ZURÜCK 9. MAI HANIX PRÄSENTIIERT »MASHED POTATOES« IM MOBILAT: LIVEBANDS, LESUNG & DJ MIT KAÉLA, WUNDERBARE KATZE, NICOLAI KÖPPEL & ASHLEY AAMES KULTURBEUTEL: POETRY SLAM IN HEILBRONN. WIR TRAFEN UNTER ANDEREM DEN DEUTSCHSPRACHIGEN MEISTER IM CAFÉ WILHELM. AUTO Nº19 N E C K A R N E CK AR : MIT TEXTEN VON MARK TWAIN UND HANS CHRISTIAN ANDERSEN Nº16 Nº17 Nº18 Nº2 3 NOV 2013 Nº20 I M G E S P R Ä C H: TOMISLAV MARIC ÜBER SEIN CO-TRAINER DASEIN BEIM VFB STUTTGART, DEN UNSINN IM FUSSBALL ZU PLANEN UND BERUFSVERKEHR AUF DER A81 KU N ST R E G I O N : HEILBRONNER MUSEEN IM ZEICHEN DES TURMES + aktuelle Informationen zum Kometen Ison HIMMEL FOTOST R E C K E : CANCUN MEXICO - AM RANDE DES TOURISMUS Nº21 Nº22 Nº23

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E D I TO R I A L »Kultur ist die Einheit des künstlerischen Stils in allen Lebensäußerungen eines Volkes.« (Friedrich Wilhelm Nietzsche) Liebe Leserinnen, liebe Leser, Kunst & Kultur hat keine Grenzen, wie unsere Kolumnistin Rafaela Jeckle schreibt. Unser Magazin schon, und trotzdem widmen wir uns in dieser Ausgabe diesem Themenbereich. Natürlich in dem Wissen, dass wir, selbst auf 47 Seiten, dieser grenzenlosen Thematik nicht gerecht werden können. Stefan Dittrich wurde von uns im letzten Jahr zum unbedeutendsten Künstler der Stadt gekürt. Wir trafen Dittrich nun in seiner Wohnung, um mit dem Maler, Sänger, Schauspieler und Menschen über seinen nahenden Abschied aus Heilbronn zu sprechen und zu fragen, wieso es in dieser Stadt für so talentierte Multikünstler wie ihn, so schwer ist. HANIX-Autorin Maria Sanders besuchte den Kulturellen Zwischenraum, einen Heilbronner Künstlerzusammenschluss mit heren Zielen sowie Sänger Gregor Meyle, den sie mit Frank Sinatra verglich. Mit dem Zukunftsforscher Dr. Eike Wenzel sprachen wir über unsere Esskultur und erfuhren, dass es gar keinen Bio-Trend gibt. Dr. Matthia Löbke ist Ausstellungsleiterin des Heilbronner Kunstvereins, einem der ältesten Kunstvereine Deutschlands. Wir trafen sie in ihrem Büro in der Kunsthalle Vogelmann. Eine unserer Fotostrecken widmet sich der kulturellen und künstlerischen Form des Protestes. Für unser Interview des Monats fuhren wir zum SWR nach Stuttgart, wo wir Schauspieler Walter Sittler und Georg Leipold, der fast neun Jahre lang die internationale Umweltorganisation Greenpeace leitete, zum Gespräch trafen. Es ging unter anderem um ihr neues Buch »Zeit, sich einzumischen«. Während des Gesprächs bot uns Sittler Kekse an, die er sich kurz vor dem Gespräch bestellt hatte. Wir lehnten dankend ab. Darüber hinaus haben wir in dieser »Dezember/Januar«-Ausgabe die vorvorweihnachtliche Stimmung in Heilbronn festgehalten und uns über Techno unterhalten und dabei erfahren, dass das Bukowski den Ruf hat, der Tresor (die Redaktion: berühmter Berliner Technoclub) des Südens zu sein. Metin de Terk hat wieder Heilbronner, diesmal vor dem Hauptbahnhof, befragt und Mavinga Petrasch schickt endlich wieder Videogrüße aus New York. Der Brief an die Heimat erreichte uns diesmal aus Kopenhagen und wir erfahren darin, das es schade ist, dass Heilbronn nicht etwas mehr wie Kopenhagen sein kann. Kolumnist Nicolai Köppel schreibt in seiner Vaterkolumne diesmal über seine eigene Zeugung. Am Nikolaustag in Ostberlin. Die nächste HANIX-Ausgabe, die Nummer 25, erscheint Ende Januar. Bis dahin wünschen wir eine erholsame Weihnachtszeit und einen herausragenden Jahreswechsel. Ho-Ho-Ho, die Knecht Ruprechte vom HANIX! Mischen sich leidenschaftlich ein: Schauspieler Walter Sittler und Physiker und Ex-Greenpeace-Chef Gerd Leipold. Leaving Heilbronn: Stefan Dittrich gab uns ein letztes großes Interview, bevor er den Wohnort Heilbronn gegen Berlin eintauscht. Wir finden es sehr schade, dass er geht, freuen uns aber, dass Dittrich aus dem Nähkästchen geplaudert hat.

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BEDIENUNG DES MAGAZINS N º2 4 DEZ 2013 IM GE SP R ÄC H: EX-G RE EN PE AC E- CH EF G ER D LE IP O LD UN D SC HAUS PI EL R WALTE R SI TT LE R ÜB ER IH R BU CH »Z EI T, SI CH EI NZ UM IS CH EN « M EI NE PL AT TE NK IS TE : SA RA H HO RN SBY M AG ES RO CK IG, FO LK IG UN D M EL AN CH O LI SC H BR IE F AN DI E HE IM AT : DI ES M AL AU S KO PE NH AG EN KU N ST RE G IO N: TO LL E AU SS TE LLU N G EN IN KA RL SR U H E, M AN N H EI M U N D H E IL B R O N N

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Über dem Magazin befindet sich eine Funktionsleiste. Das Briefsymbol ermöglicht Weiterempfehlungen auf diversen sozialen Netzwerken Wir mögen unser Bildergalerie-Feature. Hinter diesem Fotos-Icon, das auf den entsprechenden Seiten einfliegt und blinkt, verbergen sich weitere Fotos. Einfach draufklicken. Wenn dieses Icon hereinfliegt und blinkt, weist es darauf hin, dass bei einem Klick auf das Film-Icon der auf der Seite hinterlegte Film startet. Ab und an werden vorgelesene Texte oder O-Töne aus Interviews ins Magazin integriert. Das Ton-Icon steht hierfür. Wie immer startet die Funktion bei einem Klick auf das Icon. Eigentlich selbsterklärend. Blinkt und leuchtet dieses Icon ist davon auszugehen, dass sich dahinter gute Musik verbirgt Wem die Vollbildansicht nicht ausreicht, kann in der oberen Funktionsleiste über die Vergrößerungslupe noch weiter ins Magazin hinein zoomen. Mit der Schlagwortsuche lassen sich gesuchte Artikel leicht finden. Das gesuchte Wort muss aus mindestens drei Buchstaben bestehen. Mit einem Klick auf dieses Icon gelangt man direkt zum Inhaltsverzeichnis.Dieses Icon ist jeweils auf der ersten Seite eines Beitrages zu finden. Jeweils an beiden Seitenrändern sind die Navigationspfeile. Einfach drauf klicken, um umzublättern. Per Doppelklick auf eine Seite wird ebenfalls umgeblättert. Oder man zieht mit der gedrücktem rechten Maustaste die Seiten von außen nach innen um einen animierten Blättereffekt zu erhalten. Unser Magazin lässt sich nur mit der jeweils aktuellsten Version des Flash-Players genießen. Kostenloser download hier: http://get.adobe.com/de/flashplayer/ Uns auf der kostenlosen »keosk«-App zu finden ist, zugegeben, nicht ganz einfach. Hinterlegt ist HANIX im Keosk hier: MAGAZINE -> LIFESTYLE -> ALTERNATIV

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I N H A LT HANIX Nº24 20 S ARAH HO R N SBY MEINE PLATTENKISTE 24 G EL D S PE I C H E R HEIMATLIEBE 42 KON S E QUE NZE N KENFM ÜBER: Sarah Hornsby hört gerne gute Musik. Schon im Mutterleib bekam sie die volle Dröhnung Rock und Blues. Ken Jebsen frag sich diesmal, welche Wir zeigen fotografische Liebesgrüße an Konsequenzen unser aller Handeln in und aus unserer Heimatregion. Diesmal Zukunft haben wird. Eine Meinungsäußerung zum Nachdenken. mit neuen Prachtbauten, Marienkäfern und blauen Blumentöpfen. 56 & 6 6 S CH R I F TF IL ME & SUSA TE MPL I N KUNSTREGION 1 & 2 »Schriftfilme« im ZKM in Karlsruhe führt an viele Orte, an denen uns Schrift begegnet. »Susa Templin: Real Estate« im ZEPHYR Mannheim zeigt umfangreiche Arbeiten der Preisträgerin des Internationalen WeldeKunstpreises für Fotografie 2013. I M G E S P R ÄC H : H O- H O-HO : WA LT E R S I T T L E R & E S W E I H N ACHTE T G ER D L E I P OL D I N H E I L B RO N N INTERVIEW DES MONATS SPIEGELREFLEX Walter Sittler und Gerd Leipold Kurz vor Weihnachten wird gemischen sich leidenschaftlich ein. Der schmückt und Weihnachtsware angebekannte Schauspieler Sittler und Ex- boten, was das Zeug hält. Meli Dikta Greenpeace-Chef Leipold sprachen war in der Heilbronner Innenstadt und mit uns über ihr Buch und die Ver- Supermärkten unterwegs, um die Vorvorweihnachtsstimmung einzufangen. antwortung sich einzumischen.

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D J A N G O , K A F F E E , FA I RT E I L E N & T R A I N E R LU DW I G STADTLEBEN / LANDLEBEN 12, 14, 16 & 18 » K U N S T & K U LT U R « 82 K U N S T & K U LT U R TITELTHEMA METIN DE TERK FROGT NACH ... B Ü C K WA R E VATERKOLUMNE »Wollen wir uns durch den Geist befähigen lassen, neue Zustände zu schaffen und wieder zur Kultur zurückzukehren, oder wollen wir weiterhin den Geist aus den bestehenden Zuständen empfangen und an ihm zugrunde gehen? Das ist die Schicksalsfrage, vor die wir gestellt sind.« Albert Schweizer (1875 - 1965), deutschfranzösischer Arzt, Theologe, Musiker und Kulturphilosoph, 1952 Friedensnobelpreis » B U KO - T R E S O R D E S S Ü D E N S « MUSIKKOFFER A L AT U R K A MITTAGSTISCHTEST G EW I N N M A L W I E D E R ! QUIZ PE R R I J O N E S E XC LU S I V E FROM NEW YORK TO HEILBRONX S A L Z B U RG , 2 0 1 3 VIA ARCHIV 14 6 KOPE N HAG EN BRIEF AN DIE HEIMAT AUS DÄNEMARK LESERBRIEFE & IMPRESSUM ÜBER UNS K U N S TS C H U T Z - S TA B , 1 9 4 6 HISTORISCHER SCHUSS Julia Semper lebt schon einige Jahre in Kopenhagen. Im nächsten Jahr kehrt sie nach Heilbronn zurück. Leicht fällt es ihr nicht. V E R A N S TA LT U N G E N D E Z E M B E R & J A N UA R VERANSTALTUNGSKALENDER

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DAS HANIX TEAM W ER UND W I ES O ? EINE VORSTELLUNG MIT BEWEGGRÜNDEN ROBERT MUCHA HERAUSGEBER & REDAKTION Es war mein lang gehegter Kindheitstraum, auf die Frage nach meiner Tätigkeit, guten Gewissens »HANIX« antworten zu können. WA S I S T H A N I X ? Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r d i e Re gio n He ilb ronn – für Le ser, d i e i n t eres s ier t , k ulture ll aufg e schl osse n un d n eu g ier i g a u f ei n en alte rnative n Blick a uf St adt - . L a n d k reis - u n d S ze ne k ultur s ind . WER MACHT HANIX? He ilbron n e r Me d ien - u n d Ku l t u r s c h affe nd e , d ie i hre Er fah r u n g en u . a . in Ber l in , Münch e n, Stuttg ar t o de r Hamb u r g g es a m m el t h a b e n und nun e twas in i h re r He im a t b e weg en w o l l e n. WA S W I L L H A N I X ? MARCEL KANTIMM HERAUSGEBER & KOORDINATION & SOCIAL MEDIA Das m u l t i me di a l e Ma g a z i n f ü r L eute und Ge se llsc h aft de r Reg i o n Heil b ro n n will m it s panne nde n , u n t e r h a l t s a m en u n d in f o r mative n Be iträg e n d i e re g i on ale Med ien l a n d s c ha f t be re ich e rn. Heilbronn ist besser als sein Ruf und hat deshalb dieses Magazin verdient.

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STEVEN ZULEGER VIDEO MARIA SANDERS REDAKTION & MODERATION FLORIAN GEIGER GRAFIK & REDAKTION Das Pergament, ist das der heil´ge Bronnen, woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. »HANIX« zeigt unsere Region aus einer neuen Perspektive und kombiniert originelle Ideen mit kompetenter Schreibe. Das hat mir gefallen. Ein neues Magazin ist immer eine großartige Sache, aber live mitzubekommen, wie es heranwächst ist einfach fantastisch! PHILIPP KIONKA FILM & IDEE RAFAELA JECKLE REDAKTION MEHMET FILIZ FOTO So haben die geguckt als ich sagte »Lasst es uns digital machen!« Dann haben wir es getan. Wieso ich mitmache? Ganz einfach: Ich liebe diese Idee! Für mich ist dieses Magazin eine Leidenschaft. Ich wurde entführt, gefesselt, gefoltert und gezwungen mit den schnieckesten Menschen der Stadt zusammen zu arbeiten. Danke dafür!

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RAIMAR SCHURMANN ART DIREKTION KATHRIN LEISTERER ILLUSTRATION LISA HOFMANN GRAFIK Ich liebe Magazine und fand das Konzept super. Und klar – die Herausgeber sind gute Freunde! Alles cool! Konfuzius sagt: »Die Zeit war reif. Ein epochales Magazin für Heilbronn.« Kathrin sagt: »Ich bin dabei!« Ich liebe diese Stadt und bei allem was Heilbronn schöner macht bin ich dabei. SARAH FISCHER FILM & SCHNITT JOSHUA ENDRESZ KOLUMNIST LEO VOLLAND ILLUSTRATION Ich bin der Überzeugung, dass man neues ausprobieren sollte. Ich war sofort Fan der »HANIX«-Idee. Es macht Spaß, dabei mitzuwirken. Ich schreibe für's HANIX weil ich jedem meine Meinung sagen will. Ja, ich empfinde so etwas wie Heimatverbundenheit – und deshalb finde ich toll, wenn in Heilbronn interessante Dinge passieren.

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SASCHA WARTHA REDAKTION PHILIPP SEITZ SOUND ULLA KÜHNLE FOTO Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Darüber hinaus möchte ich dabei sein, Geschichte(n) zu schreiben. Ein multimediales Magazin muss nicht nur gut aussehen und interessant sein sondern auch gut klingen. Die Zeit für so ein Projekt ist in Heilbronn gekommen. Neue Impulse tun der Stadt und der Region gut. Und mir auch. KRIS RAMPMAIER VIDEO MAVINGA PETRASCH NEW YORK VIDEO HARALD RIEGG REDAKTION Videos zu machen ist keine Zauberei, sondern meine Leidenschaft. Ist doch klar, dass New York City dabei sein muss, wenn Heilbronx ein neues Magazin bekommt. Ich bin kein Philosoph! Ich bin ein Kurzgeschichten Schreiber.

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STADTL EBEN: DEZEMBER 2013 S C H WA R Z E S G O L D IM PIER 58 » Lan d , m ei n e Freu n d e, i ch s e h e Land ! « Die s e r Aus r uf s tam m t vom große n Ph il o s o p hen Im m a nue l K ant, we nn ih m vo n s e ine m Die ner Ka f f ee g e b r ac ht wu rd e. Da s Zi t at k ö nnte abe r auch vo n Sim o n Re inha rd a usg e sp ro c h en wo rd en s ei n . De r Pie r-58-K apitän und s e ine Cre w wa ren a uf l an g e r Rei s e ü b er d en In dis ch e n Oze an, um für Gäs te d e n be s ten schwa rze n Sc ha t z z u ero b er n , d e n e s zu k rie ge n g ibt. Nu n w ird d ie ed l e B o hn e am 11. De ze m be r ab 19 Uh r präs e nti er t. Im Norden von Thailand wurden die Seemänner und -frauen der Flammerie aus der Unteren Neckarstraße letztlich fündig. Sie haben eine Kaffeeplantage mit dem besten Kaffee, den Sie je genießen durften, aufgetan. Was Sie dort angetroffen haben, wollen Simon und das Pier-58-Team anhand von Dias und Ihren Tagebucheintragungen erzählen. Der gemütliche Abend wird mit Ihrer Eroberung, dem herrlichem Thai-Kaffee, zubereitet von Barista-Künstler Bego, begleitet.

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STADTL EBEN: JANUAR 2014 TRAINER LUDWIG BILDET RUDEL! Das Yo utub e Ph ä n o m en b eg eis t er t s eit jeh e r e i n Mil l io n en p u b l i k u m im Int e r n e t . Am 4 . Ja n u a r t r i t t das om n i p ote nt e Ko p f b a l l m o n s te r im He i l b ron n er red b l u e Ver a nstalt un g sc e n t er im Zu g e s ei n er »Rud e l b i l dun g «- To u r n ee a u f. Er ist ein Mann der Kontraste, verbitterte Frohnatur, lässiger Kontrollfreak, selbstloser Opportunist, lieb, Trainer Ludwig. Der Trainer wuchs zwischen Schulabbruch, der kleinen Kehrwoche und moderatem Alkoholismus auf. Er stammt aus einer Zeit, in der ein Spielerwechsel mit feuchtem Handschlag vereinbart, die Schürfwunden mit Eigenurin verarztet und die Körperbehaarung als Statussymbol empfunden wurde. In seiner aktiven Fußballkarriere sorgte das omnipotente Kopfballmonster für Jochbein- und Ehebrüche.Trotz sei14 ner feinfühligen und tadellosen sozialen Integrität wurde er allem Anschein nach frühzeitig aus dem Schoß des Bildungssystems entlassen. Willkommen im gesellschaftlichen Abseits. Der einstige Flügelgott verzaubert nun neben seiner Tätigkeit als Cheftrainer der aktiven Mannschaften des TSV Unterleumingen auch auf den Bühnen der Republik die gesamte Nation mit schwäbischem Charme. Eine Inspirationsquelle für jung und alt. Lang lebe die Legende!

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L ANDLEBEN: DEZEMBER 2013 Djangos Rückspiegel 2013 Wer nach vorne fährt, sollte den Blick nach hinten nicht vergessen. Das lernt man schon in der ersten Fahrstunde. Was in der räumlichen Dimension angebracht ist, kann also für die zeitliche Dimension nicht schlecht sein. Und das jahr 2013 hat einen eigenen abend im Rückspiegel wahrlich verdient. Wie erging es Deutschland ohne eigenen Papst? Oder haben FC Bayern und Borussia Dortmund auch längst die metaphysische Hoheit im Lande? Kann man noch Pferdefleisch essen, das nicht aus kontrollierter Rinderzucht stammt? Wer kam, wer ging? Und wer war überhaupt da? War unter den 1000 Twitter-Meldungen von Boris Becker eine sinnvolle dabei? Oder zumindest eine ohne Rechtschreibfehler? Aber so ein Jahr wird nicht nur von der Politik, Sport, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur geprägt, sondern auch von wichtigen Themen wie z.B. was die vier Jahreszeiten sonst noch alles zu bieten haben. Django Asül hat sich deshalb vorgenommen: An ein Jahr, das zum Vergessen ist, muss zumindest 100 Minuten erinnert werden.

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Bildungszentrum Heilbronn B I L D U N G ÖFFNET TÜREN an allen 3 Standorten am 31. Jan. 2014, von 17-20 Uhr Schule für Gestaltung Grafik-Design und Foto- & Medientechnik Staatlich geprüfte Berufsausbildungen und dabei gleichzeitig die Fachhochschulreife erwerben. Kolping-Bildungszentrum 74072 Heilbronn . Bahnhofstraße 8 . Tel. 07131 88864-0 Schule für Gestaltung . Bahnhofstraße 11 . Tel. 07131 8999-70 . www.sfg-hn.de Sozialwissenschaftliches Gymnasium . Klosterhof | Kilianstraße 11 . Tel. 07131 88864-80

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L ANDLEBEN: JANUAR 2014 HARDOCORE U M FA I RT E I L E N Ge re cht e Um FAI R t eil u n g is t u n d ble ibt Th e m a in d e r po litis ch e n Dis k ussi on, a uch we n n das Hic k - Ha c k u m d i e Ko alitio ns bild ung m o m e ntan alle s andere z u übe r l ag e r n sc h ei n t . Fehlende Kita-Plätze, geschlossene Bibliotheken, mangelhafter Nahverkehr – der öffentlichen Hand fehlt das Geld für wichtige Investitionen. Die Schere zwischen Reich und Arm in Deutschland klafft immer weiter auseinander. Auf diesen Missstand möchte auch Felix Krawczyk hinweisen. Deshalb veranstaltet er am 10. Januar ein Hardcore-Konzert im Neckarsulmer »Kreatief«. »Ich will versuchen mehr Interesse für Politik in der Szene zu wecken«, so Krawczyk. Unterstützt wird Krawczyk bei seinem Vorhaben von vier Bands, die für harten Sound mit Tiefgang stehen. The Green River Burial aus Frankfurt, Andy Rive aus Freiburg und die Locals von Mel T. Eyes und Fate Collapse. »Wir wollen jun18 gen Leuten eine Attitüde vermitteln, alles zu hinterfragen«, erklärt Felix Krawczyk die Motivation hinter dem Konzert. Vielleicht entspringt dem Hardcore-Abend im Neckarsulmer Kreatief ja auch ein neues Bündnis »umFairTeilen« in Heilbronn. Das hatte sich nämlich erst in diesem Sommer nach kurzem Bestehen wieder aufgelöst. für Kultur

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Lynn Chadwick, Tower IV, 1965, © Courtesy of the Lynn Chadwick Estate and Blain / Southern, London, Berlin, New York DER TURM UND URBANE GIGANTEN KUNSTHALLE VOGELMANN MUSEUM IM DEUTSCHHOF MACHT.WAHN.VISION. >> 26.10.2013 – 23.02.2014 STÄDTISCHE MUSEEN HEILBRONN www.museen-heilbronn.de

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MEINE PL ATTENKISTE: SARAH HORNSBY PROTOKOLL: ROBERT MUCHA FOTO: ULLA KÜHNLE S A R A H H O R N S B Y: Z I G E U N E R M Y S T I K , B LU E S UND LED ZEPPELIN Sar ah Horn s by is t Mu s ik l i eb habe rin, s e it s ie d e nk e n k ann. Ih re Mu tter verkauft e T-Sh ir t s b ei Ro c k a m Ring und Sarah war s ch o n als k le ine Hosenschei ße r i n m i t d a b ei. Seit d em s t eht s ie auf Live m us ik im A llge m e ine n und Rock i m Sp e zi el l en . Au f i hrer Pl a y lis t s te h e n abe r nich t nur h ar te Gitarrenri f f s. Se i t i h re n Teen iet a g en i s t s i e auch o ffe n für and e re , g e rne e le k troni sche Ge n re s. Mu s i k hö r t Sa r a h o f t im Auto , d e r Data-Bar und d e m Mo bi la t-Club. Od er vo r irge nd e ine r Büh ne – Live . We r w i s s en m ö c h t e, wie Sa rah ge rne wo h ne n würd e , s o llte e ine n Bli ck a u f ih ren Tu m b l r we r fe n: h ttp:/ / le ifh o rn.tum blr.co m /

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MEINE PL ATTENKISTE: SARAH HORNSBY Auf jeden Fall gehört Mystical Communication Service mit dem Album »Gypsy Spirit« in meine Top Fünf. Diese Band kennt kaum jemand, aber ich bin mir sicher, dass man bald mehr von dieser Truppe hören wird. Ich habe die Jungs bei einem Berlinbesuch zufällig auch im Café Burger kennengelernt. Wir haben immer noch Kontakt. Der Musikstil ist schön bluesig und hat, wie der Name des Albums schon sagt, zigeunerhaften Sound. Passt hervorragend zu einem schweren Glas Rotwein und versetzt mich immer wieder in eine andere Zeit. toll und die Stimme von Lana del Rey versetzt mich immer wieder in eine romantisch-dramatische Stimmung. Irgendwie fühle ich mich frei, wenn ich sie höre. Auf dem 4. Platz steht bei mir Cat Power mit der Scheibe »The Greatest«. Mit Anfang 20 bin ich per Zufall auf sie gestoßen. Die Sängerin Chan Marshall hat eine raue aber warme Stimme. Sie hat auch immer wieder unter Alkohol- und Drogenproblemen gelitten, was man ihrer Stimme anhört. Auch ihre Texte erzählen eigene melancholische Geschichten im Blues-Folk-Country-Stil. Eine interessante Kämpferin, die nie von sich selbst überzeugt war. Aber live ist sie einfach eine Wucht. Auf Platz zwei, und die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, landen The Doors mit ihrem gleichnamigen Album »The Doors«. Ich habe auf der Allee in einer ViererWG gewohnt. Das war eine sehr gute Zeit. Wir hatten auch Livebands in der WG. Wir haben ständig The Doors gehört, die ganzen Klassiker. Das war meine rebellische Zeit, an die ich mich immer noch gerne zurückerinnere. Und ich höre Jim Morrison immer noch sehr gerne. Lana del Rey mit ihrem Album »Born to Die« in der Paradise Edition erhält von mir Bronze. Sie läuft oft bei mir im Auto. Eigentlich kann man sagen, dass ich die Platte rauf und runter höre. Ich finde die Musik einfach Oben auf dem Treppchen stehen Led Zeppelin. Ihr Livealbum »BBC Sessions« erinnert mich einfach an meine Mum und meinen Dad. Die beiden sind riesen Fans. Meine Kindheit hatte sozusagen einen Led ZeppelinSoundtrack. Led Zeppelin geht immer und immer noch.

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M E T I N F R O G T N A C H . . . Me t i n is t Ho f f en hei me r und film te s ich ge rne s e lbs t. Übe rall! Nu n g e h t er a u f d i e Men s c hh e it lo s . Be s s e r ge s agt: Auf d ie He ilb ronner. Un d er » fro gt nach « . K nallh ar t! Diesmal frogt Metin nach ... K U N S T & K U LT U R

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FotograFische Liebesgrüsse aN Die regioN H E I M A T L I E B E FotograFieN VoN MeLi DiKta, MehMet FiLiZ & robert MUcha

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION BLUE BALLOON Auf dem Weg zum Heilbronner Hauptbahnhof dekorierten die blassblauen Luftballons den Eingang eines ansässigen Gewerbetreibenden.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION TRAURIGES BLAU Karge Sträucher fristen in schlichten Töpfen auf einem bescheiden schmalen Fenstersims ihr Novemberdasein.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION INVASION DER GLÜCKSBRINGER Eine Weinkiste beheimatete diese Marienkäferkolonie, die, aufgeschreckt von der Bewegung, aus ihren Ecken krabbelten und sich zusammen rotteten.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION KÜHLER SONNENUNTERGANG Langsam aber sicher halten frostige Temperaturen Einzug. Das Unterland versprüht, von einem der unzähligen Weinberge aus betrachtet, eine kalte Winterromantik.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION PRACHTBOULEVARD Die Stadtentwickler erwarten, dass die »neue« Allee ein Prachtboulevard wird. Im Novemberregen und noch nicht ganz fertiggestellt, wirkt die Hauptverkehrsader der Heilbronner Innenstadt aber noch arg mausgrau.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION SCHATZI TEIL 2 Coole Autos heissen Herbie, K.I.T. oder Batmobil. Dieser durchschnittliche Kleinwagen wurde auf einen Namen getauft, wozu man ihn nur betrauern kann. Armer Schatzi. Und noch nicht einmal das Original ist er, sondern nur ein Replika. Teil 2 halt.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION OSTBLOCK Wer nicht in einen ehemaligen Staat des Warschauer Paktes reisen will, um in Ostalgie zu verfallen, muss einfach nur auf die Wollhausbrücke. Von dort bietet sich ein architektonischer Blick, wie es ihn schöner in Sofia, Bukarest oder Hoyerswerda auch nicht gibt. Auf der Wollhausbrücke lässt sich aber wieder feiern. Das »Flavour« eröffnet am 29. November seine Türen und bietet neben allem, was eine gute Bar bieten muss auch feinste Soul-, Ska-, Funk- und Blues-Tunes.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION PLATTE Und nochmal ein ostalgischer Plattenbau. Am Bahnhof hinter dem Ordungsamt eröffnet sich ein Blick auf Architektur, wie sie auch Erich Mielke gefallen hätte.

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HEIMATLIEBE: FOTOGR AFISCHE LIEBESGRÜSSE AN DIE REGION KRYPTISCHES GEKRITZEL Wir kennen den VfB, und bei Stinson kann es sich nur um »Barney« aus »How I met your Mother« handeln. Und Drogen sind Drogen. Unsere Vermutung also: Der unbekannte Autor muss ein ein schwuler VfB-Fan auf Drogen gewesen sein.

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B Ü C K WA R E TEXT: NICOLAI KÖPPEL FOTOS: ARCHIV Hätte der Zentralrat der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands im Vorfeld von meiner Zeugung erfahren, er wäre vermutlich dagegen gewesen. Und zwar aus Prinzip – und ganz ohne mich zu kennen. So war er, der Sozialismus im kalten Krieg. Einen Sozialismus ohne kalten Krieg haben wir in Deutschland nicht erlebt (noch nicht) – urteilen wir also nicht vorschnell. Ich weiß nicht, wieso ich vor einiger Zeit auf meine Mutter so lange einteufelte, bis sie mir die nun folgende Geschichte erzählte. Im Nachhinein könnte ich auch ohne die Wahrheit leben. Mache ich ja so auch oft genug. Der Westberliner Winter 1971 war, wie Berliner Winter angeblich immer sind, schweinekalt. In Berlin kann es nicht einfach nur Winter sein, Berlin war schon immer das verzogene Einzelkind unter den deutschen Großstädten, Berlin gibt sich nicht mit Morgenfrost und ein paar verschneiten Tagen Anfang Januar zufrieden. Hier muss es was Besonderes sein, klirrende, schneidende, messerscharf pfeifende Kälte, und meterhohe Schneematschwehen müssen alle Straßen und Gassen in ein weltmetropolenwürdiges weißes Chaos verwandeln, so dass jeder, der in der 1971er West-Tagesschau die Bilder aus Berlin sah, auch bei 25 Grad Zentralheizung schaudernd die Schultern hochzog und sich wahnsinnig darüber freute, in Augsburg, Kiel oder sogar Braunschweig zu wohnen. Oder selbst in Jena oder Erfurt, wenn man dem Ostfernsehen glaubte, denn laut der Aktuellen Kamera vom Kanal DDR1 war es im kuscheligen Sozialismus Ostberlins immer einen brüderlichen Tick wärmer als im Westen der Stadt. Heute würde man mit solcher Propaganda niemanden mehr hinter dem Ofen vorlocken. A propos Propaganda: Farbfernsehen gab es zwar schon, es kam aber erst im darauffolgenden Sommer meiner Geburt rechtzeitig zur Olympiade in Mode. So lange wollte meine Mutter nicht warten, und ein

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DIE VATERKOLUMNE:BÜCKWARE Farbgerät kostete soviel wie ein halbes Auto. Also saß meine Mutter am 5. Dezember 1971 in Westberlin vor dem ehelichen Schwarzweißfernseher und wollte weder Auto noch Farbfernsehen. Aber was wollte sie? Dazu gleich mehr. Mein damals noch zukünftiger Vater, Choreographie jetzt, stand im Unterhemd in der gutgeheizten Wilmersdorfer Altbauwohnung, also wenn man den Grundriss von damals zur Hand hat, nicht nur klar im Westen der Stadt, sondern auch im Westzipfel der ebenfalls ehelichen Wohnung, und er mühte sich zugekniffenen Auges, ebenfalls die Blusenfarbe der Ansagerin auf dem schwarzweißen Fernseherbild zu erkennen. Meine Mutter hatte soeben behauptet, die Bluse sei eindeutig grün. »Wie willsten dit sehen?«, fragte mein Vater kopfschüttelnd. »An den Reflexen und am Licht natürlich«, sagte meine Mutter. »Grün schimmert doch ganz anders als rot oder blau.« Mein Vater hatte einen ganz anderen Reflex angesichts einer Gattin, bei der es im Kopf schimmerte. Er verließ den Raum und kehrte mit einer frisch entkronenkorkten Flasche Schultheiß-Bier zurück, die er ins Blickfeld meiner Mutter hob. »So höre, Blume meines Herzens, wusstest du, dass Schultheiß eigentlich lila ist? Nicht dass ichs je gesehen hätte, denn ich trinke ja mit geschlossenen Augen direkt aus der braungetönten Flasche. Ich nehme das aber wohlwollend an. Prost.« »Mach dich nur lustig«, sagte meine Mutter. »Mach ick doch, wat willste denn?« »Ich will ein Kind.« Mein Vater lehnte sich in den Türrahmen und betrachtete sein im Fernsehsessel sitzendes Weib. »Auf die Entfernung wird das knifflig. Soll ick rüberkommen?« An dieser Stelle wechselte meine Mutter das Thema. Aber »rüber« war schon richtig. Meine Mutter erklärte. Erst kürzlich, im Frühling 1971, hatte Erich Honecker den Vorsitz der SED von Walter Ulbricht übernommen. Prompt war im September das sogenannte Viermächteabkommen erarbeitet worden, das unter anderem den Personenverkehr zwischen Westteil und Ostteil der geteilten Stadt neu regeln sollte. Sobald es in Kraft war, würde es sicher nicht einfacher werden. Wann also, wenn nicht jetzt? »Morgen ist Nikolaustag«, bemerkte meine Mutter. »Wir könnten uns in einem Ostberliner Süßigkeitenladen die leckere Leipziger Schokolade besorgen.« Mein poetisch veranlagter Vater formulierte sein Erstaunen: »Dich zieht’s in die Zone zwecks Zuckerzeugs?«, und meine Mutter führte mit einer Mehrdeutigkeit in der Stimme, die meinem Vater höchstwahrscheinlich entging, jegliche vielleicht von Gattenseite geplante Diskussion zu einem abrupten Ende, indem sie sagte: »Ich will was Süßes!« Mehrdeutigkeit? Dazu kommen wir gleich. Jetzt galt erst einmal: gesagt, gereist. Die edelsten Kakaobohnen kamen gerüchtehalber aus südamerikanisch-sozialistischen Brüderländern der Deutschen Demokratischen Republik, und ein Tagesvisum nach Ostberlin bekam man noch denkbar unbürokratisch morgens an einem der acht Grenzübergänge der Stadt. Meine Mutter hatte ihren freien Tag, und meinem Vater fiel nicht schnell genug etwas ein, das er sich hätte vornehmen können. Am nächsten Spätvormittag betraten die beiden plangemäß einen Schokoladeladen am Ostkreuz, in dessen Regalen sicher massenhaft Marzipan, Dominosteine und stanniolumhüllte sogenannte Schokoladenhohlkörper gestapelt waren. Nikoläuse und Weihnachtsmänner im rotweißen Coca-Cola-

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DIE VATERKOLUMNE:BÜCKWARE Sinne waren ja vermutlich als westliche Attribute verpönt. Ich habe das nicht extra recherchiert, haben sie bitte die Güte, derartige Schlampigkeiten als Zeichen besonderer Authentizität zu würdigen. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Geschichte sowieso immer von Siegern geschrieben wird. Meine Nochnichtganzeltern hatten vom Zwangsumtausch die Geldbörsen voller Ostgeld und wurden im Schokoladeladen freundlich begrüßt. Meine Mutter verfiel nunmehr aufs Schauspielern und benahm sich, als müsse sie mal dringend für kleine Imperialistinnen. Sie fragte die etwa fünfzigjährige Verkäuferin des Ladens nach einer Möglichkeit, auszutreten, und wurde in einen Nebenflur gewiesen. Meinen Papa zog sie hinter sich her. Er hatte immer noch keine Ahnung. Scheue Blicke, ob jemand folgte. Hier wusste man nie so genau. Meine Mutter bugsierte ihren ahnungslosen Mann durch die Tür der Damentoilette, schubste ihn direkt in die Kabine, folgte ihm und schloss die Tür. »Snhier los?«, fragte er. Endlich kam ihm was komisch vor. Aber nun war es längst zu spät. Sie sah ihn ernst an und flüsterte: »Mach. Mir. Ein. Kind. Jetzt und hier.« Mein Vater wurde nervös. »Bist du irre? Wenn die uns erwischen!« »Ich mach keinen Mucks«, versprach sie. »Ouh, heute mal mit Ansage? Ick schwöre, dit wär mar ja nicht uffjefalln.« Glaubt man den Erzählungen meiner Mutter, begann sie nun, langsam und wortlos ihren Rocksaum anzuheben, bis der Anblick meinen Vater bewegte, seinerseits den Gürtel seiner Hose zu lockern. Aber just in diesem Moment klopfte es von außen an die Kabinentür. »Ja nee wirklich also machense mal die Tür auf!« Die Schokoladeladenfrau war ihnen nachgeschlichen und hatte gelauscht. »Gibt’s denn bei euch keine Privatsphäre?«, tönte mein Vater zurück. Meine Mutter war schon dabei, sich die Bluse aufzuknöpfen. Das Stöhnen kam allerdings von der anderen Seite der Tür. »Ouh, ihr Westler immer. Hopp los jetzt, aufmachen. Männer haben da drin ohnehin nüscht zu suchen. Dis ne Dahmtoilette.«

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Obere Neckarstraße 8 74072 Heilbronn T 07131 2046130 raimar.schurmann@hotmail.de

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DIE VATERKOLUMNE:BÜCKWARE »Er hilft mir nur«, warf meine Mutter ein, »ich krieg den Reißverschluss nicht auf!« »Junge Dame, sie ham gar nichts mit Reißverschluss an, wenn ich das richtig gesehen habe«, fuhr die Schokoladeladenfrau fort, »und alle andere Reißverschlüsse lassen sie mal schön zu und kommse beide wieder raus.« »Mit erhobenen Händen oder was?«, tönte mein Vater. »Ohne irgendwas Erhobenes, wenns möglich ist.« Es war möglich. Es wäre vielleicht sogar schlauer gewesen. Aber wenn meine Mutter sich was in den Kopf gesetzt hatte, hielt sie weder Ochs noch Esel auf. »Hören sie«, sagte sie, » wir sind glühende Verehrer der sozialistischen Idee.« »Is ja nisch verbodn«, kam es von draußen, »aber auf dem Klo wird nisch geglüht.« Meine Mutter insistierte. »Jawohl«, räumte sie nun ein, »wir wollen hier ein Kind zeugen. Aber kein gewöhnliches Kind. Ein süßes Kind, ein wunderbares … und vor allem: ein sozialistisches Kind.« Die Schokoladeladenfrau rüttelte an der Tür: »Des wird ja imma dolla. Uffmachen aba hoppla. Da kann ja jeder kommen.« »Also ich kann so nicht!«, protestierte mein Vater, »und über40 haupt«, flüsterte er meiner Mutter zu, »was soll denn dit sein, ein sozialistisches Kind?« »Also kommse jetzt raus oder nüsch? Ich kann gern mal nen Vopo holen, dann hamse ihrn Westen aber für die nächsten paar Tage gesehn.« »Aber wir haben doch gar nichts gemacht!«, wehrte sich meine Mutter. »Da bleimse notfalls neun Monate hier, das sehmer ja dann«, sagte die Schokoladeladenfrau lakonisch, »hier könnse jenfalls nüsch so ohne weiteres geschleschtlisch verkehrn, blöß weilsihn Spaß macht.« »Aber hier liegt ein Missverständnis vor«, rief meine Mutter nun. »Wir machen das hier doch nicht aus Jux und Dollerei. Wir wollen unser Kind auf dem Grund und Boden der Deutschen Demokratischen Republik zeugen, weil wir denken, dass es so mit den richtigen Werten empfangen wird und quasi als Klassenkämpfer die Bühne der Welt, in unsrem Falle der BRD betritt.« Eine Pause entstand, in der mein Vater sich zu meiner Mutter beugte und ihr ins Ohr flüsterte. »Was denk ich?« Aber meine Mutter hatte nur Ohren für die Stille auf der anderen Seite der Damentoilettentür, denn sie verriet ihr, dass die Schokoladeladenfrau zuhörte. »Unser Kind«, so sprach meine Mutter in sanftem Erklärton, »wird den Umsturz des kapitalistisch-kolonialistischen Westens vorbereiten, die kulturelle und finanzielle Vormachtstellung der Vereinigten Staaten von Amerika unterminieren und quasi von innen heraus das imperialistische System umkrempeln, auf dass wir alle ein einig Volk von Brüdern werden und der Kapitalismus im Rückblick der Weltgeschichte quasi nur wenige Momente gedauert haben wird.« »A-ha!«, sagte die Schokoladeladenfrau, »und wenn’s ein Mädchen wird, was dann?«

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DIE VATERKOLUMNE:BÜCKWARE Peinliches Schweigen. Aber nur kurz. Denn auf einmal stieß mein Vater trotzig hervor: »Dann auch!« Meine Mutter griff zärtlich seine Hand. Von der ehelichen Liebkosung agitiert erhob nun mein Vater die Stimme und donnerte: »Gerade wenn’s ein Mädchen wird! Ein Mädchen aus dem Osten wird es sein, die einst die Regierung eines vereinigten Deutschlands führt!« Stille auf der anderen Seite der Damentoilettentür. Dann konnte sich die Schokoladeladenfrau nicht mehr halten und prustete los. »Höhöhöhö, jetzt habtreusch verrodn«, sagte sie, »wollt ihr misch doch bloß veräppeln nä escht, ihr seid zu komisch. nMädschn. Raus da ihr Spassfeeschel! Aber isch muschosochn, beinoh hädded ihr misch gehabt.« Was soll ich weiter erzählen? Mit einem Scheibchen Ostgeld entriegelte die Schokoladeladenfrau kurzerhand die Damentoilettentür von außen und scheuchte meine zukünftigen Eltern unverrichteter Dinge zurück in den Laden. Vor dem Laden patrouillierte tatsächlich ein Volkspolizist, und so kam es zu folgendem Deal: die zweimal fünf Ostmark Zwangsumtausch sowie alles weitere Geld, das meine Eltern bei sich hatten, sollte komplett und augenblicklich in Süßwaren angelegt werden, anderenfalls die Schokoladeladenfrau meine Möchtegern-Erzeuger der sozialistischen Staatsgewalt übergeben würde. Seufzend willigten die beiden ein und verließen das Fachgeschäft wenige Minuten später mit vier großen Kis- ten von unter der Ladentheke, in denen sich je drei Lagen von je sechs mal acht stanniolumhüllten Leipziger sogenannten Weihnachtsschokoladehohlkörpern befanden. Bevor sie ins Rechnen kommen und so Gefahr laufen, die gleich folgende Pointe zu verpassen, es waren demnach 576 Weihnachtsschokoladehohlkörper. Falls sie je von dem mysteriösen 1971er Weihnachtsschokoladehohlkörperengpass in Ostberlin gehört haben, wäre hiermit auch das geklärt. Der Zeugungsakt, dessen Resultat ich nun tatsächlich bin, fand am darauffolgenden Abend auf dem Wilmersdorfer Küchentisch im Westteil der Stadt, wennschon im Ostteil der elterlichen 2-Zimmer-Wohnung statt. Wenn man meiner Mutter glauben kann, war dank meines Vaters auch dieser Vorgang im Rückblick der Weltgeschichte in wenigen Momenten vorbei. Der auf Veranlassung meiner ungezeugten Schwester stattfindende Systemwechsel hin zu einer brüderlichen Wertegemeinschaft ist logischerweise unterblieben, ich kann da gar nichts dafür. Von der ganzen Aktion habe ich nur diese Erzählung und ein paar Schwarzweißfotos meiner schwangeren Mutter mit schokoverschmiertem Mund. Aber trotzdem es nur Schwarzweißfotos sind, erkennt man doch ganz genau, dass es sich um schokobraune Verschmierungen handelt. Das schimmert nämlich anders als grün oder blau. Außerdem hilft’s, wenn mans weiß – und den Vornamen, den Mama mir gegeben hat, Nicolai, die russische Form von »Nikolaus«. Aus Trotz, weil man im Osten nicht an den Weihnachtsmann glaubte.

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KO N S E Q U E N Z E N ! TEXT: KEN JEBSEN FOTOS: ARCHIV Man stelle sich folgende Schlagzeilen vor: »Russen spionieren seit Jahren alle Internet-User aus. Vor allem Deutschland ist das Hauptziel des russischen Geheimdienstes.« »Russische Botschaft in Berlin wurde zur Abhörstation umgebaut.« »Putin hat jahrelang das Handy von Kanzlerin Merkel abhören lassen« »Chinesen zwingen Angela Merkel über Zürich zur Notlandung, um ihren Dienstflieger auf den Dissidenten Ai Weiwei zu durchsuchen.« »Chinesen melden, einen weiteren Kritiker chinesischer Politik mittels Drohnentechnik getötet zu haben. Sie schalteten ihn in Bayern aus, wo er mit seiner Familie Asyl erhalten hatte.« Würde auch nur eine dieser Schlagzeile zutreffen, würde die Welt ein neues Kapitel im Kalten Krieg aufschlagen. Und dieser Krieg würde sehr sehr schnell sehr sehr heiß werden. Dann nämlich, wenn die Russen oder die Chinesen es wagen würden, so zu tun, als sei ihr Handeln völlig in Ordnung. Die Welt, angeführt von den USA, würde aber in jedem Fall einen massiven Boykott von Russland und China fordern und diesen ohne Probleme, zusammen mit den Europäern, durchsetzen. Jetzt sind es nicht die Chinesen oder die Russen, die sich über jegliches Recht hinwegsetzen und mehr noch, es sich zur Gewohnheit gemacht haben, Menschen im Ausland nach eigenem Ermessen, aber immer ohne rechtliche Handhabe, zu ermorden. Nein. Das alles bestimmt das Handeln der USA. Die USA morden via Drohne. Nicht manchmal, sondern permanent. Die USA, zusammen mit ihren britischen Komplizen, brechen permanent geltendes Recht auch in der BRD, indem sie sich illegal Zugang zu Rechenzentren verschaffen, oder Mitglieder der deutschen Regierung direkt anzapfen. Was aber sind die Konsequenzen? Was unternimmt unsere Regierung konkret gegen diese notorischen Straftäter? Wenig. Um nicht zu sagen, nichts. Im Gegenteil, sie arbeitet dem Aggressor USA/GB massiv zu, indem sie die komplette Affäre erst bestreitet, sie dann herunterspielt, und sich dann in erbärmlicher Weise wegduckt. In Polizeikreisen gibt es dafür einen Begriff. Strafvereitelung im Amt. Wenn ein hoher Polizeibeamter zufällig Zeuge eines Verbrechens wird und im Anschluss alles unternimmt, um den oder die Täter möglichst ungeschoren davon kommen zu lassen, hat das Konsequenzen für seine Karriere, und damit für ihn privat. Er landet ganz

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KENFM ÜBER: KONSEQUENZEN! schnell selber auf der Liste der Personen, gegen die ermittelt wird. Wer ermittelt eigentlich gegen Angela Merkel? Als die Frau auf dem EU-Gipfel 2013 mitbekam, dass es eine Gruppe von fünf Staaten gab, Five Eyes, die den Rest der Welt ausspionierten - illegal, war das Einzige, was Merkel damals über die Lippen kam, nicht etwa: »Das ist völlig inakzeptabel, das sind Stasi-Methoden«. Nein, alles, was unsere Bundeskanzlerin, in Anspielung auf den britischen Premier David Cameron, dazu zu sagen hatte, war: »Anders als David sind wir ja leider nicht Teil dieser Gruppe.« Man muss nicht lange überlegen, warum Angela Merkel heute ziemlich verstimmt ist, dass die NSA ihr ganz persönliches Diensttelefon abgehört hat. Für die technischen Möglichkeiten, das maximal machbare, könnte sie sich schon faszinieren. Stasi 3.0 wäre für Merkel voll in Ordnung, solange es andere Menschen, andere Staatsoberhäupter wären, die dann auch sie abhören könnte. Diese Haltung erklärt auch, warum die »mächtigste Frau der Welt« nichts, null, nada unternahm, als die USA den Präsidenten Boliviens, Evo Morales, in Wien zur Notlandung zwangen, um seinen Maschine nach Edward Snowden zu durchsuchen. Angela Merkel ist eine eiskalte Opportunistin. DDR-Kadergeschult weiß sie exakt, wann sie sich empören muss, so dass es ihrer politischen Karriere nützt, und wann es gesünder ist, die Fresse zu halten. Dieses Verhalten war im Deutschland des 20. Jahrhunderts schon einmal extrem angesagt und endete später in dem Satz: »Das haben wir doch alles nicht gewusst.« Was weiß eigentlich Angela Merkel? Und in wie fern sind ihre Reaktionen - oder besser: Nicht-Reaktionen - den Verbrechen, um die es sich hier handelt, angemessen? Ist das millionenfache Ausspähen deutscher Bürger ein Kavaliersdelikt? Ist die erpresste Notlandung eines Präsidenten aus Südamerika in Europa, durch einen Staat der außerhalb dieses Europas zu finden ist, ein Fauxpas, oder ein sehr sehr ernstes Vergehen? Wäre die deutsche Bundeskanzlerin, die zumindest in Europa klar den Kurs des Kontinents vorgibt, nicht geradezu verpflichtet, hier stellvertretend für die gesamte EU den Claim dieses Staatenbundes abzustecken und zu verteidigen? Wäre Angela Merkel auch ohne mit der Wimper zu zucken zur Ta-

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KENFM ÜBER: KONSEQUENZEN! gesordnung übergegangen, wenn das Flugzeug aus Israel gekommen wäre, Netanjahu an Bord gehabt hätte, und vom Iran in Oslo zur Notlandung gezwungen worden wäre? Wäre Angela Merkel auch zur Tagesordnung übergegangen, wenn der Iran nur nach einem iranischen Regierungskritiker im Flieger Netanjahus gesucht hätte? Wahrscheinlich ist, dass, hätte der Iran, China oder Russland etwas ähnliches auch nur versucht, es zu einer militärischen Reaktion durch Israel gekommen wäre. Diese Reaktion wäre zusammen mit den USA ausgeführt worden, und Angela Merkel hätte sich öffentlich aufgespult, um die Kidnapper aus dem »anderen« Lager in schärfster Form zu verurteilen. Jetzt aber, wo der dreisteste Kidnapper auf diesem Planeten, der größte Datendieb, die USA sind, hält sich die deutsche Bundeskanzlerin extrem bedeckt, und ist nur »persönlich« pikiert. Ist Bundeskanzler sein eigentlich ein Hobby? Oder trägt man in diesem Amt nicht die Verantwortung für eine ganze Nation? Sehen wir uns den deutschen Innenminister an. Sein Verhalten ist ein extremer Skandal. Er ist derart demokratiegefährdend, dass man Friedrich sofort aus dem Amt entfernen müsste. Alles andere ist Beihilfe zum Faschismus. Erst beschimpft HansPeter Friedrich alle Deutschen, die sich ernsthaft Sorgen um die Demokratie in der Republik machen, nachdem sie das Ausmaß der NSA-Affäre lange vor dem Innenminister erkannt haben, er unterstellt ihnen Anti-Amerikanismus, und wenig später überlegt sich dieser Mann, wie er persönlich die USSpitzeltechnik für sich nutzen könnte. Friedrich spielt mit dem Gedanken, alle deutschen Autobahnen, wenn sie denn übermorgen mautpflichtig werden, zu nutzen, um ein komplettes Bewegungsprofil aller Nutzer zu erstellen. Was ist nur mit diesem Land los, dass es nicht zu massiven Protesten kommt, wenn offensichtlich wird, dass die Chefposten in diesem Land von Menschen besetzt werden, die ein ersthaftes geistiges Problem haben. Immer mehr Ressorts werden von Irren geleitet, die stark an Dr. Seltsam erinnern. Wann geht dem Otto-Normal-Bürger eigentlich ein kollektives Licht auf, wer ihn hier, und vor allem wohin, lenkt? Reden wir nicht um den heißen Brei. Es müssen endlich Konsequenzen gezogen werden. Welche das sind, liegt auf der Hand. Hätte Russland oder China sich diese NSA-Affäre mit allen ihren Nebenkriegsschauplätzen geleistet, hätte die BRD die diplomatischen Beziehungen vollständig unterbrochen. Es hätte die Botschafter nach Hause geschickt und wirtschaft44 liche Projekte auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Exakt das sollte die BRD jetzt mit den Botschaftern der USA und Englands tun. Ami go home und besinne dich. Und die Britische Botschaft baut entweder ihre Spähantennen ab, oder das Gebäude wird belagert wie die Botschaft Ecuadors in London, in der die britische Polizei Julian Assange seit über einem Jahr an der Freiheit hindert. Schon vergessen? Unsere »Partner« sind Schwerverbrecher. Was wäre der nächste Schritt für Deutschland? Wie könnte die BRD den Verlust des US-amerikanischen Marktes und die Geschäfte mit GB kompensieren? Sehr sehr einfach. Die BRD baut ihre Wirtschaftsbeziehungen zu China, Indien, Russland und Iran maximal aus. Die BRD wird zum Handelspartner

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KENFM ÜBER: KONSEQUENZEN! Nummer Eins für den Iran, wie schon zu Schah-Zeiten, als der Iran für die USA noch koscher war und Israel zusammen mit dem Iran Raketen entwickelte. Klingt komisch. War aber so. Die BRD verhilft als wirtschaftlich stärkstes Land Europas dem Euro wieder zu seiner Stärke, indem sie iranisches Öl zukünftig mit Euro bezahlt. Das wäre das Ende des DollarMonopols und würde unmittelbar zum Einlenken der USA führen. Deutschland kann mit dieser Mechanik die bis dato auf Krieg und Imperialismus aufgebaute US-Hegemonie binnen kürzester Zeit brechen. Wandel durch Handel. Abkehr von einem großen Bruder, der völlig den Verstand verloren hat. Der öffentlich sagen lässt, dass er die NSA-Aktivitäten nicht nur nicht bereut, sondern im Gegenteil, weiter betreiben und ausbauen wird. Totale Überwachung als Zeichen der Freiheit. Hier kann die Diagnose nur Wahnsinn lauten. Die Bundesrepublik sollte ihre historische Chance erkennen. Sie sollte sich nicht schon wieder einer Führung anschließen, für die Gewalt und permanenter Rechtsbruch längst zum Alltag gehören. In der Designer-Knäste wie Guantanamo mehr als ein Jahrzehnt betrieben werden. Ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Das alles ist nicht mehr schön zu reden. Deutschland muss sich aus dem NATO-Bündnis, angeführt durch einen Straßenschläger, lösen. Wer zuerst kommt, mahlt zu erst. Autoritäre Staaten wie Katar, Saudi-Arabien und Bahrain gehören maximal boykottiert. Der Iran kann mit deutscher Vermittlung dazu gebracht werden, sich von eigener Atomtechnik zu trennen, wenn wir als Teil eines neuen Bündnisses, bestehend zum Beispiel aus Russland und China, aber auch Frankreich, militärische Sicherheit garantieren, falls die USA dem Iran drohen. In diesen Tagen sitzt Deutschland in Genf mit am Tisch der Atomgespräche mit dem Iran. Es ist das inzwischen zwölfte Treffen seit 2012. Die Ergebnisse lassen sich simpel zusammenfassen: Null. Warum ist das so? Nun, wir sollten erkennen, dass unsere Partner, die Atomstaaten, allen voran die USA, ziemlich verlogen sind, da sie etwas nie offen aussprechen. Jedes AKW ist immer auch ein Plutonium-Produzent und damit der Beginn eines militärischen Atomprogramms. Strom aus Atomanlagen ist immer nur ein Abfallprodukt. Auch bei uns. Wer AKW´s betreibt, tut dies vor allem, um »günstiger« an den Bombenstoff Plutonium zu kommen. Sprechen wir diese üble Wahrheit endlich so laut aus, dass sie alle Welt kapiert. Jedes AKW45 Land ist eine potentielle Atommacht und strebt auf kurz oder sehr kurz die Atombombe an. Wer den Iran davon abbringen möchte, sich die Verteidigungswaffe Atombombe abzuschminken, obwohl er von USAtombasen umstellt ist, muss das Land wirtschaftlich einbinden. In einen neuen Staatenblock, der so mächtig sein sollte, dass es die USA und ihre Restpartner nicht wagen würden, das Land zu attackieren. Ein an den Westen angedockter Wirtschaftspartner Iran wäre zudem der Partner gegen AlKaida, denn deren Homebase sind vor allem die autoritären arabischen Staaten, die nur unter US-Kontrolle existieren. Das gesamte Schachbrett in Middle East steht und fällt mit dem Öl-nur-gegen-Dollar-Deal. Ein Land, von der Wirtschaftskraft der BRD, hat gerade jetzt die Chance, dieser Politik aus dem 20. Jahrhundert den Stecker zu ziehen. Die USA sind ein globaler Verhinderer. Auf diversen Gebie- & Neu in iv klus n! ex n ilbro He Sporthaus Saemann GmbH & Co. KG · Kaiserstr. 29-31 · 74072 Heilbronn

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KENFM ÜBER: KONSEQUENZEN! länder, das auch. Auf dem Gebiet der Materialforschung ist Deutschland Spitze. Deutsche Produkte werden auf der ganzen Welt sehr sehr gerne gekauft. Wandel durch Handel ist ein Schlüssel zur aktiven globalen Befriedung des Planeten. Ein anderer ist Boykott von Ländern, die Menschenrechte notorisch mit Füßen treten und chronisch uneinsichtig sind. Die Charts der arrogantesten Regierungen in Folge, gepaart mit der arrogantesten Grundhaltung und dem permanenten in-den- Staub-treten klassischer Menschenrechte, wird klar von den USA angeführt. Direkt auf Platz zwei kommt dann aber Israel. Seit 60 Jahren terrorisiert der Zwergstaat im Nahen Osten den Teil der Bevölkerung, den man als Eingeborene bezeichnen muss. Palästinenser. Israel hat es geschafft, das Volk der Palästinenser zur größten Gruppe aller Flüchtlinge weltweit werden zu lassen, und täglich werden es mehr. Der Grund hierfür ist simpel. Israel will keinen Frieden mit der Ur-Bevölkerung Palästinas. Israel will die Palästinenser los werden. Aus diesem Grund wird diesem Volk seit 60 Jahren jeden Tag der Grund und Boden, auf dem sie geboren wurden und versuchen, zu überleben, systematisch abgenommen. Seit 60 Jahren fahren die Bulldozer aus US-Produktion immer nur in eine Richtung. Alle Verhandlungen nach dem großen Massenmord und der Massenvertreibung 1948, der Nakba, die im Westen völlig distanzlos und unkritisch als Staatsgründung mitgefeiert wird, scheiterten vorsätzlich, denn Israel gibt geraubtes Land niemals zurück. Es sei denn, es muss. Auch die aktuellen Verhandlungen mit den Palästinensern müssen scheitern, denn während sie laufen, rollen israelische Bagger durch Palästina und machen aus Olivenhainen Bauland für radikale zionistische Siedler. Dass der US-Außenminister da nicht viel reißen kann und wird, liegt auf der Hand. John Forbes Kerry ist nur in zweiter Linie Außenminister der USA. Zu allererst ist er Mitglied der mächtigsten amerikanisch-jüdischen Lobbyorganisation AIPAC. In Wahrheit verhandelt also die amerikanische Israel-Lobby in Gestalt von Kerry mit den Israelis über die »Möglichkeiten«, die man den Palästinensern einräumen könnte. Genauso gut könnte der ADAC mit Mercedes-Benz über die Möglichkei- ten. Sie herrschen durch Imperialismus, der mit nackter Gewalt durchgesetzt wird und mit dem Tool Monopolisierung in allen Bereichen und künstlicher Verknappung abreitet. Es geht den Vereinigten Staaten nie um eine kollektive Entwicklung aller Nationen. Es geht nie um Politik auf Augenhöhe. Es geht nur um Hackordnung. Das krankhafte Verteidigen einer Position, die die Welt in rechts, links, oben und unten aufteilt. Die US-Führung seit Bush senior will, dass du dich auf eine Seite schlägst. Auf einer Kugel! Die Welt hat keine Zeit mehr für diesen Kollisionskurs, denn die wichtigste Ressource auf diesem Planeten, eine intakte Umwelt, wird auch von den Deutschen, als Teil des Error-Bündnisses, jeden Tag weiter und weiter zerstört. Wir können es besser, denn die BRD ist ein Land der Innovationen. Der Denker, der Ingenieure. Aber auch der Dichter. Wir müssen eine neue Ethik nicht von unseren völlig durchgedrehten Ex-Partnern einfordern, wir müssen sie selber vorleben. Mit oder ohne sie. Na und. Die Welt braucht nicht die USA, das ist die größte politische Lüge der Gegenwart. Aber die USA braucht die Welt. Was die Welt noch braucht, ist einen umfassenden Wandel. Wandel muss auf gar keinen Fall den Verlust von Wohlstand mit sich bringen. Im Gegenteil. Wandel, Umweltschutz und das Einsparen von Ressourcen ist ein Garant für Wohlstand in der Zukunft. Auch hier spielt die BRD eine Schlüsselrolle in der Welt. Wenn es der drittstärksten Industrienation der Welt gelingt, seine Energie rein regenerativ zu erzeugen, dezentral, dann kann der Rest, vor allem die aufstrebenden Industrie46

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KENFM ÜBER: KONSEQUENZEN! ten eines Ausbaus der Bundesbahn sprechen, damit Fracht zukünftig nicht mehr per LKW, sondern auf der Schiene von A nach B transportiert werden könnte. Warum sollten ADAC oder Mercedes sich gegen Autos und für den Bahnverkehr aussprechen? Schon der Versuch, so etwas ernsthaft in die Nachrichten zu bringen, wäre ein Intelligenztest für die Massen. Was also tun? Boykott. Keine Produkte von einer Besatzungsmacht. Nur das bringt dieses Regime von seinem menschenverachtenden Kurs ab, der auch immer mehr israelische Journalisten trifft, die das kranke Spiel durchschaut haben und es anprangern. Dieser Tage meldeten sich schweizer Wissenschaftler zu Wort, die die Leiche Jasir Arafats exhumiert hatten. Der Verdacht, der PLO-Führer wäre vergiftet worden, bestätigte sich. Arafat wurde höchstwahrscheinlich mit Polonium umgebracht. So weit so schlecht, doch obwohl die Schweizer keinen Verdacht aussprachen, wem dieser Mord wohl genützt haben könnte, meldete sich umgehend die israelische Führung zu Wort, um mitzuteilen, dass die Untersuchung unwissenschaftlich sei. Wieso meldet sich das Land spontan zu dem Mordfall? Weiß es mehr als der Rest der Welt? Und wenn ja, woher? Würde nach dem Todesfall einer weniger prominenten Person bei der Polizei ein Anruf eingehen und sich ein bekannter Gewalttäter melden, mit der Botschaft, der Gerichtsmedizin wären bei der Untersuchung grobe Fehler unterlaufen, dieser Anrufer bekäme Besuch. Definitiv. Das überzeugendste Argument, etwas zu ändern, ist es selber zu tun. Boykottieren wir Staaten, die Menschenrechte mit Füßen treten. Staaten, die sich einbilden, über dem Gesetz zu stehen. Staaten, die sich erdreisten, ihre Freunde abzuhören und auszuspionieren. Werden wir souverän. Wieder. Vollziehen wir einen souveränen Schwenk zu einer anderen, souveränen Wirtschaftspolitik. Intensivieren wir, die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, unseren Kontakt zu den Staaten, die uns Dritte immer noch als Feinde oder Konkurrenten verkaufen. Es gibt keine Konkurrenten. Es gibt nur Mitbewerber, aber vor allem gibt es Partner. In diesem Zusammenhang sollten wir, die Zivilgesellschaft, den Whistleblower Edward Snowden, der im Kern viel mehr ist, nämlich ein Aktivist und Menschenrechtler, in die BRD holen. Dass Merkel es nicht tut, kennt nur einen Grund. Sie scheut die Maßnahmen, die nötig wären, um zu verhindern, dass die USA den Kronzeugen von deutschem Boden wegkidnappen würden. Eine solche Aktion wäre nicht die Erste ihrer Art, sondern fand 1991 schon einmal statt. Vergessen? Wir nicht. Jens Karney. Change ist etwas völlig anderes. Der amerikanische Präsident hat aus dem Friedensnobelpreis einen Friedhofsnobelpreis gemacht. Das Komitee in Oslo sollte ihm aus Respekt vor dem Namensgeber der Auszeichnung diese schleunigst wieder aberkennen. Deutschland ist in der Pflicht. Entweder es löst sich aus der amerikanischen Zwangsumarmung, oder es wird schweren Schaden nehmen. Wir können es besser. Über KenFM: KenFM ist ein freies Presseportal, eine Plattform, die bewusst das Internet als einziges Verbreitungsmedium nutzt, um das klassische Sendegebiet eines UKW-Radios auf den ganzen deutschsprachigen Raum auszudehnen. KenFM steht für politische Statements und aufwendig produzierte Spezialsendungen. Darüber hinaus führt KenFM jede Woche Interviews zu tagesaktuellen Ereignissen. KenFM wurde jahrelang durch GEZ Gebühren ermöglicht, stieß dabei aber immer häufiger an die Grenzen dessen, was KenFM unter Pressefreiheit verstand. KenFM wird heute ausschließlich von den Usern finanziert. KenFM geht es nicht um die Quote, sondern um Relevanz. KenFM kann heute so arbeiten, da die Redaktion ausschließlich dem User verpflichtet ist und nicht einer Intendanz mit Parteibuch. Die finanzielle Unterstützung der User macht KenFMs Arbeit überhaupt erst möglich. KenFM versteht sich selbst daher auch als das Portal all derer, die KenFM mit ihrem Geld den Auftrag gegeben haben, im Dreck zu wühlen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Weitere Infos und wie man KenFM unterstützen kann: http://www.kenfm.de/unterstuetze-kenfm/

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» D A S B U KOW S K I I S T D E R TRESOR DES SÜDENS« TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: COLOMBINI MEDIA Marc C o l o m b i n i h a t ein e d e r e r fo lg re ich s te n d e uts ch e n Te ch no-Fa ceb ook- Seit en . Da z u g i b t e s no ch s e ine n g le ich nam ige n Blo g » Ich ta nze zu kr a n k en Ger ä u s c hen « . Nun h at e r zus am m e n m it d e m Te ch n ola bel » A g e n t en m u s ik « s ein en e rs te n Pro d uce rco nte s t d urch g e füh r t. Wi r sp ra c h e n m i t d em Fr a n k f u r t er übe r s e ine Lie be zu Te ch no , d ie Id e e hi nter » I T ZKG « u n d d a s Heil b ro nne r Buk ows k i, vo n d e m Marc nur Gutes g e h ör t h a t . Da s Bu k ow s ki h at d e n Ruf, d e r Tre s o r d e s Süd e ns z u sei n.

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MUSIKKOFFER: ICH TANZE ZU KR ANKEN GERÄUSCHEN HANIX — Marc, zunächst möchten wir ein bisschen zu deiner Person erfahren. Was machst du? Wo treibst du dich rum? Und wo betreibst du deine Musik? HANIX — Es hört sich so an, als ob du immer wieder Technoperlen ausgräbst. Wo findest du diese Sets? Ich habe sehr früh angefangen, Techno-Musik zu hören. Ich kann behaupten das ich 1986, da war ich gerade mal fünf Jahre alt, meine erste elektronische Platte gehört habe, die mir sofort gefallen hat. Dann bin ich mit 15 Jahren das erste Mal in einem Club namens »Stammheim« in Kassel eingelaufen, wo ich dann jahrelang gefeiert habe. Mit 16 habe ich dann auch ein bisschen mit dem Plattenauflegen angefangen. Dies allerdings nur im Freundeskreis, da ich nie die Ambitionen hatte als DJ »groß rauszukommen«. Im Laufe der Jahre hat man dann natürlich die Szene kennengelernt und war regelmäßig feiern. MARC COLOMBINI — HANIX — Und was hat es mit deiner Facebook-Seite auf sich? Anfangs musste ich sehr viel selbst suchen, beispielsweise auf Portalen wie Soundcloud aber auch auf verschiedenen Facebook-Profilen der jeweiligen Künstler. Mittlerweile erhalte ich aber circa 70 Mails pro Tag mit neuen DJ-Sets und daraus bediene ich mich dann auch ausschliesslich. Das Gute ist, dass ich nicht der Typ bin, der immer wieder alte Sachen hört. Ich stehe total drauf neue Dinge zu hören und dann zu entscheiden, ob diese auf unserer Facebook-Seite gepostet werden sollen. Hier geht es aber wieder nicht nach den Namen der DJs, sondern einfach nach der Qualität der Musik. MARC COLOMBINI — HANIX — Warum ist gerade Techno deine Musik und was treibt dich heute noch raus in die Clubs? Vor circa zwei Jahren habe ich immer wieder von Freunden gehört, dass die DJ-Sets, die ich auf Facebook gepostet habe, sehr gut ankommen und somit habe ich mich dazu entschieden eine Facebook-Seite mit dem Namen »Ich tanze zu kranken Geräuschen« für die Techno-Community aufzubauen. Das Ganze lief dann irgendwie von selbst. Am Anfang war ich sehr stolz die ersten 500 Fans erreicht zu haben. Wie es so ist, kamen dann irgendwann auch Gewinnspiele und Partnerschaften mit Firmen und Labels zustande und mittlerweile hat unsere Facebook-Seite über 22 000 Fans. Ich habe allerdings von Anfang an dafür gesorgt, dass mein Name relativ anonym bleibt. Ein paar Veranstalter und Fans kennen mich zwar, ich gehöre aber nicht zu denen, die mit einem großen Schild durch die Gegend rennen müssen. Zumal auf unserer Seite einzig und allein die Musik im Vordergrund steht. MARC COLOMBINI — Als Allererstes steht bei mir da die familiäre Atmosphäre in der Techno-Szene. Viele behaupten ja das früher alles besser war, was ich nicht so sehe. Eher würde ich sagen es ändert sich stetig, aber das Feier-WirGefühl ist immer noch da. Hinzu kommt, dass ich einfach den Beat im Herzen trage und Techno hier für mich am meisten geeignet ist. Man kann schon sagen, dass dies Liebe auf den ersten Blick beziehungsweise auf den ersten Beat war. MARC COLOMBINI — HANIX — Legst du auch immer noch selbst ein bisschen auf? MARC COLOMBINI — Ab und zu, sagen wir mal alle drei bis vier Monate, mache ich ein bisschen Musik, die allerdings nicht auf meine Seite gepostet wird, da ich finde, dass dieses »sich selbst pushen« ein wenig lächerlich wirkt. HANIX — Was meinst Du, wann das Maximum an Facebook-Fans erreicht ist? Hast du Erwartungen, wie es weitergehen soll, und bist du enttäuscht, wenn mal nicht soviel auf deiner Seite läuft?

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MUSIKKOFFER: ICH TANZE ZU KR ANKEN GERÄUSCHEN es um die Techno-Underground-Szene geht. Das Magazin wird unsere Seite wohl auch nochmal pushen, da wir schon jetzt große Unterstützung von DJs und Veranstaltern haben. HANIX — Habe ich das richtig verstanden, dass du momentan mehr oder weniger eine One-Man-Show bist? Momentan habe ich eine Grafikerin die mich unterstützt, Logos entwirft und auch unseren Herrn »Durch« kreiert hat. Des weiteren gibt es noch einen Redakteur in Berlin, der fast die komplette Szene vor Ort kennt. Um die Facebook-Seite kümmere ich mich aber komplett selbst, denn ich habe auch irgendwie Hemmungen mein Baby aus der Hand zu geben. MARC COLOMBINI — HANIX — Und was kannst du uns zu eurem Blog sagen, darf ich es überhaupt Blog nennen? Ja, das darfst du. Hier posten wir einfach vieles, was wir so den lieben langen Tag hören. Wenn ich beispielsweise »Guten Morgen« blogge, läuft auch das dazugehörige DJ-Set bei mir zu Hause im Hintergrund. MARC COLOMBINI — HANIX — Verdienst du damit eigentlich auch schon Geld oder kannst wenigstens deine Unkosten decken? Und gab es bereits unmoralische Angebote von DJs oder Labels? Ja, diese Angebote gab es auch schon. Aber mir ist es egal, ob hinter dem Set ein großer oder kleiner Name steht und irgendein Angebot da ist. Ich poste nur das, was mir auch gefällt. Es gab sogar schon einmal den Versuch mir die Seite für 12 000 Euro abzukaufen, wozu ich aber auf keinen Fall bereit bin, da dann die Seite auseinandergenommen und nur noch zu Werbezwecken verwendet wird. MARC COLOMBINI — HANIX — Ist denn deine Seite komplett werbefrei? Das ist eine schwierige Frage. Man merkt natürlich schon zu gewissen Zeiten, beispielsweise im Sommer, dass die Leute mehr draußen sind und weniger Zeit mit Facebook verbringen. Ehrlich gesagt bin ich aber darüber nie enttäuscht, im Gegenteil, ich freue mich, wenn die Leute das schöne Wetter genießen und nicht daheim vorm Rechner sitzen. Zur Entwicklung der Seite kann ich so gut wie gar nichts sagen. Ich dachte ja schon bei 5 000 Facebook-Fans, dass jetzt so langsam mal Schluss sein muss, und bin eines Besseren belehrt worden. Was ich zur Zukunft sagen kann, ist, dass wir vorhaben ab Januar ein Online-Magazin zu veröffentlichen, in dem MARC COLOMBINI — Die Facebook-Seite ist natürlich komplett werbefrei, allerdings machen wir immer wieder auf Gewinnspiele aufmerksam. Die Homepage beinhaltet auch Werbung, die allerdings sehr dezent geschaltet wird. MARC COLOMBINI — HANIX — Gab es schon Events von »Ich tanze zu kranken Geräuschen«? Es gab noch keine eigenen Events, aber das ist in der ersten Jahreshälfte des nächsten Jahres geplant. Glücklicherweise habe ich einen Investor gefunden, der an Veranstaltungen dieser Art interessiert ist und somit können wir loslegen. Viel mehr kann ich momentan natürlich noch nicht sagen. MARC COLOMBINI — HANIX — Bist Du, was dieses Thema Events angeht,

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MUSIKKOFFER: ICH TANZE ZU KR ANKEN GERÄUSCHEN regional, sprich auf den Frankfurter Raum, fokussiert oder denkst du da auch deutschlandweit? Was ich schon verraten kann, ist, dass die Wahrscheinlichkeit relativ hoch ist, dass es ein Frankfurt-Kassel-Berlin-Ding wird, was man ja dann auch »deutschlandweit« nennen kann. MARC COLOMBINI — HANIX — Kommen wir zum nun beendeten Producer-Contest. sehr viel telefoniert und sehr schnell gemerkt, dass uns insbesondere die Newcomer am Herzen liegen. Tim ist selbst Musiker und weiss natürlich wie schwer es ist überhaupt erst mal an ein Label ranzukommen. Somit war sehr schnell klar, dass wir einen Plattenvertrag verlosen möchten. HANIX — War das Ganze erfolgreich? Es war ja der erste Versuch. Die Idee kam von meinem Freund Tim, der das Label »Agentenmusik« betreibt. Er hat mich irgendwann gefragt, ob ich Lust dazu hätte, mit ihm gemeinsam einen Contest zu veranstalten. Wir haben dann MARC COLOMBINI — Von der Beteiligung her kann ich sagen, dass es zufriedenstellend war. Wir haben immerhin 36 Einsendungen erhalten, womit wir ungefähr auch gerechnet haben, da es ja immer eine gewisse HemmschwelMARC COLOMBINI —

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MUSIKKOFFER: ICH TANZE ZU KR ANKEN GERÄUSCHEN le gibt. Vor allen Dingen bei über 20 000 Leuten, die den eingereichten Track dann hören können. HANIX — Bist Du mit der Qualität der eingesendeten Tracks zufrieden? MARC COLOMBINI — Ich muss wirklich sagen, dass die meisten Tracks qualitativ sehr hochwertig waren, da die Leute natürlich auch den Wert des Preises und die Chance die sie mit dem Preis haben, erkannten. HANIX — Was wird jetzt genau mit dem Gewinner passieren? Wird was Neues produziert oder wird der Track veröffentlicht der eingereicht wurde? stadt? Und wenn ja, welche Erfahrungen hast du in Heilbronn gemacht? Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich selbst noch keine Erfahrungen in Heilbronn gemacht habe. Ich kenne aber beispielsweise das Bukowski und bin mit Thilo Wecker via Facebook in Kontakt. In der Techno-Szene sagt man ja, dass das Bukowski der »Tresor des Südens« ist. Ansonsten muss ich persönlich aber leider passen, was meine Erfahrungen mit Heilbronn angeht. MARC COLOMBINI — HANIX — Da wir ein Gesellschaftsmagazin sind, sind mit Sicherheit nicht alle unsere Leser Technoexperten. Du hast eben etwas vom »Tresor des Südens« erzählt. Was ist das »Tresor«? Der Gewinnertrack, also der Track, der eingereicht wurde, wird professionell produziert und veröffentlicht. Momentan versucht Tim es so zu organisieren, dass die Platte noch vor Weihnachten auf den Markt kommt. Ich hoffe sehr, dass das klappt. MARC COLOMBINI — HANIX — Wird es einen zweiten Contest geben? Da uns die Sache sehr viel Spaß gemacht hat, spricht nichts gegen einen weiteren Contest. Aber natürlich erst nach einer gewissen Zeitspanne. MARC COLOMBINI — HANIX — Unser Magazin kümmert sich um die Region Heilbronn. Hast du Erfahrungen mit unserer Heimat- Das »Tresor« ist ein auf der ganzen Welt bekannter Techno-Club in Berlin, der sich nicht verkauft hat und immer noch in die Richtung UndergroundTechno geht. Man kann also durchaus sagen, dass ein Vergleich mit diesem Club eine hohe Auszeichnung für das Bukowski ist. MARC COLOMBINI — HANIX — Hörst du auch andere Musik außer Techno? Ab und zu höre ich auch andere Musik, hier ist in allererster Linie Reggae zu nennen. MARC COLOMBINI —

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M IT TAGST I Sc H T E ST TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: ROBERT MUCHA We r ke n n t da s Pro b l em n i c ht : Mittags paus e - abe r wo h in zum E s s e n. Desha lb haben w i r u n s d a z u en t s c hl o s s en , e ine n re gio nale n Mittag s tis ch -Te s t zu sta r ten. Die s mal w are n w ir i m A L AT U R K A in d e r K irch br unne ns traße . Ge te s tet wurde n e be n de m Ge s c h m a c k a u c h d i e Ge s ch wind ig k e it, d ie Fre und lich k e it d e s Ser vi cePe rson al s, n at ü r l i c h d er Prei s u n d auch d ie ind ivid ue lle n Eig e nh e ite n der L oka lität. Im Te st ha b en wir u n s f ü r das um g e k e h r te Sch ulno te n-Sys te m e ntschi eden. Da s b ed eu t et , d a s s d ie 6,0 d ie Hö ch s tno te is t.

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»SCHRIFTFILME SCHRIFT aLS BILd In BEwEgung« Ei n e Au s s t el l u n g i m Z K M | Mus e um für Ne ue Kuns t Bi s 1 2 . Ja nuar 2014, Eintritt fre i! Durch die vielfältigen digitalen Möglichkeiten kann Schrift verstärkt über ihre Funktion der Informationsvermittlung hinausgehen und gewinnt zunehmend einen autonomen ästhetischen Status. »Schriftfilme« sind jene analog oder digital basierten Filme oder Filmteile, in denen bewegte, animierte, grafisch auffällig gestaltete und vor allem auch vertonte Schrift die Hauptrolle spielt. Die Ausstellung »SCHRIFTFILME« führt an Orte, an denen uns Schrift begegnet: künstlerische Inszenierungen, aber auch Spielfilme, Werbung, Musikvideos oder die Medienfassaden in den Großstädten. Darüber hinaus stellt die Ausstellung den Versuch dar, klassische, populäre, aber bisher auch wenig beachtete und oftmals nur schwer zugängliche Schriftfilme von 1895 bis heute aus über 20 Ländern zu sammeln, zu typologisieren und öffentlich zugänglich zu machen. In einem begehbaren Archiv werden die herausragenden Schriftfilme gezeigt und die BesucherInnen können sich interaktiv mit der Thematik auseinandersetzen. Dem Publikum werden Einblicke in kulturelle und mediale Entwicklungen gewährt, ihnen werden Rückblicke und Gegenwartsdiagnosen geboten, aber auch Ausblicke in die mediale Zukunft; nicht zuletzt in die der interaktiven Medien. Das Projekt »SCHRIFTFILME« ist eine Kooperation des ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe mit dem Experimental Media Lab (xm:lab) der Hochschule der Bildenden Künste Saar, FACT Foundation for Art and Creative Technology Liverpool und Goethe-Instituten weltweit. Das Projekt wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

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KUNSTREGION: SCHRIFTFILME - SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG Ferdinand Kriwet, »Teletext« Deutschland 1967 TV-Avantgarde I Videostill © Ferdinand Kriwet

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KUNSTREGION: SCHRIFTFILME - SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG Ferdinand Kriwet, »Teletext« Deutschland 1967 TV-Avantgarde II Videostill © Ferdinand Kriwet

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KUNSTREGION: SCHRIFTFILME - SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG Mark Boswell, »The End of Copenhagen« USA 2004 Videokunst Videostill © Mark Boswell

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KUNSTREGION: SCHRIFTFILME - SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG Dellbrügge & de Moll, »Video-Theorie II« Deutschland 1992 Videokunst Videostill © Dellbrügge & de Moll

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KUNSTREGION: SCHRIFTFILME - SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG Jonathan Hodgson, »The Man With The Beautiful Eyes« Großbritannien 1999 Gedicht-Clip II Videostill © Jonathan Hodgson

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KUNSTREGION: SCHRIFTFILME - SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG Esteban Sapir, »La Antena« Argentinien 2007 Stummfilm / Experimentalfilm Videostill © Esteban Sapir

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Velvet Mediendesign, »Aspekte,« ZDF Deutschland 2001 TV-Opener Videostill © Velvet Mediadesign Antoine Bardou-Jacquet / Ludovic Houplain (H5), »The Child« Frankreich 1999 Musikvideo Videostill Antoine Bardou-Jacquet / Ludovic Houplain (H5)

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KUNSTREGION: SCHRIFTFILME - SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG Florian Krautkrämer, »Beine brechen« Deutschland 2010 Stummfilm / Experimentalfilm Videostill © Florian Krautkrämer

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KUNSTREGION: SCHRIFTFILME - SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG François Alaux / Hervé de Crécy / Ludovic Houplain (H5), "Logorama" Frankreich 2009 Animation Videostill François Alaux / Hervé de Crécy / Ludovic Houplain (H5)

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» S U S A T E M P L I N R E A L E S TAT E « DIE P R EI ST R ÄG E R I N D E S I N T E R N ATION A LE N WE LD EKUNST P R E I S E S FÜ R FOTOGR A F IE 2013 0 1 . 1 2 . 2 0 1 3 – 2 6 . 0 1 . 2014 i m Z E PH Y R Ma nnh e i m ; C 4, 9 Vom 1. Dezember 2013 bis 26. Januar 2014 präsentiert das Zephyr Mannheim die Ausstellung Susa Templin: Real Estate. Die Schau zeigt umfassend Arbeiten der Preisträgerin des Internationalen WeldeKunstpreises für Fotografie 2013. Mit fotografischen Bildern und collagenartigen Überlagerungen entwirft die gebürtige Hamburgerin imaginäre und reale »Bildgebäude«. Dabei benutzt sie die Architektur, Installation und Fotografie als Medium und Material: Sie zerschneidet, collagiert und überlagert Aufnahmen des Stadtraumes oder von Interieurs, baut diese in Räume oder Raummodelle ein und fotografiert sie immer wieder. Für die Ausstellung Real Estate entwirft die Künstlerin eine raumgreifende Inszenierung, die mit ihren – im Wortsinne – vielschichtigen und vielfältigen Bildern die Grenzen von Raum und Bild erforscht. Der WeldeKunstpreis zählt zu den renommiertesten Wettbewerben der deutschen Kunstszene und wird seit 1995 verliehen. 2013 widmete er sich (wie jedes zweite Jahr) der Fotografie. Eine unabhängige Fachjury wählte aus den internationalen Beiträgen die Preisträgerin aus. Die Ausstellung bei ZEPHYR ist fester Bestandteil und Abschluss des WeldeKunstpreises für Fotografie.

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KUNSTREGION 2: SUSA TEMPLIN - REAL ESTATE »Bluetown«, 2004 © Susa Templin; Courtesy Galerie Thomas Rehbein

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KUNSTREGION 2: SUSA TEMPLIN - REAL ESTATE »Geometrie des Raumes«, 2011 © Susa Templin; Courtesy Galerie Thomas Rehbein »Geometry of Space«, 2008–2010 © Susa Templin; Courtesy Galerie Thomas Rehbein

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KUNSTREGION 2: SUSA TEMPLIN - REAL ESTATE »Geometry of Space«, 2008–2010 © Susa Templin; Courtesy Galerie Thomas Rehbein

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KUNSTREGION 2: SUSA TEMPLIN - REAL ESTATE »Stuhl, Fenster, Sommer, Nachts«, 2008 © Susa Templin; Courtesy Galerie Thomas Rehbein »Geometrie des Raumes«, 2011 © Susa Templin; Courtesy Galerie Thomas Rehbein

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KUNSTREGION 2: SUSA TEMPLIN - REAL ESTATE »Totale 2011 © Wohnung«, Installationsansicht, Susa Templin; Courtesy Galerie Thomas Rehbein

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IM GESPRÄCH MIT GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER »WIR MISCHEN UNS IMMER NOCH EIN« TExT: ROBERT MUCHA & VALERIE GRÜBELE FOTOS: MEHMERT FILIZ Wal te r Si t t l er u n d Gerd L ei p o ld s ind Einm is ch e r. Sch aus pie le r Sitt ler w ar u n d i s t ei n er d er f ü hren de n Kö pfe d e r Ge ge n-S21-Be we gung in d e r Lan de s h a u pt s t a d t . Phy s ik e r Ge rd Le ipo ld war j ah re lang C h e f von Gre e n p e ace In t er n a t io n a l u n d h at s ich d e s h alb s ch o n vo n Be r ufs wegen o ft e i n g e m is c ht . Nu n ha b en d ie be id e n » Ze it, s ich e inzum is ch e n« ges c h r i e b e n . A m 1 3 . Ja n u a r l es en be id e Auto re n in d e r He ilbro nne r Osi a n de r Fi l i a l e a u s i hrem Werk .

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INTERVIEW DES MONATS: GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER HANIX — Herr Leipold und Herr Sittler, wann haben Sie beiden sich zuletzt irgendwo eingemischt? Wir mischen uns immer noch ein. GERD LEIPOLD — Ich mische mich sehr gerne in die Diskussion über Energiepolitik ein, da mich dieses Thema sehr interessiert. Meine große Zeit der Einmischung war natürlich bei Greenpeace. WALTER SITTLER — HANIX — Und privat mischen sie sich auch mal ein? WALTER SITTLER — Private und öffentliche Einmischung sind natürlich sehr verschieden, da es für beide Dinge verschiedene Regeln gibt. HANIX — Darf man sich einmischen, wenn es einen nichts angeht, sprich es nicht im eigenen Verantwortungsbereich liegt? Ich würde sogar sagen, dass man auch bei Firmen das Recht hat, sich einzumischen, als Anteilseigner sowieso. GERD LEIPOLD — HANIX — Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt? Womöglich auf einer Stuttgart-21-Demo als Gegner? Auf einer Stuttgart-21-Demo habe ich Gerd noch nie gesehen! (Er lacht) Den Kontakt zwischen uns hat unser Verleger Martin Mühleis vermittelt, da er die Idee hatte, dass wir beide ein Buch zusammen machen sollten. Mich hat auch nicht geschockt, dass Gerd ein Befürworter von Stuttgart 21 ist. WALTER SITTLER — HANIX — Gab es zu S21 auch schon wilde Diskussionen zwischen ihnen beiden? Die Frage ist, was nicht in meinem Verantwortungsbereich liegt. Selbstverständlich gibt es eine Privatsphäre, die respektiert werden muss. Und natürlich müssen Firmen die Möglichkeit haben, ihre eigene Politik zu machen. Wenn es aber um öffentliche Angelegenheiten, die Gesellschaft und die Verwendung von Steuergeldern geht, darf sich jeder einmischen. Ich finde sogar, wir haben als Demokraten die Pflicht dazu. Wichtig dabei ist natürlich zu sehen, ob man sich geirrt hat. Die kritische Selbstreflexion ist ein sehr wichtiger Bestandteil im Bereich Einmischung. WALTER SITTLER — Walter ist natürlich sehr viel stärker gegen S21, als ich dafür bin. Für mich ist dieses Thema keine so emotionale Sache, wie für Walter. WALTER SITTLER — Wilde Diskussionen hierzu gab es zwischen uns nicht, da Gerd einfach andere Dinge macht und nicht so im Thema ist wie ich. GERD LEIPOLD — Wir sehen die ganze Diskussion auch sehr förderlich für das Demokratieverständnis, denn das Wichtigste in einer Demokratie ist für uns die offene Diskussion. GERD LEIPOLD — HANIX — In was für einer Welt leben wir eigentlich?

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INTERVIEW DES MONATS: GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER Wenn man versucht, die Welt mit gesundem Menschenverstand zu betrachten, muss einem angst und bange werden. WALTER SITTLER — Für »die Welt« kann man dies sehr schwer sagen, da es sehr viele unterschiedliche Varianten gibt. In Deutschland leben wir meiner Meinung nach in einer sehr gut funktionierenden Demokratie. Natürlich ist auch unser System entwicklungs- und verbesserungsfähig, aber das ist Demokratie immer. Außerhalb von Deutschland ist es sehr unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel die nordischen Länder, in denen man sehr gut leben kann. Dann gibt es aber auch andere Beispiele wie Ungarn, wo niemand von uns momentan sein will. GERD LEIPOLD — In unserem Buch sind wir ja auch ein wenig in der Zeit zurückgegangen, um auch aufzuzeigen, dass sich im Vergleich zu den dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte sehr viel Positives getan hat. Wenn man heute beispielsweise liest, dass es noch Kinderarbeit in der Welt gibt, sind wir entsetzt über die Rückständigkeit und die Verhältnisse in manchen Regionen der Welt. Dabei vergessen wir, dass noch vor 100 Jahren in Ravensburg Kinder aus der Schweiz und Tirol an Bauern zur Arbeit vermittelt wurden. Für einen Hungerlohn! Das war eine Art von Sklavenhandel. Ich sehe die Entwicklung zum Heute also als durchaus positiv an. Zum Einen, dass wir nicht behaupten können: Bei uns war schon immer alles besser! Und zum Anderen, dass man sieht, wie sich etwas verbessern und ändern kann. Auch wenn man es manchmal nicht glaubt, lohnt es sich doch dranzubleiben und für Veränderung zu kämpfen. HANIX — Warum interessieren sich ein Schauspieler und ein Physiker so für unsere politischen Strukturen und deren Anforderungen? Ihnen geht es in ihren Jobs als Künstler und Berater doch blendend. WALTER SITTLER — Für mich ist es ein großes Vergnügen, sich genau mit all diesen Dingen zu beschäftigen. Wenn man die Chance hat, in diesen Bereichen Verantwortung zu übernehmen und auch unangenehme Dinge anzusprechen, sollte man diese Chance auch verantwortungsvoll wahrnehmen. Es gibt sehr viele Menschen, die dies gerne tun würden - doch nicht immer stimmen für die Einzelnen die Rahmenbedingungen. Wenn man so privilegiert

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INTERVIEW DES MONATS: GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER ist, wie ich es durch meinen Job nun mal bin, sollte es ein großes Vergnügen sein, sich mit solchen Dingen beschäftigen zu dürfen. GERD LEIPOLD — Ich bin in meinem Leben sehr viel herumgekommen und habe gelernt, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ein Staat und eine Gesellschaft funktionieren. In vielen Ländern läuft leider beides nicht gut. In unserer Gesellschaft sieht man aber, dass es doch sehr viele positive Dinge, wie die Gewaltenteilung, die Rechtssicherheit oder die Justiz gibt. Nicht alles ist im perfekten Zustand, aber im Großen und Ganzen funktioniert es. Ich habe gelernt, dass es sich lohnt, dafür einzustehen und zu kämpfen. Was mich zum Beispiel momentan sehr bewegt ist, dass sich viele junge Leute von der Politik abwenden. Das ist nicht gut für unsere Gesellschaft! Ich finde schon jetzt, dass Politik leider überwiegend für die ältere Bevölkerung und nicht für die jüngere gemacht wird. WALTER SITTLER — Es ist ja so, dass die Politik die Regeln in einer Gesellschaft setzt. Wenn man aber, wie in der Finanzwirtschaft oder in großen Konzernen, sieht, wie die Regeln außer Kraft gesetzt werden, ist dies mehr als nach75 teilig für die Menschen. Hier muss die Politik das Primat zurückgewinnen. Gleichzeitig muss sie auch immer aufpassen, dass nicht zu viel reglementiert wird. Diese Balance muss immer wieder aufs Neue abgewogen werden. Ich glaube auch, dass es gut ist, dass wir alle vier Jahre wählen gehen und unseren Politikern die Verantwortung übergeben. Aber falls sowohl Regierung als auch Parlament mal daneben liegen sollten, muss es den Bürgern gestattet sein, sich einzumischen. Jeder möchte in diesem Staat vernünftig leben, und wenn diese Menschen auch in Entscheidungen eingebunden werden und Verantwortung gefordert wird, wird in aller Regel sehr vernünftig diskutiert. Hierzu fällt mir ein Beispiel aus Rheinland-Pfalz ein: Hier wurde eine neue Gemeindeordnung verabschiedet und es wurden vorher Bürger wochenlang darüber informiert und eingebunden. Die Ergebnisse, die dabei herauskamen, waren mehr als vernünftig. Es wurden nicht alle Vorschläge übernommen, aber sehr viele. Und wenn etwas nicht übernommen wurde, hat die Regierung erklärt, warum nicht - womit wir wieder bei dem Punkt »Diskurs« sind. GERD LEIPOLD — Ich persönlich glaube, dass wir eine Tendenz haben über »die da oben« zu schimpfen, aber selbst nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. In einer wirklichen Demokratie stehen die, die gewählt wurden, auf gleicher Ebene mit denen, die sie gewählt haben. Ich glaube, es geht auch nicht nur um die Wahlen oder mehr Bürgerbefragungen. Es geht auch um die Einmischung in Schulen oder um die Einrichtungen der Sozialversicherung, die doch noch sehr zentral und von oben gesteuert und kontrolliert werden. HANIX — Was sind ihre Erfahrungen, wenn es ums alltägliche Handeln und Konsumieren jedes Einzelnen geht? Das Konsumieren ist eine individuelle Angelegenheit. Hier kann man täglich Haltung zeigen beispielsweise wenn man in lokalen Bereichen einkauft und dementsprechende Netzwerke hat. Wenn wir aber den Ausstieg aus einer Konsumgesellschaft und den Einstieg in eine gemeinschaftliche, verantwortungsvolle Gesellschaft wollen, geht dies wirklich nur gemeinsam. WALTER SITTLER — Es gibt ja Beispiele eines umlagefinanzierten öffentlichen Personennahverkehrs. Jeder kann damit fahren - ohne direkt für die einzelne Fahrt bezahlen zu müssen.. Wenn man so was gut organisiert, ist es für GERD LEIPOLD —

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INTERVIEW DES MONATS: GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER merken, welchen Stellenwert das Zuhören und die Art der Kommunikation in modernen Gesellschaften haben. Wie wichtig es ist, darauf zu achten, dass jeder Interviewpartner entsprechend zu Wort kommt. Dies ist eine Eigenschaft, die momentan viel zu wenig beachtet wird. In politischen Sendungen fällt auf, dass man sich gegenseitig nur noch Statements um die Ohren haut - und nicht mehr zuhört, was der andere eigentlich zu sagen hat. GERD LEIPOLD — Ich beobachte schon, dass die ältere Generation eine eher kulturpessimistische Einstellung gegenüber den Neuen Medien hat. Es wird leider vieles Neue als schlecht gesehen und das bremst natürlich auch die Entwicklung. HANIX — Für ihr Buch haben Sie sich auf Recherchereisen begeben. Wohin hat die Recherche Sie geführt? Angefangen haben wir in Schweden und waren dann auch in Travemünde, München, Budapest, Istanbul, Paris und Reykjavik. GERD LEIPOLD — Und in meinem Heimatdorf Rot an der Rot. WALTER SITTLER — HANIX — Warum sind Sie gerade an diesen Orten gewesen? die Stadt gut: Es fahren weniger Autos, da die Leute dann eben doch auf Bahn und Busse umsteigen. Man muss wissen, dass alles eine gewisse Zeit dauert und wir hier nicht zu eng denken dürfen. GERD LEIPOLD — Man kann hier natürlich auch die neuen technischen Möglichkeiten nutzen. So kann man heute über eine App Mitfahrgelegenheiten abfragen. Das war früher wahnsinnig kompliziert. Ich denke die Möglichkeiten, was wir zusammen machen und nutzen können, sind noch viel zu wenig ausgenutzt. Hier sind in allererster Linie die jungen Menschen gefragt. HANIX — Inwieweit ist denn von der älteren Generation die Einsicht da auch mal auf die Jungen hören zu müssen? Es geht hier nicht um das »Hören müssen«, sondern vielmehr um das »Hören wollen«, in beidseitiger Beziehung. Es ist nicht so, dass die heute 60-jährigen nichts mehr zu sagen haben. Das Entscheidende ist, dass die jeweiligen Interessengruppen miteinander kommunizieren und vor allen Dingen sich gegenseitig zuhören. Wenn man unser Buch liest, wird man sehr schnell WALTER SITTLER — Schweden war ein Vorschlag von Gerd - er kannte das Wasa-Museum, und so haben wir unser Buch mit dieser ungemein berührenden Parabel zum Entstehen und Wachsen von demokratischen Strukturen begonnen. Praktisch war, dass ich dort gerade für die ZDF-Reihe »Der Kommissar und das Meer« gedreht habe. Travemünde und das Greenpeace-Schiff Beluga II, das dort gerade lag, haben wir als Ort gewählt, an dem wir über unsere eigenen Geschichten reflektiert haben: wie es dazu kam, dass wir begonnen haben uns einzumischen. In diesem Kapitel geht es um die Chancen und Risiken von Bürgerbewegungen - auch am Beispiel unserer beider Väter, die beide NSDAP-Mitglieder waren. Nach Reykjavik sind wir mit der Frage geflogen, wie es dazu kommen konnte, dass eine der am höchsten entwickelten Demokratien völlig »kopflos« in diese Finanzkrise schlittern konnte - und wir waren beeindruckt von der Art und Weise, wie die isländische Gesellschaft heute damit umgeht. In Paris haben wir den ehemaligen griechischen Regierungschef Papandreou getroffen, den Gerd seit Längerem kennt. Es war faszinierend einen Blick hinter die Kulissen der griechischen Krise zu bekommen - und auf WALTER SITTLER —

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INTERVIEW DES MONATS: GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER die Mängel des Krisenmanagements in Brüssel! Und Istanbul und Budapest haben wir besucht, weil beide Städte aktuell für die Betrachtung demokratischer Prozesse ganz wichtige Orte sind. GERD LEIPOLD — Ein wenig bedauere ich, dass die Reise irgendwann zu Ende gehen musste! Es war faszinierend auf diese Weise einen Blick auf die Situation in Europa zu werfen. Wir schauen ja ganz gern ein wenig auf die kleinen Länder herunter, aber gerade beim Thema »Direkte Demokratie« könnten wir eine Menge von der Schweiz und bei der Energiewende eine Menge von Dänemark, ebenfalls ein kleines Land, lernen. HANIX — Besteht der Wunsch weitere Reisen zu unternehmen und eventuell ein zweites Buch zu schreiben? HANIX — Sie betonen, das Buch als Bürger geschrieben zu haben und nicht als Aktivisten. Worin liegt der Unterschied? WALTER SITTLER — Ich persönlich kann mit dem Wort »Aktivist« nicht mehr so viel anfangen, da es mittlerweile etwas negativ besetzt ist. Denn oft werden solche Bezeichnungen dazu benutzt, um die Inhalte verschwinden zu lassen. Ich denke hier beispielsweise an die Bezeichnung »Wutbürger« in der Stuttgart-21-Bewegung. Wenn jemand wütend war, dann war es die ehemalige Landesregierung nicht minder. Wichtig ist, dass man eine Kommunikation nutzt, die dem anderen Respekt zollt, völlig unabhängig davon welche Meinung derjenige vertritt. Wenn man dies nämlich nicht tut, hört die Diskussion auf. Und wenn das passiert, ist die Demokratie zum Scheitern verurteilt. HANIX — Haben sie ein Wort anstelle des »Aktivisten« gefunden mit dem sie gut leben können? Das werden wir sehen. Es wäre natürlich toll, noch an Orte wie Rio de Janeiro zu kommen. WALTER SITTLER — Letztlich hängt die Beantwortung einer solchen Frage natürlich auch vom Erfolg des Buches ab. Interessieren sich die Leser für eine solche Mischung aus autobiographischer Reflexion und politischer ZustandBetrachtung? GERD LEIPOLD — Da ich ja etwas älter als Walter bin, komme ich mir etwas jünger vor, wenn man mich als Aktivisten bezeichnet. Ich kann also gut damit leben. (Er lacht) Im Ernst: Dass wir als Bürger, und nicht als Aktivisten GERD LEIPOLD —

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INTERVIEW DES MONATS: GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER die Menschen sind so informiert und wissend, wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit! Und sie beteiligen sich mehr als früher und machen sich auch mehr Gedanken über das große Ganze. HANIX — Um zuführen, friedlich beies braucht Veränderungen Zeit, Geduld, Leidenschaft und die Fähigkeit Ist zu debattieren. Zivilgeunsere sellschaft fähig, eine zielgerichtete, konstruktive, kritische und kontroverse Debatte zu führen? geschrieben haben, soll eher ausdrücken, dass wir auch um eine gewisse Distanz und Neutralität bemüht waren. WALTER SITTLER — Unser Buch ist keine Gebrauchsanleitung wie Widerstand funktioniert, sondern eine politische, gesellschaftliche, auch kulturelle Reflexion, die zum Nachdenken anregen möchte. HANIX — Was haben sie aus ihrem jeweils persönlichen Aktivismus gelernt? Was ist wichtig, wenn man die Welt zum Guten verändern will? Hier ist Stuttgart 21 ein sehr gutes Beispiel. Die eigentliche Auseinandersetzung ging hier für die Gegner des Projekts bekanntlich verloren. Aber es hat sich trotzdem sehr viel verändert -schließlich wurde die Landesregierung abgewählt! Es hat auch eine ganz andere, eine neue Diskussion über das Thema Bürgerbewegung gegeben. Auch das ist ein Ergebnis des Protests. Dies ist auch etwas, dass ich generell aus dieser Diskussion mitnehme: Man kann Konflikte durchaus auch mal verlieren, es werden aber andere Dinge damit angestoßen. Sicherlich ist dies aber, wenn man stark involviert ist, nicht immer gleich sichtbar und teilweise auch schwer zu akzeptieren. Ich denke, wir sind eine reiche Gesellschaft, denn GERD LEIPOLD — Ich persönlich habe solche Debatten immer wieder erlebt. Gerd hat dies im wissenschaftlichen Bereich erlebt und es gibt genug Beispiele in vielen anderen Bereichen. Klar ist aber auch, dass dies im politischen Bereich eher schwierig ist. Meistens geht es in politischen Diskussionen im Fernsehen relativ hart zu. Wenn dann die Kameras aber mal aus sind, funktioniert eine vernünftige Diskussion oft besser. Wenn beispielsweise eine relevante Partei in Deutschland langsam mit einer »gewaltfreien« Kommunikation anfangen würde, egal ob die anderen mitmachen oder nicht, würde dies, so glaube ich, eine Revolution in der Art des Miteinanderumgehens auslösen. GERD LEIPOLD — Ich glaube, dass die Politik eine Menge vom modernen Fußball lernen könnte, denn im Fußball geht es schon lange nicht mehr um den Mann, sondern um den Ball. Man deckt den Raum, man verteidigt gegen den Ball - nicht mehr gegen den Mann. Deswegen ist aber der Fussball nicht weniger attraktiv geworden das Gegenteil ist der Fall! Vielleicht passt der Vergleich nicht zu hundert Prozent, aber auch die Politik müsste sich überlegen, ob es nur darum gehen kann, den Gegner zu attackieren. Oder ob es um den Ball, eben die Sache, WALTER SITTLER —

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INTERVIEW DES MONATS: GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER geht und man somit automatisch auch mehr nach rechts und links schauen müsste. HANIX — Die Isländer haben vorgemacht, wie man mit der zockenden Finanzelite umgehen kann, wenn man will. Dort wurden Bänker verhaftet und Politiker aus dem Amt gehoben. Ist in Deutschland eine Art isländische Revolution denkbar? GERD LEIPOLD — Das Faszinierende an Island ist, das dieses Land unheimlich globalisiert aber gleichzeitig auch sehr lokal ist. Viele Leute würden sagen, dass dies ja nur eine kleine Insel ist, die dem Vergleich mit anderen Staaten nicht standhält. Sicherlich gibt es viele Unterschiede, beispielsweise zu Deutschland. Aber wie das Land mit der Finanzkrise umgegangen ist, ist schon ein großartiges Beispiel. Die isländische Regierung hat ja auch die Banken retten wollen, aber die Bevölkerung hat sich dagegen gewehrt! Ich glaube schon, dass man da einiges von Island lernen kann. WALTER SITTLER — Man darf auch nicht vergessen, dass die isländische Variante große Einbußen für die Bevölkerung hervorgerufen hat und da muss man sich schon fragen, ob man das hier hätte durchsetzen können. Zumal es das Mittel des landesweiten Volksentscheids nach wie vor in Deutschland nicht gibt. HANIX — Herr Leipold, Sie haben in einem Interview gesagt, dass durch die Bank, egal in welchem Land sie auch waren, die Forderung nach Transparenz ganz oben auf der Liste steht. Haben wir eine Presse, die frei genug ist, um diese Forderung in die Tat umsetzen zu wollen und zu können? war, als die Stuttgarter Zeitung von sich gab, dass ohne deren Mitarbeit das Projekt Stuttgart 21 niemals durchgegangen wäre. Hier hat die Presse ihre Arbeit leider missverstanden, denn die Arbeit von Journalisten ist es zu fragen, was los ist und nicht, irgendwas blind zu unterstützen. HANIX — Recherchieren sie auch in alternativen Medien, wenn sie sich über ein Thema informieren möchten? Ich lese sehr gern die »Neue Züricher Zeitung«, aber auch die »TAZ«, versuche aber immer auch zu filtern und Rechercheergebnisse über andere Quellen abzusichern beziehungsweise zu hinterfragen. GERD LEIPOLD — Ich informiere mich fast ausschliesslich online. WALTER SITTLER — HANIX — Es scheint ein Kampf wie zwischen David und Goliath zu sein, wenn man losziehen will, um den Mächtigen entgegenzutreten. Sehr sexy klingt das nicht, da die Aussicht auf Misserfolg größer ist, als erfolgreich zu sein. Warum lohnt es sich trotzdem, sich einzumischen? Die Frage ist immer, womit man es vergleicht. Wenn ich in Europa herumschaue, ist unsere Presselandschaft in Deutschland nicht die Schlechteste. Dass natürlich die Konzentration der Presse, die stattgefunden hat, problematisch ist, ist nicht zu verleugnen. Ich glaube aber auch, dass das Internet hier eine zusätzliche Informationsquelle geworden ist, die die Pressefreiheit eher fördert als behindert. So habe ich zum Beispiel in China erlebt, dass, trotz Zensur, eine ungeheure Masse an Informationen herauskommt, die nicht zurückzuhalten ist. Durch das Internet ist die Fähigkeit von Regierungen die Bevölkerung uninformiert zu lassen sehr eingeschränkt worden und dies ist ein sehr positiver Effekt. WALTER SITTLER — Wenn ich auf Baden-Württemberg schaue, muss ich leider sagen, dass ein Tiefpunkt erreicht GERD LEIPOLD — Als »Goliaths« sehen die Bürger leider in Ungarn die Machthaber. Hier wissen wir aber, dass wir die Möglichkeit haben, die selbsternannten »Goliaths« bei einer Wahl schlecht aussehen zu lassen. Ich finde, es ist ein lohnenswerter Kampf, da unsere Gesellschaft relativ tolerant ist. GERD LEIPOLD — Ich denke auch, dies ist in der Politik ein falscher Begriff. Unsere Politik ist nicht Goliath und soll es auch nicht sein. Wo dieser Vergleich vielleicht zutrifft, ist bei dem Thema Großunternehmen - insbesondere im Finanzsektor. Dies sprechen wir auch in unserem Buch an, denn diesen Finanzsektor muss man einfach in den Griff bekommen! WALTER SITTLER — HANIX — Mischen sich ärmere Zivilgesellschaften schneller ein als reiche? Und wie steht es mit dem Bildungsgrad? Mischen sich Gebildete eher mehr oder weniger ein? GERD LEIPOLD — Oft sind es Menschen aus der sogenannten Mittelklasse, die sich einmischen, das war bei fast allen Revolutionen so. Es ist eben schwer sich einzumischen, wenn man im Alltag ums nackte Überleben kämpft. Typischerweise mischen sich jüngere Menschen eher ein als Ältere - wobei Stuttgart 21 gegen diese These spricht. HANIX — Wohin geht die Reise, wenn wir uns nicht oder zu spät einmischen?

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INTERVIEW DES MONATS: GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER Ich bin überzeugt davon, dass wir auf einem guten Weg sind, da in der letzten Zeit so viel Positives für die Demokratie geschehen ist und ich glaube, das ist nicht mehr zurückzudrehen. Ein Beispiel hier ist das Ablehnen der erneuten Münchner Olympia-Bewerbung. Dies ist nicht gegen die Sportler gerichtet, sondern eher für die Sportler, denn es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Regierungen Gesetze ändern müssen, um solche Großveranstaltungen auszurichten. GERD LEIPOLD — Ich erwarte ehrlich gesagt nicht viel von der neuen Regierung. Ich glaube aber, dass vieles am Brodeln ist. Neue Gedanken kommen auf, neue Lebensmodelle werden entwickelt und dies ist unheimlich spannend. Beispielsweise wird in meinem Dorf über AlWALTER SITTLER — terswohngemeinschaften diskutiert. Dies war früher undenkbar. Aufgrund der ganzen Bewegungen glaube ich, dass neue Modelle kommen, möglicherweise auch neue Parteien aufkommen werden. Leider wird es auch populistische Parteien geben, aber ich denke, hier werden auch Gegengewichte entstehen - was ein Grund mehr ist, sich in die Politik einzumischen.

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Filmformate im HA N I X Magazin Imagefilme Firmenfilme Kunst- und Kultureventfilme Kontakt: kionka@formatf ilm.tv

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STEFAN DITTRICH Der künstlerische Tausendsassa im großen Abschiedsinterview DR. EIKE WENZEL Der Trend- und Zukunftsforscher über unsere Esskultur KULTURELLER ZWISCHENRAUM Sieben Künstler haben sich in Heilbronn zusammengeschlossen KUNSTVEREIN HEILBRONN Ein Gespräch mit Ausstellungsleiterin Dr. Matthia Löbke NEW-AGE SCHAMANISMUS Wenn Kultur zum Kult pervertiert SÄNGER GREGOR MEYLE Das Beste kommt noch - ein Portrait KULTUR KANN GANZ VIEL SEIN Viertklässler Joshi in seiner Kolumne über Kunst und Kultur GLOBAL AKTIVISM Eine Fotostrecke über die Kunst und Kultur des Protestes GRENZENLOSE WEITE Rafaela Jeckle weiß, dass Kultur lebenswichtig ist

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» I C H D U S C H E Z U V I E L « TEXT: ROBERT MUCHA & NICOLAI KÖPPEL FOTOS: ULLA KÜHNLE St e fan Di t t r i c h k a n n z iemlich vie l. Male n, Sing e n, Mus ik k o m p on i e ren , Drehb u c h s c hre ibe n und Sch aus pie le rn. Wir s prach e n de n Mu l t i k ü n s t l er b evo r e r in Kür ze He ilbro nn g e n Be rlin ve rl ässt, d a er s i c h d o r t m ehr Auftritte ve rs prich t als h ie r in He ilb ron n . Ei n g ro ß es In t er v ie w übe r K laue n, Dus ch e n und d as WG -L eb en m i t ein er Pro stituie r te n und e ine m Sh it-De ale r.

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR H A N I X - Stefan, Du bist kein gebürtiger Heilbronner... S T E FA N D I T T R I C H - Nein. Heilbronn ist das Nest, in das ich gefallen … und auch irgendwie darin liegen geblieben bin. Das hat mich aber nicht gebremst. Es gibt eine Menge zu tun hier. Ich bin 1993 hergezogen, nach ObersulmWilsbach, von Berlin, Marzahn-Hellersdorf. Üble Gegend. Als Kind kriegt man das nicht so mit, aber wenn man später hingeht, weiß man, wo man aufgewachsen ist. Ich war elf, das war damals schlimm für mich, weil ich aus meinem Freundeskreis herausgerissen worden bin. H A N I X - Lag das am Unterschied Metropole-Provinz? S T E FA N D I T T R I C H - Wir haben außerhalb gewohnt, es gab Grün. Diese Metropole Berlin habe ich erst später kennengelernt, mit 17. Auch dieses Weggeh-Gefühl, das hat man ja als Kind nicht. Da streunt man in Mülltonnen herum und springt auf Schrottautos. Davon gab es in Marzahn genügend. H A N I X - Warum seid ihr hergezogen? H A N I X - Die erste Band mit 16 – Instrumente konntest du also schon spielen. Nein, gar nicht. Mit einem Finger auf dem Keyboard habe ich angefangen. Wir haben auch eine Musikkassette aufgenommen, die haben wir dann für umgerechnet zwei Euro in der Klasse verkauft, zwei oder drei Stück. Auf jeden Fall die gesamte Auflage. Ausverkauft! Mit 17 habe ich mit Gitarre angefangen, eine Akustikgitarre, die mir mein Vater geschenkt hat. Ich kam nach Hause, da lag die Gitarre auf meinem Bett. Mein Vater wollte die wohl auch für sich, weil er selber mal gespielt hatte. Ich habe mir dann die Griffe mit einem Griffheft beigebracht, einem Ton Steine Scherben-Griffheft mit allen Liedern von allen Platten. Die habe ich immer noch drin, auf Abruf, wenn ich es ein bisschen vorbereite. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Hat dich diese Band bis heute geprägt, was das Gitarrenspiel angeht? Stefan Dittrich: Mein Vater hatte Arbeit bekommen. Und da ein Onkel von mir in Donnbronn gewohnt hat, hat er uns den Weg ebnen können. Wir hatten dann denselben Vermieter. H A N I X - Hast du dich gut akklimatisiert hier im Unterland? Nicht so das Gitarrenspiel, eher das Texteschreiben. Aber der Einfluss war früher stärker. Heute versuche ich, mich auf mich selber zu verlassen, weiß aber natürlich, dass diese Einflüsse da sind. Es kamen ja aber auch Hunderte, oder eher Abermillionen Einflüsse dazu. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Wer hat dich musikalisch am stärksten beeinflusst? Total. Nachdem ich Nacht für Nacht von den alten Marzahner Freunden geträumt habe, hat es auch gut funktioniert, neue Freunde zu finden. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Du malst, du singst, du schauspielerst … hat das alles hier angefangen, oder hast du als kleiner Marzahner Knirps auch schon künstlerisch gewirkt? Da müsste ich jetzt, weil ich viel NDW gehört habe, ganz viele aufzählen. »Foyer des Arts«, durch ihren Minimalismus zum Beispiel. Ein anderer krasser Einfluss war der »Traumzauberbaum« von Reinhard Lakomy. Funny van Dannen, Rio Reiser solo natürlich … S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Warst du mit so einem Musikgeschmack in Obersulm-Wilsbach eher Einzelgänger? S T E FA N D I T T R I C H - Nein, wir waren zu zweit. Und die anderen hatten ihren Spaß an uns. Wir haben im Unterricht füreinander NDW-Arbeiten erstellt. Es gab Lückentexte, in die man Begriffe eintragen musste, und darunter Zusatzfragen, wie »Wer war 1982 mit »Der goldene Reiter« für zwei Wochen auf Platz Zwei in Deutschland?« Das haben auch Lehrer mitbekommen, eine Lehrerin hatte dann plötzlich den Text von »DAF« vor sich »Verschwende deine Stefan Dittrich: Nein, das hat erst in Wilsbach angefangen. 1996 hatte ich meine erste Band mit einem Klassenkameraden. Die hieß »Wiederbelebung« und wollte so sein wie Bands in der NDW. Der Freund, ich darf den Namen sagen, Alexander Pahlke, hat ausschließlich deutsche Texte gehört und mir auch verboten, englische Texte zu hören. Das fand ich lustig. Wir haben uns gesiezt. Ich sieze den eigentlich immer noch.

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR Jugend, tu, was du willst!« – da hat sie sich natürlich Sorgen gemacht. H A N I X - Kam dann die zweite Band? Wie viele Bands hattest du eigentlich? Oh Gott! 1996 die »Wiederbelebung«, dann kam lange nix, dann gab es den Magix Music Maker auf dem Computer, da habe ich alleine Musik gemacht und diese ganzen Dinge wie Beat und so kapiert. Dann kam die Gitarre, und ich habe angefangen, Harmonien zu kapieren. Ich habe die Harmonien dann dem Beatzeugs hinzugefügt, so ist der Mischmasch aus Akustischem und Elektronischem entstanden. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Hast du in dieser Zeit darüber nachgedacht, eines Tages mal beruflich Musik zu machen, Unterricht zu nehmen, den klassischen Weg? Was hattest du zu der Zeit für eine Vision von deinem späteren Leben? che Besetzung, mit einem anderen Bassisten. Von »Totte Zapfenstreich« gibt es ein Video, das hat 17 000 Klicks auf Youtube, obwohl das kein Schwein kennt. Auch auf Myspace findet man noch vier Lieder. Und dann kam der Herr Sommerfeld, den ich kennengelernt habe durch ein ganz tolles Video, das er mir bei einem Freund vorgespielt hat: »Der chronische Fotzenlecker«. Ein tolles Video, mit Gummipuppe. Und Sahne, mit Einreiben und so. Sehr lustig. Ich lag unter dem Tisch vor Lachen, und am nächsten Tag hieß es »Komm, wir machen ne Band!« So entstanden »Dittrich & Köni«, das war 2008. H A N I X - Du warst schon in Heilbronn. Stimmt. Jetzt will ich aber alleine sein mit mir. Aber ich hätte auch gern eine Band. Die macht, was ich sage, natürlich. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Ist das schwer zu finden? Da ich zu der Zeit viele Punkfreunde hatte, selbst aber kein Punk war und mich ziemlich viel mit den Scherben beschäftigt habe, fielen solche Fragen völlig unter den Tisch. Ich wollte Garage machen, meine Einflüsse haben das auch so propagiert. Man sollte sehen, dass das handgemacht war, sollte sich nicht an die Industrie verkaufen. Mein Motto war »Ich halt mich für ne viel zu große Nummer, um Unterricht zu nehmen!« (lacht) Die nächste Band war »Soundkeller« mit Sequenzer, Gesang und mir am Bass. Band Nummer drei waren die »Hihats«, fast die gleiche Besetzung, immer noch Obersulm. Dann kam »Der Drang zum Klang« in Öhringen, das war die erste Rockband. Da war ein richtiger Multiinstrumentalist am Schlagzeug, wir waren zu dritt, weil ich dachte, ich will keinen anderen Gitarristen neben mir haben. Wir wollen Cream, wir wollen Hendrix und wir schaffen das auch. Zu dritt. Der Multiinstrumentalist aus Öhringen war am Schlagzeug gesessen und war natürlich grenzenlos unterfordert. Der konnte alles: Saxophon, Klarinette, Mundharmonika, Bass, Gitarre, Keyboard, Klavier und eben Schlagzeug. Und ich dachte, so einen muss man entweder zum Feind haben oder man muss ihn in der Band haben und am Schlagzeug unterfordern. Das lief aber auch nicht lange, zwei, drei Auftritte haben wir gemacht. Dann gab es noch die »Rattanpriester« mit ein paar Punkfreunden, dann »PHK Vormund«, auch mit einem Freund, Gitarre und Keyboard, fertig. Dann gab es »Totte Zapfenstreich«, eine ganz tolle Funk-Band mit ein paar Freunden, da habe ich Gitarre gespielt. Davor gab es noch »Funkreich«, gleiS T E FA N D I T T R I C H - Ich habe noch gar nicht gesucht. (lacht) Man muss ja auch keine feste Band haben. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Wann hat denn das Liederschreiben angefangen? Massiv mit 17, als die Gitarre kam. Akkorde greifen, Harmonien klauen und daraus was Eigenes machen. Ich habe schnell gemerkt, dass das alle machen. Ich habe da keine Schwellenangst gehabet. Komisch irgendwie. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Und jetzt bist du alleine unterwegs? Hier in Heilbronn, ja. Jetzt am 6.12. auf dem Poetryslam, am 20. wieder beim Batu im Ray Lemon. Das werden wahrscheinlich die letzten Sachen sein hier. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Du ziehst bald nach Berlin. Gibt es kein großes Abschiedskonzert? Ich habe es mir überlegt, vielleicht ist es das am 20., oder ich mach im Januar noch mal was. Da habe ich Skrupel, weil es dann vielleicht heißt: nicht du schon wieder. Das habe ich auch schon mal erlebt, das ist eben Heilbronn, da fühl ich mich eingeengt. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Gibt es einen festen Umzugstermin? S T E FA N D I T T R I C H - Überhaupt nicht. Ende Januar, Anfang Februar. Keine neue Wohnung, auch keinen Job. H A N I X - Du bist ausgebildeter Bühnenmaler … S T E FA N D I T T R I C H S T E FA N D I T T R I C H - … und Bühnenplastiker, ja. H A N I X - Wie kamst du zum Malen? Das habe ich als Kind immer schon nebenbei gemacht. Ich bin ans Theater gekommen, 2006. Meine Mutter kannte die Frau des ehemaligen Verwal-

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR tungsdirektors, die gingen zusammen in so ne Art Müttersport. Und dann habe ich vier Monate Praktikum am Theater gemacht, 2006. Danach habe ich ein Dreivierteljahr in Gießen gelebt und bin dort als Praktikant ins Theater gegangen. Ich habe mich dann aber schnell wieder massiv beworben, weil ich aus Gießen weg musste. Ich habe dort in einer WG gewohnt mit einer Prostituierten und einem Jugoslawen, der einmal die Woche in seinen Klamotten duschen ging und so nebenher auch seine Hose gewaschen hat. Der hatte einen Kampfhund und hat Shit verkauft. Es hat ständig an der Tür geklingelt. Eine Furchtbare WG. Es kam wieder eine Zusage vom Heilbronner Theater. Und plötzlich 2008, nach einem Jahrespraktikum, das von der Firma Arkus mit 300 Euro im Monat gesponsort war, stand ich in Ulm auch für einen Ausbildungsplatz zur Auswahl. Es gab aber die Chance, einfach in Heilbronn zu bleiben und die Ausbildung hier zu machen. Im Heilbronner Malersaal am Theater zu arbeiten macht einen Riesenspaß, weil die Kollegen so toll sind. Auch alles, was ich so von anderen Häusern höre, da ist Heilbronn echt was Besonderes. H A N I X -Und wie kam es zur Schauspielerei? Ging das über deine Musikvideos los? Ich sehe mich nicht als Schauspieler. Ich kann nicht sprechen. Ich habe es geübt. Ich mach bei einem Stück mit am Theater, »Türkisch Gold«, ein ganz tolles Stück über Migrationsprobleme. Da spreche ich aber nur fünf Sätze, mache Musik und singe am Schluss einen Song. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Wie kommt es aber, dass du in Filmen auftrittst? Sprachen dich Leute an und du konntest nicht »Nein« sagen? In Wirklichkeit geht das auch schon ewig. Ich habe mir eine Videokamera gekauft mit 17, da dachte ich, ich muss mal loslegen und ein bisschen Kunst machen. Ich wollte schon immer Filme machen, seit ich mit 16 »Tanz der Teufel« gesehen habe und dachte, das kann ich auch. Da oben (zeigt ins Regal) liegen drei ViS T E FA N D I T T R I C H - deokassetten, völlig verstaubt aber voll bespielt mit Homemade-Videos. Die müsste man mal digitalisieren. Das sind lauter Quatschfilme, vor Ort geschnitten, Musik live eingespielt. Die Musik springt dann bei den Schnitten. Und natürlich gab es keinerlei Nachbearbeitung. Dafür sind sie erstaunlich lustig. Und weil eben vielleicht Not am Mann war, bin ich halt selber vor die Kamera. Damit schon mal einer da ist. H A N I X - Was war dein erster Kurzfilm? Stefan Dittrich: »Der böse Raum«. Da bekomm ich eine riesengroße Schere von hinten durch den Rücken. Eine tol-

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR chen dabei. Oder ich bediene mich im Radio, im Café, auf der Straße. Ich mach ja am Ende was Eigenes draus. H A N I X - Banksy hat gesagt »Copyright is for losers«. Stimmt das? Jein. Man möchte ja auch verdienen. Eine schöne Inspirationsquelle ist SWR4. Unter der Dusche hör ich nichts anderes. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - »Spitzendeal« es und wen spielst du? wird eine Krimikomödie. Worum geht le Requisite. Und das sah richtig echt aus! Demnächst digitalisiere ich das Mal, vielleicht kann man noch was daraus machen. H A N I X - Und was macht dir am meisten Spaß? Musik, Malen, Schauspielern? Das kann ich nicht sagen. Am bequemsten ist Musik zu machen, alleine zuhause. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Das heißt, du brauchst die Abwechslung? Auf jeden Fall. Es gibt ja verschiedene Ideen. Und wenn ich eine Idee habe, frage ich mich: Wofür ist das? Für einen Song oder wofür? Wird es ein Vers, wird es ein Film? Ich habe schon überlegt, mich zu spezialisieren, aber man muss ja flexibel sein. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Aktuell stehst du für zwei Filme vor der Kamera. Erzähl doch mal. Ich habe »Spitzendeal« als Sozialstudie verstanden. Auch die Dreharbeiten (lacht). Der Film selbst bedient kein Genre, glaube ich. Er tut aber so. Er ist in erster Linie auf Pointe geschrieben, und es gibt natürlich diese Klischeetypen, die nichts auf die Reihe kriegen. Der Mann als Trottel, das finde ich gut, das ist etwas Schönes. Ich glaube, ich spiele einen Trottel. Aber nicht nur. Je näher man einem Trottel kommt, desto lieber gewinnt man ihn ja auch. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Und der zweite Film? Das eine ist »Spitzendeal« von meinem hochgeschätzten Freund Nicolai Köppel, der mir ein Drehbuch in die Hand gedrückt hat. Wir hatten schon eine Menge Sketche zusammen gemacht. Wir brauchten seine Kamera und dann auch ihn. Dann kam er und war immer bereit, zu helfen und zu schmusen. Jedenfalls habe ich das tolle Drehbuch von »Spitzendeal« gelesen. Besonders, dass es eine Pinkelszene gibt, hat mich überzeugt. Und dass es Gewalt gibt. Pinkelszenen gibt es selten. Natürlich gibt’s schon alles, aber wenn einer kommt und sagt »Das gibt’s schon«, muss man ihm links und rechts … weil so läuft das einfach nicht. Man kann das Rad nicht neu erfinden, man kann es nur blau anstreichen. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Darf man Ideen klauen? Die Idee hatte ich schon seit einem Jahr. Ein Freund aus Baden-Baden hat uns seine Wohnung zur Verfügung gestellt, hatte uns auch mal vorher eingeladen und sein tolles Zitronenrisotto gemacht. In der Theaterspielzeitpause habe ich nebenbei über Nacht das Drehbuch geschrieben, nur ein paar Zeilen. Und im September habe ich sofort rumgerödelt, Requisiten hergestellt und Schauspieler angesprochen, um das so schnell wie möglich durchzuboxen. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Worum geht es? Ich klau ja sogar von mir selber. Ich kenne mein Werk, da sind zahlreiche unveröffentlichte SaS T E FA N D I T T R I C H - Es geht um einen jungen Selbständigen. Der geht zu einem alten Geldgeber, bietet ihm ein Projekt an und will praktisch an sein Geld, der junge Spießer. Er kommt aber nicht dazu, sein Projekt vorzustellen, weil er immer wieder unterbrochen wird durch soziale Dinge wie Essen. Daraus werden dann zehn Minuten, in denen ich immer wieder dasitze und versuche, auf das Projekt zu sprechen zu kommen. Daraus wird aber nichts, weil ich merke, dass der Geldgeber ein absolutes Schwein ist. Der frisst mit den Händen, und irgendwann habe ich auch keine Lust mehr, weil mir übel wird vor Ekel, weil der alles S T E FA N D I T T R I C H -

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR in seinen Mund reinstopft und Wein aus der Karaffe säuft, dass ich dann hektisch aufstehen möchte und mir vorher aber so ne Gabel in den Mund stecke und mir nen Schuh zumachen will. Ich stoße dann so an meinen Mund, dass es mir die Gabel in den Rachen rammt und ich mich somit selbst richte, weil ich ständig auf Tischsitten poche und auf Manieren und an sein Geld will. Es stellt sich dann raus, der Geldgeber es war der Teufel, der einfach nur eine Seele wollte, eine weitere und ein bisschen mit mir gespielt hat wie die Katze mit der Maus. H A N I X - Und wann wird es den zu sehen geben? liegt beim Empfänger. Ich kann machen, was ich will. Irgendwie aufgefasst wird es immer. Da scher ich mir keinen Kopf. H A N I X - Schon immer nicht? Nein, das hat sich zum Glück in den letzten fünf Jahren so rauskristallisiert. Ob darüber gelacht wird, liegt nicht mehr bei mir. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Fühlst du dich damit besser, wenn du dich nicht mehr um Reaktionen und Interpretationen kümmern musst? Ich weiß nicht genau. Mitte-Ende Dezember. Ich habe erst mit der Postproduktion angefangen. Ich will aber jetzt schon mal Danke sagen. Es war so toll mit dem Team, unglaublich. Ich weiß auch nicht, was da passiert ist. Ich habe einfach angerufen und alle waren dabei. Das sollte man öfter machen. Allen hat es Spaß gemacht, alle wollten kein Geld. Super. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Es gibt auch neue Musikstücke von dir. Der Heilbronn-Song zum Beispiel oder »Immer wieder la vida«. Warum schreibst und performst du Schlager? »Immer wieder la vida« geht ins Ohr, der hat SWR4Hitpotential. Hast du so was von deinen Eltern zu hören bekommen? S T E FA N D I T T R I C H S T E FA N D I T T R I C H - Auf jeden Fall. Ich predige das auch immer. Musiker sollten das nicht machen. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Und wie kamst du zu deiner Ode auf Heilbronn? Aus Frust, aus Lust? Hattest du den Song im Kopf, seit du hier wohnst, seit 2008 schon? Woher weißt du das? (lacht) Im Ernst, den Song gibt’s seit 2008. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Und was willst du mit dem Song ausdrücken? Ist es Hass, Hassliebe, ist es Satire? Das ist das Einflussgebiet, genau. Die Idee kam mir unter der Dusche. H A N I X - Wie kamst du auf »Immer wieder la vida«? H A N I X - Beim SWR4-Hören? Ich habe es offengelassen. Es sind Akkorde drin, Harmonien, Basssaiten, die den Akkorden widersprechen, zum Beispiel mal eine Mollparallele zu einem Dur-Ton. Das soll diese Dualität ausdrücken, und dann sing ich »Wenn ich dich seh, kommen mir die Tränen«, aber da ist offengelassen, ob vor Freude oder aus Hass, und so sind viele Dinge in dem Song vollkommen zweideutig. Das ist Absicht. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Findest Du Heilbronn schön oder hässlich? S T E FA N D I T T R I C H - Wenn ich hier in Heilbronn rumlaufe ... ich mein, ich brauche ab und an eine schöne Archi- Stefan Dittrich: Zufällig hatte ich es da nicht an. Die ganzen Ideen kommen mir meist unter der Dusche oder auf dem Klo. H A N I X - Nimmst du dir da extra Zeit? Eine Stunde sicherlich. (lacht) Ich dusche sehr lang. Ich arbeite dran, dass ich nicht mehr so lange dusche. Aber nicht, dass dann die Ideen darunter leiden! Mir liegt daran, auch mal Schlager zu parodieren oder mit den Genres zu spielen, weil ich mich da nie festgelegt habe. Ich habe den Eindruck, dass ich über den Genres stehe, damit will ich mich nicht beschäftigen. Das sollen die Konsumenten und die Industrie miteinander ausmachen. Ich bin Musiker, ich bediene alle Genres. Und man kann Schlager herrlich parodieren. »Immer wieder la vida« ist eine völlige Parodie. Der Text ist kompletter Schwachsinn, das ist absichtlich so gehalten, dass es keinen Sinn ergibt. Und wenn man das Lied hört, könnte man es ernst nehmen. Wenn man das Video sieht, nicht mehr. Die Botschaft S T E FA N D I T T R I C H -

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR tektur, eine Jugendstildame, die mich anblickt. Ich brauche ab und zu einen schönen Tympanon, einen Dreiecksgiebel, ich brauch so was fürs Auge. Ein bisschen Stuck, ein paar schöne Verzierungen … das gibt es in Heilbronn nicht zu sehen, schöne Architektur. Heilbronn war mal eine wunderschöne Stadt, das ist das Problem, das ist echt traurig, wie die jetzt aussieht. H A N I X - Oliver Maria Schmitt hat mal im Interview zu uns gesagt, Heilbronn sähe aus wie ein DritteWelt-Diktatoren-Staat, gerade was die Architektur auf der Allee angeht. Empfindest du das ähnlich? S T E FA N D I T T R I C H - Gute Frage. H A N I X - Aber Heilbronn hat Persönlichkeiten hervorgebracht, die bundesweit bekannt sind, oder es gibt Projekte, die umgesetzt wurden, die deutschlandweit eine Vorreiterrolle haben. S T E FA N D I T T R I C H - H A N I X - Der »IG Metall«-Chef kam mal aus Heilbronn, der aktuelle Tagesthemen-Anchor Thomas Roth ist Heilbronner, ein Heilbronner hält den Bundesligarekord mit vier Spielen hintereinander, in denen er je zwei Tore geschossen hat, Schauspieler Pierre Franckh ist Heilbronner, Sibel Kekilli, die einzige Schauspielerin, die es je geschafft hat, obwohl sie vom Porno kam. S T E FA N D I T T R I C H - Ich war noch nie in der Dritten Welt oder in so einer Diktatur, aber mir fehlt hier was, wenn ich an Architektur denke. Und deshalb auch der Song, weil man ja doch drin wohnt in diesem Heilbronn, auch vom Lebensgefühl her. Man identifiziert sich schon auch mit der Umgebung, obwohl das Schwachsinn ist. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Es gibt ja auch so was wie verbale Offenheit einerseits, aber Starrheit bei der Umsetzung. Ich will weniger Fleisch essen, aber es geht gerade nicht, weil ich einen Döner in der Hand habe. Leidet Heilbronn darunter? Es gab doch auch Traci Lords. H A N I X - Die ist keine Heilbronnerin. Aber Stefan Dittrich, irgendwie. Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Aber wird Heilbronn zu Recht übersehen? Tübingen ist kleiner, aber bekannter. Überhaupt nicht. Es gibt viele Leute, die sagen, Heilbronn ist scheiße, aber ich mach was daraus. Viele Künstler, die ich hier kenne, sehen das so. Viele wollen aus der Starrheit raus. Und das ist gut, und es bewegt sich was. Es gibt nicht nur leere Versprechungen, es gibt auch Macher. Trotzdem wird Heilbronn bundesweit übersehen. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Zu Recht? Vielleicht steht die jeweilige persönliche Veränderung über der Veränderung der Umgebung, falls man mit der Umgebung eine Veränderung vorhat. Was ist Heilbronn? Der Begriff ist mir so gesehen schon wieder zu abstrakt und hat so recht wenig mit mir zu tun. Es ist Zufall, dass ich hier wohne. Ich könnte auch in Buxtehude wohnen. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Tust du aber nicht. Wie ist dein Verhältnis zur Stadt, wie fühlst du dich als künstlerisch schaffender Mensch hier in der Stadt? Gar nicht so wohl. Das Publikum besteht aus Freunden. Deswegen fühle ich mich unwohl. Ich möchte an Leute hintreten, die ich nicht kenne. Das ist so der Plan. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Warum ist das in Heilbronn aus deiner Sicht so schwer? Wo kann man das hier machen? Die Harmonie ist doch für junge Künstler eher unzugänglich, oder? Etablierte Läden, auch das Theater, sind nur für ein Abo-Publikum da und weniger von jüngeren Menschen besucht. Ich denke, in Großstädten ist das alles stärker frequentiert. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Also findet der Test für dich als Künstler immer in der Großstadt statt? Und wird es dort härter oder nur anders? S T E FA N D I T T R I C H - Es wird kälter. Kein Vorteil ohne

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR weil ich immer noch der Eigenbrötler bin, der zuhause rumsitzt und immer weniger rausgeht. Vernetzung gab es für mich noch nie, hat noch nie existiert, dieser Gedanke. Ich hatte eine kleine Band, es kamen Leute, die haben gesagt: »Hey, wir müssen mal was zusammen machen!« Es gab immer viele vage Andeutungen, aber wenig Umsetzungsgedanken und sehr wenig Konkretes. Ich habe mir hier in Heilbronn eher die Organisatorengeneration gewünscht, die Managergeneration, die erkennt, was für Potenzial in einem Menschen steckt, also zum Beispiel in mir. »Junge, du musst raus, Junge, du musst dies und das!« So was brauche ich. Eine starke Hand. Das habe ich nie gelernt, ich bin kein Geschäftsmann. Alles, was ich habe, ist, Kunst zu machen. H A N I X - Wenn jemand das Interview liest, der Nachteil. Ich fang halt bei null an. Aber die Kontakte bleiben ja. H A N I X - Warum verlässt du Heilbronn? Kunst- und Kulturmanagement-Fähigkeiten hat, kann er sich gerne bei dir melden. Stefan Dittrich: Ja bitte. H A N I X - Gibt es so jemanden nicht in Heilbronn? S T E FA N D I T T R I C H - Ich brauch einen Tapetenwechsel. Das hat eher was mit meiner Persönlichkeit zu tun. Vielleicht auch viel mit dem künstlerischen Arbeiten. Vielleicht merke ich auch erst, wenn ich weggehe, was ich hier hatte. Das möchte ich aber merken. Und am Theater bin ich auch schon seit 2008. Das sind auch schon wieder sechs Jahre. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Was erwartest du von Berlin? Nein. H A N I X - Gibt es ein Projekt, das du mit nach Berlin nimmst, bei dem du dachtest, das wollte oder konnte ich hier in Heilbronn nicht machen? Mehr Möglichkeiten. Regelmäßigere Auftrittsmöglichkeiten. Und schöne Architektur: Ab und an mal zum Berliner Dom stolzieren, sich auf die Wiese legen, den Dom angucken. Ich krieg davon nicht genug. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Und wieso Berlin und nicht Hamburg, Köln oder München? Überhaupt nicht. Das Projekt heißt Zweisamkeit. Das größte und schlimmste Kunstprojekt, glaube ich, mit jemandem zusammenzuwohnen. (lacht) S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Also sind es private Gründe, die dich nach Berlin ziehen? S T E FA N D I T T R I C H - Fast ausschließlich. H A N I X - Plus dem Tapetenwechsel für das Auge und mehr Auftrittsmöglichkeiten. Das hätte auch passieren können. Im Grunde ist es egal, wo man wohnt. Hauptsache, man kommt endlich mal zu Potte. In Heilbronn hat es nicht so geklappt mit dem Geld. Wie stellt man es an? Es gibt kein Patentrezept, um seine Kunst zu verkaufen. H A N I X - Ist Heilbronn für Künstler im Vergleich zu 2008 heute eine angenehmere, attraktivere Stadt, die mehr hergibt? S T E FA N D I T T R I C H - Das weiß ich nicht. S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Funktioniert die Vernetzung hier in Heilbronn zwischen Leuten, die künstlerisch was organisieren wollen? Meine Freundin, mit der ich zusammenziehe, spielt ja auch. Das kann man immer gut brauchen, umsonst eine Darstellerin. Wir wollen auch wieder zusammen Sketche machen, auch ein Team zusammentrommeln. Ein paar Leute in Berlin sind mir ja nicht ganz unbekannt. Ich denke, da lässt sich schon auch was reißen. Wenn nicht, komme ich wieder. Ist ja auch egal. In Berlin entstehen die Ideen und hier werden sie umgesetzt. Ich bin ja nicht aus der Welt. Es gibt ja Fernbusse (lacht). S T E FA N D I T T R I C H H A N I X - Produzierst du zu viele Ideen, um sie selbst handeln zu können? Zwischen denen funktioniert sie wahrscheinlich gut, aber zwischen dem Rest und mir nicht, S T E FA N D I T T R I C H - Manchmal habe ich den Eindruck. Ich dusche wohl doch zuviel. S T E FA N D I T T R I C H -

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»E S GIBT k E I N E N B Io -T r E N D « Dr. eike Wenzel ist Trendforscher. einer der renommiertesten dieses landes. an der DHBW Heilbronn referierte er zum Thema lebensmittel und diesbezügliche Trends. Wir sprachen den gründer des institutes für Trend- und Zukunftsforschung, um über unsere esskultur zu sprechen.

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: HEINRICH-BÖLL-STIFTUNG & FOTOLIA H A N I X - Wie ist es um die Esskultur der Deutschen bestellt? D R . E I K E W E N Z E L - Man sollte sich schon etwas Sorgen machen. Das Genießen zum Beispiel können wir immer noch von den Franzosen lernen. Wir geben nur circa 10% unseres Geldes für Lebensmittel aus. Damit ist Deutschland EU-weit im unteren Drittel angesiedelt. Die Franzosen und Italiener geben deutlich mehr aus, obwohl es ihnen nicht so gut geht, wie uns Deutschen. Wir haben das Problem, das wir weltweit nach wie vor eine der führenden Discountnationen sind. Wobei sich der Discounthandel gerade verändert. 80% der Bevölkerung haben zumindest schon einen kleinen Wandel hin zu nachhaltiger und gesunder Ernährung vollzogen. Den restlichen 20% geht aber jegliches Gesundheitsbewusstsein ab, und das ist schon ein Problem. H A N I X - Bio-Nahrungsmittel liegen in Deutschland, so zumindest das Gefühl, im Trend. Findet hier tatsächlich ein Kulturwandel im Essbewusstsein statt? Bevölkerung bei gleichzeitiger Verhaltensstarre. Diese Verzerrung gibt es aber in vielen Lebenslagen, dass man mehr Wertebewusstsein und Ethik an den Tag legen möchte, als man tatsächlich umsetzen kann. H A N I X - Einen wirklichen Biotrend gibt es also nicht. Findet denn ein messbarer Wandel hin zu regionalen Produkten statt? Das kann man definitiv sagen. Regionale Produkte wirken transparent, nicht korrumpierbar. Außerdem wird die Sehnsucht nach dem Einfachen, Ursprünglichen gestillt. Gerade für Gastronomen kann Regionalität im Angebot Erfolg versprechen. Wer sich in diese Richtung bewegt, wird wahrscheinlich erfolgreich sein. DR. EIKE WENZEL H A N I X - In ihrem Vortrag haben Sie erwähnt, dass es beim Kunden auch die Sehnsucht nach dem kleinen Kaufladen vom Kaufmann um die Ecke gibt. Ein Hype oder kann man hier schon von Trendpotenzial sprechen? Der Wandel hin zu Bio drückt sich nur langsam in Zahlen aus. Wir stagnieren hier in Deutschland seit Jahren bei einem Anteil der Bio-Lebensmittel, der bei 5% liegt. Aber ein Wertewandel findet statt. Es gibt aktuelle, verlässliche Zahlen, die zeigen, dass immer mehr Menschen, unabhängig von der eigenen finanziellen Situation, Bioprodukte bevorzugen würden. Teilweise ist es aber ein Problem der Versorgung. Man bekommt beispielsweise nicht zu jeder Zeit überall eine bestimmte Sorte an BioFleisch. Hier gibt es einen Mangel an Bio-Produktion. Es liegt aber auch an einer verbalen Aufgeschlossenheit in der DR. EIKE WENZEL - Diese Sehnsucht ist ganz manifest. Tesco als drittgrößte Handelskette weltweit baut jetzt in den USA kleinere Supermärkte, in denen regionale Produktanbieter das Sortiment bestimmen und nicht mehr die eigenen Tesco-Produkte. Die Wurst von nebenan wird in diesem Beispiel also sehr ernst genommen. Tesco stellt seinen eigenen Markenkern vollkommen zur Disposition. Das heisst aber nicht, dass in fünf Jahren alle Tesco-Märkte so ausgerichtet sein werden. DR. EIKE WENZEL H A N I X - Um den Lebensmitteldiscount müssen wir uns aber keine Sorgen machen? DR. EIKE WENZEL - Die Zuwachsraten stagnieren ein we-

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR nig. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Um den Lebensmitteldiscount in Deutschland braucht man sich definitiv nicht zu sorgen. H A N I X - Wir haben gehört, dass Grillen einen wahnsinnigen Trend erfahren hat. Können Sie das bestätigen und woran liegt es ihrer Meinung nach? H A N I X - Deutschland hatte noch nie so viele Sternerestaurants, wie aktuell. Das beweist der neue Michelin-Gourmetführer. Baden-Württemberg spielt hier die erste Geige im Land. Entwickeln wir uns zu zweiten Franzosen, was die Kulinarik angeht? D R . E I K E W E N Z E L - In diesem Bereich hat sich sicherlich etwas getan. Hier haben die Deutschen die französische Kultur etwas angenommen, obwohl die Franzosen immer weniger »Bocuse« essen. Man hat in Deutschland inzwischen auch gemerkt, dass man als Koch ankommen kann. Das spielt sicherlich auch eine kleine Rolle. H A N I X - Welches Land hat ihrer Recherche nach die höchste Esskultur? Und welche Faktoren werden dafür zurate gezogen? Das ist ein schöner Hype, aber es ist kein substanzieller Gesellschaftstrend. Eine Freizeittätigkeit, die ohnehin schon immer beliebt war, wurde aus der Subkultur herausgeholt und daraus ein Lifestyle gemacht. DR. EIKE WENZEL H A N I X - In der Medienlandschaft sprießen inflationär Kochshow-Formate aus dem Boden. Haben wir hier eine Übersättigung oder verlangt der Zuschauer danach? Die Zuschauer finden das schön. Das Ganze wird noch mit Soap- und Dramaelementen angereichert und deshalb gerne geguckt. DR. EIKE WENZEL H A N I X - Die Fernsehköche ermutigen zum selber Kochen. Findet hier ein Kulturwandel statt? Wir kochen immer weniger gemeinsam und selbst. Wir frühstücken immer seltener zusammen. Hier gibt es eine große Diskrepanz. Die Kochshows konnten diesen Trend leider nicht aufhalten. DR. EIKE WENZEL - Die am höchsten entwickelte Esskultur ist die französische. Die ursprünglichste Esskultur ist allerdings die italienische. Und sie ist auch einfacher zuzubereiten. Haben Sie einmal versucht, französisch zu kochen? Ich habe es mal versucht. Es dauert drei Stunden und man bekommt es trotzdem nicht hin. DR. EIKE WENZEL H A N I X - Was haben Sie heute gegessen? Ich habe heute Müsli gefrühstückt und ein einfaches Salamibrot gegessen. DR. EIKE WENZEL -

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LIEB E k U N ST, Er Z äH L ‘ M I r WAS

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR gibt es in Heilbronn eine alternative kunstszene? Die gibt es, darüber sind sich cosima greeven und christian MartenMolnãr einig. Der Regisseur und die schauspielerin haben sich mit fünf weiteren künstlern aus der Region zusammengeschlossen, weil sie eine idee haben. es stellt sich vor: der kulturelle Zwischenraum. Text: Maria Sanders Fotos: Maria Sanders, Emad Korkis & Edelgard Diehl Kalt ist es im Proberaum, im Apparat34 in Heilbronn. Dennoch gibt Schauspielerin Cosima Greeven eine kleine Kostprobe zum Besten: »Da hat er mir anjefasst, dit war nich‘ schön«, sagt Mechthild. Sie sitzt auf einem Stuhl und überlegt. Das Kinn ist auf ihre Hände gestützt und die Ellenbogen auf ihren Knien. »Aber ick‘ hab mir zur Wehr jesetzt«, sagt sie mit ihrer derben ruhrpöttschen Art. Bisher hatte Mechthild nicht besonders viel Glück gehabt. Mit Dieter war sie verheiratet. Gesoffen hat er und Prügel gab es auch. Doch ihren unverwüstlichen Humor hat sie sich immer bewahren können. »Nuja, Dieter is nich‘ mehr«, sagt sie salopp, »da hab ick ‘n bisschen nachjeholfen.« »Wir bewer ten nicht, sondern wir zeigen einfach, wie die Dinge sind« darum geht es: Durch Kunst Situationen darzustellen. »Wir bewerten nicht, sondern wir zeigen einfach, wie die Dinge sind«, so die 44-Jährige. Die Zuschauer können sich dazu ihre eigenen Gedanken machen, oder es auch sein lassen. Die Regie in dem Werk übernimmt Christian Marten-Molnãr (53). Der Dramaturg und Regisseur hat sich mit Cosima Greeven, Emad Korkis, Freia Marten, Jusuf Naoum, Nikolaus Porz und Patrycja Przybilla zusammengeschlossen, um unterschiedliche Theaterprojekte zu realisieren. Diese Arbeit bedeutet ihm viel, das ist ihm anzusehen. Enthusiastisch und mit großen Gesten erzählt er, wie ihn dieser »schöpferische Prozess« begeistere. Wie eine Vision im Kopf plötzlich Realität wird. Persönlichkeitsentwicklung spielt dabei eine große Rolle, weil sich Schauspieler wie Regisseure, intensiv mit dem Ursache-Wirkung-Zusammenhang auseinandersetzen. »Menschlichkeit beschäftigt uns und und hat uns alle zusammengebracht« »Nichts Schöneres« heißt der Monolog von Oliver Bukowski, den die Schauspielerin derzeit als Mechthild Huschke im Kaffeehaus Hagen aufführt. Mit einer kurzen Verbeugung schlüpft Greeven wieder aus der Rolle der Mechthild heraus und schiebt den Stuhl zur Seite. Sie ist fasziniert von der Figur: »Sie inspiriert mich, weil sie Autoritäten infrage stellt.« Aber auch ihre unerschütterliche, ehrliche Art beeindrucke Greeven. Genau Doch was die Künstler wirklich eint, ist der klassische Humanismus in der Jetztzeit - also der Mensch in der modernen Welt. Und das ist ihre Idee: All ihre Fragen in ihre Projekte zu verarbeiten und zum Nachdenken anzuregen. »Talib und das Windfahrrad« ist eines davon. Das

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR Figuren- und Objekttheater erzählt die wahre Geschichte von einem Jungen aus einem kleinen Dorf in Malawi, Südostafrika. Elektrischer Strom ist dort nicht immer verfügbar. Doch dem Jungen und seinen Freunden gelingt es, ein Windfahrrad zu bauen und das Dorf mit Strom zu versorgen. Cosima Greeven, Birte Werner und Heiki Ikkola entwickelten aus der Geschichte, ein energiegeladenes Schauspiel und konnten die Erlebniswelt »Experimenta« in Heilbronn für eine Kooperation gewinnen. »Menschlichkeit beschäftigt uns und hat uns alle zusammengebracht«, beschreibt Christian Marten-Molnãr die Triebkraft ihres Handelns. Dabei beschäftigen sie sich besonders mit Themen, wie Integration, politische Wahrheit oder Homosexualität. »Das können auch mal unbequeme Themen sein«, gibt Marten-Molnãr zu. Die Künstler vom Kulturellen Zwischenraum wollen ein Angebot schaffen, das mehr kulturelle Vielfalt und Freiheit bietet. Ein Angebot, das die Themen der Gesellschaft anspricht und nicht nur von »heiler Welt« erzählt. Doch dafür braucht es einen Ort, der offen ist, für all mögliche Arten von Kunst. Einen Ort, an dem jeder Künstler sein Werk oder seine Interpretation – unbewertet und uneingeschränkt – präsentieren kann. »Diesen Ort gibt es in Heilbronn leider noch nicht richtig«, so der Regisseur. Umso mehr motiviert es ihn und seine Kollegen, den Kulturellen Zwischenraum bekannt zu machen. »Das Interesse für unsere Projekte ist da«, sagt Marten-Molnãr und weist auf die Internet-Statistik ihrer Website hin. Etwa 100 Zugriffe pro Tag sind auf ihrer Internetpräsenz zu verzeichnen. Trotzdem stehen sie noch ganz am Anfang, denn den Verbund gibt es erst seit dem 23. März dieses Jahres. »Wir arbeiten sehr gerne mit dem Kulturellen Zwischenraum zusammen«, sagt Roswitha Keicher, Integrationsbeauftragte der Stadt Heilbronn, »weil sie gute Ideen haben und wirklich hinter ihren Inhalten stehen.« Das merke sie daher, weil die Künstler oft in Vorleistung gehen müssen, um ihre Projekte umzusetzen. Seien es die Miete für den Proberaum, die Requisiten oder die Internetpräsenz. Kosten, die sich die Künstler teilen. Roswitha Keicher ist vom Figurentheater besonders angetan. Das kleine Format ist flexibel und kann in Wohnzimmern ebenso stattfinden, wie in auf Kleinkunstbühnen. »Dadurch können wir unterschiedliche Zielgruppen ansprechen«, so die Leiterin der Stabstelle für Integration. Kunst erzählt, Kunst ist ein Sprachrohr. Wirklich einzigartig ist, das gemeinsame Erarbeiten eines Stückes, ohne den Fokus auf Heilbronn zu verlieren. Ein Projekt ist deshalb auch wieder in Planung: ein Figurentheater, das die Geschichten von Flüchtlingen in Heilbronn erzählt. »Wir möchten damit einen Raum bieten, um das Verständnis für Flüchtlinge in der Bevölkerung zu erweitern«, sagt Roswitha Keicher. »Kunst erzä hlt, ma n muss nur hinhöre n « Die Kunst von Emad Korkis ist anders. In einem Video zeigt er eine Klangkollage. Der 34-Jährige fertigt in rasantem Tempo zusammen mit Volkmar Köhler, Kunstkollegen und dem ersten Vorsitzenden des Künstlerbundes Heilbronn e. V., ein Kunstbild an. Auf dem Fußboden eine Zwei auf zwei Meter große Plastikfolie ausgebrei-

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR tet. Im Wechsel kleben sie vorgefertigte, längliche Zettel aus Papier und Pappe auf die weiße Leinwand, die auf der Folie liegt. Es sind Schlagzeilen aus diversen Zeitungsartikeln, die zu mehreren Schichten übereinandergelegt und mit verschiedenen Acrylfarben kombiniert werden. Vor ihnen: die Zuschauer. Sie beobachten die Performance still, aber genau. Zwischendrin ein überraschtes Gesicht. Es geht schnell und die Künstler scheinen, wie in Trance zu sein. Während ein mystischer Sound aus den Lautsprecherboxen schallt, tupfen, spritzen und schleudern die Künstler schwarze, weiße, gelbe und blaue Farbe auf das Bild. Aber was bedeutet das Bild? Emad Korkis will mit dem gemeinsamen Werk, eine kritische Betrachtung der Medienbotschaften darstellen. Er kritisiert deutlich unwahre Aussagen von Politikern und das Zurückhalten oder Vertuschen von Informationen, die durch die Medien in die Bevölkerung gestreut werden. Unter anderem darüber, dass wir uns über Kriege in Nordafrika wundern, wenngleich Deutschland »drittgrößter Waffenexporteur« weltweit ist, wie es in einem Artikel in »Die Welt« vom 18. März 2013 heißt. Korkis will dazu anregen, nicht immer gleich alles zu glauben, sondern auch nachzufragen. Und: »Ich möchte die Zuschauer am Prozess teilhaben lassen«, sagt Emad Korkis, der seinen Abschluss im Fach der »Schönen Künste und Innenarchitektur« an der Universität Damaskus in Syrien gemacht hat. Der Künstler würde gerne öfter eine Klangperformance geben, doch dazu sollten die Menschen auch wissen, dass es das gibt. »Kunst erzählt, man muss nur hinhören.« Weitere infos gibt es unter: WWW.kulturellerzWischenraum.de WWW.kbheilbronn.de

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TEXT: ROBERT MUCHA FOTOS: PATRICK LABITZKE » B E I D E S K U M E I N M I N T E R E S S E B R E I T E N P U B L I S H A K T E S N O C H B I S S C H E N «

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR Dr. Matt h i a L ö b k e zo g es a u s de m R h e inland nach He ilbro n n , u m als Au s s t el l u n g s l eit erin d e s He ilbro nne r Kuns tve rei n e s zu fu n g i eren . Wi r s pr a ch e n m it ih r übe r d ie lang e Tra di t i on de s hies ig en Ku n s t vere ine s , d ie fe h le nd e A k ze ptanz i n de r b rei t en Öf f en t l ic h k e it und d ie Zuk unfts pe rs pe k t i ve für d ie Ku n s t - u n d Ku l t urs tad t He ilbro nn. H A N I X - Frau Löbke, stammen sie hier aus der Gegend oder sind sie eine sogenannte Neig´schmeckte? D R . M AT T H I A L Ö B K E - Mich hat es aufgrund des Jobs nach Heilbronn verschlagen. Aufgewachsen bin ich in Westfalen. Ich habe dann in Münster Germanistik, Pädagogik und Kunstgeschichte als Hauptfach studiert. Anschliessend bin ich von Münster nach Köln gezogen und habe hier für einen amerikanischen Künstler gearbeitet, der ein Atelier in Köln hatte. Danach habe ich wieder in Münster meine Promotion abgeschlossen und im kölnischen Kunstverein ein Volontariat gemacht. Im Jahr 1999 war dann die Stelle in Heilbronn ausgeschrieben, auf die ich mich dann beworben habe und glücklicherweise auch eingestellt wurde. H A N I X - Inzwischen sind sie wahrscheinlich hier »angekommen«. Aber wie war das damals, als sie nach Heilbronn gezogen sind? Gab es einen Kulturschock, sie kamen immerhin aus dem fröhlichen Rheinland? Man kann schon sagen, dass der Verein recht ordentlich dasteht. Er gehört auch zu den älteren Kunstvereinen in Deutschland. Wir wurden bereits 1879 gegründet. Nur die Kunstvereine in Hamburg, Düsseldorf und Köln sind älter. Es gibt also eine große Tradition in Heilbronn und der Bürgerschaft. Mit den Kunstvereinen, es gibt über 200 in Deutschland, ist es eine ganz besondere Situation. Der Grund hierfür ist, dass in Deutschland sehr früh damit begonnen wurde, Kunst und Kunstvermittlung dezentral zu regeln. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Wie viele Personen wirken hier konkret im Arbeitsalltag des Kunstvereins mit und wie viele Mitglieder hat der Kunstverein? Die rheinische Kultur ist natürlich ganz anders als hier. Mir persönlich machen aber diese Unterschiede nichts aus, da ich relativ anpassungsfähig bin. Was für mich letztendlich den Ausschlag für Heilbronn gegeben hat, waren die Arbeitsbedingungen. Es war von Anfang klar, dass ich hier sehr frei arbeiten kann, ich die Unterstützung des Vorstandes genieße und die Mitglieder hinter mir stehen. Auch die finanzielle Situation ist so, dass wir vielleicht nicht jedes Projekt und jeden Katalog realisieren können, aber wir können das ganze Jahr über Ausstellungen veranstalten. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Steht dann also der Heilbronner Kunstverein im Vergleich zu anderen Vereinen ganz gut da? Was die fest angestellten Mitarbeiter angeht, bin das zum einen ich selbst als Vollzeitkraft und Ausstellungsleiterin und zweimal wöchentlich kommt noch eine 400-Euro-Kraft hinzu, die sich um das Sekretariat kümmert. Die übrigen Zeiten für die Aufsichten werden durch freie Mitarbeiter abgedeckt. Hinzu kommt dann natürlich der Vorstand, der wichtige Aufgaben übernimmt, wie beispielsweise der Schatzmeister, der die komplette Buchführung regelt. Die gesamte Mitgliederzahl des Kunstvereins liegt derzeit bei 460 Mitgliedern, es gibt noch Luft nach oben. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Wie viele Vorstände gibt es und gehören sie dem Vorstand auch an? Ich bin Teil des Vorstandes und sitze den Vorstandssitzungen bei, aber streng genommen bin ich, aufgrund meines Angestelltenverhältnisses, nicht stimmberechtigt. Insgesamt besteht der Vorstand aus fünf D R . M AT T H I A L Ö B K E -

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR Mitgliedern, von denen jeder seine eigenen Aufgaben hat, die manchmal auch akut werden. Vor Kurzem hat es einen Vorstandwechsel gegeben, da unser jetzt ehemaliger Vorstandsvorsitzender, Herr Dr. Hofmann, zusammen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden sowie dem Künstlermitglied ausgeschieden ist. Die neue Vorstandsvorsitzende ist Maria-Theresia Heidlinger und der neue Stellvertreter Rechtsanwalt Fritz Killian, das neue Künstlermitglied ist Thomas Hammer. H A N I X - Gibt es durch diese Änderungen dann auch eine neue Ausrichtung des Kunstvereins oder wird in der jetzigen Tradition weitergearbeitet? junge Künstler ausstellen, die gerade von der Akademie kommen und zuvor nicht viele oder sogar keine Ausstellungen hatten. H A N I X - Wenn ich es richtig verstanden habe, organisieren sie auch Kunstreisen? Eines unserer Vorstandsmitglieder ist für die Organisation dieser Reisen verantwortlich. Es geht hierbei um Reisen von New York bis Lyon aber auch um Reisen in der Region. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Kann denn jeder in ihrem Verein Mitglied werden? Wie hoch sind die Mitgliedsbeiträge? Ich glaube in der eigentlichen Arbeit und im Selbstverständnis der freiheitlichen und unabhängigen Kunst wird sich nicht viel ändern. Was der neue Vorstand anstrebt, ist eine Art Generationswechsel im Kunstverein, der aber mit viel Geduld vorangetrieben werden muss. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Welche Aufgaben hat der Kunstverein eigentlich? Unsere Hauptaufgabe ist das Präsentieren und Vermitteln zeitgenössischer Kunst. Wir machen also keine Ausstellungen von Künstlern, die nicht mehr leben. Es kommt auch immer wieder vor, dass wir D R . M AT T H I A L Ö B K E - Jeder kann bei uns Mitglied werden. Der Beitrag für eine Einzelmitgliedschaft beträgt 50 Euro jährlich, 25 Euro für ein jeweiliges zusätzliches Familienmitglied und 20 Euro für Schüler, Studenten und bildende Künstler. Wenn eine Firma Mitglied werden möchte, beträgt der Jahresbeitrag 150 Euro. Die Beiträge beinhalten dann ein ganzes Bündel an Leistungen. Jedes Mitglied hat freien Eintritt in unserem Kunstverein und in allen Kunstvereinen, die der ADKV angeschlossen sind. Die Mitglieder erhalten über uns auch vergünstigte Publikationen und werden per Post über alle unsere Aktivitäten informiert. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Hat sich durch den Einzug in die neuen Räumlichkeiten die Wahrnehmung des Kunstvereins von

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR finiert? Als Ausstellungsleiterin bin ich grundsätzlich zuständig für das Programm. Das heißt, ich suche die Künstler aus und erstelle das Vermittlungsprogramm. Zu meinen Aufgaben gehört natürlich auch die Pressearbeit. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Sind sie dann selbst auch viel unterwegs um interessante Künstler zu entdecken? D R . M AT T H I A L Ö B K E - Ja, das bin ich. Hinzu kommt aber auch die Recherche in den vorhandenen Medien. In diesem Jahr war ich beispielsweise auf der Biennale in Venedig. Ich trenne natürlich kaum auch noch zwischen privatem Leben und Büro, heißt auch privat schaue ich mir natürlich viel mit den Augen der Ausstellungsleiterin an und bin mindestens zwei Mal im Jahr in Berlin. H A N I X - Wie viele Ausstellungen macht der Kunstverein im Jahr und welche Ausstellungen wird es in 2014 geben? D R . M AT T H I A L Ö B K E - Wir haben vier bis fünf Ausstellungen jährlich. Im nächsten Jahr zeigen wir zunächst Werke des Fotografen Laurenz Berges. Dann haben wir seit vielen Jahren ein Gentleman-Agreement mit dem Künstlerbund, der alle drei Jahre unsere Räume bespielt. Darüber hinaus wird es ein Projekt mit dem Neuen Museum in Freiburg geben, bei dem Werke von Heike Beyer ausgestellt werden. Zum Jahresende zeigen wir einen Künstler namens John Preuss aus Chicago, der am Hugenottenhaus der letzten Dokumenta mitgebaut hat. Dieser Künstler baut Möbel aus recycelbaren Materialien, was ein ganz spannendes Thema ist, da sich das Künstlerbild auch etwas gewandelt hat. Künstler ist nicht mehr nur der Maler oder der Bildhauer, sondern auch der Designer. Gesellschaftlich wichtige Fragen und die künstlerische Umsetzung fernab eines komplexen Diskurses gehen bei ihm Hand in Hand. H A N I X - Wie lange müssen sie eine Ausstellung vorbereiten, sprich wann haben sie angefangen die erste Ausstellung für 2014 zu planen? innen wie auch von außen verändert? Wir sind jetzt schon ein paar Mal umgezogen. Zunächst waren wir auf der anderen Seite des Stadtgartens beheimatet, danach zogen wir auf das Gelände des Hagenbuchers, wo jetzt die experimenta ihre Heimat gefunden hat. Anschliessend sind wir dann in die beiden jetzigen Räume gezogen. Dann kam im Jahr 2009 die Stadt mit dem Kooperationsvertrag und der Idee eines Kooperationsvertrages mit den Städtischen Museen hier auf uns zu. Was sich seitdem sehr stark verändert hat, ist der Zuspruch durch die Besucher, hier profitieren wir eindeutig von den städtischen Museen. In unserer Kernarbeit hat sich, würde ich behaupten, nicht viel geändert. Allerdings haben wir durch den Kooperationsvertrag auch die Möglichkeit alle Räume der Kunsthalle zu bespielen, wie wir das beispielsweise mit Olaf Metzel gemacht haben. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Ist diese »Wohngemeinschaft«, wie sie es genannt haben, eine außergewöhnliche Situation in Deutschland? Ein ähnliches Modell existiert noch in Düsseldorf, aber dort gibt es keine gegenseitige Übernahme der Räume. Ab und zu werden gemeinsame Projekte für die gesamte Kunsthalle entwickelt. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Wie werden ihre Aufgabenfelder genau de- In diesem Fall war auch dies eine Kooperation mit dem Oldenburger Kunstverein. Grundsätzlich würde ich sagen, dass wir sehr schnell reagieren können. Wir könnten innerhalb eines halben Jahres eine Ausstellung auf die Beine stellen. Generell kann man aber sagen, dass es circa ein Jahr benötigt, bis eine Ausstellung steht. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Wie empfinden sie Heilbronn als Kunststadt und Standort für Kunst und Kultur?

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR Ich finde, es gibt einen großen Konsens darüber, dass die Kultur eine wichtige Bedeutung für die Stadt hat, was in Deutschland aber in vielen Städten so ist. Sehr positiv ist es, dass sich eine mittelgroße Stadt wie Heilbronn sehr viel Kultur leistet. Ein bisschen hakt es noch beim Interesse der breiten Bevölkerung. Die Gretchenfrage ist, ob die breite Bevölkerung richtig angesprochen wird. Natürlich müssen wir auch noch mal über die Öffentlichkeitsarbeit nachdenken und diese ausbauen, wobei die personellen und finanziellen Ressourcen begrenzt sind. Auf der anderen Seite ist man aber auch in einer gewissen Zwickmühle. Wir machen auch immer wieder Ausstellungen die, sagen wir mal, etwas schwer zu vermitteln sind. Man muss also als Besucher schon ein gewisses Interesse mitbringen, sich auf die Arbeiten einzulassen da es nicht immer nur darum geht, dass hier schöne Bilder hängen, sondern auch gesellschaftliche Fragen berücksichtigt werden. Natürlich bieten wir auch immer Führungen und Gespräche an, um dem Besucher die Betrachtung und das Verständnis zu erleichtern. Wissen Sie, selbst ich, und ich beschäftige mich jetzt seit 30 Jahren mit Kunst, stehe manchmal mit einem großen Fragezeichen in Ausstellungen. Da hilft es, sich zu informieren und dann sein Urteil D R . M AT T H I A L Ö B K E - zu bilden. Die Kunst hat so viel zu bieten, auch wenn sie bisweilen ziemlich komplex daherkommt. Manchmal ist sie aber auch ein reines Vergnügen, ohne viel wissen zu müssen. Die zeigen wir auch immer wieder. Ich wünsche mir, mehr Menschen zu erreichen. H A N I X - Haben sie Wünsche und Erwartungen an die Stadt bis 2019, wenn der neue Stadtteil und die Buga da sind? Ich denke, stadtplanerisch ist dies natürlich ein total tolles Projekt. Man sieht riesige Freiflächen und es ist interessant zu sehen wie diese bebaut und entwickelt werden. Vor allen Dingen muss man bedenken, wie mit den neu entstandenen Flächen auch nach der Buga umgegangen wird. D R . M AT T H I A L Ö B K E H A N I X - Wird die Kunst und Kultur auch davon profitieren? Ich fände es immens wichtig, dass es auch mit den hier ansässigen Kulturanbietern einen Dialog über diese Themen gibt, zum Beispiel wie man Kunst in den öffentlichen Raum integrieren kann. Sicherlich werden wir uns im Kunstverein ein passendes Projekt überlegen. D R . M AT T H I A L Ö B K E -

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TITELTHEMA: MEDIEN

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ayaHUasca UnD »neW age scHaManisMUs« – Wenn kUlTUR ZUM kUlT peRveRTieRT

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR patrick ortwein hat an einem shamanen-Ritual teilgenommen und festgestellt, dass hier auch das geschäftemachen immer mehr in den vordergrund gerät und aus einer traditionellen kultur ein fragwürdiger kult wird. TEXT: PATRICK ORTWEIN FOTOS: PRIVAT »Wir richten all unsere Hoffnung, all unsere Petitionen auf Heilung und Wohlbefinden an die Schöpferin, die Heilerin, und Mutter alles Seins. Wir erkennen sie als unseren Urgrund an, sehen unsere Zukunft in ihr und danken für alles, das sie uns bereitstellt, die Verbindung, die wir mit ihr eingehen durften in der Zeremonie dieser Nacht und in diesem Temazcal 1, wir suchen sie an durch die heilige Pflanze in uns weiterzuwirken. Wir richten diese Petitionen an dich, Muttererde, Schöpferin, Heilerin und Urgrund alles Leben.« Der Schamane verstummt, gibt ein Kraut names Palo Santo 2 auf einen der glühenden Steine der aus dem Feuer in die Mitte des Zeltes getragen wurde, und welches sofort in dichten Rauchwolken aufstößt. Seinen charakteristischen, wohligen Duft über den Innenraum des Zeltes legt. Dann giesst er Wasser auf und der Raum verschwimmt im diesigen Nebel als monotone Trommelschläge einsetzten. Mit ihnen, der Gesang der Gruppe, die ein Mantra einstimmt » Pachamama 3, llévame me, Pachamama...«. Die Teilnehmer der Zeremonie scheinen zurück in ihre Trance zu verfallen, wie Stunden zuvor, jeder für sich und doch alle beisammen. Sie sind noch immer auf ihrem Trip. Genau, wie sie es sich erhofften. Eben genauso, wie sie sich die psychedelische Reise vorstellten. Ein Schamane ist per se ein Charakter, der von einer gewissen Mystik und Magie umgeben ist. Man könnte sagen, eine spirituelle Autorität. Vielleicht aufgrund der gesellschaftlichen Stellung, die er in seinen Kreisen einnimmt, möglicherweise auch aus dem Glauben selbst heraus in das, was er bewirkt. Ein Schamane ist mehr als nur Medizinmann. Er ist Visionär, Heiler, Ratschläger und Vertrauensperson, nimmt für seine Kommune nicht selten auch die Rolle des Propheten und Ökologen an, der das Geschehen in deren Umwelt deutet. So untersucht er das Nicht-sichtbare, steht für sein Volk in transzendenter Verbindung zur Natur und hält, dem Glauben der indigenen Völker zu Folge, das spirituelle Gleichgewicht in Balance. Seine Position steht demnach eher in einem Vertrauensverhältnis, denn in medizinisch-empirischer Methodik. Giovanni Queta, aus der indigenen Kommune Ukumary Khanke, Pueblo Kofán in Kolumbien, ist eine solche Persönlichkeit, und ist sie – in der Rolle die er als Geschäftsmann verkörpert, zugleich nicht. Als eher offener Typ, denn verschlossener Schamane, erzählt Giovanni, erklärt, gibt praktischen Rat. Wenn er seine Ayahuasca-Zeremonie einleitet, und beginnt die Mantras zu singen, erbebt des dicken, eindrucksvollen Mannes Stimme voluminös, verbreitet diese Mystik im Raum die den Stereotyp des Schamanen auszeichnet. Bekräftigt durch sein traditionelles Gewand, mit Jaguarzähnen geschmückt, das nach der Zeremonie allerdings durch Goldkettchen und Unterhemd getauscht wird und ihm eben diese Mystik sogleich wieder nimmt. In einer schamanischen Zeremonie, wie der Ayahuasca-Zeremonie, erwartet man ebenfalls das klassische Clienté, in etwa einen kranken Dorfbewohner, der den Rat des Schamanen aufsucht, um Heilung zu

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR finden, oder die Dorfältesten unter sich um durch transzendente Methoden ihre verstorbenen Großväter in Visioneller Trance aufzusuchen und um Rat zu bitten. Das sei kulturelle Annahme. Faktische Realität ist, dass das Aufgießen des bitteren Saftes längst kommerzielle Ausmaße angenommen hat und die Finca Los Anaucos, wo Giovanni seit über drei Jahren seine Zeremonie abhält, ist ein blendendes Beispiel für eine der zahlreichen Ayahuasca Farmen Südamerikas und dafür, wie das Gebräu seine magische Anwendung in der Umwandlung vom Saft, zu Bargeld findet. Das halluzinogen wirkende Getränk und die Liane Banisteriopsis Caapi aus der es gewonnen wird, sind im Amazonasgebiet zu Hause, der Name Ayahuasca kommt aus der indigenen Sprache der Quechua und bedeutet in etwa »Liane der Geister«. Bis aus der Liane ein, je nach Zubereitung, süsslicher, bis bitter-fauliger Saft wird, muss man jene über mehrere Tage aufkochen. In der Zubereitung, sowie in der Wirkung variieren die diversen Arten des in Kolumbien als Yagé bekannten Getränkes. Auch wenn die Wirkung meist als leicht berauschte Grundstimmung beschrieben wird, wird ebenfalls von Visionen, Halluzinationen und einer subjektiven Erweiterung der Sinneswahrnehmung berichtet, die die Indianer selbst auf die Seele der Pflanze zurück108 führen, auch wenn wissenschaftlich bereits seit den 60er Jahren bekannt ist, dass die halluzinogene Wirkung aus dem freigesetzten Wirkstoff DMT (Dimethyltryptamin) resultiert. Das Gebräu wird von der indigenen Bevölkerung in Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador, im Orinoco Venezuelas und bis hin zur Pazifikküste Kolumbiens als Medium genutzt, um mit verstorbenen Ahnen in Verbindung zu treten, Kranke zu heilen und in die Zukunft zu sehen. Soweit der traditionelle Glaube. Dass das schamanische Heilmittel einmal zum südamerikanischen Kultgetränk wird, hätten sich die Vorfahren der heutigen Schamanen wohl nicht erträumt. Das Getränk, bitter faulig im Geschmack, bewirkt vor allem Erbrechen und Übelkeit unter den Teilnehmern, trinken wollen sie es dennoch alle, schließlich haben sie sich ihre Reise etwas kosten lassen um den Termin mit dem Teita, dem Schamanen Giovanni wahrzunehmen. Längst kamen auch die Besitzer der Finca los Anaucos auf die Idee aus der stetig wachsenden Nachfrage ein kommerziellen Erfolg zu erzielen. Sie kaufen ihr Yagé von Giovanni und bieten bereits ihre eigene Zeremonie mit »Bonusgetränken« an. Die Teilnehmer bekommen, für einen kleinen Aufpreis versteht sich, Angstbewältigungsfläschchen, die während der Zeremonie eingenommen werden. Da wäre das Fläsch-

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR chen gegen »Druck durch andere«, eines gegen »Angst vor Versagen«, und etwa 10 weitere Placebo Tränke. Der Besitzer der Finca, Gonzalo, ist stolz, »schau dir das doch an, vor 3 Jahren war hier noch ein kleines Grüppchen aus 5 Personen, jetzt sind wir eine Familie von über 70 und jedes Mal kommen neue hinzu«. Seine Augen leuchten, er ist inspiriert durch den Zusammenhalt und dem familiären Erlebnis, das das Getränk bewirkt. So sehr sogar, dass er beschloss, die Zeremonie selbst einmal die Woche abzuhalten. Carlos Guaikcaipuro sieht das ein wenig kritischer »Diese Methoden zur Angstbewältigung, wir hier brauchen das nicht, wir vertrauen Muttererde und stehen stets mit ihr in Verbindung, es gibt keinen Grund, weshalb wir Angst haben sollten«, bemerkte Carlos. Auch wenn sein scharfer Blick vermuten liess, dass seine Empörung über die Ausnutzung der Medizin wohl weiter geht, als seine Worte verrieten. Der aus dem Staat Lara stammende Indigene bleibt seinem Teil der Zeremonie treu, er assistiert Giovanni in der Nacht bei der Ayahuasca Zeremonie und hält am Morgen den Temazcal, eine Art Dampfbad unter Anwendung diverser Kräuter, ab. Die Medizin bevorzugt er, im kleinen Kreise zu nehmen. Unter sich gehen er und seine Freunde und Familie oftmals mehrere Tage in den Urwald, um in den Bergen in Einklang mit der Natur Kontakt mit ihren Ahnen aufzunehmen. »An diesen Orten, wie etwa in der Gran Sabana, stehen wir in solch starkem Kontakt mit der Natur, dass wir sie noch intensiver wahrnehmen als sonst, weiter in sie eindringen als uns sonst möglich sein könnte«. Carlos bezeichnet sich selbst nicht als Schamane »es ist ein Weg, ich denke nicht dass ich je aufhören werde zu lernen, demnach werde ich mein Leben lang auf dem Weg zum Schamanen sein«. Das westliche Interesse an der Kultur des Schamanismus ist nicht nur aus anthropologischem, sondern bereits längst aus ganzheitlichem kulturellen Interesse weitgehend verbreitet. Immer mehr Mediziner und Heilpraktiker erkennen die Kraft der schamanistischen Heilmethoden, auch wenn andere die Vorgehensweise stark kritisieren, wenn nicht sogar als Irrglaube abtun. Kann man schamanistische Methoden auf die Allgemeinmedizin oder die Heilpraktik übertragen und haben psychoaktive Substanzen wie Ayahuasca heilendes Potenzial? Eine solche Debatte wurde nach der Veröffentlichung eines Essays des britischen Schriftstellers Aldous Huxley im Europa der 50er Jahren ausgelöst. In »die Pforten der Wahrnehmung« (orig.: »the doors of perception«) beschreibt Huxley die Auswirkung des Hal-

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR luzinogens Mescalin4 auf sein Bewusstsein und wirft dabei philosophische Fragen auf, die ein Nutzen für die Gesellschaft proklamieren, in etwa durch die Anwendung in der Psychotherapie. Sein Werk war nicht zuletzt auch der Startschuss für eine Debatte über die von Albert Hofmann entdeckte halluzinogene Droge LSD, welche längst den Status einer experimentellen Substanz überschritten, und Einklang in die europäische Partyszene gefunden hat. Von medizinischer Anwendung also keine Spur. Eine spirituelle Auslegung dieser Substanz findet sich dennoch unter jenen Konsumenten, die die Einnahme in der Natur bevorzugen, um sie für tiefergründige Zwecke denn der reinen Belustigung zu nutzen. Gibt es demnach Parallelen zwischen der westlichen Drogenkultur und dem südamerikanischen Schamanismus? Laut des Philosophen Honneth weissen sämtliche Kulturen eine Institution »reflexiver Selbstvergewisserung« auf. Die Religion, die Kunst, das Schamanentum oder die Philosophie in der Moderne. Sein Selbst hinterfragend stösst der Mensch auf die Grenzen der Selbstwahrnehmung. Dabei hat auch die westliche Kultur festgestellt, dass bewusstseinserweiternde, psychoaktive Substanzen sich als durchaus hilfreich erweisen, jene Grenzen kurzzeitig zu überschreiten. Jegliche Langzeitfolgen außer Acht lassend, versteht sich. Wer sich auf diese Art der Reise einlässt, muss sich im Klaren darüber sein, dass er Türen öffnet, die unter normalen Bedingungen verschlossen blieben. Es gibt durchaus Berichte über den Konsum halluzinogener Drogen, der bei Probanden zu psychischen Schäden führte. Bekannte Fälle in Venezuela treten immer wieder unter Touristen auf, die am Rio Caura, die indigenen Völker der Yekuana und Sanema Indianer besuchen, um das dort verbreitete Yopo einzunehmen. Eine äusserst starke halluzinogene Droge, die aus der Rinde des gleichnamigen Baumes gewonnen, und dem Konsumenten in die Nase geblasen wird. Medizinische Betreuung ist an diesem Fluss, der inmitten des Regenwaldes bis an die brasilianische Grenze führt, selbstverständlich, nicht zu erwarten. Albert Hofmann empfahl die Einnahme von LSD nur unter ärztlicher Aufsicht und »sorgfältiger psychischer Vorbereitung«. Auch wenn es aufgrund Entgegenwirkung sämtlicher Regierungen der Welt nie zu einem medizinischen Einsatz von LSD kam, ähnelt die Anweisung jener einer Ayahuasca Zeremonie. Doch wer garantiert hier eine fachgerechte medizinische Betreuung? Die Teilnehmer der Zeremonie handeln auf eigene Verantwortung. Hier in der Finca los Anaucos gibt es sehr wohl einige »Aufpasser« die nach dem Rechten schauen. In etwa dass die Teilnehmer nicht die Mauer hinunterfallen über jene sie erbrechen (denn Erbrechen ist fester Bestandteil der Zeremonie, auch

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR wenn es nicht zwangsläufig zu Visionen führt). Auch dass sich niemand zu weit entfernt, wird überwacht. Doch klärt zum Beispiel niemand darüber auf dass von der Einnahme in Verbindung mit Antibiotika aus dringenden medizinischen Gründen abzuraten ist. Auch die Einnahme mit Alkohol wird laut medizinischer Fachartikel als hoch kritisch eingestuft. Gonzalo, der Besitzer der Finca, war der Erste, der diese Regel brach und sich noch vor der Zeremonie ein Glas Rum gönnte. Giovanni kann, während er die Zeremonie abhält, nicht die Kontrolle über all die vielen Teilnehmer bewahren, das ist selbstredend. Der Anstieg der Teilnehmer überraschte ihn selbst. Seit über drei Jahren hält er die »Reinigung«, wie er es bezeichnet, einmal pro Monat ab. »Es hat sich damals diese Türe für mich aufgetan, seitdem öffnen sich stets neue. Morgen werde ich nach Brasilien fliegen, um dort eine Zeremonie abzuhalten. Es hat sich alles so ergeben« antwortete er auf die Frage, wie er dazu kam. Ob es sich finanziell lohnt, muss man wohl nicht erfragen. Pro Teilnehmer verlangt er pro Glas seines äusserst starken psychedelischen Getränks 500 Bolivar. Nach offiziellem Kurs 5 sind das mehr als 50 Euro. Die Konsumenten, meist junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren, jedoch auch ältere Teilnehmer bis 60 Jahre, scheinen bereit den Preis zu zahlen. Schliesslich ist es zu ihrem seelischen Wohl und das kennt keinen Preis, so der Rat des Schamanen. 1 DER TEMAZCAL IST EIN DAMPFBAD DAS IM GESAMTEN SÜDAMERIKANISCHEN RAUM BEREITS BIS AUF PRäHISPANISCHE ZEIT ZURÜCKDATIERT. DER BEGRIFF, OBSCHON BEREITS VOR DEN AZTEKEN BEKANNT, STAMMT AUS DEM AZTEKISCHEN, TEMAS BEDEUTET BAD UND CALLI IN ETWA HAUS. 2 PALO SANTO IST EIN IN SÜDAMERIKA, VOR ALLEM PARAGUAY, WEIT VERBREITETER BAUM. DIE AUS IHM GEWONNENE ESSENZ WIRD VON SCHAMANEN ALS HEILMITTEL GENUTZT. DAS AUS DEM BAUM GEWONNENE ÖL WIRD EBENFALLS VON DER PARFÜMINDUSTRIE GENUTZT. 3 PACHAMAMA IST EINE BEZEICHNUNG IM LATEINAMERIKANISCHEN SPRACHRAUM FÜR MUTTERERDE ODER DIE ERDE ALLGEMEIN. IN BOLIVIEN GIBT ES DEN »PACHAMAMA TAG«, EIN FESTTAG, AN DEM DER ERDE FÜR ALLES GEDANKT WIRD, DAS SIE DEM VOLK ZUM LEBEN BEREITSTELLT. 4 MESCALIN IST EIN HALLUZINOGENES ALKALOID UND FINDET SICH IM MITTELAMERIKANISCH VERBREITETEN PEYOTE-KAKTUS. 5 IN VENEZUELA IST DER OFFIZIELLE WäHRUNGSKURS LäNGST KEIN MASSSTAB MEHR, ES WIRD AUFGRUND DER DEVALUATION MEIST MIT DEM PARALELKURS GERECHNET DER DERZEIT BEI ETWA 1 € - 75 BSF LIEGT.

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Text: Maria Sanders Fotos: Sebastian Sach D A S B E S T E KO M M T N O C H Wen n d u d e nk s t, e s ge h t nich t m e h r, k o m mt vo n irge nd wo e in Sch o k o -Tö r tch e n h er. So in e twa füh lt s ich zum ind e s t d ie wo h l ige Atm o s ph äre be i e ine m Ko nze r t vo n Greg or Me yle an. A n e ine m k alte n Sam s t a g a b e nd s pie lte d e r Sing e r/ So ngwrite r im u r i g en C afé Piano in Jags th aus e n. Und d ab ei f ällt auf, d as s e r m e h r k ann, als nur gut s i n g en.

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR Das Café ist restlos ausverkauft und die Plätze sind heiß begehrt. Kurz bevor das Konzert beginnt, treten noch vier Nachzügler herein, die sich einen Moment lang über die fehlenden Sitzgelegenheiten echauffieren. »Hat jetzt jeder einen Platz«, fragt Gregor Meyle etwas besorgt nach, »net das ‘mer hier noch Krawall krieget.« Ansonsten gäbe es noch ein paar Gartenstühle, die noch aufgebaut werden könnten, scherzt er. Aber so weit kommt es nicht. Stattdessen gibt’s guten Akustik-Sound. Allen voran Geli Glenk als Vorgruppe. Im Laufe des Abends ist es im Café Piano ganz schön warm geworden. So warm, dass sogar die Fensterscheiben komplett beschlagen sind. Die Melodien sind eingängig, der Klang seiner Stimme warm. Mit geschlossenen Augen singt er, alle Sehnsucht aus seinem Herzen. Als ob er sagen wolle: »Hey, ich fühl‘, wie es dir geht. Ich musste da auch schon durch. Deswegen ist dieser Song für dich.« Kein einziger Gast spricht, alle Blicke sind nach vorne auf die Bühne gerichtet. Und dort steht der Sänger und Songschreiber Gregor Meyle, von Kopf bis Fuß in hellem Jeans gekleidet, mit verwuscheltem blonden Haar und einer massiven schwarz-glänzenden Hornbrille auf der Nase. Mit von der Partie sind Ingo Wolfgarten am Piano und Dominik Krämer an der Bassgitarre. Sie spielen harmonisch zusammen, als hätten sie nie etwas anderes getan und es fällt auf, dass Gregor Meyle noch viel mehr Talente hat, als nur Singen und Gitarrespielen. Ein Konzert mit Gregor Meyle ist aufregend, lustig und voller Energie. Zusammen spielt das Trio gute deutschsprachige Musik mit viel Soul. Die Mischung macht’s: Beschwingte Up-tempo-Nummern und einfühlsame Balladen mit Elementen aus Pop, Swing, Jazz und Country. Der gebürtige Backnanger gibt persönliche Geschichten zum Besten, wie seine Songs entstanden sind oder sinniert über all das, was für ihn in der Welt schief läuft. Sein großes Talent ist die Interaktion mit den Zuhörern. Immer wieder reißen die Musiker ihre Witze. Sie überlegen laut, ob sie noch ein Lied spielen sollen: »Gestern haben wir auch nur drei Lieder gespielt und das hat auch gereicht«, scherzt Hobbykoch Meyle und hat das lachende Publikum auf seiner Seite. Bemerkenswert sind die Präsenz und Wirkung des Künstlers auf das Publikum. Gregor Meyle verzaubert die Zuhörer mit seinem warmen Timbre und perfekten Intonation, wie es selbst Frank Sinatra nicht hätte besser machen können. Irgendwann fällt es ihm selber auf: »Wie konzentriert ihr seid«, sagt der Entertainer überrascht und scheint für einen kurzen Moment lang, in Verlegenheit zu geraten. Bis er auf einmal von der Bühne springt, sich ein Silbertablett schnappt und darauf vier Cappuccino serviert. Die Pause ist eingeleitet. Meyle, Meyle? Mensch, das sagt mir doch was. Manche kennen ihn aus dem Fernsehen. 2008 nahm der damals 26-Jährige bei Stefan Raabs Castingshow »SSDSDWEMUGABRTLAD« teil. Sein kleiner Bruder Felix meldete ihn dort an, wobei Meyle bis dahin noch ganz andere Pläne im Sinn hatte. Doch als er beim ersten Vorspielen eine Runde weiterkam, war klar, dass er auf dem Weg bleiben wolle. Seine musikalische Karriere begann schon früh. Als er vier Jahre alt war bekam er seine erste Gitarre geschenkt, nahm später professioniellen Gitarrenunterricht, spielte in einer Band und entdeckte das Songschreiben für sich. Gregor Meyle wagte also den Sprung in das mediale Abenteuer und blieb sich treu. Wenn bleiben, dann schon richtig. Der damalige Sänger, Liedschreiber und Tontechniker wollte es mit seinen eigenen Songs schaffen. Das gelang ihm auch. Mit sechs seiner Songs spielte er sich ins Finale. Die Jury war sich einig: »Du bist einer der begnadetsten Songwriter«, so Entertainer Stefan Raab. Zwar nicht den ersten Platz in der Tasche, dafür aber viele Fans im Rückhalt, fasste Gregor Meyle neuen Mut, doch auf dem richtigen Weg zu sein. Es folgte sein erstes Album So soll es sein (2008), das kurz darauf in den Top Ten der Deutschen Album Charts landete. Die Überraschung war groß und die Motivation noch größer. Also setzte der Song-

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR schreiber noch einen drauf und produzierte mit Claus Fischer die zweite Platte meylenweit (2010), gefolgt von Laut und leise – Live (2010) und dem Studioalbum Meyle für Meyle (2012), das er in diesem Jahr auch noch mal als LiveAlbum produzierte. Neben zahlreichen Gigs und AlbumVeröffentlichungen folgten Singles, wie Niemand (2008), So soll es sein (2008), Denk was Du willst (2010), Jetzt (2010) und Du bist das Licht (2012). Dann plötzliche Verwirrung. Gibt es zwei Special Guests ohne Ankündigung auf der Bühne? Die Stimmen von Udo Lindenberg und Franz Beckenbauer dröhnen auf einmal aus den Lautsprecherboxen. Dann sind sie wieder weg und nur noch Gregor Meyle ist zu hören. Jetzt schaut jeder gespannt auf die Bühne, als sie es ohnehin schon tun. Dann die große Erleichterung, doch nichts verpasst zu haben. Es war Herr Meyle, der sein Publikum auf charmante Weise mal eben auf die Schippe genommen hat. Mensch Meyle, Dialekte kann er auch noch. Das Publikum brodelt im aufgeheizten Raum und singt schließlich für ihn. Mit Adlips, uhs und ahs, begonnen, führt Gregor Meyle ausnahmslos jede Stimmen im Publikum souverän zu einem harmonisch klingenden Kanon über. »Ich bin süchtig nach dem Gefühl, den Leuten Freude zu bringen«, sagt Gregor Meyle nach dem fast dreistündigen Konzert. Und genau diese Botschaft kommt bei den Gästen an. »Ich glaube ihm, was er sagt«, erzählt Alexandra Frie114 pörtner aus Heilbronn. Die 27-Jährige sitzt mit einer guten Freundin und deren beiden Töchtern an einem der Tische hinten rechts im Saal. Seine Musik genießt sie offensichtlich, denn sie singt fast alle Lieder leise mit. Die gelernte Altenpflegerin war damals eine von Millionen Zuschauern, die Gregor Meyle in Raabs Castingshow im Fernsehen gesehen haben. »Ich fand ihn toll und dachte mir, eigentlich könnte ich mir mal seine CD besorgen«, erinnert sich Friepörtner. Heute hat sie alle CDs von ihm, weil er ihr »gut tut«, wie sie selber sagt. Sein Album Meyle für Meyle ist ihr persönliches Lieblingsalbum. In diesem Album seien die Texte am aussagekräftigsten, findet sie. Ihre Kritik: »Ich fühle mich von ihm verstanden und finde mich darin wieder.« Was am Ende bleibt, ist ein berauschendes Gefühl eines fabelhaften Konzerts und die Hoffnung, dass das Beste wirklich noch kommt, wie es in einem seiner Lieder heißt. Zu wünschen ist es den grandiosen Musikern in jedem Fall. Dann bleibt nur noch zu sagen: Bis zum nächsten Mal im Café Piano und am besten, gleich mit eigenem Gartenstuhl. Weitere infos gibt es unter: WWW.gregor-meyle.de WWW.facebook.com/gregormeyle

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JoS H I S MEINUNG

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR Kunst und Kultur Kunst ist Kultur. Kunst kann man in Museen sehen. Dort hängen ganz viele Bilder, von vielen verschiedenen Künstlern, manche Bilder sind ganz berühmt z. B. die »Mona Lisa« oder »Der Schrei«. Diese Art von Kunst, also Bilder malen, gibt es schon sehr, sehr lange. Als Allererstes hat man mit gefärbtem Tierblut auf Felsplatten gemalt, zum Beispiel was die Leute bei der Jagd erlebt haben oder so was. Dann wurde auf Papyrus gemalt und heutzutage auf richtigem Papier oder auf Leinwänden. Es gibt da auch ganz verschiedene Farben dafür, man kann Wasserfarben nehmen, oder Ölfarben, Kreide, Buntstifte, Filzstifte … Es gibt ja viele Arten von Kunst, man kann auch seltsame Dinge machen und sagen: »Das ist Kunst.« Manche machen Kunst auch mit Statuen. Da nimmt man einen Hammer und haut eine Form, die man eben haben will, in einen Steinblock. Dazu habe ich heute auch ein Bild gemacht. Oft sind die Statuen ja nackig, aber das hab ich nicht gemalt. Kultur kann auch ganz viel sein, ich denk dabei an Theateraufführungen und so was. Mit meiner Klasse habe ich ein Musical für die neuen Schüler unserer Schule aufgeführt. Das Musical heißt: »Alle Mäuse lernen lesen« und ich war der Erzähler. Da hatte ich ein Mikrofon am Kopf, also ein Headset und habe halt immer erzählt, was jetzt grad passiert und warum. Jetzt bin ich in der vierten Klasse und da darf man dann in der richtigen Musical-AG mitmachen. Das ist bei einem ganz tollen Lehrer, mit dem macht das auch richtig Spaß. Der bereitet mit uns ein Musical vor, das wir dann zwei Mal vorführen. Eine von den Aufführungen wird in der Schule sein, das Musical heißt übrigens Waka Tanka, das spielt im Wilden Westen. Es wurden bis jetzt aber noch nicht alle Rollen verteilt, obwohl wir so wenige Kinder sind. Der Schulchor (wo ich übrigens auch mitmache) singt dann die Lieder mit uns mit. Letztes Jahr war ich auch beim Musical dabei, aber eben mit dem Chor. Meine Schwester macht dann auch wieder mit, mit dem Chor und ich bin dann im Musical, ich kann ja nicht beides gleichzeitig machen. Die Melodie für die Lieder wird wahrscheinlich wieder mit einer Tonanlage gemacht. Die haben aber auch gesagt, dass bei einer von den Aufführungen dieses Mal auch das Orchester mitmacht, die spielen dann mit Trompeten, Flöten. Geigen und sogar Trommeln. Das werden bestimmt zwei tolle Musicals. Dafür müssen wir natürlich gaaaaaanz lange und viel üben und viel auswendig lernen, was immer bischen Scheiße, äh, ich meine DOOF ist. Aber ich machs schon gerne, dann wird’s bestimmt toll. Ich hoff nur, das Orchester übt auch!!! Vielleicht kommt ja jemand von Euch zu unseren Vorführungen … Das war´s für heute, tschüss, bis zum nächsten Mal, Leute! Euer Joshi

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GLo BA L AcT IVIS M eine ausstellung im ZkM | Museum für neue kunst eröffnung: Fr, 13. Dezember 2013, 19 Uhr, bis 30. März 2014 Die ausstellung global activism widmet sich dem Feld der künstlerischen ausdrucksform, die politisch inspiriert ist, durch aktionen, Demonstrationen und performances im öffentlichen Raum auf Missstände aufmerksam macht und zur veränderung bestehender verhältnisse auffordert. Mit objekten, fotografischen, kinematografischen, videografischen und massenmedialen Dokumenten zeigt die ausstellung den globalen aktivismus als die erste neue kunstform des 21. jahrhunderts. Die Bürgerinnen von heute fordern scheinbar »no taxation without participation«. global activism rückt dieses neue engagement der Bürgerinnen in den Fokus einer ausstellung. global activism dient als auftakt des ausstellungsmarathons der »globale«, die anlässlich des 300-jährigen jubiläums der stadt karlsruhe im jahr 2015 veranstaltet wird.

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR MONSTRATION IN NOWOSIBIRSK 1. MAI 2013 FOTO: SERGEI MORDWINOW COURTESY: SIB.FM

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR MONSTRATION IN NOWOSIBIRSK 1. MAI 2013 FOTO: S E R G E I M O R D W I N O W CO U R T E S Y : S I B . F M

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR MONSTRATION IN NOWOSIBIRSK 1. MAI 2013 FOTO: SERGEI MORDWINOW COURTESY: SIB.FM

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR MONSTRATION IN NOWOSIBIRSK 1. MAI 2013 FOT O : S E R G E I M O R D W I N O W COURTESY: SIB.FM

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR ABDEL MONEM RYAD STREET, KAIRO, äGYPTEN, 02.01.2011 PRO-MUBARAK DEMOS FOTO: ARNOLD FUAD COURTESY: ARNOLD FUAD

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR NA FAIxA FOTO: BAIXCENTRO COURTESY: BAIXCENTRO

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR ELECTRONIC DISTURBANCE THEATER 2.0/B.A.N.G. LAB TRANSBORDER IMMIGRANT TOOL, 2007

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR PROTESTING ON DEMAND FOTO: FLOATING LAB COLLECTIVE COURTESY: FLOATING LAB COLLECTIVE

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k U N ST U N D k U LT U r

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TITELTHEMA: KUNST UND KULTUR Unsere brasilianische kolumnistin Rafaela spricht der kunst und kultur zu, überlebensnotwendig für die Menschheit zu sein. Denn kunst und kultur haben keine grenzen und laden zum Träumen ein. Durch kunst und kultur sind wir menschlich. Die Welt der Kultur ist weit und unbegrenzt. Durch sie kann man an unvorstellbaren Orten ankommen und abstrakte Ziele erreichen. Träumen ist ein notwendiger Akt, um zu sein. Aber dazu braucht man Inspiration, Kreativität und Motivation. Kunst und Kultur sind der Schlüssel, um Träume zu verwirklichen, Menschen zum Denken zu bewegen, die Realität zu kritisieren und den eigenen Horizont zu öffnen. Kunst und Kultur haben das Potenzial, um die Welt zu verändern. Filme, Bücher, Ausstellungen, Fotografien und Musik können eine bessere Welt ermöglichen. Der Zugang zur Kultur ist für das Wachstum des Menschen notwendig. Je mehr Kunst und Kultur in einem Land gefördert wird, desto interessanter ist sein Volk. Manchmal denke ich darüber nach, wie man den Heilbronnern noch mehr Zugang zur Kunst, Literatur, Musik und anderen künstlerischen Ausdrucksformen ermöglichen könnte. Als ich hierher gezogen bin, war ich sehr beeindruckt von der multikulturellen Bevölkerung Heilbronns. Obwohl Heilbronn noch ganz unbekannt im Rest der Welt ist, scheint es, dass die kleine Großstadt fast die ganze Welt kennt. Heilbronn ist die Heimat für 125 Nationalitäten. Deswegen denke ich, dass Heilbronn ein buntes Festival der Kunst und Kultur verdient hat. Eine Veranstaltung mit Musik, Poesie, Literatur, Kunst, Malerei und Kulinarik, die die bunte schwäbische Vielfalt aber auch die Kultur der ausländischen Einwohner der Region zeigt. Hin und wieder frage ich mich, aus welchem Grund das Rathaus nie so etwas organisiert hat? Ich schlage vor auch hier eine Art des »Karnevals der Kulturen« zu veranstalten, wie es ihn in Berlin schon jahrelang gibt. Einmal im Jahr gäbe es ein Fest, das alle Bürger und deren Kulturen vereint. Ich denke, so ein Kulturfestival würde zu einem positiven Ergebnis für die Heilbronner Gesellschaft führen. Ich zum Beispiel würde gerne erreichen, dass die hiesigen Einheimischen entdecken, dass Brasilien weit über Samba und Fußball hinausgeht. Ich würde den Heilbronnern verschiedenste brasilianische Künstler wie Tarsila Amaral, Anita Malfatti, und Portinari vorstellen. Wir haben eine universelle Literatur von fantastischen Geschichtenerzählern wie Graciliano Ramos, Jorge Amado, Paulo Coelho, Patricia Melo, Andrea del Fuego und João Ubaldo Ribeiro. Ich würde mich freuen, wenn die Heilbronner diese Autoren und deren Bücher lesen würden. Musikalisch ist Brasilien sehr reich. Mit Bossa Nova, MPB und melodischen Rhythmen die viel Emotionen und Stimmung bringen, sind die Brasilianer gesegnet. Ich würde mich auch freuen die Chance zu bekommen, Heilbronn jenseits der Klischees zu entdecken und auf malerische Details der Heilbronner Kulturen und anderer Nationalitäten zu stoßen. Kunst ist eine der effektivsten Möglichkeiten, um die Manifestation neuer Trends und Konzepte zu bewerkstelligen. Kunst öffnet die Wahrnehmung des Seins in Bezug auf die Welt, das Leben, die Liebe und auch die menschlichen Beziehungen. Ein Kulturfestival als tolerante Stimme aller Einwohner von Heilbronn wäre ein hervorragendes Werkzeug, die Stadt nicht nur wegen der einheimischen Folklore und Klischees, sondern auch wegen ihrer kulturellen Komplexität bekannt zu machen. Ich glaube, dass Kunst und Kultur eines der Werkzeuge sind, die wir haben, um Menschen, kreativer, großzügiger und toleranter zu machen. Nur durch Bildung, Kunst und Kultur können wir neue Einstellungen und Erkenntnisse aufbauen.

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SPIEGELREFLEX: WEIHNACHTEN H o- H o- H o kurz vor Weihnachten wird geschmückt und Weihnachtsware angeboten, was das Zeug hält. Meli Dikta war in der Heilbronner innenstadt, einkaufszentren und supermärkten unterwegs, um die vorvorweihnachtsstimmung einzufangen.

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QUIZ DIcH GL Ü c kLIcH !

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EINE FR AGE: QUIZ HANIX Nº24 FRAGE: WELCHER UMWELTORGANISATION STAND GERD LEIPOLD VOR? LEIPOLD MACHTE SEIN AbITUR IN MEMMINGEN UND STUDIERTE PHySIk AN DER LUDWIG-MAxIMILIANS-UNIVERSITäT MüNCHEN. ER WAR WISSENSCHAFTLICHER MITARbEITER AM MAx-PLANCk-INSTITUT FüR METEOROLOGIE. DORT bESCHäFTIGTE ER SICH MIT DER VERäNDERUNG DES WELTkLIMAS. 1983 PROTESTIERTE ER MIT EINER bALLONFAHRT VON WESTbERLIN AUS übER DIE bERLINER MAUER GEGEN ATOMTESTS. EMONS VERLAG MUSEEN HEILBRONN SAGAS VERLAG WEIHNACHTS CIRCUS 3 x Buch 3 x Katalog 3 x Buch 10 x Tickets Gemeinsam mit dem Buch »111 Orte im Kraichgau die man gesehen haben muss« die Gegend erkunden. Wir verlosen mit dem Emons Verlag drei Exemplare, die verraten, wo z. B. noch Kartoffelgeld ausbezahlt wird. Aktuell ist die Ausstellung »Macht. Wahn. Vision.« in der Kunsthalle Vogelmann und im Museum am Deutschhof zu bestaunen. Wir verquizzen drei der hochwertigen Ausstellungskataloge. Ein Schauspieler und ein Physiker schreiben ein Buch, in dem sie zum Einmischen auffordern. Sehr lesenswert. Drei frischgedruckte Exemplare von »Zeit, sich einzumischen« gibt es hier abzustauben. Traditionell zum Jahresausklang und -wechsel ist der Weihnachts Circus auf der Theresienwiese beheimatet. Zehn der begehrten Eintritskarten für den 20. Dezember in die Manege gibt es zu gewinnen. Wer MeinT, die Lösung zu Kennen, schicKT diese per MaiL an: quiz@hanix-Magazin.de; BeTreff: Werde aKTiVisT! einsendeschLuss isT der 19. Januar 2014. der rechTsWeg isT ausgeschLossen. aLLe geWinner Werden schrifTLich BenachrichTigT. die richTige anTWorT auf die frage des Vorangegangenen quiz LauTeT: uraWa red diaMonds

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EINBRIEF VON JULIA SEMPER TON: PHILIPP SEITZ / GELESEN VON MARIA SANDERS G E L I E B T E H E I M AT, erinnerst du dich? Vor über sieben Jahren habe ich dich verlassen. Ich habe mich mutig auf den Weg gemacht, um mir einen lang ersehnten Traum zu erfüllen: ein Leben in Kopenhagen, in Dänemark. Eine Altbauwohnung mit knarrenden, weißgekalkten Holzdielen und eine Stelle als Lehrerin an der deutsch-dänischen Schule, das sollte es sein. Und so ist es auch gekommen. Nach all den Jahren, die ich hier schon lebe, muss ich dir leider sagen – und natürlich auch aus Rücksicht auf meine geliebte Familie - ein Leben ohne Kopenhagen ist möglich. Aber für mich undenkbar. Es ist einfach ein tolles Lebensgefühl, hier zu sein. Und damit du mich etwas besser verstehen kannst, möchte ich dir nur 22 von über tausend Gründen nennen, warum es mir so schwer fällt, zu dir zurückzukommen. Zum Beispiel: Amager Strand: Unseren »Hausstrand« erreichen wir schon nach 20 Minuten Fahrradfahren. Nach einem Spaziergang oder einem Bad in der Ostsee ist der ganze Alltagsstress schnell verflogen und der Kopf von der angenehmen Brise wieder frei. sTeckBRieF Name: Julia Semper Alt er : 3 6 Jahre Beruf : L ehrerin Heimat s tad t : H eilbronn Wohn or t : Kopenhagen In Kop en ha gen s eit Augus t 2 0 0 6 Ve r bl i e b ene Freu nd e i n der H eimat : wenig alt e Fre u n d e , jed och neu gewonnene L ieb lin g sor t in Kopenhagen: unzählige

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BRIEF AN DIE HEIMAT: KOPENHAGEN BRøD: Das leckere Vollkornroggenbrot gehört hier ab dem sechsten Lebensmonat definitiv zum Grundnahrungsmittel und darf natürlich auch bei unserem täglichen Einkauf nicht fehlen. Aber am liebsten mag ich‘s frisch gebacken vom Bäcker, Sankt Petri, mit Butter oder »leverpostej« bestrichen. CYKEL: Inzwischen mit Kinderfahrradsitz und geflochtenem Radkorb ausgestattet, ist das Fahrrad unser bester Freund. Ob als Transportmittel am Morgen zur Vuggestue oder Schule, am Nachmittag als Einkaufshilfe oder am Wochenende als Ausflugsbegleiter. Wir sind immer mit dem Fahrrad unterwegs. Selbst schlechtes Wetter ist in Kopenhagen kein Hindernis, um nicht auf dem Rad zu steigen und loszufahren. Ach, hätte ich ja fast vergessen: Stau auf dem Radweg? Bei dir liebe Heimat, undenkbar, ich weiß. In Kopenhagen gehört das zum Alltag. DYREHAVEN: Die Sonne scheint an einem Sonntagnachmittag im Herbst. Ein perfekter Tag für einen Besuch im Wildpark, nördlich von Kopenhagen. Ausgestattet mit ei147 ner Decke, einer Thermoskanne Tee und belegten Broten, ist es ein toller Ort um Hirsche zu beobachten und Picknick zu machen. ELMEGADE: Modische Inspirationen hole ich mir gerne in der Elmegade auf Nørrebro. In den kleinen Cafés und Boutiquen, insbesondere bei Adelie, lässt es sich sehr gut verweilen. Selbst die New York Times hat diese Straße einmal, als besonders sehenswert beschrieben. FROKOST: Ein warmes Mittagessen wie zu Hause bei Mama? Das ist hier eher eine Seltenheit. Aber mittlerweile haben wir uns der dänischen Tradition angepasst. Also das heißt, zum Mittag gibt es belegte Smørrebrød und abends kochen wir etwas Warmes. GUMMISTøVLER: Gummistiefel sind ein Muss. Sie sind für jeden eine unverzichtbare Alltagsausrüstung, können sich aber sehen lassen: Ob zum Kostüm, zur edlen Seidenhose oder zum Spitzenrock. Gummistøvler haben hier kein Landeierimage. HYGGE: Ja, dieses Wort ist wirklich schwer zu beschreiben.

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BRIEF AN DIE HEIMAT: KOPENHAGEN Man muss es zusammen mit Dänen leben. Damit ist eine ganz besondere Gemütlichkeit gemeint, das Leben zu genießen im Kerzenschein mit Tee, feinem Gebäck und guten Freunden. Einfach hyggeligt. ILLUM BOLIGHUS: Oh, morgen fliege ich in die Heimat und ich brauche noch dringend ein Mitbringsel. Aber bei dieser riesigen Auswahl werde ich immer fündig. Ich kann dir sagen, die Beschenkten sind jedes Mal begeistert. JUL: Wenn du denkst, dänische Weihnachten sind von rot-weiß geflochtenen Herzen und Gløgg, also Glühwein, geprägt, irrst du dich gewaltig. In Sachen Farben, Designs und Kreativität sind die Dänen, wie du sicher weißt, kaum zu übertreffen. Und das sieht man auch ganz besonders bei den Christbäumen: Ob schwarz-weiß, quietschbunt oder wie es in diesem Jahr der Fall ist, gerne mit Kupfer behängt – ist alles möglich. KOMPA 9: Auf der Suche nach den Hippstern dieser Stadt? Also, ich glaube die schönsten Frauen und Männer trinken bestimmt hier ihren Cortado und essen das leckerste Rugbrødssandwich der Stadt. LILLE HAVFRU: Ich muss dir sagen, manchmal mache ich mir echt Gedanken um die alte Dame. Wie zierlich und zerbrechlich sie auf ihrem Stein sitzt, stets in vornehmer Haltung. Trotz der eifrigen Fotografen sitzt sie tagein, tag148 aus dort, obwohl wir in diesem Jahr schon ihren 100. Geburtstag gefeiert haben. MUSIK: Kennst du Agnes Obel, Tina Dickow, Nephew, Trentemøller oder die Flæskedrenge? Alle absolut hörenswerte Musiker. OSTEMAD: Das ist eine kleine Kaffeebar mit selbstgebackenen Bollern und mit Käse belegt, das fehlt dir leider auch, liebe Heimat. Hier gibt‘s die Besten bei Christian. PøLSER: Die Dänen lieben ihre Würstchen in greller orangefarbener Soße mit Gürkchen und Röstzwiebeln. Aber da muss ich ganz ehrlich sagen, schmecken sie mir bei dir einfach besser. Könntest du dir nicht auch eine ökologische Wurstbude auf dem Kiliansplatz vorstellen? Dann komme ich vorbei und helfe dir beim Verkaufen. RETRO VILLA: Ist eine kleine Schatzkammer. Definitiv! Wenn man nämlich auf der Suche nach original Vintage-Tapeten oder selbst genähten Patchwork-Kissen ist, wird man hier fündig. STøGET OG STRæDET: Alles was mein Herz begehrt, finde ich direkt vor meiner Haustür in der kleinen und großen Fußgängerzone. Namen zu nennen würde dich vielleicht frustrieren - nur so viel: Design und Mode, soweit das Auge reicht. TIVOLI: Ist ein Freizeitpark mit alten, traditionellen Fahrgestellen. Ob im Sommer gratis ein Konzert, im Herbst die Halloweendekoration oder im Winter der Weihnachtsmarkt mit über eine Million Lichter. Tivoli ist immer einen Ausflug wert. UMAMI: Im Gegensatz zu dir, liebe Heimat, ist es in Dänemark erlaubt, in der Schwangerschaft Sushi zu essen. Ich sag‘ dir, den leckersten Fisch gibt’s auf alle Fälle dort. VUGGESTUE: Einen besseren Kita-Platz kann ich mir für unsere Tochter kaum vorstellen: 8 Kinder, 3 Erzieherinnen und ein eigener Koch sind dort. WIENERBRøD: Ja, und wenn sich Besuch aus der Heimat ankündigt und ich keine Zeit mehr finde, um noch schnell einen Kuchen zu backen, dann sind die mit Marzipan, Zimt oder Zuckerguss gekrönten Blätterteichschnecken eine köstliche Alternative auf dem Kaffeetisch. Ach, liebe Heimat, wärst Du nur ein bisschen wie Kopenhagen. Trotzdem, Deine Julia

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F R O M N E W Y O R K T O H E I L B R O N X Hei l b ro n x . Der Na m e s o ll d e r Le ge nd e nach vo n Ne w Yo rker G Is , d ie h ier s t atio nie r t ware n, g e prägt wo rd e n s e in. Un sere Mit a r b eit er in Mavinga Pe tras ch s ch ick t uns Vid e o gr üß e a us Ne w Yo rk . Die s m al: Gifte d vo ice - Pe rri Jo ne s ! She b l ow s a w a y j u d ge s o f th e wo rld fam o us » Apo llo A m ateur Ni c g ht « in Ne w Yo rk . H A N IX m e t th e tale nte d and ad o rable s in g er f o r a n e xclus ive inte r vie w in Manh attan.

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AUS DEM VIA ARCHIV pinnBoaRD VIA GRAFIK Auf eine Einladung von Ex-Neckarsulmer Alex Tibelius und Red Bull hin, fuhr ich nach Salzburg, um unsere Arbeit vorzustellen und etwas später im Gebäude der Agentur noch mit einem Stift diese Wand zu bezeichnen. Zoing, Zisch, Zack. leo vollanD Leo Volland, Mitgründer von Via Grafik, ist in Heilbronn aufgewachsen ehe er nach dem Abi für viele Jahre zum Malen, Studieren und Leben nach Wiesbaden gezogen ist. Inzwischen wohnt Leo in Berlin.

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Wandbild, Red Bull Salzburg, 2013

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LESER B R IEFE Hallo HANIX-Magazin, ich muss wirklich sagen, dass diese Publikation hier in der Region gefehlt hat und eine Lücke geschlossen hat. Ich schaffe es nie, eine Ausgabe komplett durchzulesen. Dafür fehlt mir schlicht die Zeit. Aber den ein oder anderen Artikel lese ich jedesmal und eure Bildstrecken finde ich ganz toll. In jeder Ausgabe gibt es etwas zu entdecken, was man selbst als langjähriger Bewohner Heilbronns noch nie zuvor gesehen hat. Macht weiter so. Ich werde weiterhin in jeder Ausgabe schmökern. RogeR KRenz, HeilbRonn Kämpfer und als Trainer ist er es auch. Ich drücke ihm jedenfalls alle Daumen, die ich habe, dass er noch lange in der Bundesliga tätig sein darf. Schließlich ist er offiziell eine Bundesligalegende. Siehe hier: http://www.bundesliga.de/ de/historie/2000/0000132676.php Hannes DieteR, necKaRsulM Hallo Redaktion, mir hat die SCHU-BI-DO-Fotostrecke in der letzten Ausgabe gut gefallen. Die Bilder hatten einen gewissen Charme, dem ich mich nicht verschließen konnte. Sowieso: ein Lob für eure Fotos. a n K e Fa H R i p p, HeilbRonn Liebe Magazin-Macher, schon außergewöhlich, als Magazin sein Geburtshoroskop zuerstellen zu lassen und es dann auch noch zu veröffentlichen. So schlecht liest es sich ja nicht. Ich drücke die Daumen undd hoffe, die Sterne sind euch gewogen. Auf ein erfolgreiches 2014 und geruhsame Feiertage dem ganzen Team! Manuela MülleR, beilstein Hey HANIX, immer wieder bin ich überrascht, was für Musik eure Plattenkiste_Protagonisten so in ihrer Top 5 haben. Manche Sachen höre ich mir daraufhin sogar an und hab so durch euch schon ein paar Musikschmankerl gefunden, die ich vorher nicht kannte. Keep rocking! MicHael HauseR, HeilbRonn Hallo HANIX-Magazin! Danke für das umfangreiche Interview mit Tomislav Maric. Schon erstaunlich, welche Karriere er hingelegt hat und das er, wie es scheint, in der Bundesliga und im Trainer, oder besser Co-Trainergeschäft, Fuß fasst. Er war schon als Spieler auf dem Platz ein

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I MP RESSU M Verlag und Redaktion 74ELF Marcel Kantimm & Robert Mucha GbR Kastanienweg 12 74080 Heilbronn E-Mail: info@hanix-magazin.de Herausgeber Marcel Kantimm Robert Mucha Chefredakteur Robert Mucha (V.i.S.d.P.) Redaktionelle Mitarbeiter Rafaela Jeckle, Maria Sanders, Leo Volland, Anette Geisler (Stadtarchiv Heilbronn), Patrick Ortwein, Valerie Grübele, Joshua Endresz, Ken Jebsen, Nicolai Köppel, Metin de Terk, Julia Semper E-Mail: redaktion@hanix-magazin.de Videoredaktion Philipp Kionka, Sarah Fischer, Stefan Dittrich, Mavinga Petrasch, Steven Zuleger, Eldon Phillips, Bryan Henao Bildredaktion Mehmet Filiz, Ulla Kühnle, Patrick Labitzke, Meli Dikta, Sebastian Sach Artdirektion Raimar Schurmann Grafik & Illustration Lisa Hofmann, Florian Geiger, Kathrin Leisterer Audio Philipp Seitz (ANT Studio) IT-Support Martin Riemer (Easy NetworX / www.easy-networx.de) Vermarktung & Sales Marcel Kantimm marcel.kantimm@ HANIX-magazin.de Robert Mucha robert.mucha@ HANIX-magazin.de Verlagskoordination / Administration / Social Media Marcel Kantimm Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion wieder. Für die Richtigkeit von Angaben, Daten, Behauptungen etc. in den Beiträgen kann der Herausgeber bzw. die Redaktion keine Verantwortung übernehmen. Haftung für Links: Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf unserer Homepage und machen uns diese Inhalte nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf www.HANIX-magazin.de angebrachten Links. Herausgeber und Redaktion übernehmen keinerlei Haftung für die hier angebotenen Informationen.

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DER HISTORISCHE SCHUSS TEXT UND FOTO: STADTARCHIV HEILBRONN In den Salzbergwerken Heilbronn und Kochendorf waren ab Juli 1942 bedeutende Kunstwerke und Kulturgüter eingelagert. Nachdem Heilbronn seit dem 12. April 1945 von amerikanischen Truppen besetzt war, inspizierte bereits vier Tage später der amerikanische Kunstschutzoffizier James J. Rorimer die beiden von Wassereinbruch bedrohten Bergwerke und sorgte für Sicherungsmaßnahmen. Am 1. September bildete die amerikanische Besatzung einen speziellen Kunstschutzstab. Leiter der Abteilung »Monuments, Fine Arts & Archives Heilbronn-Kochendorf« wurde der 26-jährige Kunstschutzoffizier Dale V. Ford, ihm zur Seite stand der noch jüngere Unteroffizier Harry Ettlinger. Mit viel Engagement, Sorgfalt und Sachverstand nahmen sich die beiden »Monuments Men« – unterstützt durch einige deutsche Mitarbeiter – der riesigen Aufgabe an, die eingelagerten »Schätze« zu erfassen, die rechtmäßigen Eigentümer zu ermitteln und bei nicht eindeutigen Eigentumsverhältnissen die Rückgabe über den zentralen »Collecting Point« in Wiesbaden vorzubereiten. 145 Archive, Bibliotheken, Denkmalämter, Museen und Kunstsammlungen von Schleswig-Holstein bis Südbaden hatten ihre Sammlungen und Unterlagen in Heilbronn und Kochendorf eingelagert. Auch sog. Beutekunst war darunter und es hatte hohen symbolischen Wert, dass die kostbaren Fenster des Straßburger Münsters noch im September 1945 an die Münsterkirchengemeinde zurückgegeben wurden. Die aus dem Mittelalter stammenden Bleiglasfenster waren im Heilbronner Salzbergwerk eingelagert gewesen. Rund 220 Fälle von illegal erworbenen Kunstgegenständen und Kulturgut konnten Dale V. Ford und Harry Ettlinger ermitteln. Das Foto stammt wohl von Dale V. Ford kurz vor seinem Weggang von Heilbronn im August 1946. Es zeigt den Heilbronn–Kochendorfer Kunstschutzstab mit »Monuments Man« Harry Ettlinger in der Mitte; recht von ihm steht sein deutscher Mitarbeiter Joachim Seeger (1946). Der Text und das Bild wurden vom Stadtarchiv Heilbronn zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen enthält die Veröffentlichung von Christhard Schrenk »Schatzkammer Salzbergwerk. Kulturgüter überdauern in Heilbronn und Kochendorf den Zweiten Weltkrieg« (Stadtarchiv Heilbronn 1997).

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Der Kunstschutz-Stab Heilbronn-Kochendorf, 1946

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V E R A N S TA LT U N G E N I M D E Z E M B E R / J A N UA R Dezember Galerie KunstEtage K55 Kunst hilft: Kunstmarkt für die Aktion »Menschen in Not« auch einfach nur zuhören und zuschauen, wie andere Tango tanzen. Zuschauer und Mittänzer sind herzlich eingeladen! 1. Dezember »Durch Kunst anderen Menschen helfen«. Dieser Gedanke beschäftigt die sozial engagierten Mitglieder des Künstlerbundes Heilbronn. Der »Kunst hilft« – Markt wird seit dem Jahr 2003, jetzt in der Kunstetage, organisiert. Dabei spenden die Künstlerinnen und Künstler 50% aus dem Erlös ihrer Werke an die Heilbronner Stimme – Aktion »Menschen in Not«. Die Kunstkäufer unterstützen daher mit ihrem Erwerb einen wohltätigen Zweck zur Weihnachtszeit. 1. Dezember Theater Heilbronn, Großes Haus Homo faber - Schauspiel nach dem Roman von Max Frisch Complex23 Käpt´n Topfit und der gemeine Pommfritz von und mit Udo Grunwald Ein »Piratenclownmitmachspaß« für alle jungen Zuschauer ab 6 Jahren. Käptn Topfit soll seinen berühmten »TopfitSaft« nach Pampelmusien bringen. Kurz vorm Auslaufen wird er von dem gemeinen Piraten Pommfritz überwältigt. Er will den leckeren Topfit-Saft ins Meer kippen, und statt dessen das Superfettgetränk »Fettbacke« in die Flaschen füllen. Zum Glück befreit sich Käptn Topfit, und macht sich mit der Ladung aus dem Staub. Aber er navigiert direkt auf das gefährliche Seeungeheuer zu, und der gemeine Pommfritz hinterher. Kann Käptn Topfit die Weltverfettung verhindern? Helft Käptn Topfit bei seinem bisher fettigstem Abenteuer! 1. Dezember Walter Faber, Schweizer Ingenieur bei der UNESCO in New York, ist Rationalist durch und durch. Er glaubt an die Mathematik. Begriffe wie Mystik und Schicksal haben in seinem Denken nichts zu suchen. Auf einem Flug nach Venezuela muss die Maschine notlanden. Hencke, ein junger Deutscher fällt ihm auf, der, wie sich herausstellt, der Bruder seines früheren Studienfreundes Joachim ist. Von Joachim hat Faber zuletzt 1936 gehört als er selbst nach Bagdad gegangen ist, um seinen ersten Job als Ingenieur anzutreten. Er ließ damals seine Freundin Hanna bei Joachim, dem angehenden Arzt zurück. Der wollte Hanna, die von Faber schwanger war, bei der Abtreibung des Kindes beistehen. So war es verabredet. Fast 20 Jahre später lernt er bei seiner Überfahrt nach Europa an Bord eines Schiffes ein junges Mädchen kennen, Elisabeth, das ihn mehr und mehr bezaubert... 2. Dezember Theater Heilbronn, Großes Haus Theaterführung Lüften Sie die großen und kleinen Geheimnisse der »Werkstatt Theater«: Besuchen Sie die Schreinerei, den Malersaal und lassen Sie sich durch unterirdische Gänge führen. 3. Dezember Ebene 3 im Kulturforum K3 Tango Argentino Tanzabend Tango ist Sehnsucht, Geheimnis, Leidenschaft und Erotik. Wer vom Tango einmal berührt ist, der wird infiziert sein und der Sucht dieses Tanzes nachgeben müssen. Wer selbst nicht tanzen mag, kann bei einem gemütlichen Glas Wein Theater Heilbronn, Kammerspiele Good morning, boys and girls - Schauspiel von Juli Zeh »Weißt du, was mich ankotzt? Man kann nichts mehr zum ersten Mal machen. Alles schon da gewesen. Für uns bleibt nur Karaoke.« Jens ist 16 Jahre alt, nennt sich selbst Cold

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR und plant einen Amoklauf. In seiner Vorstellung sieht er schon den Medienrummel, den seine Tat auslösen wird. Die Reporterteams, die seine Eltern befragen, und in seiner Schule auf Spurensuche gehen, um Antworten zu finden auf die Frage nach dem Warum. Er war so ein liebes Kind, voller Fantasie, sagt die Mutter. Er war ein Loser, sagt der Vater. Beide verdienen viel Geld mit dem Verkauf von Kunst, und Jens ist ihnen einfach so passiert, als sie gerade dabei waren, so richtig erfolgreich zu werden. Ob er gespürt hat, dass er eigentlich nicht richtig gewollt war? Er war anders als seine Mitschüler. Seine Intelligenz hat ihn zum Außenseiter gemacht, sagt die Lehrerin. Seine Kurzgeschichten waren wahnsinnig gut, nur etwas blutrünstig. Hätte sie genauer hinschauen sollen? Seine Mitschülerin Susanne versteht ihn, ist klug, hat einen ähnlich kruden Humor, tarnt sich nur mit ihrer Modefrisur und den derzeit angesagten Klamotten, damit sie nicht auch als Außenseiterin erkannt wird. All diese Gedankenspiele finden im Kopf von Jens statt. Man kann ihm beim Denken zuschauen. Grundthese des Stückes, bei dem man bis zum Schluss Realität und Fiktion nicht auseinanderhalten kann: Amokläufe sind nicht monokausal erklärbar. 3. Dezember der die Namen aller Widerstandskämpfer an die Gestapo in Warschau ausliefern will. Sobinsky sucht Hilfe beim Schauspielensemble. Wozu haben sie die Kulissen und Kostüme von »Ein Geschenk von Hitler« aufbewahrt? Kurzerhand verwandeln sie ihr Theater in die Gestapo-Zentrale. Für Josef Tura und seine Schauspielkollegen geht es nun wirklich um »Sein oder Nichtsein«. 4. Dezember Theater Heilbronn, Großes Haus Emilia Galotti - Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing Kunsthalle Vogelmann Adventskalender: »Macht. Wahn. Vision. Der Turm und urbane Giganten in der Skulptur« Täglich wird von Dienstag bis Freitag ein »Türchen« des Adventskalenders geöffnet und ein besonderes Thema oder Kunstwerk von Heilbronner Persönlichkeiten, in der Ausstellung, vorgestellt. 3. Dezember Prinz Hettore Gonzaga von Guastalla liebt die Frauen. Als er das schöne bürgerliche Mädchen Emilia Galotti erblickt, möchte er sie auf der Stelle besitzen. Doch der Prinz muss erfahren, dass das Objekt seiner Begierde noch am selben Tag den Grafen Appiani heiraten wird. Marinelli, Kammerherr und Vertrauter des Prinzen, fädelt eine Intrige ein. Appiani soll sofort mit einem angeblich wichtigen Auftrag außer Landes geschickt werden. Doch der Graf lehnt ab. Marinelli ist aber mit seinen Tricks und Raffinessen noch nicht am Ende und schreckt selbst vor einem Verbrechen nicht zurück, um Appiani von seiner Braut zu entfernen. Emilia ist unterdessen den Verführungsversuchen des Prinzen ausgesetzt, vor dem sie eine tödliche Furcht hat: »Gewalt! Gewalt! wer kann der Gewalt nicht trotzen? Was Gewalt heißt, ist nichts: Verführung ist die wahre Gewalt. Ich habe Blut, mein Vater, so jugendliches, so warmes Blut als eine. Auch meine Sinne sind Sinne. Ich stehe für nichts. Ich bin für nichts gut.« 4. Dezember Theater Heilbronn, Kammerspiele Zweier ohne (UA) - Schauspiel nach Dirk Kurbjuweit von Petra Wüllenweber Theater Heilbronn, Großes Haus Sein oder Nichtsein - Komödie von Nick Whitby Warschau 1939. Im Theater wird die Nazi-Satire »Ein Geschenk von Hitler« geprobt. Da wird das Stück einen Tag vor der Premiere abgesagt, um Deutschland nicht zu provozieren. Stattdessen wird »Hamlet« gespielt – mit Josef Tura, dem selbsternannten Star des Ensembles, in der Titelrolle. Aber warum verlässt in jeder Vorstellung, ausgerechnet beim Monolog »Sein oder Nichtsein« ein Offizier mit Blumen den Saal? Josef Tura ahnt nicht, dass Stanislaw Sobinsky seine Gattin Maria Tura in der Garderobe aufsucht. Als wenig später Polen von den Nazis besetzt ist, kämpft Sobinsky im Untergrund. Er soll einen Agenten stoppen, Johanns inniger Wunsch nach einer Freundschaft wird durch Ludwig, den Neuen in der Klasse, erfüllt. Sie verbringen viel Zeit im Garten von Ludwigs Eltern. Erst recht unzertrennlich werden sie, als sie gemeinsam rudern. Sie fahren Zweier ohne (Steuermann). Dieses Boot verlangt den absoluten Gleichklang seiner beiden Ruderer. Weil jeder auf einer Seite zieht, müssen beide gleich stark sein. In ihrer ersten Saison gewinnen Johann und Ludwig jedes Rennen im Zweier ohne. In der zweiten Saison bekommen sie harte Konkurrenz: eineiige Zwillinge. »Wenn wir die schlagen wollen», sagt Ludwig, »müssen wir auch Zwillinge sein.«

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR Von nun an wollen sie das Gleiche tun, das Gleiche wollen, das Gleiche denken. Fast jede wache Minute verbringen sie miteinander, sie spielen die gleichen Computerspiele, essen gleichviel von den gleichen Gerichten, erleben ihren ersten Sex am gleichen Tag mit dem gleichen Mädchen, erzählen sich ihre Gedanken und ihre Träume, restaurieren gemeinsam ein altes Motorrad. Doch dann verliebt sich Johann ausgerechnet in Ludwigs Schwester Vera. Nach der ersten Liebesnacht treffen sie sich immer häufiger – stets heimlich, um Ludwig nicht zu verletzen. Seine Träume behält Johann von nun an lieber für sich. Aber Ludwig verändert sich in jenem Sommer. Er wird launisch und aggressiv. Die Freundschaft der beiden gerät aus dem Ruder. 4. Dezember 5. Dezember Kaffeehaus Hagen »Völlig ausgebucht« von Becky Mode Theaterschiff Macho Man Versteh einer die Frauen! Daniel, Anfang 30, ist gerade verlassen worden - und das, obwohl er alles gemacht hat, was seine Freundin wollte. Schließlich haben ihm seine 68er– Eltern beigebracht, Frauen zu achten und zu respektieren. Das hat ihm als Jugendlicher auf Partys sehr geholfen: Während die Mädchen mit den anderen Jungs in der Ecke knutschten, hat er sie geachtet und respektiert. Und einer musste schließlich die ganzen Nudelsalate essen. Er fliegt in die Türkei. Dort passiert ein Wunder: Die bezaubernde Aylin, in die der ganze Club verliebt ist, interessiert sich für ihn. Daniel schwebt im siebten Himmel. Wird aber sehr schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als er, zurück in Deutschland, Aylins türkische Großfamilie kennenlernt ... 4. Dezember 25 Personen – ein Schauspieler: Sami, arbeitsloser Schauspieler mit Diplom, der sich seinen Lebensunterhalt in der telefonischen Reservierungsannahme eines nicht näher bezeichneten Promi-Restaurants verdient, muss wissen, wer keinen und wer einen Tisch bekommt. Die feine Gesellschaft ist es, die hier unter die Lupe und gleichwohl auf den Arm genommen wird. Für den Telefonterror, den er durch Sonderwünsche von Wolfgang Joop (Keine weibliche Bedienung!), oder Cornelia Fischmeyer-Eckel (Tisch 31!) aushalten muss, bemitleidet man ihn von Herzen. Arrogante Tussis, Mafia-Liebchen, die schon mal reichlich was für gute Plätze springen lassen, sehr ernste Sekretärinnen, ahnungslose Provinzler, die in prominenter Umgebung gabeln wollen. Alles ist vorhanden. Dazu dringen noch nervende Drangsalierungen des Ausbeuter-Chefs und Horrornachrichten aus dem Restaurant über zwei Sprechanlagen ins Souterrain, wo sich Sami in der Telekom-Zange windet. Der Pfiff des Stücks: Ein einziger Schauspieler muss nicht nur Sami, den Reservierungsmenschen, sondern auch sämtliche Anrufer(innen) spielen, die ihm telefonisch auf den Leib rücken. 5. Dezember Theater Heilbronn, Komödienhaus Autorin im Gespräch: Susanna Filbinger-Riggert Jazzclub Cave 61 Konzert + Session: Koschitzki / Pereira Duo feat. Mauro Martins & Benny Judd Seit nunmehr zehn Jahren sind die beiden Ausnahmemusiker Stefan Koschitzki und Fabiano Pereira musikalische Weggefährten. Stilistisch so vielfältig wie experimentierfreudig finden sie immer neue Inspirationen und Wege sich gemeinsam musikalisch auszudrücken und es entwickelte sich im Laufe der Zeit eine besondere Affinität zur brasilianischen Musik. Gespielt werden brasilianische Klassiker von choro bis Samba sowie Eigenkompositionen. Anschließend dürfen sich alle Sessioneinsteiger auf die gemeinsame, stilechte Interpretation brasilianischer Standards freuen. Die Vater-Tochter-Biografie »Kein weißes Blatt« ist ein mutiges Buch jenseits von Rechtfertigung oder Verurteilung. Auch 35 Jahre nach dem Rücktritt von Hans Filbinger als Ministerpräsident ist kein Gras über »die Sache« gewachsen. Die Sache – das waren vier Todesurteile, die der damalige Marinerichter in den letzten Kriegsjahren gefällt hatte. Die Sache – das war vor allem aber auch seine Reaktion, als diese Urteile 1978 bekannt wurden. Das ehemalige NSDAP-Mitglied war inzwischen Landesvorsitzender der CDU und im zwölften Jahr Ministerpräsident. In seinem Verhalten als Marinerichter konnte Filbinger nichts Schuldhaftes erkennen - und verlor deshalb nach und nach jede Unterstützung und schließlich seine Ämter. Seine Tochter hat den Aufstieg und den Absturz des Vaters hautnah miterlebt.

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR 5. Dezember Mobilat OUT OF THE DARK zu verunsichern, die alten Fracks zu entstauben und sich den handyverliebten Konzertbesuchern des herannahenden 22. Jahrhunderts zu stellen. 6. Dezember Gothic, Darkwave, EBM, Industrial, Mittelalter, 80ies 6. Dezember Bukowski STADTKULTUR MAL TANZBAR Theater Heilbronn, Kammerspiele Das Herz eines Boxers - Schauspiel von Lutz Hübner Jojo ist 16 Jahre alt und ein ziemlicher Loser. Um sich vor seinen Freunden interessant zu machen, nimmt er den Mopeddiebstahl eines anderen auf sich und muss jetzt dafür Strafstunden ableisten. Er soll in der geschlossenen Station eines Altersheimes das Zimmer eines alten Mannes renovieren, der geistig und körperlich völlig verfallen zu sein scheint. Großmäulig textet Jojo den alten Leo zu. Der antwortet nicht, und Jojo kann hier seine Sprüche klopfen, die ihm seine Freunde nicht mehr abnehmen. Doch plötzlich kommt Leben in Leo. Jojo erfährt, dass der seine Gebrechen nur vortäuscht, um seine Ruhe zu haben, und dass Leo früher ein sehr berühmter und erfolgreicher Boxer war. Die beiden verstehen sich immer besser. Leo sieht das wahre Wesen, das sich hinter Jojos großer Klappe versteckt. Und der Junge gewinnt immer mehr Achtung vor dem alten Mann. Schließlich fassen beide einen verrückten Plan ... 6. Dezember Nachts sind alle Katzen grau? Weit gefehlt! Das Bukowski leuchtet gerade nachts als heller Stern im Heilbronner Nachtleben. Schon weit über 30 Jahre gibt es Musik und Tanz in der Hafenstraße, der Club hat das Stadtbild kulturell geprägt. Am Nikolausabend lassen wir deshalb für Euch – im Rahmen des Elektronischen natürlich – die kulturelle Vielfalt aus dem Sack: Waffel & Pfannkuchen starten mit House, Pravi Lopov schwenkt im Anschluss ins Technoide und zu guter letzt haut Shakaree eine Prise Goa raus – wenn Ihr wollt, gern bis 8:30 Uhr! 6. Dezember Complex23 Eröffnung: holy mess art fair Der multimono kaufladen leistet einen Beitrag zum verrückten Weihnachtskonsum und fördert den Einkauf von Kunst und selbstgemachten Sachen. Fotografie, Zeichnung, Malerei, Genähtes und noch vieles mehr… 6. Dezember Kaffeehaus Hagen Mobilat Vom Türsteher was auf die Ohren »Holt mich hier raus!« oder »Meine eigene Psyco-Show« Eine Schauspielerin, bekannt durch Bühne und Fernsehen, hat nach langem Herumschlagen erreicht, dass ihr 30-jähriges Jubiläum zur Primetime im Fernsehen gesendet wird. An dem großen Tag, löst sie aus Versehen den Verschluß des eisernen Rolladens und ist plötzlich auf ihrer eigenen Dachterrasse ausgesperrt. Alle Bemühungen sich bemerkbar zu machen, scheitern und notgedrungen findet sie sich damit ab, ihr so heiß ersehntes Jubiläum verpasst zu haben.... 6. Dezember Harald macht das, Grundsolide Tanzmusik. 7. Dezember Bukowski GET READY FOR: TECHNO Jazzclub Cave 61 Bruckner’s Unlimited (A) Österreichs kleines musikalisches Paradoxon aus der Brucknerstadt Linz, ohne jedwede Beziehung zu demselben Komponisten andererseits, hat sich nach Jahren der Sinnsuche wiedervereint, um die internationalen Musikbühnen Viele Leute verstehen unter Techno immer nur nach vorne und voll auf die zwölf...was vielleicht kein Fehler ist, bloß dem großen Ganzen nicht entspricht! Für uns meint Techno etwas Anderes: Die Überschrift über das Kapitel elektronisch-ambitionierte Tanzmusik! Von smooth bis hart, von monoton bis melodisch, von progressiv bis maximal. Am wichtigsten ist doch, dass ein Set eine gute Geschichte erzählt, und zwar inklusive schön aufgebautem Spannungsbogen. Also reisst eventuelle Scheuklappen von den Augen bzw. Ohren und kommt einfach ganz tolerant und neuen Welten gegenüber aufgeschlossen feiern!

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR 7. Dezember 7. Dezember Mobilat IT'S ALL ABOUT HIP HOP… Kulturkeller Peggy O. und Michael Sorg »Advent« Der Name ist Programm. Steve & Pete's klassische Jam hat sich etabliert und lockt immer mehr gleichgesinnte Hip Hop Fans nach Heilbronn. Selbiges besteht aus FreestyleSessions und Open Mic, jeweils begleitet von unglaublich dopen Live-Musikern. Weiterhin gibt es vielfältige Performances, regionaler Künstler, für die die Jam eine Plattform darstellt, um sich der Welt zu zeigen. Dieses Konzept geht voll auf und mündet in einer typischen Win Win Situation. Hier geht es nicht um Battle, sondern um Gemeinschaft und den geteilten Vibe. Hier werden keine Emcees geburnt, sie burnen miteinander, und das heftig.« 7. Dezember Hinter 24 »Türchen« wird eine so geniale Mischung aus Gedichten, Geschichten, Tänzen, Chansons und Musik rund um Weihnachten versteckt, dass die Zuhörer bis zum Ende gespannt sind, wer oder was als nächstes zum Vorschein kommen würde. Sie ist einfach umwerfend, die Sängerin, Tänzerin und »Vortragskünstlerin« Peggy O. und mit ebenso viel Talent wie Charme ausgestattet. Der Mann an ihrer Seite ist Michael Sorg, Pianist, Komponist und Sänger. 7. Dezember Ebene 3 im Kulturforum K3 Soul Connection Die sechsköpfige Band spielt Funk & Soul. 7. Dezember Kulturbühne Kapelle im Schloss Brackenheim Live den Lebenden – Rainer von Vielen & Band Saisonabschluß beim Kulturforum Brackenheim Zum Saisonabschluss bringt das Kulturforum Rainer von Vielen & Band auf die Bretter der Kulturbühne Kapelle im Schloss Brackenheim. »Live den Lebenden« ist der Programmtitel, mit dem die Allgäuer Punk-Pop Band am Samstag, 7. Dezember den Saal rocken werden. Beginn ist um 20 Uhr. Vier Musiker – 420.000 Kilometer. Sechs Jahre – 600 Konzerte. Ein Leben auf der Straße, in Hotels und Hinterzimmern, in fremden Betten, auf feuchten Böden. Die Allgäuer Band kennt alle Hochs und Tiefs des Tourlebens. Doch Rainer von Vielen (Gesang, Akkordeon), Mitsch Oko (Gitarre), Dan le Tard (Bass) und Niko Lai (Schlagwerk) wissen, wofür sie drei Schlagzeugsets, sechs Reifen- und 180 Saitensätze verschlissen haben. Eine viertel Million Besucher sahen ihre Konzerte auf drei Album-Tourneen. »Live den Lebenden« ist ein Brückenschlag zum tieferen Verständnis einer Musik, die Genregrenzen sprengt und vielschichtig wieder versöhnt. Es ist aber viel mehr als ein Best-of Bühnenklassiker: Eine Retrospektive aus Festival- und ClubShows der ersten Jahre, in der der Schweiß des Tour-Alltags steckt. Ein Leben von der und für die Musik. Eine Wanderung zwischen den Extremen. Ein echtes Zeugnis, wie eine Fangemeinde die Arbeit von vier Musikern beeinflusst. Mit Liedern, die die Lebenden lieben. Kaffeehaus Hagen »Zwei wie Bonnie & Clyde« Manni und Chantal alias Bonnie & Clyde träumen vom großen Geld, unbeschwertem Leben in Las Vegas, Rente in Südamerika. Dafür muss aber erst mal eine Bank geknackt werden. Ein Kinderspiel! Sollte man meinen... »Zwei wie Bonnie & Clyde« ist wahrlich eine Tour de Force für die Lachmuskeln, bei dem ein Gag den nächsten jagt und die Lage für das dilettantische Gaunerpärchen immer verzwickter und verrückter wird. 8. Dezember Kaffeehaus Hagen »Der letzte Wille« Volksstück von Fitzgerald Kusz mit dem Klingenberger Hoftheater In schwäbischer Mundart 8. Dezember Audi Forum Neckarsulm Jazz im Audi Forum Java Five & Leipzig Big Band – Vocal Christmas Swing 9. Dezember Kulturkeller Literatur am Montag: Manfred Hausemann Anne-Gabriele Michaelis erzählt aus dem Lebensbild und Werk des Schriftstellers, ein/e Schauspieler/in liest die Texte von Manfred Hausmann.

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INTERVIEW DES MONATS: GERD LEIPOLD UND WALTER SITTLER Auf der kostenlosen »keosk«-App im iTunes Store findet ihr HANIX hier: MAGAZINE > LIFESTYLE > ALTERNATIV GEHTS

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR 9. Dezember Complex23 Kaffeeklatsch mit Kind barin. Komisch und nachdenklich zugleich, gestaltet sie einen unterhaltsamen Theaterabend. 12. Dezember Alle Mamas, Papas, Omas, Opas, Onkel und Tanten sind herzlich willkommen zum Kaffee trinken und Kuchen essen in gemütlicher Atmosphäre. Damit die Erwachsenen (den Kuchen) auch entsprechend genießen können gibt es für die Kleinen eine gemütliche Spielecke, zum toben, spielen und lesen. 10. Dezember Mobilat »radio nightflight« Barabend mit entspannter Hintergrundmusik, reduzierter Beleuchtung und bequemen Sitzmöglichkeiten 12. Dezember Complex23 »Blurt Konzert« Theater Heilbronn, Komödienhaus Harry und Sally - Komödie von Nora Ephron Sally ist neu in der Stadt und renoviert ihre Wohnung. Harry, der Freund ihrer Freundin, hilft ihr beim Streichen. Sally ist eine Pedantin, wie sie im Buche steht. Er ist ein Typ, der das Leben leicht nimmt. »Lust auf Sex, während die Farbe trocknet?«, fragt er. Sally ist entrüstet, schließlich ist Harry mit ihrer Freundin zusammen. »Lass uns einfach Freunde sein«, schlägt sie ihm vor. Das, so lautet Harrys Überzeugung, ist unmöglich. »Männer und Frauen können niemals Freunde sein, weil ihnen immer der Sex dazwischen kommt.« Fünf Jahre später treffen sie sich wieder. Beide sind in glücklichen Beziehungen. Das hält Harry aber nicht davon ab, wieder mit Sally zu flirten. Zu einer Verabredung kommt es jedoch erst weitere fünf Jahre später, als beide, verlassen von ihren Partnern, die Nase voll haben von der Liebe. Sie werden richtig gute Freunde, die sich alles erzählen können. Sollte Harry sich mit seiner These über Männern und Frauen doch geirrt haben? 11. Dezember Präsentiert von der Turbojugend Heilbronn e.V. und Complex23. Blurt ist der Name einer Band, die 1979 vom britischen Saxophonisten, Poeten und Puppenspieler Ted Milton (geb. 1943) gegründet wurde. Milton hat mit seiner Mischung aus expressivem Saxophonspiel, dadaistischen Texten und einer Punk-inspirierten minimalistischen, harten und schnellen Begleitung durch Schlagzeug und Gitarre einen Stil geprägt, den er als Jazz-Punk bezeichnete. Teilweise war die Band auch in größeren Besetzungen aktiv. Bis heute haben Blurt über 30 LPs veröffentlicht und geben noch immer Konzerte. Die CD The Best of Blurt, Vol 1 (2003) wurde von der britischen Tageszeitung The Guardian 2007 in die Liste 1000 albums to hear before you die aufgenommen. 13. Dezember Bukowski KLANGREISE – GIVE SOMETHING BACK! Theaterschiff Männer und andere Irrtümer Was viele nicht wissen: Auch Männer kommen in die Wechseljahre. Vor allem führt die männliche Midlife-Crisis zu einem Jugendlichkeitswahn, dem sogenannten »Jennifer-Syndrom«: Der um seine Attraktivität ringende Mann verlässt das angetraute Weib, um sich für eine junge, schöne Fee in einen Märchenprinzen zu verwandeln. Zurück bleibt die verlassene Ehefrau, die die neu gewonnene »Freiheit« in all ihren Höhen und Tiefen durchlebt und dabei viel gut gemeinte Ratschläge erhält. In der One-WomanShow übernimmt Amelie Sturm insgesamt 25 Rollen, von der betrogenen Ehefrau über den untreuen Ehemann bis hin zu ihren lieben Freundinnen und der türkischen Nach164 Heute feiern wir sozusagen mit Sinn, Zweck und Substanz: Wer an der letzten »Klangreise« in diesem Jahr teilnimmt, bekommt von den Drum Poets, Daniel Calisse und TWATCH nicht nur massive Glücksgefühle verpasst, sondern verhilft auch den Tieren im Heilbronner Tierheim zu einem kleinen bißchen Glück: Aus den Erlösen der Nacht, wollen wir, initiiert von den Drum Poets, dem Tierheim schon in der Woche nach der Party einen 500,- €-Spende übergeben. Heißt im Klartext: Dein Eintrittsgeld oder Drink an der Bar rettet vielleicht einem Hamster das Leben oder sorgt für ein schönes Weihnachtsmahl für einen Hund. Wir hoffen, das motiviert Euch noch ein bisschen mehr als sonst – kommt zahlreich!

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER / JANUAR 13. Dezember Mobilat »Gegenkultur Punk – East meets West« Punk-Rock entstand aus der Punkbewegung 1976/77 in den westlichen Industriestaaten wie England & USA. Gründe für die Entstehung waren die Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit der Jugendlichen. Erste Punkbands, die schon damals bekannt waren und bis heute sehr viel Ruhm und Ehre erlangen konnten waren die Sex Pistols, The Clash, The Damned, The Stooges, Ramones... Wie alle Kultur- und Subkulturtrends kam auch der Punk aus dem Westen nach Osten. Doch Ostblock-Punk-Band der ersten Stunde wie Pankrti, Prljavo Kazalište, EKV, Šarlo Akrobata… werden wohl den wenigsten ein Begriff sein. Dj 4 YU, hat diese Zeit in Jugoslawien miterlebt und wurde von ihr geprägt. Vielen ist nicht bekannt, dass hinter dem eisernen Vorhang mindestens genau so viel und gut gerockt wurde wie im Westen. 13. Dezember jede Vorbereitungszeit und mit viel Lust am Fantasieren um; daraus können Romanzen, satirische Szenen, Gruselgeschichten, Märchen oder sogar ganze Romane erwachsen. 14. Dezember Mobilat WHO THE FUCK Oliver Hafenbauer, Benedikt Frey, Ben UFO, Giles Smith, Portable, Ryan Elliott, nd_baumecker, Damiano von Erckert - 2013 war eigentlich ein ganz gutes Jahr unserer Meinung! Zum Abschluss unserer Mobilat Saison begrüßen wir mit A Raw Phenomena (aka David Willenberger & Philipp Reik) nicht nur einfach zwei Gast-DJs sondern gleichzeitig ein neues Mitglied der Familie. Mit dabei Michael Mutterkorn. Come. Listen. Dance! Cheerio. 14. Dezember Bukowski MUSIKZIEL: BUKOWSKI Kulturkeller Bernd Lafrenz »Der Widerspenstigen Zähmung« Frei komisch nach Shakespeare Lucentio, verliebt sich in die schöne Bianca und möchte sie heiraten. Ihr Vater Baptista Minola will aber zuerst seine älteste Tochter Katharina unter die Haube bringen. Die hat jedoch Haare auf den Zähnen und ihren eigenen Willen, so dass alle Interessenten vor ihr zurückschrecken. Nur der unerschrockene Teufelskerl Petruchio will es wagen und zähmt die Widerspenstige mit einer Charmeoffensive. Bernd Lafrenz ist einmal mehr der virtuose Verwandlungskünstler im Geschwindigkeitsrausch. Blitzschnell wechselt er Outfit und Grimassen, schlüpft in 10 Männer- und Frauenrollen (und noch mehr Kostüme), markiert seine Charaktere mit winzigen Gesten, improvisiert, arrangiert, animiert, greift tief in die Trickkiste und erwischt immer neue Kniffe...bis zum furiosen Stierkampf mit Happy End. 13. Dezember Auf der Tanzfläche schunkeln sich die Gäste durch den Abend, der DJ ergeht sich an minimalsten Soundstrukturen. Dann tritt Ziel100 auf den Plan und schafft es ohne Themenwechsel, den Schunkelhaufen innerhalb kürzester Zeit in einen Hexenkessel zu verwandeln. Der langhaarige Frankfurter entlässt top gestylte Frauen erst von der Tanzfläche, wenn der Kajal am Kinn hängt und die High Heels zu Ballerinas abgetanzt sind. Vorab und im Anschluss jagen Euch Fred Moody und Maurice mithilfe der Bassboxen Schauer über den Rücken. Tanz ist das Ziel! 14. Dezember Jazzclub Cave 61 Christoph Mudrich Trio feat. Anette von Eichel »Blue X-Mas« Ebene 3 im Kulturforum K3 Improtheater »Ohne Gewähr« Wie aufregend, rührend und witzig kann Theater sein? Und vor allem: wie spontan? Wenn es sich um Improvisationstheater handelt, dann kann die Antwort nur lauten: Ziemlich! Gespielt und gesungen werden Szenen nach den Vorgaben der Zuschauer. Die setzt das Improtheater ohne Auch dieses Jahr wird der Pianist und Arrangeur Christoph Mudrich gemeinsam mit dem Bassisten Rudi Engel und dem Schlagzeuger Dirik Schilgen einen Abend für Jazzfreunde und Weihnachtsfans gleichermaßen präsentieren – ein Garant für eine echte Alternative zum üblichen saisonalen Weihnachts-Einerlei, dazu ein paar bislang ungeöffnete Weihnachts-Geschenke der klingenden Art. Dass so viel Tradition auch frisch und unverbraucht klingen kann, dafür steht die Vokalistin dieses Projekts. Mit Anette von Eichel konnte eine der herausragenden Stimmen des deutschen Jazz als Front-Frau gewonnen werden.

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR 14. Dezember 18. Dezember Zigarre Theater Heilbronn, Kammerspiele Dracula - Live-Hörspiel nach Bram Stoker von Eike Hannemann & Birte Werner Zur Eröffnung am 14. Dezember 2013, 19:30 Uhr, im K2acht, Weststr. 28, laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein. 14. Dezember Kreatif Matthias Bauer: Best of »Gulasch« und »matzab« Viele Dinge zwischen Himmel und Erde nehmen wir nur noch unbewusst wahr. Woran liegt das? Was können wir dagegen tun? Wir können uns Matthias Bauer live zu Gemüte führen. Matthias Bauer lehrt uns wieder den Blick zu schärfen auf das was um uns herum geschieht. Haben Sie sich nicht auch schon gefragt warum man als Goldfisch im Glas nicht wahnsinnig wird ob der eingeschränkten Bewegungsfreiheit? Er kennt sich aus beim täglichen Dorfgespräch unter Nachbarn, Kommunikation via Facebook. Seien Sie dabei wenn er mit Ihnen seine Erinnerungen an den ersten Kondomkauf teilt. 16. Dezember Vampir-Geschichten haben Konjunktur. Dass man diesem Horror-Klassiker trotzdem noch etwas Neues abgewinnen kann, zeigt das Theater Heilbronn mit einem Live-Hörspiel. Auf der Bühne befinden sich merkwürdige Utensilien wie mit Sand oder Steinen gefüllte Kisten, Wassergläser, ein kaputtes Harmonium, Mikrofone aller Art, Blechwände, Windmaschinen. Mitten drin zwei Schauspieler, die das scheinbare Chaos perfekt beherrschen. Sie spielen sämtliche Rollen und erzeugen eine gruselige Geräuschkulisse vor den Augen des Publikums: Augen zu und auf geht’s nach Transylvanien. Dahin ist nämlich der junge englische Rechtsanwalt Jonathan Harker gereist, um den Grafen Dracula zu beraten, der auf der britischen Insel ein Grundstück erwerben will. Harker wird in dem düsteren Karpatenschloss des Grafen Zeuge grässlicher Vorgänge. Als er merkt, dass er es mit einem Vampir zu tun hat, flieht er. Aber Graf Dracula kommt nun selbst nach London. Dort begegnet der Vampir Harkers Braut Mina. Bald geschehen merkwürdige Dinge in London ... 19. Dezember Theater Heilbronn, Kammerspiele Türkisch Gold - Schauspiel von Tina Müller Jonas hat sich verknallt - in Aynur. Sie hat lange dunkle Haare und ist für ihn das schönste Mädchen der Welt. Das kann niemals gut gehen, meint Luzia, Jonas' beste Freundin. Denn Aynur ist Türkin. Luzia geht mit Aynur zusammen zur Schule, und behauptet, dass sie sich für deutsche Jungs überhaupt nicht interessiert. Überhaupt, was Jonas sich mit einer deutsch-türkischen Liebe einhandeln würde, sei ja wohl klar. Was ist zum Beispiel mit Aynurs Familie und besonders mit ihrem Zwillingsbruder Kerim – lassen die das überhaupt zu, dass das Mädchen mit einem Deutschen geht? Wie wird sich Jonas Spießervater verhalten? Und kann er die blöden Kommentare seiner Mitschüler aushalten? Luzia und Jonas schlüpfen in ihrem Disput in die Rollen von Aynur, Kerim und den anderen und stolpern dabei über ihre eigenen Klischees und Vorurteile. Was wissen sie eigentlich über »die Türken«? Kaffeehaus Hagen »Nichts Schöneres« Mechthild Huschke, nicht mehr ganz jung und bisher nicht gerade vom Leben verwöhnt, hat Per »Annongse« einen Studenten kennengelernt. Einen wesentlich jüngeren, der ihr sogar ein Gedicht geschrieben hat! Extra für sie! »Du Scheiße, Mechthild – jetzt liebt dir doch mal eener!« Nichts Schöneres hat sie je gehört. Mechthild scheint ihrem neuen Glück aber nicht recht vertrauen zu wollen, denn bisher hatte sie auch nicht viel davon gehabt. Mit Dieter war sie verheiratet, gesoffen hat er, Prügel gab es und an seine Saufkumpanen hat er sie auch noch verkauft. »Nach außen große Klappe, nach innen viel Tristesse. Und blaue Flecken! Da wie dort und nicht zu knapp.« beschreibt sie sich selbst. »Dieter is nich mehr« - da hat sie nachgeholfen und nun, nach Knast und Klapse, winkt ein wenig Hoffnung auf das Glück. Eine Geschichte, bei der die Tränen in die Kaffeetasse tröpfeln, mal vom Lachen, mal vom Weinen. Oliver Bukowski hat mit »Nichts Schöneres« einen anrührenden und urkomischen Monolog geschrieben.

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR 19. Dezember 20. Dezember Theater Heilbronn, Großes Haus Dantons Tod - Drama von Georg Büchner Bukowski HOUSE OHNE SPERRSTUNDE Er war erst 21 Jahre alt, als Georg Büchner 1835 das faszinierende Revolutionsdrama »Dantons Tod« schrieb. Gelungen ist ihm ein geschichtliches Gemälde über eines der bahnbrechendsten Ereignisse der europäischen Moderne, das anhand vieler eingearbeiteter Originaldokumente einen entscheidenden Abschnitt der französischen Revolution beleuchtet. März 1794, Phase II der französischen Revolution, die als »terreur« in die Geschichte eingehen sollte. Das Volk, das 1789 gegen Armut und Unterdrückung auf die Straße gegangen ist, hungert noch immer. Alle Feinde der Revolution, ob mutmaßlich oder nachweisbar, werden hingerichtet. Auf dem Höhepunkt dieser Schreckensherrschaft werden zwei Führer der Revolution zu erbitterten Gegnern: Georges Danton, seit 1792 Justizminister der Revolutionsregierung, und Maximilien de Robespierre, Kopf der Jakobiner, Tugendwächter und unversöhnlich in seinem Hass gegen alle Feinde der Revolution. Danton ist mittlerweile wohlhabend und des Tötens überdrüssig. Er plädiert dafür, das sinnlose Blutvergießen zu stoppen: »Die Revolution muss aufhören und die Republik muss anfangen.« Robespierre hingegen sieht im Ende des Terrors einen vorzeitigen Abbruch der Revolution, deren Ziele nicht erreicht sind, solange die Massen hungern. Danton, der sich der vorwärtsdrängenden Masse in den Weg stelle, müsse ausgeschaltet werden. Danton vertraut seiner Popularität, glaubt nicht, dass er hingerichtet werden würde. Erst vor dem Revolutionstribunal erwacht sein Widerstand und er begeistert die Massen mit seiner Rhetorik. Als Robespierre dies bemerkt, verweigert er Danton die Chance zur öffentlichen Verteidigung. Erst lässt es sich von Danton mitreißen. Dann reicht Robespierres Hinweis auf Dantons neuen Wohlstand, um die Stimmung ins Gegenteil umschlagen zu lassen. Dantons Satz »Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder« erfüllt sich schließlich an ihm selbst. 19. Dezember Die Wahrnehmung von Bass hat der anderer Frequenzbereiche etwas Entscheidendes voraus: Tiefe Frequenzen werden nicht nur durch die Ohren wahrgenommen, sondern mit dem ganzen Körper. Sogar Gehörlose können diese Schwingungen wahrnehmen und daher zum Takt tanzen! Bereits im Mittelalter hat man sich das Wirken des Basses bei Orgelstücken in der Kirche zu Nutze gemacht: der tiefe Bass hatte etwas Ehrfurcht gebietendes und wurde darum nur an ganz bestimmten Stellen eingesetzt. Für eine optimale Dosierung aus unseren Boxen sorgen am 20.12. Mikel, Easy L und Shie, auf der Tanzfläche in Bewegung übersetzen dürft Ihr... 20. Dezember Mobilat The Paisley Club Oh yeah, oh yeah, es weihnachtet sehr! Wer viel isst muss auch viel tanzen, wer früher kommt kann länger feiern und wer Diamond Speed of Sound noch nicht kennt ist selbst schuld! Die Jungs verkörpern Psychedelic Sound, bringen garantiert nicht nur eure Füße zum zappeln und haben genug Energie damit wir eigentlich bis Silvester die Heizung nicht mehr aufdrehen brauchen. On Stage 23.30! Afterparty mit Dj Junior, der euch Soul und Funk auf die Ohren gibt und euren Hosts Manu & Thomas, die eine breit gefächerte Mischung aus GarageRock, Psych und Beat ballern. Clock in, find out. 20. Dezember Jazzclub Cave 61 The Shin - Kaukasischer World-Jazz-Rock Mobilat »radio nightflight« Barabend mit entspannter Hintergrundmusik, reduzierter Beleuchtung und bequemen Sitzmöglichkeiten Die in Deutschland lebenden Musiker gehören mehrheitlich zur künstlerischen Elite Georgiens, haben mit internationalen Größen wie z. B. Randy Brecker, Giora Feidman und Chaka Khan zusammengearbeitet, mehrere Workshops in Polyrhythmik, Improvisationstheorie und georgischer Mehrstimmigkeit abgehalten und sind bei zahlreichen internationalen Festivals aufgetreten. Berühmte georgische Mehrstimmigkeit und instrumentale Virtuosität entfalten sich im Austausch mit Jazz, Scat, Funk und Fusion, Flamenco und Indien, Ravel und McLaughlin. Wie klingt es? Raffiniert, überraschend, modern, witzig, heiter und einfühlsam.

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR 21. Dezember Bukowski LEIDENSCHAFT CLUBFEELING - ein überaus besinnlicher, ja befeuernder Abend, unterlegt mit fetziger Stimmungsmusik der Familie Bach. 22. Dezember Berühr mich mit Deiner Musik, verführ mich, elektrisier mich, hypnotisier mich: Im Buko klappt das regelmäßig, weil’s hier um das Einzige geht, was uns wirklich anmacht... Clubfeeling und Leidenschaft! Mit Alexander Aurel haben wir einen an den Decks, der so gekonnt verführt wie wenig andere, Support leisten Josh:tek und System32. In deren Gepäck? Blöde Frage! Kommen, tanzen, elektronische Leidenschaft erleben! 21. Dezember Kaffeehaus Hagen »Oh du fröhliche Weihnachtszeit!« Texte und Lieder mit dem Ensemble »Café Théatre 24. Dezember Bukowski ELECTRONIC CHRISTMAS SURVIVAL Mobilat genres are dead Es ist an der Zeit die Schubladen durch einen Schrank zu ersetzen, und sich einzig und alleine den Klängen der Musik hinzugeben. Thilo, lukas, winkler, samuel aka KKS BassBeats&Heiterkeit werden durch eure Gehörgänge fließen und euch wie von selbst in Bewegung bringen. 22. Dezember Das mit der stillen Nacht könnt Ihr dieses Jahr wieder mal getrost vergessen: Die Crackpots, Michael Otten, Oliver Groß und Klemmt & Knirscht warten an den Buko-Decks, und haben mit Euch andere Pläne! Außerdem birgt Heilig Abend den altbewährten Heimat-Bonus: Alle weggezogenen Heilbronner sind in town, um erst mit Mama & Papa, und später mit dem Rest der Stadt zu feiern. Da bleibt kein Auge trocken, Leute. In diesem Sinne: Frohes Fest und feste feiern! 24. Dezember Theater Heilbronn, Großes Haus A Christmas Carol - nach Charles Dickens in engl. Sprache Mobilat Heilig Abend Der hartherzige und geizige Geschäftsmann Ebenezer Scrooge verbringt auch Weihnachten im Büro. Seinem Angestellten Bob gibt er nur ungern frei und eine Einladung seines Neffen zum Weihnachtsessen lehnt er rüde ab. Als Scrooge nach Hause kommt, sucht ihn der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Marley heim. Weitere Begegnungen lassen ihn schließlich erkennen, dass er sein Leben ändern muss, wenn er nicht einsam und unglücklich sterben will ... 22. Dezember Klassischer Barabend mit musikalischer Untermalung von Amadeus über Dvorak bis Vivaldi 25. Dezember Mobilat God Save The Queen Presents: Merry Christmas Theaterschiff Thomas Gsella »Achtung hier spricht der Weihnachtsmann!« Der Weihnachtsmix mit Andrew & Thilo Britpop, 80er, Electro, indie...... [ lebedienacht.de ] pre. re:tool! Underground Dance Music mit Spuren von Disco / Rollerskate Boogie Jams / 80ties Funk / Italo Disco / New Wave / Chicago House. re:tool! Spielt nun seit über 13 Jahren im Club Mobilat open minded Dance Music, funky und soulful und immer mit einer Verbeugung vor der Paradise Garage in NYC und der Muzic Box in Chicago. Social dance. Strictly vinyl. Enjoy. Göttliche Gedichte, lammfromme Geschichten und himmlische Heiligenbildchen auf Leinwand präsentiert der Robert-Gernhardt-Preisträger und ehemalige »Titanic«-Chefredakteur Thomas Gsella in seinem Bühnenprogramm zum ewig aktuellen Thema Weihnacht und Christkind, Schenken und Überraschung, Umtausch und Nächstenliebe, Gott und Bundesligawinterpause, Silvester und Kopfweh

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR 25. Dezember 27. Dezember Bukowski KLANG DER BEWEGUNG Bukowski LUST AUF MEHR, YEAH! Ihr Kinderlein kommet: Wer, bloß weil Mittwoch ist, an Ausruhen denkt, hat die Rechnung ohne Fabian Hug und Christofer Henn gemacht. Der Mann vom Klangkollektiv, der sonst gerne mal die Romy S. auf links dreht, und sein Stuttgarter Kompagnion schauen am ersten Weihnachtsfeiertag im Buko vorbei, um dafür zu sorgen, dass Gans, Knödel, Plätzchen und Punsch keine Chance haben, auf unseren Hüften sesshaft zu werden. Das alles geschieht auf Einladung von Plasmiq und Pravi Lopov hin und nennt sich – Ihr ahnt es schon – Klang der Bewegung. Süßer die Bässe nie klingen! 26. Dezember Weil der 27. dieses Jahr auf einen Freitag fällt, machen wir am 26. ausnahmsweise Pause – natürlich nur, um am 27. in alter Frische für Euch aufzumachen! Mit Elektro Hippie Miss Jazzmen auch noch mit einem frischen Gesicht an den Decks, unterstützt von zwei echten Buko-Koriphäen: Fred Moody und Shie. Auf geht’s Leute, das letzte Wochenende des Jahres einläuten... 28. Dezember Mobilat 11-Jahre-Wortsport Lounge Mobilat ultra brutal productions & KDF presents "no presents for christmas« Sepalot (Blumentopf ) ist mit zwei Plattenspielern, einer MPC und seinem Live Drummer Fab unterwegs und macht im Rahmen seiner »Black Sky«- Albumtour Halt im Mobilat, um der Wortsport Lounge zum 11. Geburtstag zu gratulieren. 28. Dezember dj tollschock 27. Dezember Bukowski WE LIKE IT RAW: ROBERT DREWEK Mobilat LATERNE, LATERNE Die Geschenke sind verteilt, das Jahr neigt sich dem Ende und wir packen noch einmal die Laterne aus! Dieses Mal gibt uns Tipura an den Plattentellern die Ehre. Er ist der Mann hinter der Stuttgarter Geschmacksinstanz Kitjen, die schon mit vielen illustren Gästen wie Christopher Rau, Lauer oder Oliver Hafenbauer aufwarten konnte. Seinen groovigen House-Sound durfte Tipura unter anderem auch schon im renommierten ‚Robert Johnson‘ präsentieren. Daneben haben die Herren Hummel und Hutab - kurz H2 - ihre Maschinen einer Generalüberholung unterworfen und frisches Tanzmaterial gezimmert, welches live für ordentlich Furore sorgen wird. Natürlich darf auch Laterne-Spezl Felus aka Groove Willis nicht fehlen und wird erneut sein goldenes Näschen für funky Dancefloorkracher beweisen. Wie gewohnt präsentiert sich das Mobilat auch an diesem Abend wieder im Festtagskleid und freut sich riesig Euch zu sehen! Robert Drewek ist einer von der Sorte Old School – aus Techno City Frankfurt am Main, überall gespielt, jede Menge Tracks veröffentlicht, Labelbesitzer, kurz: kompetent! Candy Csonka stammt ebenfalls aus der Mainmetropole und zusammen schicken sich die beiden an, den Heilbronnern heute richtig einzuheizen. Für das Team Käthchenstadt an den Decks is Kaotee, und weil dies der letzte »normale« Öffnungstag in 2013 ist, können wir auch auf dich, dich und dich keinesfalls verzichten! 28. Dezember Theater Heilbronn, Komödienhaus Queenz of Piano - Tasta Tour Zwei preisgekrönte Pianistinnen und zwei Konzertflügel - mehr braucht es nicht für anspruchsvolle Unterhaltung. Doch was Anne Folger und Jennifer Rüth den beiden Instrumenten auf spielerische Weise entlocken, ist viel viel mehr als es Pianisten üblicherweise tun. Mit sprühendem Witz und einem Hang zur Selbstironie schaffen sie ein Klavierkonzert, das Jung und Alt gleichermaßen begeistert und dem angestaubten Image klassischer Klavierkonzerte einen neuen Anstrich gibt. Nicht auf, sondern mit den Instrumenten agieren sie virtuos. Sie entlocken den Flügeln Töne, von denen man nicht einmal ahnt, dass es sie gibt.

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR 28. Dezember Jazzclub Cave 61 Sir Waldo Funk Circus Der legendäre, international bekannte Saxophonist Sir Waldo Weathers, 15 Jahre Bandmitglied von Soulgott James Brown, kommt mit seinem 7-köpfigen Funk Circus! 1985 wurde er als erster schwarzer Sax-Player Mitglied der Country Music Hall of Fame! Der »Pope of Funk«, so der Spitzname von Sir Waldo Weathers, gründete zusammen mit seinem Partner und Freund Alvin Mills seine erste eigene Band in Deutschland – den Funk Circus. Hier wird Funk & Soul auf der Bühne zelebriert, gepaart mit purer Spielfreude! 31. Dezember ist es der Zeitraum, in dem Odette ihre menschliche Gestalt wiedererlangt. Die Zeit also, in der sich das Drama um die Liebenden Siegfried und Odette abspielt, deren Beziehung von Rotbart und Odile überschattet wird. Die tragische Leidenschaft, die dieses Stück zum Synonym für Ballett an sich gemacht hat, ist für Stephan Thoss Angelpunkt seiner Neufassung. Sein Interesse gilt dem emotionalen Beziehungsgeflecht der vier Protagonisten und den Täuschungen und Enttäuschungen, die sie in der Liebe erfahren. 5. Januar Ebene 3 im Kulturforum K3 Tango Argentino Tanzabend Bukowski HNX ALLSTARS - BÄNG BOOM, BASH 2014 Die letzten werden die ersten sein? Kann an Silvester klappen, wenn man auf den letzten Drücker im alten Jahr einen noch leeren Club betritt, wird im Buko aber verdammt unwahrscheinlich werden. Denn die letzten Jahre haben gezeigt: Auch in der Nacht der Nächte fängt hier der frühe Vogel den Wurm – und viele Nachzügler bleiben schlichtweg draußen, oder warten sehr, sehr lang! Weil’s hier nicht um den maximalen Profit, sondern um den maximalen Spaß geht, gilt auch heute: Freier Eintritt bis 01:00 Uhr, und da ist schnell sein angesagt. Trotzdem fahren wir auf zwei Floors ein Riesen-Line-Up auf, um das neue Jahr auf ’s Lauteste zu begrüßen...! Fingerfood gibt’s obendrein, so dass wirklich gar nichts mehr gegen frühes Kommen spricht...Happy new year! 4. Januar Tango ist Sehnsucht, Geheimnis, Leidenschaft und Erotik. Wer vom Tango einmal berührt ist, der wird infiziert sein und der Sucht dieses Tanzes nachgeben müssen. Wer selbst nicht tanzen mag, kann bei einem gemütlichen Glas Wein auch einfach nur zuhören und zuschauen, wie andere Tango tanzen. Zuschauer und Mittänzer sind herzlich eingeladen! 5. Januar Harmonie, Theodor-Heuss-Saal Württ. Kammerorchester: Neujahrskonzert 2014 Das WKO begrüßt das neue Jahr mit Leidenschaft. Auf dem Programm, zusammengestellt von Chefdirigent Ruben Gazarian, stehen majestätische Klänge von Ohrwurmqualität in Tschaikowskys erstem Klavierkonzert, Melancholie und ganz großes Gefühl in seiner 4. Sinfonie und heiter beschwingte Tanzrhythmen in Alexander Borodins »Polowetzer Tänzen«. Solist am Klavier ist Alexander Markovich. 10. Januar Theater Heilbronn, Großes Haus Zwischen Mitternacht und Morgen: Schwanensee - Ballett von Stephan Thoss. Gastspiel des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden Wer an Ballett denkt, denkt an »Schwanensee«. Dabei war dem Stück anlässlich seiner Uraufführung 1877 in Moskau zunächst kein Erfolg beschieden. Erst in der Choreografie von Marius Petipa und Lew Iwanow in St. Petersburg wurde 1895 »Schwanensee« zu dem, was es heute ist: Der Tanzklassiker schlechthin – und ein historisches Erbe, das Choreografen immer wieder zu Stellungnahmen auffordert. Zwischen Mitternacht und Morgen – das ist die Zeit, in der der Mensch sich selbst begegnet, seinen Ängsten, Hoffnungen und Träumen. In Tschaikowskys Ballettvorlage Buchhandlung Dichtung & Wahrheit Literatur live: Dantes »Göttliche Komödie« Die »Göttliche Komödie« ist das Hauptwerk des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265 - 1321) und gilt als eines der größten Werke der Weltliteratur. In einer großen Vision schildert die »Divina Commedia« die Reise durch drei jenseitige Reiche: Hölle, Fegefeuer und Paradies – Ein Mensch als verlorener Reisender, auf der Suche nach dem richtigen Weg… Die Schauspielerin Kathrin Becker wird an drei Abenden Dantes Epos lesen, ein großer Text über »die letzten Dinge« - die wir nicht wissen, damals so wenig wie heute.

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR 10. Januar 18. Januar Ebene 3 im Kulturforum K3 Improtheater »Ohne Gewähr« Kulturkeller Thomas C. Breuer »Kabarett Sauvignon« Wie aufregend, rührend und witzig kann Theater sein? Und vor allem: wie spontan? Wenn es sich um Improvisationstheater handelt, dann kann die Antwort nur lauten: Ziemlich! Gespielt und gesungen werden Szenen nach den Vorgaben der Zuschauer. Die setzt das Improtheater ohne jede Vorbereitungszeit und mit viel Lust am Fantasieren um; daraus können Romanzen, satirische Szenen, Gruselgeschichten, Märchen oder sogar ganze Romane erwachsen. 15. Januar Eine Fahrt ins Blaue zwischen Vollernter und Leergut, zwischen Schöngeist und Flaschengeist, über www – Weinherrlichkeit, Weinehrlichkeit und Weinerlichkeit (letzteres eingeschränkt). Breuer unternimmt auch Streifzüge in benachbarte alkoholische Regionen – alles muss Rausch! – und leuchtet das Verhältnis zwischen Alkohol, Politik und Kirche neu aus. Stellenweise mit Liedern, sicher aber mit Trost, Geselligkeit, Nächstenliebe (in vino caritas) sowie – nicht zu vergessen – Gesundheit (in vino sanitas). Gedankenbeschwipst amüsiert, genießt der Besucher ein Programm zum Wohlsein. 24. Januar Ebene 3 im Kulturforum K3 Blues Session Unter der Leitung von Bernd Schwarz treffen sich regionale Musiker um modernen und traditionellen Blues zu spielen. 16. Januar Theaterschiff Heisse Zeiten - Wechseljahre Revue Theater Heilbronn, Komödienhaus Endlich Alloi! - Schwäbische Komödie von Lawrence Roman und Stefanie Stroebele. Gastspiel der Komödie im Marquardt »Endlich alloi!« jubeln Leni und Georg Schaffer, als mit Benjamin der letzte ihrer drei Söhne das elterliche Haus verlässt. Nun wollen sie endlich ihr eigenes Leben wieder aufnehmen und alles nachholen, was sie in den letzten dreißig Jahren versäumt haben. Doch die Freude währt nur kurz, denn einer nach dem anderen kommen die Söhne wieder ins vertraute Nest zurück: zuerst Michael, der Älteste, der seinen Job als Mathematiker gekündigt hat, danach Florian, der von seiner Frau vor die Tür gesetzt wurde, und schließlich Benjamin, den die pure Bequemlichkeit zurücktreibt. Des derf doch net wohr sei! Als dann auch noch die quirlige Jessi, Benjamins Freundin, erscheint und um Unterkunft bittet, ist im Hause Schaffer mehr los als je zuvor. Streit, Lärm und Unordnung machen Leni und Georg das Leben schwer, und bald liegen die Nerven blank. Jetzt langt’s! Georg beschließt, ein für alle Mal durchzugreifen, doch das ist leichter gesagt als getan ... Eine witzige, ironische Komödie um Generationenkonflikte – mitten aus dem Leben gegriffen und mit hohem Wiedererkennungswert für Väter, Mütter, Söhne und Töchter. Am Flughafen treffen vier Frauen aufeinander, die zwei Dinge gemeinsam haben: Ihr Flieger verspätet sich und sie befinden sich in den Wechseljahren, bzw. zumindest kurz davor. Die Heldinnen aus den Quotenschlagern »Sex and the City« und »Desperate Housewives« können einpacken, wenn diese vier Damen die Bühne betreten. »Heiße Zeiten« ist ein komödiantisches und musikalisches Feuerwerk. Von der Schnulze über Popsongs und Klassiker der Discowelle bis hin zu Jazz-Standards – alle in einer deutschen Versiondieser »Klimakteriumskracher« lässt kein Auge trocken. 24. Januar Ebene 3 im Kulturforum K3 Nils Gessinger Band Zum Abschluß seines 40-jährigen Bühnenjubiläums gibt Nils Gessinger nochmals richtig Gas: Gemeinsam mit seiner Band tourt er letztmalig quer durch Deutschland. Musikfreunde von Soul, Jazz & Funk dürfen sich schon jetzt auf eine musikalische Tour der ganz besonderen Art freuen. Denn spätestens dann, wenn der Hamburger Tastenakrobat mit seinem Fender Rhodes leidenschaftlich musikalische Gipfel stürmt, wird getanzt und gegroovt, dass die Funken sprühen! Bis heute ist Nils Gessinger der einzige deutsche Musiker mit einem Labelvertrag bei GRP/ Universal. 1995 veröffentlichte er dort seine ersten beiden CDs »Ducks 'n' Coockies« und »Scratch Blue«. Für seine Tour hat der leidenschaftliche Pianist & Biker nicht nur einen Mix aus den beiden GRP/ Universal-CDs im Gepäck, son-

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VER ANSTALTUNGEN: DEZEMBER/ JANUAR dern natürlich auch die schönsten Songs seiner gesamten Eigenproduktionen sowie »Pass-ion«, seine musikalische Hommage an die Bergwelt. 25. Januar 31. Januar Theater Heilbronn, Großes Haus Hello, Dolly! - Musikalische Komödie von Jerry Theater Heilbronn, Großes Haus Enron - Schauspiel von Lucy Prebble Dieser Megakonzern war der Liebling der Wallstreet, der Wirtschaftspresse und der amerikanischen Volkswirtschaftsprofessoren: Enron – sechsmal in Folge vom Wirtschaftsmagazin »Fortune« zum Innovativsten Unternehmen der Welt gewählt und 1996 auf einen Börsenwert von 50 Milliarden Dollar geschätzt. 2001 war es unter einem milliardenschweren Schuldenberg zusammengebrochen, der Wert der Aktie von 90 Dollar auf wenige Cents geschmolzen. Der Erfolg des Konzerns war nichts anderes als eine Seifenblase – beruhte allein auf systematischem Bilanzbetrug. 4000 Mitarbeiter verloren ihren Job und alle Beschäftigten ihre milliardenschweren Ansprüche aus der Pensionskasse. Die Köpfe des Unternehmens hingegen verkauften mit ihrem Insiderwissen noch kurz vor der Pleite ihre Aktien und schaufelten Milliarden auf ihre Privatkonten. Eine Geschichte, wie sie der Kapitalismus in seiner gierigsten Form schreibt: Enron galt als Inbegriff von Wirtschaftskriminalität und unternehmerischer Arroganz und war nicht zuletzt deshalb so brisant, weil Unternehmenschef Ken Lay ein Förderer und Freund von George W. Bush war. 25. Januar und Michael Stewart Gastspiel der Staatsoperette Dresden. Der etwas eigenbrötlerische, aber wohlhabende Kaufmann Horace Vandergelder hat sich entschlossen, seiner Einsamkeit ein Ende zu bereiten und zu heiraten. Zu diesem Zweck engagiert er die verwitwete, lebenslustige Heiratsvermittlerin Dolly Levi. Doch seit einiger Zeit fehlt auch ihr ein Partner, mit dem sie ihre Zukunft verbringen will. Und so setzt sie alles daran, den schwierigen Kunden Vandergelder davon zu überzeugen, dass keine andere als sie die Richtige für ihn sei. Die zahllosen Verwicklungen, die Vandergelder und die anderen Figuren der Geschichte erleben, sind ebenso spannend wie dramatisch. Aber selbstverständlich enden sie in einem grandiosen Happy End, wie es sich für ein Musical gehört. Jerry Herman gehört zu den erfolgreichsten Musicalkomponisten überhaupt. »Hello, Dolly!« aus dem Jahr 1964 ist sein größter Triumph. Neben einer spannenden Story verfügt es über mitreißende Musik mit einer Reihe von Hits wie den Titelsong »Hello, Dolly!«. Herman 31. Januar Theater Heilbronn, Komödienhaus Jan Weiler »Mein neues Leben als Mensch« Intersport Veranstaltungscenter redblue redblue meets Klassik: »Great Horn« mit Carlo Torlontano Das imposante, bis zu sieben Meter lange Alphorn ist eine wahre Augenweide und signalisiert dem Zuschauer und -hörer sofort Bergidylle und tourismusfreundliche Folklore. Das Instrument aber kann mehr: Längst haben Komponisten entdeckt, dass das Alphorn ganz wunderbar im Mittelpunkt eines Konzertes stehen kann - nicht als Exot, sondern als Soloinstrument für starke Musik. Jan Weilers Bühnenprogramm enthält die besten Kolumnen der wöchentlichen »Welt am Sonntag«-Serie »Mein Leben als Mensch«. Da das Personal von »Mein Leben als Mensch« identisch ist mit jenem der Bestseller »Maria, ihm schmeckt’s nicht« und »Antonio im Wunderland« gibt es also auch neue Geschichten über den italienischen Gastarbeiter Antonio Marcipane. 2003 entstand aus einer Kurzgeschichte im SZ-Magazin sein erster Roman "Maria, ihm schmeckt’s nicht«. Das Buch gilt als das erfolgreichste deutsche Romandebüt der letzten zwanzig Jahre. 2005 folgte die Fortsetzung »Antonio im Wunderland«. Seine Bücher gibt es komischerweise nicht auf Italienisch, wohl aber auf Koreanisch.

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